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Karlsruhe Die Bänke auf dem Marktplatz sollen aus Tropenholz sein: "Anderen Holzarten hätten schon viel früher vorgestellt werden müssen"

Märkte waren schon immer das Zentrum des Lebens in einer Stadt, so auch in Karlsruhe. Die gute Stube der Fächerstadt ist wegen der Baustelle allerdings schon seit Monaten kein Platz, der zum Aufenthalt einlädt. Nach dem Ende der Bauarbeiten sollen die Bürger wieder auf dem Platz verweilen - auf neuen Bänken und im Schein neuer Laternen. Sich auf die künftige Gestaltung zu einigen, war allerdings keine leichte Aufgabe. Auch am Tag der Abstimmung wurde noch ausführlich und teilweise auch hitzig über den neuen Look diskutiert.

Metallene Pflanzenkübel, bronzefarbene Mülleimer und Leuchten mit Doppelkopf - aber keine Bänke aus tropischem Holz. Der Marktplatz, wie ihn viele Karlsruher lange Jahre kannten, hat sich verändert und wird das auch in Zukunft tun. Denn nach dem Ende der Kombilösung erstrahlt er in neuem Glanz mit neuem Mobiliar und Beleuchtungskonzept. Bis dahin war es allerdings kein einfacher Weg, auch wenn die Stadträte nun dem lange geplanten Konzept zugestimmt haben.

Doch bis sie überhaupt abstimmen konnten, gab es nochmals eine emotionale Debatte im Bürgersaal, über eine Stunde haben die Gemeinderäte diskutiert - und sich am Ende für das vorgeschlagene Konzept entschieden. Zumindest teilweise, denn die Bänke aus dem umstrittenen Iroko-Holz, einer tropischen Holzart, wurden mit knapper Mehrheit abgelehnt. Die Suche nach einer neuen Sitzgelegenheit für den Marktplatz und die Kaiserstraße geht weiter, besser gesagt: Sie beginnt von vorne. Das sagen die Stadträte zu der Marktplatz-Möblierung:

Aljoscha Löffler, Grüne

"Wir hatten die Hoffnung, dass die Debatte nun sortierter und strukturierter ist, aber jetzt gibt es von uns zu jedem Möbelpunkt einen Antrag. Ich frage mich aber, ob wir zu jedem Element in diesem Gremium eine Entscheidung treffen müssen oder ob das nicht die Fachleute und Experten in den Ämtern machen können, um nicht ein Sammelsurium von Einzelelementen zu haben.

Aljoscha Löffler Grüne
Bild: Grüne Karlsruhe

Bei der Bank wurde ein Modell gewählt, mit der alle Bevölkerungsgruppen zurechtkommen. Das könnte man mit mobilen Elementen gut kombinieren. Die Sache mit der Bank ist unsere Entscheidungsgrundlage. Wir haben nach den Kriterien gefragt aber für diesen Banktyp gibt es nur dieses Iroko-Holz, wenn man Rubinie nehmen würde, wäre es ein anderer Banktyp. Wenn man heimische Hölzer nimmt, dann wird das trotzdem aus dem Baltikum angefahren."

Tilmann Pfannkuch, CDU

"Was ich gerade gehört habe, überrascht mich zutiefst. Wenn ich mich an den Planungsausschuss und die Aussagen der Grünen erinnere, dann ist das eine Kehrtwende von mehr als 180 Grad. Wir wollen einen neuen Vorschlag für die Bänke, denn es macht uns stutzig, dass dieser Typ nur mit diesem Holz funktioniert. Wir lassen uns so nicht einfangen, wenn es heißt 'Ihr bekommt den Banktyp nur mit diesem Holz.' Man muss zudem nach dem Stadtbild entscheiden, ob man die Bäume haben möchte.

Tilmann Pfannkuch
Tilmann Pfannkuch (CDU, Listenplatz 1). | Bild: CDU Karlsruhe

Ich bin nicht der Meinung, dass diese Lampen die einzigen sind. die es gibt, deswegen werden wir uns für die Glasleuchten entscheiden. Viele Stimmen sind laut geworden, dass die Doppelkopfleuchten auch auf einem Tennisplatz zu finden sind - und genauso viel Charme ausstrahlen, wenn man sie in unserer guten Stube aufstellt."

Michael Zeh, SPD

"Wir machen hier keine reine Fachentscheidung, denn diese Vorschläge sind das Ergebnis eines jahrelangen Wettbewerbs. Fünf Jahre hat der ehemalige Baubürgermeister verkündet, Hängeleuchten in der Kaiserstraße seien kein Problem. Jetzt müssen wir die Konsequenzen ziehen und die Hängebeleuchtung aufgeben und eine Mastbeleuchtung aufstellen.

Wir stimmen aber für die Leuchten mit dem Glasaufsatz, denn das ist einfach angenehmer und hat eine andere Wirkung als das weiße Licht der anderen Laternen. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass wir über Kaiserstraße noch weiter diskutieren werden, bis wir dann letztendlich zum Umbau kommen.

Michael Zeh
Michael Zeh | Bild: SPD Karlsruhe

Was die Begrünung des Marktplatzes betrifft, sind wir der Meinung, dass man den Marktplatz so wie geplant fertig bauen sollte. Man muss nämlich bedenken, wenn die Bäume kommen, haben die nur einen Kubikmeter Erde und es werden nur kleine Bäumchen - wenn man also die Begrünung mit weiteren temporärem Installationen ergänzen kann, sollte man das zuerst machen."

Tom Hoyem, FDP

"Der Marktplatz ist das Herzstück der Stadt, deswegen finde ich es sehr positiv, dass die Gestaltung so kontrovers diskutiert wird. Unser Marktplatz ist einzigartig. Wir stimmen allen Punkten zu - nicht weil wir folgsam sind, sondern weil wir den Hut ziehen vor der Arbeit der Verwaltung.

Kommunalwahl 2019 FDP
Tom Høyem | Bild: FDP Karlsruhe

Wegen der Holzbänke: Wir kennen nicht die Haltung der Mitarbeiter im Gartenbauamt dazu, aber bestimmt hatten sie einige schlaflose Nächte, aber Iroko ist das am besten geeignete Holz. Und es ist nicht verwerflich für ein Exportland, auch mal etwas zu importieren."

Rebecca Ansin, Die Partei

"Der Klimawandel trägt dazu bei, dass Karlsruhe immer tropischer wird. Daher begrüßen wir, dass wir uns dem immer weiter annähern wollen. Daher fordern wir Palmen auf dem Marktplatz zu pflanzen."

Kommunalwahl 2019 Die Partei
Rebecca Ansin | Bild: Die Partei Karlsruhe

Paul Schmidt, AfD

"Ich muss eine Frage vorab stellen: Sind Aschenbecher in die Mülleimer integriert? Die Kippen sollten ja nicht überall auf dem neuen Pflaster verteilt werden.

Paul Schmidt, AfD Karlsruhe
Bild: Paul Schmidt

Die Doppelleuchten gefallen uns gut, sie sind robust und können nicht mit einem Steinwurf gezielt zerstört werden. Was die Bänke angeht, hatten wir Probleme mit dem Tropenholz, aber wir wollen Banktyp eins beschließen, das ist aber nur mit dem Tropenholz möglich. Da sind wir bereit, dass das vorgeschlagene Holz verwendet werden muss, sonst müssen wir von vorne beginnen.

Die mobile Möblierung mit einzelnen Stühlen gefällt uns nicht, damit haben wir ein Problem, weil sie über kurz oder lang dort stehen wo man sie nicht erwartet - nämlich im Weg. Das führt zu größerer Unfallgefahr und außerdem könnte die Umgebung des Marktplatzes demoliert werden, deswegen lehnen wir das ab."

Mathilde Göttel, Die Linke

"Wir denken, dass die Leuchten mit dem Glasaufsatz aus gestalterischen Gründen problematisch sind, denn sie versperren den Blick auf die Gebäude dahinter. Die Laternen sollten der Beleuchtung dienen und nicht die Gebäude verdecken. Dass die Laternen im Mittelpunkt stehen, hat der Platz nämlich nicht nötig.

Mathilde Göttel, Die Linke
Bild: Linke Karlsruhe

In Punkto Begrünung hätte ich gerne alle Möglichkeiten auf dem Tisch gehabt, auch eine denkmalrechtliche Genehmigung."

Petra Lorenz, Freie Wähler

"Beim Marktplatz erhitzt sich nicht nur das Pflaster, sondern auch die Gemüter. Bei der Beleuchtung sollte klar die Wirkung und der Nutzen im Vordergrund stehen, wir wollen nicht Angsträume verstärken. Dass wir nun doch keine Hängeleuchten bekommen, bricht mir nicht das Herz, denn wenn die Leitungen der Bahn endlich weg sind, würden ja wieder Seile den Luftraum zerschneiden.

Freie Wähler Kommunalwahl 2019
Petra Lorenz | Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Bei den Bänken tue ich mich schwer, optisch und sitztechnisch sind sie gut, das Holz ist widerstandsfähig, das verstehe ich alles - aber sie stoßen auf großen Widerstand. Die Zertifizierung lasse ich mal so dahingestellt. Ich bedauere es, das nicht auch Bänke von anderen Herstellern mit anderen Holzarten im Vorfeld vorgestellt wurden.

Unseren Vorschlag mit den Photovoltaikbänken sehen wir als Ergänzung zur Möblierung. Wenn wir von Bürgern Solarzellen auf ihrem Dach erwarten, können wir uns dem nicht verwehren."

Lüppo Cramer, KAL

"Wir sind der Meinung, dass man einfach den Marktplatz als klassizistischen Platz behalten sollte wie er in der Vergangenheit war und keine Bäume fest einpflanze sollte - sondern temporär mit Kübeln arbeiten. Außerdem wäre ein Sonnensegel gut, temporär könnte im Sommer Rollrasen verlegt werden."

Kommunalwahl 2019 Karlsruher Liste
Lüppo Cramer | Bild: Karlsruher Liste

Oberbürgermeister Frank Mentrup

"Ich möchte darauf hinweisen, dass das, was wir vorgelegt haben, das Ergebnis einer bald zehnjährigen Planung ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Sie Ihre eigenen Vorstellungen umsetzen möchten und nicht den Fachleuten vertrauen. Ich denke nicht, dass Sie wissen, was die Bevölkerung will - ich weiß es auch nicht, aber mich spricht keiner darauf an, aber ich weiß, dass sich der Großteil der Bürger den Marktplatz als flexiblen Veranstaltungsort wünscht.

Ich weiß auch nicht, welchen Wunsch die Bevölkerung in der Mehrheit hat, aber diese Meinungen müssen sich Stück für Stück zusammensetzen. Wir müssen aber jetzt entscheiden, was im nächsten Jahr auf dem Marktplatz passiert."

Blick auf Bürgermeisterbank im Karlsruher Gemeinderat. | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

 

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  •   myopinions
    (1018 Beiträge)

    12.12.2019 14:45 Uhr
    ..................was für ein Theater wegen
    dieser Sitzbänke.

    Wenn ich mir Bilder vom zukünftigen Marktplatz anschaue, weiß ich ohnehin nicht, wer sich auf diesen Bänken in dieser ungemütlich wirkenden schattenlosen Steinwüste zum Verweilen niederderlassen sollte.

    Zu Recht hoffen die Karlsruher, dass es den gemütlichen und heimeligen Gutenbergplatz noch recht lange geben wird.
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  •   andip
    (9971 Beiträge)

    12.12.2019 15:54 Uhr
    Tja
    Das auf dem Marktplatz noch nie Bäume waren und der daher schon immer eine schattenlose Steinwüste war, sollte schon bekannt sein.
    Hat sich deshalb auch schon früher keiner auf dem Marktplatz aufgehalten?
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  •   andip
    (9971 Beiträge)

    12.12.2019 11:59 Uhr
    Meine Güte
    Gibt es diese Bänke nicht auch aus einem anderen Holz, dass den Stadträten genehmer ist?
    Meinetwegen auch von einem anderen Hersteller?
    Muss man deswegen jetzt ein Drama daraus machen und obendrein noch ein endloses bürokratisches Verfahren?
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  •   dipfele
    (5676 Beiträge)

    12.12.2019 12:32 Uhr
    Vor allem....
    ... weil eben diese Gemeinderäte bereits 2015 der Ausführungsplanung zugestimmt hatten, die sie jetzt in Frage stellen. Wenn Mentrup meint, der Rat solle mehr den städt. Fachleuten trauen, dann dürfte das nur bedingt stimmen, denn diese Fachleute werden nichts vorschlagen, was dem Dienstherren Mentrup nicht gefällt.
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  •   SunCityKA
    (22 Beiträge)

    12.12.2019 08:47 Uhr
    Uns geht's zu gut
    Da sollen ein paar Bänke aufgestellt werden, an die gibt es ein halt ein paar Anforderungen. Wegen so einer Petitesse wird so viel Schaum geschlagen? Die Welt und andere Städte schauen voller Neid auf Karlsruhe: Ist dies womöglich der magische Ort an dem Milch und Honig fließt und es keine anderen, echten Probleme gibt?! Irgendeiner wird immer was zu meckern haben. Der Gemeinderat ist gewählt, muss - und die meisten wollen vermutlich auch - entscheiden. Aber 10 Jahre? Echt jetzt? Hat das die Dimension einer Angliederung an Stuttgart oder der Verlegung der A5 mitten durch die Stadt?? In den Fällen würde man ja sagen, "okay, da müssen wir uns jetzt aber Zeit nehmen" zwinkern Stellt die Dinger einfach auf und gut.
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  •   mein-senf
    (972 Beiträge)

    12.12.2019 07:58 Uhr
    ach sind die Bänke
    jetzt doch aus Tropenholz , vor 4 Wochen als ich das Thema ins Rollen brachte war das nicht so , da kam nur heisse Luft und bla bla bla bla bla .... aber sicher war das Tropenholz mit zig politisch korrekten" Gewissenberuhigungszertifikaten " wie FSC etc. etc. etc. ausgestattet... Nichts gegen FSC , man sollte einen Anfang machen , und aller Anfang ist schwer.... aber native Tropenwälder für den selektiven Einschlag zu zertifizieren , ist meines Erachtens Schwachsinn, da zwar die Biomasse in der Summe nachwächst, aber das Ökosystem dieser Wälder nachhaltig zerstört wird, plus allen Folgen welche durch die Erschliessung dieser bislang unberührten Wälder entstehen. Zudem kommt dazu dass in den politisch instabilen Herkunftsländern dieser Hölzer die Überwachung bzw. die Deklaration im Sinne der gerade herrschenden Sippe und deren Helfer erfolgt . Aber die " politisch Korrekten" brauchen schöne bunte Bepper , damit man sein Gewissen beruhigen kann...
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  •   silberahorn
    (10049 Beiträge)

    12.12.2019 03:38 Uhr
    Designer
    gibt es und Karlsruhe hat eine HfG. Architekten können das auch. Wieso kann man also nicht eine Karlsruher Bank genannt ka- ruhebank entwickeln? Man könnte Abfälle (Plastik oder Metalle) mit Recyclingverfahren nutzen, eventuell werden solche bereits sogar im KIT entwickelt.
    So etwas kann man weiter vermarkten und in abgewandelter Form an anderen Stellen einsetzen.

    Da streiten sie sich lange um Tropenholz oder nicht, machen dabei ein Fass auf, ob Grüne zustimmen dürfen oder nicht, als wenn es ein schier unlösbares Problem wäre, weil es doch um den Marktplatz geht.
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  •   zahlenbeutler
    (1411 Beiträge)

    11.12.2019 19:53 Uhr
    Bänke sind überflüssig
    die Leute sollen sich nicht hinsetzen, sondern in den Geschäften was kaufen, womöglich fangen die dann noch untereinander eine Unterhaltung an und fühlen sich dort wohl, also unerhört....
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  •   HerrNilson
    (1249 Beiträge)

    11.12.2019 17:27 Uhr
    Rollrasen
    Über diesen Vorschlag musste ich heftig lachen. Ich stelle mir die Rasenmähertruppe gerade vor....und die schönen neuen Bodenbeläge, wie die nach dem Entfernen des Rollrasens aussehen werden..herrlich so ein weltfremder Vorschlag.
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  •   Ein_Wanderer
    (377 Beiträge)

    11.12.2019 16:26 Uhr
    Geschwurbel
    des Grünen-Stadtrats. Die Grünen haben FÜR Tropenholzbänke gestimmt!

    So sieht Klimaschutz aus... unfassbar.
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