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Karlsruhe BUND-Gutachten prophezeit leistungsschwachen Stadtbahntunnel

Eine Woche nach dem Spatenstich zur Kombilösung veröffentlichte der BUND ein in Auftrag gegebenes Gutachten der Vieregg-Rössler GmbH. Diese sieht vor allem in den geplanten unterirdischen Fahrstraßenkreuzungen am Marktplatz ein großes Manko: Verspätungen und Kapazitätseinbußen seien vorprogrammiert.

Der springende Punkt sei die vorgesehene Verkehrsführung: Weil Ampeln auf allen Linien den abbiegenden Bahnen das Fahren ermöglichen sollen, müssten die Züge in bestimmten Gruppierungen über die Kreuzung geleitet werden. Bis zur nächsten Gruppe entstehe theoretisch eine Lücke von 200 Sekunden, in der die Kreuzung leer bliebe. Käme jedoch eine Bahn zu spät, geriete das System in Verzug.

"Bisher fahren die Bahnen in der Kaiserstraße auf Sicht und sind deshalb wesentlich flexibler, sogar leistungsstärker", betont Martin Vieregg von der Vieregg-Rössler GmbH. Er räumt auch ein, dass weitere Faktoren wie ein erhöhter Fahrgastwechsel am zukünftigen zentralen Bahnhof Lammstraße - der sich derzeit auf zwei Haltestellen verteilt - den Zeitablauf besonders zu Stoßzeiten verzögern könne.

"Wir fordern alle Verantwortlichen des Projekts dazu auf, die Planungen so nicht weiter zu vollziehen, sondern bei einer Umplanung verbesserte Kriterien anzulegen", drängt BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. Er sehe in den vorliegenden Bauplänen keinen verkehrstechnischen Nutzen, sondern sogar eine Verschlechterung. Für den BUND stelle sich deshalb vor allem die Frage nach der Leistungsfähigkeit, da ein ressourcenschonender ÖPNV selbsterklärend im Interesse des Verbands liege.

Für die Studie hatte die Firma Vieregg-Rössler einen imaginären Fahrplan erstellt und so die überirdischen Bahnlinien in den Untergrund übertragen. Ohne die vorgesehene Fahrbahnkreuzung unter dem Marktplatz sieht Vieregg keinerlei Probleme, die Planung der Verkehrsbetriebe zu realisieren: Nämlich 33 Züge pro Stunde und Richtung durch die Kaiserstraße zu schleusen. Mit den durch die abbiegenden Bahnen entstehenden Verzögerungen hält er dies schlicht für unmöglich. "Nicht mal unter idealen 'Laborbedingungen' würde das funktionieren", betont er.

Kreuzungsfrei oder Linksabbiegerspur?

Er schlägt deshalb eine Umplanung vor, die seiner Einschätzung nach weitere eineinhalb Jahre in Anspruch nähme. Neben einer kreuzungsfreien Variante führt er alternativ eine separate Linksabbiegerspur an, die zumindest den geradeaus fahrenden Verkehr in der Kaiserstraße nicht beeinträchtigen würde.

Frieß bemerkte abschließend, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz durchaus für Mobilität und Entwicklung stehe, dies jedoch immer mit einem leistungsfähigen und klimafreundlichen Konzept vereinbar sein müsse. Da dies bei der geplanten Untertunnelung nicht gegeben wäre, läge es in der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Verbands, derlei Entscheidungen zu beeinflussen.

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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    30.01.2010 11:35 Uhr
    egal
    oder auch nicht egal. Der Meinung, dass ein paar mehr Detailinformationen für die Öffentlichkeit hilfreich wären, war ich immer und bin ich auch jetzt. Das würde das Argumentieren für den Tunnel sicher vereinfachen grinsen. Die Studie hier wäre jetzt ein guter Anlass solche Informationen zu geben.
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  •   wolkenschauer
    (1455 Beiträge)

    30.01.2010 18:14 Uhr
    ... stetiges Hinhören, Lesen, Hinterfragen
    So, habe mir die Studie vollständig durchgelesen. Mal sehen ob man seitens der Tunnel-Befürworter bei Kasig und GR eine sachgerechte Information hinbekommt, die sich mit den hier mMn sehr schlüssig aufgeworfenen Megaproblematiken genauso intensiv auseinandersetzt. Ich sehe erhebliche Schwierigkeiten, das (Un-)ding jetzt noch weiter so durchzuwinken und einfach so auf 'Teufel komm raus' irgendwelche sinnlosen Löcher zu buddeln und sich hinter (noch) politischen Mehrheiten zu verschanzen. Sind wir hier vielleicht Schilda oder einfach nur Banane ? Ich will keine 'Baustellenwerbefolklore', die berechtigte Einwände der Bürger bedenkenlos wegwischt und nur dem Handeln um welchen Preis auch immer das Wort redet, sondern sich aktiv und ernsthaft der Diskussion stellt ! Mit (argumentativer) Ignoranz wird nix gewonnen, nur zerstört.
    Vielleicht sieht man ja bei Bund und Land auch endlich mal genauer hin, was einen akzeptablen Inhalt und die Substanz eines veränderlichen Projekts angeht...
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  •   wolkenschauer
    (1455 Beiträge)

    30.01.2010 18:21 Uhr
    ...
    irgendwann lassen sich alte Wunschvorstellungen eben nicht mehr realisiren, weil die Welt sich verändert und die Zeit eben nicht im Jahr 2002 stillgestanden ist. Wir haben jetzt 2010... zwinkern
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  •   wolkenschauer
    (1455 Beiträge)

    30.01.2010 18:23 Uhr
    Wofür seid ihr gewählt ???
    VERANTWORTUNG !!!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1496 Beiträge)

    30.01.2010 09:23 Uhr
    ja hatt
    den wirklich jemand erwartet das des wirklich was gescheites wird.
    Karlsruhe viel vor ,nix dahinter.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    30.01.2010 01:11 Uhr
    immer noch nicht zufrieden
    Zwischen Kronenplatz und Lammstraße passen einige Bahnen (sagen wir mal N Stück). Wenn jetzt eine davon abbiegt, sind es nur noch N-1. Weil der Haltevorgang am Kronenplatz auch einige Zeit braucht, werden es nicht sofort wieder N Stück sein. Die Lücke wird aber langsam kleiner werden, weil der Haltevorgang an der Lammstraße länger dauert als an der Kronenstraße.

    Das heißt dann doch, dass es zwar eigentlich am sinnvollsten ist, wenn die Lücke sofort von einer von Süden kommenden Bahn aufgefüllt wird, dass es aber andererseits auch kein 100%-Verlust ist, wenn sich noch eine Ost-West-Bahn dazwischen "mogelt" und dann erst eine von Süden kommt, denn es gibt dann eine (kleinere) Lücke zwischen dieser Dazwischenmogeln Bahn und jener, die ihr nachfolgt.

    Wenn jetzt der Kreuzungspunkt um den es geht nach Überqueren durch eine Bahn einige Zeit gesperrt ist, ist es dann evtl nicht sogar besser, wenn tatsächlich genau eine Ost-West Bahn nach dem Abbieger fährt und dannerst die von Süden?
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  •   mueck
    (12084 Beiträge)

    30.01.2010 02:30 Uhr
    '
    D = durchfahrend
    E = Einbiegend
    A = Abbiegend
    und mit 80 sec als Zugfolgeabstand und 60 sec Abbiegerversatz

    D1 D1
    80 sec
    --- A1
    60 sec
    E1 ---
    80 sec
    D2 D2
    80 sec
    D3 D3
    _____
    300 sec

    D1 D1
    80 sec
    --- A1
    80 sec
    D2 D2
    80 sec
    E1 ---
    80 sec
    D3 D3
    _____
    320 sec

    Die 60 sec können nur angesetzt werden, wenn E1 der A1 folgt, ansonsten muss man immer den normalen Zugfolgeabstand nehmen, wenn ich das alles richtig verstanden habe.

    Zum 3. Absatz: dürfte gehupft wie gesprungen sein, besser wird's eher nicht.

    Mag sein, dass man noch paar Sekunden schinden kann, aber das bringt's nicht, weil das dann wirklich AUSSCHLIESSLICH unter GENAU diesen Sekundenschinderbedingungen funktioniert. Pauschalierungen haben etwas von worst case, dem Ausrichten am schwächsten Glied. Das bräche dann wenigstens nicht bei jedem Schmetterlingsflügelschlag zusammen ... wenn's klappen würde ... tut' ja nicht ...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5411 Beiträge)

    29.01.2010 22:55 Uhr
    Bund
    lalala, sonst weiss man nix mehr ......
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (146 Beiträge)

    29.01.2010 19:42 Uhr
    BUND
    Die angebliche Fehlplanung liegt bestimmt daran, dass die Ingenieure Energiesparlampen mit Elektrosmog-Aussendung (lt. BUND) am Nachttisch und am Schreibtisch stehen haben.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3577 Beiträge)

    29.01.2010 18:59 Uhr
    sobald der Tunnel fertig ist, wird man sehen,
    - das es keine Bahn-Staus in der City mehr gibt
    - wieviele Linien im Tunnel fahren können
    - ob der Straßentunnel in der Kriegsstrasse als Voraussetzung für die Tram-Strecke in dieser Strasse überhaupt noch gefördert wird
    - ob es überhaupt noch einen Euro gibt
    (die Griechen spekulieren bereits auf Geld aus China)
    Nun ratet mal, wessen Steuergeld die Griechen retten wird!

    ein Manko bleibt auf jeden Fall:
    Alle Stadtbahnen, die auf DB-Gleisen fahren müssen, sind weiterhin anfällig für Verspätungen. Die U-Strab kann z.B. nicht den Rastatter Tunnel und diverse in den letzten Jahren von der DB entfernten Ausweichgleise ersetzen.
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