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Karlsruhe 20 Bahnen gleichzeitig im Tunnel: Die Karlsruher Kombilösung hat ihren ersten Stresstest absolviert

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich in der Karlsruher Innenstadt ein ganz besonderes Schauspiel zugetragen - und das ganz unsichtbar, unter den Füßen der Bürger: Fünf Stunden lang haben die Stadt- und Straßenbahnen die neuen Tunnel der Kombilösung erstmals auf Herz und Nieren geprüft. Ob das Milliardenbauwerk den ersten großen Stresstest bestanden hat - ka-news.de war dabei.

Ein Marathonlauf auf der Zielgeraden, ein Hausbau kurz vor Fertigstellung und die allseits bekannte Geschichte mit dem Teufel in Eichhörnchen-Gestalt - das sind nur drei von vielen Metaphern und Vergleichen, die die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und der Karlsruher-Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) für die zahlreichen Medienvertreter am späten Donnerstagabend parat hielten.

Eine Vielzahl von Pressevertretern nimmt am Stresstest der Kombilösung teil.
Eine Vielzahl von Pressevertretern nimmt am Stresstest der Kombilösung teil. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Fünf Stunden Dauerbelastung für Mensch und Maschine

Grund hierfür war der erste große "Stresstest" im Stadtbahntunnel der Karlsruher Kombilösung. In der Nacht von Donnerstag und Freitag wurde von 22 Uhr bis 3 Uhr im neuen Tunnel der Nacht- und Wochenendbetrieb simuliert. Insgesamt 20 Bahnen schlängelten sich dabei durch das knapp 1,5 Milliarden Euro teure Bauprojekt. 

Stresstest deshalb, weil jetzt erstmals mehrere Bahnen gleichzeitig unterwegs sind, alles Verbaute auf Herz und Nieren getestet wird und der Tunnel nun vom Baubetrieb der Kasig an den Fahrbetrieb der VBK übergeben wird. 

Die Linie 2 fährt in die Haltestelle Marktplatz ein.
Die Linie 2 fährt in die Haltestelle Marktplatz ein. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Bei bisherigen Tests waren Bahnen nur vereinzelt im Tunnel zu finden. In der Nacht von Freitag auf Samstag werden dann 32 Bahnen den Tagesbetrieb - den zehn Minuten-Takt - simulieren.

"Bauwerk bekommt seinen Nutzen - Fehler erlaubt"

Die Freude bei den Verantwortlichen war entsprechend groß. VBK-Geschäftsführer Alexander Pischon gegenüber ka-news.de: "Ich bin freudig und optimistisch gestimmt, ich denke, bei den Kollegen vom Bau ist die Anspannung deutlich größer. Die wissen nämlich im Detail, was theoretisch alles schief gehen könnte." 

Dr. Alexander Pischon im Interview zum ersten großen Stresstest der Kombilösung.
Dr. Alexander Pischon im Interview zum ersten großen Stresstest der Kombilösung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Doch auch beim technischen Geschäftsführer der Kasig, Frank Nenninger, überwiegt die Freude. "Das Bauwerk wird jetzt endlich seinem Nutzen zugeführt und wir sehen: 'Was kann die Anlage.' Da ist die Freude schon größer als die Anspannung."

Fehler sind für Nenninger sogar ausdrücklich erlaubt. "Ich denke, es wird alles reibungslos funktionieren, aber es darf auch was schief gehen. Wir sind in der Testphase und testen heißt auch prüfen. So sehen wir, wo wir uns verbessern können."

Eine Straßenbahn fährt in die Haltestelle Marktplatz der Kombilösung
Eine Straßenbahn fährt in die Haltestelle Marktplatz der Kombilösung | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die Baustellen der Kombilösung haben das Stadtbild der Fächerstadt nun insgesamt elf Jahre geprägt, am 12. Dezember, pünktlich zum Fahrplanwechsel sollen dann die ersten Fahrgäste durch den Tunnel gefahren werden. "Wir sind zu 99 Prozent fertig und der Termin steht", so Nenninger weiter. 

"Es fehlen nur noch Kleinigkeiten"

Und in der Tat, die für die Medien am Donnerstag zugänglichen unterirdischen Haltestellen Europaplatz, Marktplatz, Kronenplatz und Durlacher Tor wirken betriebsbereit. Nur vereinzelt sind an den Wänden noch Lücken für elektrische Werbetafeln oder die Tunnelkunst von Markus Lüpertz zu erkennen. "Es fehlen wirklich nur noch Kleinigkeiten", ergänzt Kasig-Pressesprecher Achim Winkel im Gespräch mit ka-news.de.

Blick aus dem Führerhaus einer Straßenbahn in der Kombilösung.
Blick aus dem Führerhaus einer Straßenbahn in der Kombilösung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Alle benötigte Technik und alle Sicherheitsmaßnahmen seien eingebaut und betriebsbereit. "Wäre das nicht der Fall, würden die Bahnen heute auch nicht fahren", erklärt er und sagt: "Wir warten nur noch auf die Fahrgäste."

von links: Ralf Messerschmidt (VBK), Alexander Pischon (VBK), Ascan Egerer (VBK), Achim Winkel (Kasig)
von links: Ralf Messerschmidt (VBK), Alexander Pischon (VBK), Ascan Egerer (VBK), Achim Winkel (Kasig) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Gänge sind mit Licht geflutet

In Zukunft dürfen sich die Karlsruher auf sieben hochmoderne, hell erleuchtete und unterirdische Haltestellen freuen. Große Fenster in den Brücken, die über das Gleisbett führen, sorgen jederzeit für ausreichend Licht auch unter Tage und geben den Blick auf die Haltestellen frei.

Blick auf die Haltestelle Europaplatz
Blick auf die Haltestelle Europaplatz | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Generell sind alle Haltestellen, Verbindungsgänge und Treppen großzügig gestaltet und bieten viel Platz für Fußgänger, die das Gleis wechseln oder wieder an die Oberfläche wollen. Von oben lässt sich das Ausmaß der Kombilösung nicht erahnen. 

Verbindungsgänge in den Haltestellen.
Verbindungsgänge in den Haltestellen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Laut VBK und Kasig-Geschäftsführer Alexander Pischon muss sich die Kombilösung nicht einmal vor den U-Bahnen in Stuttgart oder München verstecken. "Für die dann doch überschaubare Größe von Karlsruhe haben wir ein ausgesprochen gutes ÖPNV-Netz und eine unheimlich gute Verbindung und Taktung gerade in der Innenstadt und können uns auch mit den großen Städten messen."

84 Bahnen pro Stunde an Durlacher Tor und Kronenplatz

Acht Linien  (S1/S11, S2, S5/S51, S4, S7, S8, 1 und 2) werden ab Dezember unterirdisch unterwegs sein. Der Großteil des Betriebs wird sich dann voraussichtlich an den Haltestellen Kronenplatz und Durlacher Tor abspielen. Hier halten insgesamt sieben Linien. Macht zu Stoßzeiten im zehn Minuten Takt, 42 Bahnen pro Richtung. Insgesamt also 84 Bahnen pro Stunde.

"Auf jeden Fall ein neues Level für den ÖPNV in Karlsruhe und es ist auch noch Luft nach oben, um die Ziele der Landesregierung - die Verdopplung des ÖPNV bis 2030 - zu erreichen. Mit dem Tunnel sind wir für die Zukunft gut gerüstet", erklärt Pischon während der Probefahrt. Nach knapp 1,5 Stunden endet für die Medienvertreter dann der erste Stresstest, während es für die Fahrer unterirdisch noch weiter geht.

In einer Pressemitteilung am Freitag ziehen die VBK ein insgesamt positives Fazit der ersten Test-Nacht. "Nun sind wir natürlich auch gespannt, was die zweite Nacht an weiteren wichtigen Erkenntnissen liefern wird", wird Alexander Pischon zitiert. 

Noch mehr Bilder vom Stresstest gibt es hier: 

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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  •   mueck
    (12399 Beiträge)

    25.04.2021 11:49 Uhr
    ?
    Wurde eigentlich komplett getestet, also MIT Südabzweig?
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  •   BMWFahrer
    (804 Beiträge)

    24.04.2021 17:20 Uhr
    Dieser Drahtverhau unter der Decke
    sieht nach Provisorium aus. Kommt das noch weg?

    Das wird sonst eklig, wenn die Tauben drauf sitzen und kacken.
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  •   Toben_Dax
    (18 Beiträge)

    24.04.2021 20:05 Uhr
    Furchtbar
    Also ich kann dem nur zustimmen, jetzt baut man schon was für teures Geld und dann sieht es hinter her aus wie nicht gekonnt.... Also ich hoffe doch auch, das das Kabelgewirr verschwindet. Die Oberleitung hätte man auch in Fahrtrichtung anbringen können, ohne das über den Menschen dieses Gewirr an Kabel rumhängt.
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  •   mueck
    (12399 Beiträge)

    25.04.2021 11:38 Uhr
    !
    Das kann nicht weg, das ist Kunst, Lichtkunst.
    Das soll doch farbige Schatten werfen, sehe in den Bildern aber noch nicht wie, weil ich nur weiße Lampen sehe ...
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  •   ALFPFIN
    (7846 Beiträge)

    25.04.2021 13:07 Uhr
    Lichtkunst ?
    auch noch.
    Da muss ich dann doch mal mit dem UBähnle unten durch fahren, Lichtkunst
    und Lüpertz Genesis. Das ist ja schon eine Bildungsreise. 😉
    Wollte noch ein bisschen warten, wie es läuft da unten, zumal vor einigen Wochen bei Südwestfunk aktuell, ein Teil der Lüpertz Wandreliefs so kommentiert wurde:
    Die mit Glasur bemalte und dreidimensional geformte Tonfläche zeigt unter anderem die Umrisse eines Mannes, dessen Hand auf einem Totenschädel ruht.
    Da dachte ich, na dann gute Fahrt. 😊
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  •   mueck
    (12399 Beiträge)

    25.04.2021 11:46 Uhr
    ...
    Ah, in der Galerie Bilder 12 und 31, doch alles in bunt und Farbe ... zwinkern
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  •   janh
    (460 Beiträge)

    24.04.2021 16:43 Uhr
    Linienrechnung?
    Zitat von ka-news Acht Linien (S1/S11, S2, S5/S51, S4, S7, S8, 1 und 2) werden ab Dezember unterirdisch unterwegs sein. Der Großteil des Betriebs wird sich dann voraussichtlich an den Haltestellen Kronenplatz und Durlacher Tor abspielen. Hier halten insgesamt sieben Linien. Macht zu Stoßzeiten im zehn Minuten Takt, 42 Bahnen pro Richtung. Insgesamt also 84 Bahnen pro Stunde.

    Ähm, ich glaube da wurde etwas ziemlich falsch verstanden. Die S4 fährt nämlich normal 3x pro Stunde, die S7 und S8 jeweils 1x pro Stunde, also in der Summe nicht mal eine ganze Linie im 10-min-Takt. Dazu dann noch die S52 mit 1 Fahrt/h, die aber schon am Marktplatz endet. Macht also auf 10-min-Takte umgerechnet sieben Linien im Tunnel insgesamt, und davon lediglich 4⅚ Linien am Kronenplatz/Durlacher Tor.

    Laut der Infoveranstaltung vom letzten März hofft man, bei günstigen Voraussetzungen noch eine Linie im Tunnel unterzubekommen, und vielleicht einzelne Verstärker.
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  •   janh
    (460 Beiträge)

    24.04.2021 17:06 Uhr
    Nachtrag
    Zitat von janh sieben Linien im Tunnel insgesamt

    Ich kann selber nicht zählen: Es sind sechs Linien im 10-min-Takt: Die 1, 2, S1/11, S2 und S5/51 als echte Linien im 10-min-Takt, und dann noch die S4, S52, S7 und S8 zusammengerechnet eine weitere Linie.
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  •   janh
    (460 Beiträge)

    24.04.2021 16:57 Uhr
    Teil 2
    Wenn der Tunnel am Durlacher Tor tatsächlich sieben Linien verkraften würde, hätte es ja die ganzen Kapazitätsdiskussionen im Vorfeld gar nicht gebraucht, weil man dann ja schon fast die Kapazitäten des früheren oberirdischen Liniennetzes (7⅚ Linien am Kronenplatz, 6⅚ Linien am Durlacher Tor, und in der HVZ noch Verstärkerfahrten) erreicht hätte. (Das Problem der wegfallenden Abbiegebeziehungen am Kronenplatz, Europaplatz und Ettlinger Tor bliebe allerdings weiterhin)

    Real passen aber eben nach den Zahlen oben am Durlacher Tor/Kronenplatz nicht ganz 5 bis vielleicht mit Glück 6 Linien rein (ursprünglich mal beworben wurden 5,5 Linien, und am Europaplatz wird es ähnlich aussehen), sodass man dann seine Freude dran hat, das sich daraus ergebende Liniennetz als uneingeschränkte Verbesserung zu verkaufen.

    Noch ein Nachtrag
    Zitat von janh Infoveranstaltung vom letzten März

    Das sollte korrekterweise "Infoveranstaltung vom März letzten Jahres" heißen.
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  •   janh
    (460 Beiträge)

    24.04.2021 17:02 Uhr
    Teil 3
    Den Fehler mit den Linien hat übrigens auch schon die FDP bei einer neulichen Gemeinderatsanfrage zum neuen Liniennetz gemacht – da man sich dummerweise bei einem Fragepunkt nur auf die reine Linienzahl bezogen hatte, konnte die Verwaltung natürlich sofort freudestrahlend darauf antworten, dass ja sogar eine Linie mehr in den Tunnel passe.

    Blöd natürlich nur, wenn davon drei Linien (S52, S7, S8) lediglich einmal pro Stunde verkehren, und auch die S4 nur dreimal, also gerade mal einer Linie im 10-min-Takt entsprechen, auch wenn es auf dem Papier erstmal angeblich vier Linien sind.
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