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Karlsruhe Baustelle Kriegsstraße: "Eigentlicher Tunnelbau" startet 2018

Seit Ende April rollen die Bagger zwischen der Rüppurrer- und der Ritterstraße. Neun Baufelder hat die Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig) hier errichtet, um den zweiten Teil der Kombilösung zu verwirklichen: den Kriegsstraßen-Tunnel. Was tut sich dort seither hinter den Bauzäunen? ka-news hat hinter die Kulissen geschaut.

Bis 2021 soll für rund 225 Millionen Euro ein insgesamt 1,6 Kilometer langer durchgängiger Autotunnel unter der Kriegsstraße entstehen. Auch der Zeitplan für die Bauarbeiten steht in groben Zügen: Bis 2019 sollen die Arbeiten für den Tunnelrohbau andauern, Ende des Jahres dann der eigentliche Straßen- und Gleisbau oberirdisch folgen. Ende 2020 wollen die Verantwortlichen dann mit der Tunnelausstattung beginnen. 

Tunnel-Arbeiten finden versetzt statt 

Der Bau des Tunnels wird in verschiedenen Bauabschnitten erfolgen, jeweils von Osten und Westen zur Tunnelmitte hin. Seit dem Startschuss vor rund einem halben Jahr wurde bislang die Fußgängerbrücke an der Ritterstraße abgerissen, die Baufelder auf Kampfmittel-Reste abgesucht und die Fußgängerunterführung an der Kreuzstraße abgebaut. Während die Karlsruher Autofahrer sich täglich an Bauzäunen vorbeischlängeln, laufen derweil die vorbereitenden Maßnahmen, bevor der "eigentliche Tunnelbau" in der Kriegsstraße beginnen kann. 

So etwa beim Baufeld "W2" auf Höhe des Nymphengartens. Es war eines von zwei Abschnitten, auf denen im April der Startschuss für den Ausbau fiel. Die Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig), verantwortlich für den Bau der Kombilösung, hat entschieden, nicht auf allen Kriegsstraßen-Baustellen gleichzeitig zu beginnen. Es handle sich um eine "etwas versetzte Bautätigkeit", wie Kasig-Chef Uwe Konrath erklärt. 

Bauabschnitte der Kriegsstraße
Auf den Baufeldern W2 und O1 fiel vor einem halben Jahr der Startschuss für die Arbeiten am Autotunnel in der Kriegsstraße. | Bild: Kasig

Tunnel lässt sich auf erstem Baufeld schon erahnen

Rund 15 Arbeiter sind hier jeden Tag auf dem Baufeld "W2" zugange. Zunächst werden von ihnen die Schlitzwände - wie etwa am Südabzweig - erstellt. Am Baufeld "W2" haben diese schon ganz konkret Formen angenommen. Die "vertikalen Verbauarbeiten" seien hier schon abgeschlossen, berichtet Bauleiter Florian Weber. 

Bauarbeiten in der Kriegsstraße
Auf dem Baufeld "W2" laufen mehrere Arbeiten gleichzeitig. An den Seiten zu sehen: die Spundwände. | Bild: Ramona Holdenried

Soll heißen: Die sogenannten Spundwände, eine Sicherung bei Baugruben, wurden hier an einigen Stellen verankert. Zusätzlich werden sie mit Ankern stabilisiert. Darüber hinaus wird eine Weichgelsohle hergestellt, die die Baugrube nach unten abdichtet. Das Material wird dabei über Schläuche, die sogenannten "Injektionslanzen" in das Erdreich gepumpt, während auch noch der Aushub weiter läuft. Es sei durchaus eine Herausforderung, auf engem Raum gleich mehrere Arbeiten zu koordinieren, meint Weber. 

Baustelle Kriegstraße
Hier zu sehen: die Anker, die die Spundwände ähnlich einem Dübel noch weiter im Erdreich stabilisieren sollen. | Bild: Ramona Holdenried

Zwei Baufelder, unterschiedliche Arbeiten 

Wie diese Arbeiten vor ein paar Wochen noch ausgesehen haben, kann man auf dem zweiten Abschnitt sehen, den die Kasig nach dem Baggerbiss in diesem Jahr angehen wollte: das Baufeld "O1" in der Ludwig-Erhard-Allee nahe der Rüppurrer Straße. Wenn die Kombi-Arbeiten abgeschlossen sind, werden hier künftig die Autos in den Autotunnel einfahren. 

Baufeld "O1"
Der Schlitzwandgreifer bereitet das Erdreich für den Einsatz der Spundwände vor. | Bild: Ramona Holdenried

Während die Spundwände in "W2" schon im Erdreich verankert werden, ist hier unter anderem ein Schlitzwandgreifer im Einsatz. Diese Maschine arbeitet sich derzeit auf dem Baufeld "O1" in die Tiefe, um bis zu 18 Meter tiefe Schlitze zu graben. In diese werden dann die Spundwände - wie auch in "W2" - zum Abdichten der Baugrube eingestellt. 

Westlich anschließend in den Baufeldern "O3" und "O4" zwischen Fritz-Erler-Straße und Ettlinger Tor ist laut Kasig die Verschwenkung der Autofahrbahnen erfolgt, um in den freigewordenen Bereichen die Fahrbahn für den Kfz-Verkehr während der Bauzeit des Straßentunnels in diesen Abschnitten herstellen zu können. Der Plan der Kombi-Bauherrin ist es, den Verkehr an den Baufeldern vorbeizuführen und die Belastung für Autofahrer so gering wie möglich zu halten. 

Sind die Autotunnel-Arbeiten im Zeitplan?

Ganz ohne Einschränkungen geht es allerdings nicht: So wird die Rüpprurer Straße noch bis 27. Oktober zeitweise verengt sein, da Vorarbeiten für den Bau des vollwertigen Gleisviereck an der Kreuzung Rüppurrer Straße, Baumeisterstraße und Philipp-Reis-Straße vorgenommen werden müssen. 

Insgesamt ist Konrath mit dem Fortschritt der Arbeiten in der Kriegsstraße zufrieden. "Wir sind nach wie vor im Zeitplan", betont er. "Wir werden insgesamt bis Ende des Jahres am Baufeld "W2" soweit sein, dass wir wesentliche Arbeiten wie Aushub- und Ankerarbeiten schon getätigt haben und dann im Frühjahr 2018 auch mit dem eigentlichen Betonbau, mit dem Ingenieursbau, beginnen können."

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  •   Waterman
    (5855 Beiträge)

    23.10.2017 15:10 Uhr
    Ohne Großbaustelle?
    Hoffentlich nie!

    Eine pulsierende Metropole sollte immer ein paar Großbaustellen haben und in der Lage sein, das dafür benötigte Kapital aufzubringen. Dies zeugt von Wohlstand der Kommune und seiner Bewohner.
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    24.10.2017 19:29 Uhr
    Aber es kommt drauf an.....
    ..... welches Ziel mit den Grossbaustellen verfolgt wird. Ob es sich um irre Prestigeobjekte wie den Kombitunnelhandelt, oder um Wohnbauten oder oberirdische Strassenbahnstrecken.
    Ausserdem wollte die Bevölkerung das so, wie es jetzt ist. Allen Warnungen zum Trotz. Und wenn die Mehrheit das will, müssen sich alle Anderen danach richten. Ob gut oder schlecht.
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  •   auchmalsenfdazu
    (3046 Beiträge)

    23.10.2017 16:00 Uhr
    ja
    aber wenn diese "Großbaustelle" ein ganzes Baustellenfeld über die Stadt verteilt ist, die Straßen andauernd verstopft sind und das jahrzentelang, ist es einfach nur nervig und beeinträchtigt die Lebensqualität. Und ob das von Wohlstand zeugt, sei mal dahingestellt.
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    24.10.2017 19:30 Uhr
    Die überwiegende Mehrheit....
    der Karlsruher Autofahrer hat das so entschieden und jetzt müssen sich eben auch die Autofahrer beugen.
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  •   Waterman
    (5855 Beiträge)

    23.10.2017 16:16 Uhr
    Fast täglich
    fahre ich in die Stadt und finde nicht, dass die Straßen "andauernd verstopft" sind.
    Mal mehr, mal weniger Verkehr; aber meistens fließend.

    Von was zeugen Baustellen denn? Mal so dahin gefragt.
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  •   DerSpinner
    (1744 Beiträge)

    23.10.2017 18:09 Uhr
    Die Karlsruher Kombibaustellen
    zeugen von Größenwahn ,Geldverschwenderei, von Lügen im Vorfeld und Unfähigkeit.
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  •   auchmalsenfdazu
    (3046 Beiträge)

    23.10.2017 09:22 Uhr
    wann
    werden wir dann diese Stadt mal ohne Großbaustelle erleben ? 2030 ? Nach gefühlten 50 Jahren Bauzeit.
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  •   ALFPFIN
    (5676 Beiträge)

    23.10.2017 09:38 Uhr
    Das dürfte schon
    bis 2040 dauern, wenn man die bisher schon entstandene Verzögerungszeit hochrechnet.
    Und dann, wenn "sie hinten aufhören, müssen vorne wieder anfangen", also wer da als Facharbeiter oder Ingenieur bei der richtigen Firma ist, kann damit in Karlsruhe seine Lebensarbeitszeit verbringen. grinsen
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  •   EroE
    (17 Beiträge)

    23.10.2017 07:49 Uhr
    Fehler endeckt
    da Vorarbeiten für den Bau des vollwertigen Gleisdreiecks an der Kreuzung Rüppurrer Straße, Baumeisterstraße und Philipp-Reis-Straße vorgenommen werden müssen.

    die KASIG spricht von einem Gleisviereck was auch Sinn macht zwinkern
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  •   dipfele
    (4178 Beiträge)

    24.10.2017 19:39 Uhr
    Diese Arbeit hätte sich die Kasig......
    ..... ersparen können, wenn der Gemeinderat darauf bestanden hätte, die Versprechung der Wiederaufnahme des Trambetriebes in der Ettlinger Str. auch einzulösen. Dort war nämlich das Gleisviereck, dass im Sommer d. .J verschrottet worden ist und jetzt in der Rüppurrerstr. fehlt. Das wollte , obwohl gefordert, im Zuge des Südostbahnbaues die VBK nicht einbauen ! Mehrere Millionen in den Sand gesetzt. Nur gut, dass die Aufsichtsräte schweigen müssen und die Gemeinderäte, wenn überhaupt, nicht mit offenen Augen Tram fahren.
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