96  

Karlsruhe Abluftkamin am Karlstor sorgt für heiße Luft: "Turm darf nicht kommen"

Knapp 20 Meter hoch und fünf Meter breit: So sehen die bisherigen Planungen der Kasig für einen Abluftkamin am Karlstor aus. Er soll nach 2019 Abgase aus dem künftigen Kriegsstraßentunnel nach oben leiten. Die ersten Skizzen lösten jedoch allgemeines Entsetzen unter den Karlsruher Stadträten aus. Am Dienstag setzten sie sich deshalb fraktionsübergreifend dafür ein, dass "dieses Monstrum" niemals gebaut werden soll. Einziges Problem: Noch 2008 hatte die Mehrheit die Planungen abgenickt.

"Ich kann mich noch gut daran erinnern", erklärte KAL-Stadtrat Eberhard Fischer. 2008 sei in den Planungsunterlagen ein Kreis mit einem Kreuz darin am Karlstor eingezeichnet gewesen. Welche Maße die Zeichnung jedoch einmal annehmen soll, habe wohl jeder im Raum vollkommen übersehen.

"Dieser Turm darf nicht kommen"

Das bestätigen auch andere Stadträte. Sie alle zeigten sich am Dienstagabend im Karlsruher Gemeinderat betroffen und kämpferisch. Der Tenor war eindeutig: "Dieser Turm darf nicht kommen - egal wie das geschieht", formulierte es Friedemann Kalmbach (GfK). Auch Jürgen Wenzel von den Freien Wählern bezeichnete die Planungen - wohl stellvertretend für die vorherrschende Meinung - als "inakzeptabel".

Diese Bedenken ließen auch die Stadtverwaltung nicht kalt. Oberbürgermeister Frank Mentrup versprach, dass man bis Ende Januar Alternativlösungen zusammentragen und diese im Planungsausschuss vorstellen werde. Zudem gäbe es unter Umständen die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem KIT ein Filtersystem zu entwickeln, das den 20 Meter hohen Turm überflüssig machen würde.

Grundsätzlich gebe es jedoch keinen Grund zur Panik. "Es passiert doch immer wieder, dass man Dinge neu überdenken muss, auch im Privaten. Wir rollen das jetzt eben noch einmal neu auf und prüfen, ob es andere Lösungen gibt."

"Turm soll auch schützen"

Der Abluftkamin ist im rechtsmäßigen Bebauungsplan eingezeichnet. Dieser sieht vor, die Notwendigkeit des Kamins zu gegebener Zeit noch einmal zu prüfen. Derzeit geht man davon aus, dass die Schadstoffbelastungen am Westportal des Autotunnels die geltenden Grenzwerte für Stickoxide überschreiten und der Turm so notwendig würde. "Er soll ja auch schützen", gab Mentrup zu bedenken. Wenn am Ende darauf verzichtet würde und die Belastung grenzwertig sei "würde ich mich dabei auch nicht wohl fühlen".

Vorgeschlagen wurde auch eine Verteilung der Abluftströme auf mehrere kleine Kamine. "Dies ist aus lüftungstechnischer Sicht möglich", heißt es in einer Stellungnahme der Stadt auf Anträge von KAL und Freien Wählern. Allerdings müsse auch hier geprüft werden, ob es dafür Standorte gäbe und welche Kosten diese mit sich brächten. Abweichungen vom derzeitigen Bebauungsplan "Kriegsstraße Mitte, Straßenbahn in der Kriegsstraße mit Straßentunnel" erfordern ein gesondertes Genehmigungsverfahren.

In die Überlegungen könnte auch folgendes, von der CDU ins Spiel gebrachte, Zukunftsszenario einfließen: Immer mehr Elektrofahrzeuge sowie die technische Entwicklung im Filter- und Abgasverhalten moderner Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren reduzieren die Abgase langfristig - und machen die Abluftzentrale im besten Fall hinfällig.

Mehr zum Thema Abluftkamin:

Kombilösung: Kommt der Riesenkamin am Karlstor?

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (96)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Karlsmuede
    (1387 Beiträge)

    18.12.2013 17:16 Uhr
    Wer die Wahl hat,
    hat die Qual....

    Ein schönes, mit maurischen Mosaiken verziertes Minarett, käme vielleicht auch in Betracht, in der Kriegsstraße/Ritterstraße 9 ?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (5411 Beiträge)

    18.12.2013 18:24 Uhr
    ist doch kein Drama,
    entweder:
    durch Lüpertz bemalen lassen
    durch Majolika verfliesen lassen
    mit Alu ummanteln und die Spttze durch einen Künstler zur Skulptur weden lassen.
    Übrigens: Waren Schlote ein AKW besser?
    Noch was: Nach allerneusten Erkenntnissen:
    1. Schifffahrt
    2. Flugzeuge
    3. Industrie und Privathaushalte
    4. Autos
    In dieser Reihenfolge sind die "Umweltsünder" nun eingestuft.
    Punkt 1+2 sind mind. zur Hälte = Urlauber !
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (5411 Beiträge)

    19.12.2013 01:11 Uhr
    HalloLLeuchtchen
    die mir geantwortet haben.

    Das Beispiel war NUR wg. der Optik gemeint !!! keinerlei Fu
    nktionen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.12.2013 19:10 Uhr
    Ein AKW
    mit einem Schlot zeigst mir mal...

    Zur Aufklärung (das wissen vermutlich noch mehrere hier nicht):

    Aus den Kühltürmen kommt Wasserdampf und kein Rauchgas. Im Kreisprozess eines Kernkraftwerkes fällt kein Rauchgas an. Das ist ja grade das was die Kernkraft so 'sauber' macht. Wenn nur die abgebrannten Brennelemente nicht wären....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.12.2013 22:27 Uhr
    Das...
    ...weiß doch jeder Hilfsschüler.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.12.2013 22:41 Uhr
    Das bezweifle ich.
    Ich bin überzeugt, dass nichtmal 20% der Bevölkerung weiss was in einem Kraftwerk überhaupt passiert.
    Es muss nicht jeder das Clausius-Rankine Schaubild erklären können, aber was zwischen der Kohlenhalde und der heimischen Steckdose passiert wissen doch die wenigsten.
    Geh doch auf die Strasse und frag wie ein Kernkraftwerk funktioniert.

    Jo, Alder, weisch, isch mein, do werre Kern gschbalte und des gibt Strom, verschtesch. Aber guck disch mal an, was willsch du? Bisch du schwul oder was?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.12.2013 22:49 Uhr
    Ich...
    ...bin jetzt wirklich kein Physiker, aber die "Kraftwerksarten" konnte ich glaube ich schon mit 13 unterscheiden.

    Vielleicht bin ich auch ein "Ausnahmetalent" - wenn ich alleine schon sehe, wie in manchen Nachrichten stinknormale Kühltürme (Wasserdampf!) abgebildet werden und darunter "CO2-Ausstoß erhöht sich" (oder so)... Es scheint wohl genug Idioten zu geben, die das glauben...

    Und immer wieder frage ich mich: Wenn bei uns schon so viele Idioten rumrennen (eine der wirtschaftsstärksten Nationen der Welt), wie doof sind die dann erst in anderen Ländern?

    Oder gehört gar eine gewisse Dummheit dazu, um erfolgreich zu sein? Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln...

    Du wirst es nicht glauben: Frug mich vor ein paar Tagen ein ABITURIENT (aus der Firma, ins Gespräch gekommen), warum man eigentlich Scheiben kratzen muß, obwohls nicht geregnet hat traurig

    Und andere Dämlichkeiten (keinerlei physikalisches Gespür) fällt mir noch zuhauf ein...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.12.2013 23:12 Uhr
    Gut,
    da hast du dich ja jetzt grade selbst widerlegt. grinsen

    Also es weiss keiner was da passiert. Aber hauptsache es hat jeder eine Meinung dazu.
    Das ist schon ganz interessant.

    Siehe Fukushima. Was war denn schuld am Supergau? Das Atom?
    Von wegen. Ein simpler Pumpenausfall. Und warum? Weil sie die Idioten da hingebaut haben wo sie nicht hingehören.
    Ein Planungsfehler mit katastrophalen Folgen.

    Ein rein planerisches Problem, kein technologisches.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.12.2013 23:18 Uhr
    Richtig
    ...wobei ich eine gewisse "Atomkritik" ja nachvollziehen kann und das Moratorium fand ich auch nicht schlecht, aber ich dachte es liefe darauf hinaus, daß man nur die unsicheren (nach einfließen neuer Informationen) abschaltet... naja, nun ist es eben so...

    Die ersten zwei Wochen nach der Katastrophe hatte natürlich jeder etwas Furcht, ich auch - wenn es einer Industrienation wie Japan passieren kann, warum bei uns nicht?

    Die Politik hätte da nüchterner reagieren müssen, sind aber auch nur Menschen...

    Ich sag Mal: Das Restrisiko ist da und logisch, kann das gefährlich werden. Man sollte daher keine AKW dort bauen, wo Erdbeben auftreten können (Rheingraben, Teile Schwabens, Kölner Bucht) und eben andere Naturkatastrophen auftreten können. Allerdings, in Bayern spräche z.B. nichts dagegen und unsere AKW sind redundant, was die in Fukushima ja wohl nicht waren (zu blöd, die Stromversorgung hinzukriegen)...

    Diese ganze nExtreme "für" oder "dagegen" - es gibt auch ein Zwischending...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    19.12.2013 00:04 Uhr
    Man kann
    das von vielen Seiten betrachten.

    1. Wenn in einem Kernkraftwerk richtig was passiert, aus welchem Grund auch immer, ist man am Arsch (Tschernobyl, Fukushima).

    2. Der Strom ist eben nicht billig, da die Lagerung des brisanten Abfalls den Bürger hintenrum einen Arsch voll Geld kostet.

    3. Die Lagerung und der Transport von Atommüll ist gefährlich.

    4. Der Rückbau der Anlagen, siehe Punkt 2.

    5. Prinzipiell ist der Betrieb eigentlich relativ sicher.

    6. Ob x Atommüll oder 2x Atommüll bewacht werden müssen ist egal.

    Die Punkte 5 und 6 sprechen fürs Atom.

    Die Forschung bei der Kernfusion muss weitergehen, da geht so viel Kohle rein, irgendwann gelingt der Durchbruch. Und dann ist alles gut. grinsen
    Wir erlebens nimmer, klar.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 (10 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.