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Karlsruhe Baggerbiss und Gegendemo: Infopavillon zur Kombilösung

Am Donnerstagvormittag erfolgte der Spatenstich zum Infopavillion der Kombilösung: Symbolisch hob Oberbürgermeister Heinz Fenrich drei Baggerschaufeln Erde aus. Am Rande des Baggerbisses gab es eine Demonstration von Grünen, Linken und Freien Wählern.

Schon vor dem offiziellen Beginn des Spatenstichs kam es zu einer Diskussion zwischen dem künftigen Grünen-Stadtrat Manfred Schubnell und Finanzbürgermeisterin Margret Mergen. Schubnell ist der Ansicht, dass mit dem Bau des Info-Pavillions "800.000 Euro zum Fenster rausgeworfen" werde, daraufhin erwiderte Mergen: "Die Leute wollen informiert werden und der Aufsichtsrat hat sich hierfür entschieden". Schubnell: "Information ja, aber nicht so großkotzig!"

Auch Linken-Kommunalpolitikern Sabine Zürn brachte mit Plakaten ihren Widerwillen zum Ausdruck, im Gespräch mit ka-news meint sie: "Es ist bedauerlich, dass die Mehrheiten so sind." Jürgen Wenzel von den Freien Wählern freut sich auf eine künftig noch engere Zusammenarbeit mit den Grünen zum Thema Kombilösung. Grüne, Linke und Freie Wähler demonstrierten mit Transparenten, Plakaten und Sprachparolen gegen das städtische Jahrhundertprojekt Kombilösung. Auf den Protest ging auch Oberbürgermeister Heinz Fenrich bei seiner Festrede mehrfach ein.

"Bemühen Sie sich nicht, ich hab das Mikro und das ist immer lauter!"

"Ich begrüße sehr herzlich Frau Landtagsabgeordnete Splett", so Fenrich zu beginn seiner Rede. Damit nahm er allem Anschein nach Bezug auf die Pressemitteilungen der letzten Tage, in denen Splett massiv Front gegen die Kombilösung und deren Kostensteigerung machte. So behauptete sie, dass Bund und Land noch nicht offiziell über die Kostensteigerung informiert seien. Fenrich widersprach gegenüber ka-news dieser Aussage: "Natürlich weiß der Bund Bescheid" und eine unabdingbare Kostensteigerung werde mitgetragen.

Neben den demonstrierenden Stadträten waren auch noch die restlichen Fraktionen anwesend sowie der "Vater der Kombilösung" und Gründer des KVV Dieter Ludwig. Besonders hervorgehoben wurde außerdem die Anwesenheit von Regierungspräsident Rudolf Kühner. "Ich begrüße Befürworter und Ablehner der Kombilösung gleichermaßen herzlich", so Fenrich. Die Protestler antworteten mit dem Sprachchor "U-Strab Millionengrab!" Diesen Ruf wiederholten die Demonstranten bei jeder Gelegenheit ungeachtet Fenrichs Hinweis: "Bemühen Sie sich nicht, ich hab das Mikro, und das ist immer lauter!"

Keine Haushaltserleichterung durch Streichung der Kombilösung

Im weiteren betonte Fenrich abermals die Vorteile der Kombilösung, sie sorge für Arbeitsplätze und diene dem Wohl der Bürger aus der ganzen Region. Der Spatenstich zum Infopavillion sei ein auf "Neudeutsch: warming up". Schließlich sei Transparenz das oberste Gebot bei diesem Projekt. Auch der ausgewählte Ort habe Symbolcharakter: Am Ettlinger Tor werden sich die beiden "untrennbar verbundenen" Teilprojekte kreuzen und in zehn Jahren sei das "Gesicht der Stadt ganz anders".

Außerdem bringe eine Streichung der Kombilösung nicht die notwendige Haushaltserleichterung, da die 20 Prozent der insgesamt 588 Millionen Euro städtischer Anteil über die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) abgewickelt. Die anderen 80 Prozent seien verbindlich zugesagt, 60 vom Bund, 20 vom Land. Rhetorisch fragte Fenrich: "Wie stünden wir da, wenn wir das nun ablehnen? Und wie würden künftige Karlsruher Anträge behandelt?"

Infopavillon als "Ort für Veranstaltungen"

Den darauf folgenden Parolen der Kombilösungskritiker entgegnet das Stadtoberhaupt: "Schreien ersetzt halt keine Argumente!" Getroffene Mehrheitsentscheidungen müssten akzeptiert werden, auch dies gehöre zur Demokratie. Zum Schluss unterstrich Fenrich, dass für ihn der Bau des Infopavillons ein weiterer wichtiger Schritt sei.

Der 800.000 Euro teure Pavillon soll für alle Interessierten "zum Ort für Veranstaltungen und Ausstellungen zur Kombilösung werden". Die derzeit dort noch stehende Werbetafel des Badischen Staatstheaters soll zudem in Form einer elektronischen Informationsfläche in das Bauwerk integriert werden.

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Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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Kommentare (43)
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    23.08.2009 11:30 Uhr
    U-Strab kostet nix
    Wie lange kann OB Fenrich eigentlich noch diesen Unsinn behaupten, die U-Strab koste die Karlsruher Bürger nichts. Die Kasig ist indirekt eine 100%-Tochter der Stadt Karlsruhe und die Zuschüsse von Bund und Ländern kommen nicht aus der Gelddruckmaschine, sondern ebenfalls von uns Steuerzahlern.
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  •   udoh
    (1933 Beiträge)

    25.07.2009 18:51 Uhr
    Richtig!
    Nur die Hornisgrinde ist mir zu nah und zu schön zwinkern
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    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    25.07.2009 13:52 Uhr
    Die einzig akzeptabel Kombilösung..
    ..ist, dass Fenrich sich seinen Spezi Casazza und den Straba-Rentner Ludwig mitsamt ihrem hirnrissigen U-Strabtunnelplan aus KHE verschwinden.
    Dann können sie meinetwegen an der Hornisgrinde einen Tunnel buddeln, den keiner braucht
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  •   orakelka
    (1914 Beiträge)

    25.07.2009 12:54 Uhr
    Die Finazierung ist gesichert:???????
    die Finanzierung der geplanten Kosten sind gesichert. Der Kostenvoranschlag ist soweit ich weiß von 2002/2003, wer kommt für die Mehrkosten auf.

    Karlsruhe kann das schultern????
    Wie war das mit der Schieflage des Haushalts????
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  •   brumm
    (167 Beiträge)

    25.07.2009 12:32 Uhr
    Kombi-Zauderer
    Ich wundere mich wirklich über das, was hier alles geschrieben steht: Da wird gemutmaßt, Geld für ein Nahverkehrsprojekt könne auch in Kitas fließen, der Grünen-Traum von einer Kombilösung ohne Bahntunnel in der Kaiserstraße wird zigmal wiederholt - können hier eigentlich alle nur schreiben, aber nicht lesen??? Die Kombilösung ist von Grünen- oder Links-Betonideologen nicht mehr aufzuhalten. Da kommen sie einfach zehn Jahre zu spät. Die Finazierung ist gesichert: 80 Prozent der förderfähigen Konsten kommen von Bund und Land. Eine Stadt wie Karlsruhe kann auch die restlichen 20 Prozent stemmen und die nicht-förderfähigen Kosten auch. Ach, und noch etwas: Ein Infopavillon verfolgt das Ziel, umfassend alle zu informieren. Würde das Ding nicht gebaut oder in einem Container untergebracht, stünden hier Kommentare, dass die Kombi-Befürworter nicht informieren wollen. Ich würde mir von meinen Mitdiskutanten hier etwas mehr Sachverstand und Coolness wünschen.
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  •   ralf
    (3722 Beiträge)

    25.07.2009 12:29 Uhr
    Infopavillon
    Warum ist der eigentlich deutlich teurer, als etwa ein Mehrfamilienhaus? Was passiert nach dem Bau der U-Strab mit dem Pavillion?

    Ich bin schon der Meinung, dass es eine Informationsmöglichkeit über das Bauvorhaben geben sollte und dass ein altes Gartenzeltchen nicht ausreicht. Aber ob es ein Pavillon für 800.000€ sein muss?

    Übrigens wollte ich noch einmal daran erinnern, dass der U-Strab-Alternativvorschlag der Grünen nicht sehr sinnvoll war. Einige Stadtbahnlinien fahren nach dem vorgestellten Netzplan weder den Hauptbahnhof, noch die Kaiserstraße an. Hauptsache Umlandbahnen raus aus der Fußgängerzone. Das kann nicht der Sinn des Systemes und auch nicht im Sinne der Umwelt sein.

    Bei der U-Strab selbst sehe ich neben den Kosten die zurückgehende Flexibilität der Linienführung als kritisch an.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    25.07.2009 12:12 Uhr
    Hat alles System..
    Die örtlichen Baubetriebe warten nur drauf, dass entlang der Maulwurftrasse alles einstürzt - dann sieht KHE in 15 Jahren völlig neu renoviert aus! DAS ist der Plan.
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  •   udoh
    (1933 Beiträge)

    25.07.2009 11:49 Uhr
    Vorschläge für die Infotafel
    - EUR / min die gerade fürs Karlsruher
    Loch verpulvert werden (ohne Folgeschäden)
    - EUR / Jahr die für soziale Ausgaben übrig bleiben
    - mittlere Wartezeit an Ampeln bis die Bahn endlich wieder
    anderen Verkehr durchlässt
    - mittlere Verweilzeit von Glasscherben auf Radwegen
    - Reinigungszyklus von Bürgersteigen
    - durchschnittliche Suchzeit abends einen LEGALEN und
    kostenfreien Parkplatz in der Oststadt zu finden
    - alternativ die Strafzettel-Einnahmen Dank künstlicher
    Verknappung von freien Parkplätzen
    - Staulänge und Wartezeiten für andere
    Verkehrsteilnehmer an den Lochbaustellen
    - .....
    - .....
    - Chart wieviele Bürger hinter dem Loch und Fenrich stehen
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  •   karlneu
    (199 Beiträge)

    25.07.2009 09:07 Uhr
    Strassenbahnfetischisten
    Ich wußte schon immer, dass wir den ganzen Strassenbahn-terrorismus in Karlsruhe den Leuten zu verdanken haben, die daheim im Keller eine Eisenbahnanlage haben und auf sowas voll abfahren. Auch wenn die Pseudo U-Bahn nix kosten würde, wäre ich dagegen, weil sie die Stadt auf immer verschandelt . Als ob die Beton-Bunker der 60er und 70er nicht genug wären. Unmenschliche Architektur. Wenn das mit der U-Strab nicht gehen würde (bautechnisch oder kein Geld) , dann würde man doch auch eine oberirdische Lösung finden, oder nicht ??? Also warum stoppt man dieses Wahnsinns-Vorhaben nicht ?????
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    unbekannt
    (947 Beiträge)

    25.07.2009 09:07 Uhr
    @wolf
    Aaah! "papa(aa), zuletzt als "wolle4" versucht es mit "wolf"!

    Was das Abgeben der doppelten Kommentare betrifft, so liegt das nicht an ka-news sondern am Kommentator!
    Wenn der Kommentar abgeschickt ist, darf man nämlich nicht die Taste zum Erneuern der Seite drücken.
    ...und jetzt stellen Sie sich mal vor: das weiß sogar ich, obwohl ich blond bin!
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