77  

Karlsruhe Entschieden: Gemeinderat macht Weg für Lüpertz-Kunst frei

Soll die Schöpfungsgeschichte die künftigen unterirdischen Haltestellen in Karlsruhe zieren? Über diese Idee des Künstlers Markus Lüpertz wird in der Fächerstadt seit einiger Zeit gestritten. Jetzt hat der Karlsruher Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause entschieden: Der Weg für die Lüpertz-Installationen ist grundsätzlich frei.

Eine künstlerische Umsetzung der Schöpfungsgeschichte spaltet seit Wochen die Fächerstadt. Auslöser der Diskussion: ein Vorschlag des Karlsruher Künstlers Markus Lüpertz zur Teilgestaltung der zukünftigen unterirdischen Haltestellen. Sein Konzept "Genesis - die sieben Tage des Herrn" sieht vor, pro Bahnsteig auf Flächen von zwei Metern Höhe und 4,30 Metern Breite mit Keramik der Majolika nach der Schöpfungsgeschichte zu gestalten. Insgesamt 14 Kunstwerke, so der Plan, sollen dann für eine Dauer von sechs Jahren in den unterirdischen Haltestellen gezeigt werden. 

Stadt will keine Mittel zur Verfügung stellen 

Ein künstlerisches Gestaltungskonzept für die Haltestellen existiert bereits seit einigen Jahren. Grundsätzlich ist eine solche Teilgestaltung darin nicht ausgeschlossen. Das Architekturkonzept für die unterirdischen Haltestellen aus dem Jahr 2005 wurde bewusst offen gehalten, sodass eine Ergänzung möglich ist - solange sie mit dem bestehenden Architekturkonzept harmoniert.

Und nun steht die Entscheidung fest: Mit mehrheitlicher Zustimmung (28 Ja- und 17 Nein-Stimmen), macht der Karlsruher Gemeinderat den Weg für die Ideen des weltbekannten Künstlers Lüpertz frei - zumindest grundsätzlich. Denn die Stadt stellt für eine solche Teilgestaltung Bedingungen: So sind die Installationen nur temporär angelegt, sie sollen also nicht dauerhaft im öffentlichen Raum ausgestellt werden. Zudem muss die Finanzierung für "Genesis - die sieben Tage des Herrn" vollständig von privaten Geldgebern getragen werden. 

Rund eine Millionen Euro wird das Vorhaben vermutlich kosten. Nach Aussage des Initiators und ehemaligen Majolika-Chefs Anton Goll hat er mit 600.000 Euro schon über die Hälfte der benötigten Gelder zusammen. Die Stadt will keine keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Sollte die private Initiative die notwendigen Sponsorengelder nicht zusammenbekommen, will die Stadt keine Unterstützung leisten. 

VBK müssen auf 180.000 Euro Werbeeinnahmen verzichten

Der Platz, an dem die "Genesis"-Flächen geplant sind, war eigentlich für Werbetafeln der Verkehrsbetriebe vorgesehen. Mit der Entscheidung des Gemeinderats müssten die VBK auf die Werbeeinnahmen in Höhe von 30.000 Euro jährlich für die kommenden sechs Jahre verzichten. Eine Summe, die Oberbürgermeister Frank Mentrup für verkraftbar hält. Der Verlust soll nach Beschlussvorlage der Stadt "durch eine optimale Vermarktung der Werbemöglichkeiten in den unterirdischen Haltestellen kompensiert werden". 

Sowohl der Aufsichtsrat der VBK als auch der Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig) hatten vor der Abstimmung im Gemeinderat in ihren Sitzungen über den Vorschlag diskutiert. Die VBK hatten nach Aussage der Stadt dabei Zustimmung zum temporären Wegfall ihrer Werbeeinnahmen gegeben.

Auch an die Karlsruher Kunstkommission wurde das Thema im Vorfeld herangetragen. Wie Oberbürgermeister Frank Mentrup in der Gemeinderatssitzung erklärt, hätte sich diese sehr kritisch zu dem Vorschlag geäußert, da der Vorgang nicht transparent gewesen sei, die Finanzierung ungeklärt sei und auch noch nicht feststehe, was eigentlich mit den Kunstwerken nach den sechs Jahren passiere. Die Kommission gab allerdings vor der Sitzung des Gemeinderats keine offizielle Empfehlung ab.   

Vorschlag spaltet Karlsruhe in zwei Lager

In der Fächerstadt traf die Idee Lüpertz' im Vorfeld auf geteiltes Echo. Befürworter des Projekts, darunter auch Karlsruher Stadträte, sehen in dem Vorschlag Lüpertz' eine einmalige Chance für die Fächerstadt. Initiator Goll verspricht sich von der Installation Werbekontakte in Millionenhöhe. 

Im Vorfeld hatten sich allerdings auch Gegner, darunter ebenfalls Stadträte, zu Wort gemeldet. Unter anderem hatten sich Künstler und Kulturschaffende zur Gruppe "Aktion Anti-Lüpertz" (externer Link) zusammengeschlossen. Auch Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM), meldete sich im Vorfeld der Gemeinderatssitzung zu Wort. Er sieht nach eigener Aussage wegen einer fehlenden Ausschreibung nicht nur demokratische Spielregeln in Gefahr, sondern wandte sich auch gegen den religiösen Charakter des geplanten Kunstwerks.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet. 

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (77)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   DS-Red
    (1 Beiträge)

    23.08.2017 10:24 Uhr
    Und Gott steigt hinab
    Karlsruhe halt.
    https://druckschrift-ka.de/und-gott-stieg-hinab/
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (765 Beiträge)

    27.07.2017 23:12 Uhr
    Macht was zum Thema Islam,
    was glaubt ihr wie vehement die Rot-Grünen dann Steuergelder fordern. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kruppstahl
    (870 Beiträge)

    27.07.2017 17:44 Uhr
    Am sechsten Tage schuf Gott Mann und Frau.
    Er betrachtete sein Werk und sprach zu ihr: Nun gut, du mußt dich eben schminken.

    Ich bin mal gespannt, wie der tolle Künstler das umsetzen wird. grinsen grinsen grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    27.07.2017 16:36 Uhr
    Also
    bezahlen die Karlsruher doch einen gehörigen Teil diese "Geschenks" an dem einige verdienen und Sponsoren
    die Gelder abschreiben. In dieser Stadt wird hin und her gerechnet als gäbe es keinen Lehrstuhl für Mathematik.
    Die kleinst U-Bahn der Welt, Theater, jeweils Faktor 3. Man fühlt sich immer wieder für dumm verkauft in dieser Stadt und fürchtet ahnungslose Repäsentanten, die die Stadt unter sich geradezu aufteilen machen was sie wollen. Wem gehört dann eigentlich diese unterirdische Kunst nach sechs Jahren ? Jedenfalls sind die Vermarktungsverluste nach sechs Jahren eher mit ca. 1 Million zu beziffern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    27.07.2017 16:32 Uhr
    Käuflein
    als designierter Kulturmeister und Mitarbeiter der kathol. Kirche bringt es auf den Punkt: "Wir entscheiden, ob wir es annehmen wollen oder nicht." Das sind die Vorteile einer repäsentativen Demokratie, wenn die Kreuzchen mal gemacht sind ist es egal, was die Bürger möchten. SPD Frau Ernemann beschwört die Karlsruher Wurzeln des Malergenies, von denen man in überreg. Presse aber nie etwas erfährt. SPD Baubürgermeisterin Salisch hatte das Millionengeschenk des Anwesens an der Hildapromenade an den Malerfürsten eingefädelt. Der Preis, zwei gräßliche Stele vor dem Staatstheater. Eine Kunstschande im öffentlichen Raum. Dass eine Kunstkomödie die Bürger nichts kosten soll ist blanker Hohn, denn permanent verlustige Nahverkehr hat Vermarktungsverluste der Flächen von angeblich 6x30.000.-. Macht bei 14 Flächen/Monat ca. 178.- pro Fläche. Das soll wohl ein dreister Witz sein für den Erlös einer hochfrequentierten Werbefläche. Diese Flächen erwirtschaften normalerweise ein Vielfaches.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Peacemaker
    (352 Beiträge)

    26.07.2017 20:51 Uhr
    Was genau stört denn daran,
    das Lüpertz und die Majolika kostenneutral die UStrabstationen verschönern?

    Zu teuer? Kosten den klammen Bürger nichts.

    Verlorene Werbeeinnahmen? Unfug, da gibts genug Fläche für Werbung. Davon abgesehen muss man nicht jeden Quadratzentimeter kommerzialisieren umd kann auch ein bisschen Raum für Kunst einräumen.

    Das Thema, die Schöpfungsgeschichte ist ein Glaubensbekenntnis einer unerwünschten Religion? Das wenige religiöse an diesem Thema ist bereits transzendiert, soll heißen, der Bedeutung des religiösen Glaubensbekenntnises entwachsen. Kein Mesch regt sich über die Pyramiden als Kultivierung eines religiöses Bekenntnisses auf, wenn ich das als Analogie anführen darf.

    Lüpertzkunst ist hässlich und die Majolika produziert Kitschkunst auf Viertklässlerniveau? Ja, kann man so sehen. Oder eben auch anders. Geschmackssache. Aber deswegen, zumal zeitlich begrenzt, so einen Zinnober zu veranstalten ist wiederum Viertklässlerniveau.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ralf
    (3596 Beiträge)

    27.07.2017 22:33 Uhr
    Werbeplätze
    Weniger Platz bedeutet weniger Werbung. In Zeiten, in denen der Nachtverkehr abgeschafft wurde wundert es mich etwas, dass man für so etwas kostbaren Platz zur Verfügung stellt. Dabei ist fraglich, ob diese Kunstwerke die Touristenmassen aus der Republik in die Stadt locken, zudem der religiöse Charakter zweifelhaft.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   peddersenn
    (980 Beiträge)

    27.07.2017 08:18 Uhr
    Das ist unrichtig.
    Hauptkritikpunkt ist doch das Procedere - die Art und Weise, wie diese "Lösung" zustandekam - und nicht die Frage, ob einem L. oder Majolika gefällt. Das kommt erst an zweiter Stelle. Steht so im Artikel - und in vielen Kommentaren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2426 Beiträge)

    27.07.2017 06:43 Uhr
    vor kurzem
    saß ich in der Bahn neben einer jungen Frau, die mit ihrem Freund telefoniert hat. Sie kam gerade von einem Vortrag, von dem sie regelrecht euphorisiert war: der menschliche Körer sei so komplex, das könne kein Zufall sein, habe sie gelernt. Das mus jemand gemacht haben. Und mit Axel E. Fischer von der CDU sitzt ein Kreationismusbefürworter im Bundestag. Also, transzendiert ist anders.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Peacemaker
    (352 Beiträge)

    27.07.2017 19:31 Uhr
    Einige wenige Spinner
    ändern nichts an dem gesellschaftlichem Grundberständnis.

    Die biblische Schöpfungsgeschichte nimmt doch kein ernst zu nehmender Mensch für bare Münze.

    Das ist eher eine Reflexion der kulturellen Entwicklung in Europa.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 (8 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben