Am Dienstagmittag wurde der Bericht auf der Internetseite der Stadt Karlsruhe veröffentlicht. Dort heißt es: "Im Vergleich zum Vorjahr (Stand: Dezember 2013) hat sich die Kostenprognose bis Dezember 2019 in diesem Jahr um 28,5 Millionen Euro von 868,8 Millionen auf 897,3 Millionen Euro erhöht."

Verwaltungskosten deutlich höher als bislang angenommen

Den Großteil der Mehrkosten machen zusätzliche Baukosten in Höhe von 17 Millionen Euro aus. Laut Sachstandsbericht ergeben sich diese unter anderem aus der Verlegung zusätzlicher Abwasserleitungen, der Kampfmittelerkundung sowie der Herstellung provisorischer Fußgänger- und Radwege. Auch die zeitweise Verlegung des Bahn- und Straßenverkehrs in der Fächerstadt haben laut Bericht die Kosten in die Höhe getrieben.

Neben den Baukosten sind auch die Verwaltungskosten deutlich höher als zunächst angenommen. Im Bericht heißt es dazu: "Der Ansatz für die Verwaltungskosten mit zwölf Prozent der Baukosten deckt die anfallenden Kosten bei Weitem nicht mehr ab und wird deshalb im nächsten Ergänzungsantrag an das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) angepasst."

So sollen die Zuschüsse von Bund und Land fristgerecht und in erforderlicher Höhe gewährleistet sein und für den Bau der Kombilösung weiterhin ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen. Seit 2009 sind rund 198,8 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land zugewiesen worden.

Kosten könnten um weitere 40 Millionen steigen

Unter die Verwaltungskosten fallen laut Bericht beispielsweise die Projektsteuerung, die Bauüberwachung sowie die Fachbauleitung. Auch die Kosten für die betriebliche Begutachtung der Baustellen und die "juristische Begleitung" des Karlsruher Mega-Projekts verursachen offenbar zusätzliche Kosten.

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Insgesamt entfallen von den kalkulierten Gesamtkosten in Höhe von 897,3 Millionen Euro laut Bericht etwa 818,3 Millionen Euro auf die Baumaßnahmen. Der Stadtbahntunnel Kaiserstraße inklusive Südabzweig schlägt mit zirka 593,1 Millionen Euro zu Buche. Die Kosten der Maßnahmen in der Kriegsstraße werden mit etwa 225,2 Millionen Euro veranschlagt. Die übrigen Kosten in Höhe von 79 Millionen Euro verteilen sich auf die Finanzierungskosten (55,2 Millionen Euro), auf die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing (7 Millionen) sowie auf die Löhne (16,8 Millionen).

Der Bericht geht davon aus, dass die Mehrkosten in den kommenden Jahren zusätzlich um weitere 40 Millionen Euro steigen könnten. Dies sei das Ergebnis einer Risikobewertung. Demgegenüber könnten Einsparungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro durch vermiedene Zusatzmaßnahmen beim Vortrieb des Tunnelbohrers stehen.

Stimmen aus dem Gemeinderat:

Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe: "Die Maßnahmen in der Kriegsstraße machen einen beträchtlichen Teil der Gesamtkosten aus. Deren Preis kennen wir aber noch nicht, da die Ausschreibung noch läuft. Konkretere Informationen zu den Kosten gibt es voraussichtlich im Sommer 2015. Der aktuelle Zwischenbericht ist nicht erfreulich, aber ehrlich."

Sven Maier, Stadtrat der CDU: "Eine solche Kostensteigerung ist bei Großprojekten dieser Art leider oft nicht zu vermeiden. Die vielen einzelnen Bauprojekte sind sehr komplex."

Michael Zeh, Stadtrat der SPD: "Die höheren Kosten werden vor allem durch mehr Juristen und Sicherheit verursacht. Auch die Verkehrsplanung kostet mehr als angenommen - sie wurde zu Beginn unterschätzt. Insofern sind das durchaus sinnvolle Mehrkosten."

Bettina Lisbach, Fraktionssprecherin der Grünen: "Es ist bedenklich, dass die Kosten immer weiter steigen. Jetzt muss eine Aussage getroffen werden, wie die Gegenfinanzierung aussehen soll. Jedoch müssen wir das Ergebnis der Ausschreibung für die Kriegsstraße abwarten - ein entscheidender Kostenfaktor sein."

Niko Fostiropoulos, Stadtrat der Linken: "Die Bürger haben damals über ein 460-Millionen-Projekt abgestimmt, nicht über ein 900 Millionen Euro teures. Auch der Anteil der Stadt Karlsruhe an den Baukosten ist seither deutlich größer geworden und wird weiter steigen. Bis zum Bauende werden die Kosten meiner Ansicht nach die Milliardengrenze erreichen."

Klicken Sie hier, um direkt zum vollständigen Sachstandsbericht Kombilösung zu gelangen! (Link führt zu pdf-Dokument auf Seite der Stadt)

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