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Karlsruhe Einzelhändler ärgern sich über Mega-Baustelle Karlstor: "Eine wichtige Arterie der Stadt ist verstopft!"

Die Karlsruher Einzelhändler an der Karlstraße sind empört: Ab April soll quasi direkt vor ihrer Haustür eine weitere Baustelle der Kombilösung Einzug halten und den Bahn- und Autoverkehr rund ums Karlstor lahmlegen. Die Befürchtung: Die Kunden bleiben aus. Ihre Forderung: Die Stadt soll etwas dagegen unternehmen.

Langsam aber sicher bewegten sich die Bagger immer weiter in Richtung Westen, direkt auf das Karlstor zu - nun hat der Bau des unterirdischen Autotunnels die Kreuzung südlich des Europaplatzes nahezu völlig in Beschlag genommen: Seit Ende Januar kommen Autofahrer nur noch über einen "Wender" genannten Umweg von Norden nach Süden über das Karlstor, ab dem 1. April wandert die Sperrung auf die Gegenfahrbahn.

Karlstor, Blickrichtung entlang der Karlsstraße.
Die Kombilösung hat nun das Karlstor erreicht. Der Bahnverkehr in der Karlstraße (Nord-Süd-Richtung) wird im Zuge dessen zeitweise eingestellt werden. | Bild: Carmele/ TMC-Fotografie

Ab dem 20. April steht bis voraussichtlich September auch der Schienenverkehr über die Kreuzung und in der Karlstraße still, danach sollen die Bahnen - wie zuvor schon am Mendelssohnplatz - über Hilfsbrücken rollen. Mitte nächsten Jahres folgt die zweite Sperrung der Gleise, bevor die Pendler Ende 2021 endlich über die neue Kreuzung Karlstor fahren können.

Der Bahnverkehr in der Karlstraße wird in den kommenden Monaten eingestellt werden. | Bild: Hammer Photographie

"Wir hoffen, dass wir über die Krise hinwegkommen"

Was zunächst nur Radler, Autofahrer und Fußgänger zu spüren bekommen haben, macht nun aber zunehmend auch den Einzelhändlern in der Karlstraße und der Südlichen Waldstraße Sorgen. Einer von ihnen ist Bernd Reif, Inhaber eines Modegeschäfts auf der Karlstraße, in direkter Angrenzung zur Baustelle am Karlstor.

Boutique-Besitzer Bernd Reif. | Bild: Hammer Photographie

Die anstehenden Sperrungen machen ihm Angst, wie er im Gespräch mit ka-news.de erklärt. "Weil wir nicht hundertprozentig wissen, wie die Verkehrsführung aussehen wird." Auch seine Kunden hätten schon Bedenken geäußert.

Bernd Reif hat sein Modegeschäft in direkter Nähe zum Karlstor in der Karlstraße. | Bild: Melissa Betsch

Reif befürchtet Umsatzeinbußen - wie hoch genau, könne er aber noch nicht abschätzen. "Wir hoffen, dass wir über die Krise hinwegkommen werden, aber die Verkehrsführung schreckt einfach viele ab", sagt er im Interview.

Das ganze Interview mit Bernd Reif im Video:

"Baustellenführung ist gefährlich"

Kritik an den anstehenden Baumaßnahmen erhebt auch Marc Ephraim, Boutique-Besitzer in der benachbarten Südlichen Waldstraße und 1. Vorsitzender der Freien Wähler (FW) Karlsruhe.

Marc Ephraim führt ein Modegeschäft in der Südlichen Waldstraße. | Bild: Hammer Photographie

 "Gerade Schüler und ältere Menschen sind durch die Baustellenführung im Kreuzungsbereich extrem gefährdet. Hier besteht definitiv noch Nachholbedarf seitens der Stadt", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

Schlechte Kommunikationspolitik: Kritik an Stadt

Insgesamt ist Ephraim von der Kommunikationspolitik des Rathauses und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), also der Bauherrin der Kombilösung, enttäuscht. "Bis Ende Januar ist diesbezüglich nichts passiert."

Und weiter: "Es gab keine direkte Ansprache an die Bürger, obwohl wir das gegenüber der Ersten Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz mehrmals angesprochen haben", sagt der FW-Vorsitzende im ka-news.de-Interview. Die Stadt müsse ihre Planungen daher noch einmal genauer und vor allem rechtzeitiger kommunizieren. 

Das ganze Interview mit Marc Ephraim im Video:

"Wir müssen uns schon sehr anstrengen, um das auszugleichen"

Denn, so fürchtet Marc Ephraim: Ohne transparente Planung und attraktive Verkehrsführung bleiben potentielle Kunden fern - und schnell sähen sich die Einzelhändler rund um die Karlstraße mit Existenzängsten konfrontiert.

"Es ist fast so, dass damit eine wichtige Arterie der Stadt verstopft ist. Wir sind schließlich von den Menschen abhängig, die mit dem Auto zu uns kommen - aber die Fahrt sollte kein Hindernislauf sein", so der Geschäftsführer eines Modegeschäfts im Gespräch mit ka-news.de.

Fahrräder, Autos, Bahnen - auf der Karlstor-Kreuzung muss der Verkehr aktuell etwas enger zusammenrücken. | Bild: Hammer Photographie

"Aber es ist ein Teufelskreis: Wenn die Karlsruher nicht herkommen, kommen die Leute aus dem Umland erst recht nicht in die Stadt!", ergänzt er. Karlsruhe Ruf als Baustellenstadt, findet Ephraim bedenklich. Zusammen mit den Interessensgemeinschaften Südliche Waldstraße und Karlstraße will er sich dafür stark machen, "dass die Menschen sich hier willkommen und wohl fühlen".

"Wir müssen uns schon sehr anstrengen, um das auszugleichen", sagt auch Galeriebesitzer und Mitglied der Interessensgemeinschaft Südliche Waldstraße, Joachim Elwert. "Wir veranstalten zwar Feste und Aktionen, haben aber trotzdem Angst, dass die Menschen zu verunsichert sind und fernbleiben."

Joachim Elwert hat eine Kunstgalerie in der Südlichen Waldstraße. | Bild: Hammer Photographie

Kasig kann Kritik nicht verstehen

Dass das Karlstor eine "belebte Kreuzung und die Lösung nicht optimal ist", weiß auch Kasig-Sprecher Achim Winkel. Er hat vollstes Verständnis für die Sorgen der Händler: "Wir wollen ja nicht, dass jemand deswegen sein Geschäft schließen muss." Aber: "Der aufkommenden Kritik bezüglich fehlender Kommunikation möchte ich mich entschieden entgegenstellen!", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

So hätten bereits zwei Informationsveranstaltungen im November und Dezember zur anstehenden Baustelle stattgefunden. "Es gab einen angeregten Austausch mit Händlern und Dienstleistern, alle Maßnahmen wurden kommuniziert, begründet und konnten eingesehen werden", erklärt Winkel gegenüber ka-news.de.

Achim Winkel, Sprecher der Karlsruher Schienen-Infrastrukturgesellschaft (Kasig)
Achim Winkel, Sprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig). | Bild: Tim Carmele

Unter den aktuellen Umständen sei die vorgestellte Lösung nach Ansicht des Kasig-Sprechers der beste Kompromiss. Aufforderungen zu Entschädigungszahlungen für eventuelle Umsatzeinbußen seien bisher noch keine eingegangen, einreichen können unabhängige Einzelhändler diese allerdings jederzeit online. Auch ein Vorschuss sei dabei möglich.

"Vielleicht verläuft die Baustellenzeit auch ganz reibungslos, das wäre umso schöner"

Wirklich zufrieden ist Marc Ephraim mit der bisherigen Situation aber noch nicht. "Nach zehn Jahren Baustelle sollte man da doch mehr Erfahrung haben, aber die Realität zeigt, dass hier noch einiges getan werden muss", sagt er, ergänzt aber: "Wir blicken trotz allem hoffnungsvoll in die neue Saison."

Marc Ephraim, Bernd Reif und Joachim Elwert (v. l.) kritisieren die Baustellen und Sperrungen am Karlstor. | Bild: Hammer Photographie

Und wer weiß: "Vielleicht verläuft die Baustellenzeit auch ganz reibungslos, das wäre natürlich umso schöner", so Ephraim im Gespräch mit ka-news.de, "wir müssen eben nur dafür sorgen, dass es nicht noch schlimmer wird, als es jetzt schon ist."

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  •   SunCityKA
    (31 Beiträge)

    18.02.2020 11:53 Uhr
    City verschönt - Einzelhandel tot
    Seien wir doch mal froh, dass es in Karlsruhe überhaupt noch private, inhabergeführte Einzelhändler gibt, die überraschenderweise sogar (noch) einigermaßen erfolgreich bestehen. Die können nämlich nicht einfach wie die weltweit bekannten Ketten mal so locker quersubventionieren oder wie andere öffentlich finanzierte Amtsträger Schlaumeiereien verbreiten. Die müssen wirklich richtig gut sein. Das Geplapper von angeblich gewünschten „Drive-in-Parkplätzen“ zeugt von profunder Unkenntnis. Wo gibt’s sowas überhaupt? Menschen kommen – zum Glück noch – auch von außerhalb in die Stadt; und das ist nicht für alle mit dem ÖPNV möglich. Nicht jeder ist öffentlich Beschäftigt und bekommt seinen Gehaltsscheck so oder so. „Tipps“, man möge sein Ladengeschäft einfach kurzfristig verlegen sind der Debatte nicht wert. Hier kämpfen Menschen damit, ihren persönlichen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Situation ist nach über einem Jahrzehnt Baustellenstadt sicher alles andere als einfach für den Handel.
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  •   Freigeist1
    (891 Beiträge)

    20.02.2020 20:12 Uhr
    Das mit "nicht möglich" ist aber ein Witz,
    oder? Die ich kenne, die von ausserhalb in die City fahren, das sind einfach bequeme, passionierte Autofahrer, die das schon immer so gemacht haben und den schönen SUV auch vorzeigen wollen. Viele stört zunächst jede Neuerung. Gibt aber es erst mal city-angepasste Parkgebühren und Beschränkungen zu Gunsten des stadtgerechten Verkehrs, so passen die sich im Nu an, keine Sorge. Hat in Strasbourg oder Groningen/NL auch geklappt. Hier reden wir von einer künftigen Premium-Fußgängerzone - besonders Waldstr.-Süd - die umso attraktiver werden wird, je stärker sich die ansässigen Händler damit identifizieren und dies als Chance auffassen, statt als Nachteil. Da gibt es viele sehr gute, nachahmenswerte Beispiele. Also: Bitte die Chance am Schopf packen, Neues wagen, statt Überkommenem hinterherzutrauern! Traut Euch, springt über Euren Schatten.
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  •   Freigeist1
    (891 Beiträge)

    17.02.2020 16:15 Uhr
    Die alte Leier: manche Händler
    vermuten, dass nur Autofahrer richtig gute Kunden seien. Dieser überkommene Ansatz ist vielfach durch Studien widerlegt. Die erfolgreichsten Lagen für Citygeschäfte sind stets in Fußgängerzonen. Die Geschäftsleute in der Karlstraße und Waldstrasse Süd (?) sollten sich am besten schon mal vorausschauend darauf einstellen, dass diese Strassen früher oder etwas später für Verbrenner und anderen MIV tabu sein werden. Dank der Kriegstraßen-Straba bekommen sie ja künftig ohne ihr Zutun und gratis weitere potentielle Kunden vor Ihre Geschäfte. Da sollten sie was draus machen! Komisch: An den Kosten Zusatzkunden durch ÖPNV-Ausbau in die City zu lotsen wollte sich bislang kein/e Geschäftsmann/frau beteiligen. Aber Jammern geht immer... alte Kaufmannweisheit. PS.: Am permaneten Falschparken in der Waldstrasse-Süd (Ostseite) zu Lasten der dort Einkaufenden stört sich anscheinend niemand - KOD, bitte übernehmen Sie!
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  •   dipfele
    (5710 Beiträge)

    17.02.2020 18:25 Uhr
    Das die Karlstrasse auch für Strabas....
    ….. für zweimal ein halbes Jahr voll gesperrt ist, interessiert niemanden.
    Vom Hbf kommt man nur über die Rüppurrerstr. in die City. 10 Minuten Umweg. Wer in die Heide will kann wahrscheinlich über die Mathy-Schillerstrasse das tun. Auch 10 Minuten Umweg. Ab Ende Juni kommt die Baustelle Yorkstrasse. Richtung Westen und Norden ist das vollkommene Chaos zu erwarten. Als in den 1960ern die jetzt abzubrechende Brücke gebaut worden war, gab es eine Umfahrung für die Straba. Ein Foto davvon war vor Wochen in den BNN.
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  •   andip
    (10133 Beiträge)

    18.02.2020 08:40 Uhr
    Ja und?
    Im letzten Sommer war das Mühlburger Tor wochenlang gesperrt und alle Bahnen fuhren Umleitungen und andere Strecken.
    Ist deswegen was zusammengebrochen?
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  •   janh
    (452 Beiträge)

    18.02.2020 13:11 Uhr
    Die Fahrgastzahlen der Verkehrsbetriebe
    haben jedenfalls auch 2018 den Sinkflug fortgesetzt. Für 2019 sollte man dann wohl weiterhin keine Wunder erwarten...
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  •   Waterman
    (6422 Beiträge)

    17.02.2020 20:10 Uhr
    Endzeitprophet
    Das ist ja alles nicht für ewig.

    Auch ein halbes Jahr geht vorbei und dann gibt es 3 Strecken vom HBF zur Kaiserstraße und eine neue Querverbindung in der Kriegsstraße.

    Hoffen wir doch lieber, dass die Platanen überleben.
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  •   dipfele
    (5710 Beiträge)

    22.02.2020 17:00 Uhr
    3 Strecken....
    ….. zur Kaiserstrasse? Wenn die Karlstrasse gesperrt ist, gibt es nur noch eine Strecke über die Rüppurrerstr. Und den Bus vom Hbf zum Marktplatz. Es geht aber um die Linien zur Heide, nach Daxlanden und nach Knielingen/ Siemens. Insgesamt sind zwischen HBF und Europaplatz 4 Linien blockiert auf der Karlstr. Alles andere als Kundenfreundlich.
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  •   maehdrescher
    (1285 Beiträge)

    17.02.2020 17:09 Uhr
    Fußgängerzonen
    sind nicht automatisch besser. Die Qualität des Angebots und das Ambiente muss stimmen! Bei Vermüllung und entsprechendem Publikum gibt es von den Kunden ganz schnell die rote Karte. Siehe z.B. östliche Kaiserstraße Richtung Kronenplatz.
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  •   Freigeist1
    (891 Beiträge)

    20.02.2020 20:03 Uhr
    Niemand hat behauptet, dass Fuzos "automatisch"
    besser seien. Es gibt genauso üble Fuzos wie üble Straßenzüge mit MIV. Hier reden wir aber von einer künftigen Premium-Fußgängerzone - besonders Waldstr.-Süd - die umso attraktiver werden wird, je stärker sich die ansässigen Händler damit identifizieren und dies als Chance auffassen, statt als Nachteil. Da gibt es viele sehr gute, nachahmenswerte Beispiele. Also: Bitte die Chance am Schopf packen, Neues wagen, statt Überkommenem hinterherzutrauern! Traut Euch, springt über Euren Schatten.
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