Karlsruhe Studenten-Proteste am KIT: Bibliotheks-Besetzung nach 24 Stunden beendet

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) muss sparen - das bekommen mitunter auch die Studenten zu spüren. An der Fakultät für Chemie und Biowissenschaften sind die Studierenden deshalb auf die Barrikaden gegangen, nachdem die Öffnungszeiten der Fachbibliothek verkürzt werden sollten. Nun ist dort ein Kompromiss gefunden worden: Das House of Competence (HoC) springt mit Geldern und einem ausgeklügelten Konzept ein.

Zelte in der Aula, Plakate am Chemie-Gebäude und Aufruhr bei KIT-Präsidium und Medien: Am Mittwochnachmittag hatten Studierende der Chemie und Biowissenschaften die Schnauze voll. Nachdem sie seit Wochen erfolglos gegen die verkürzten Öffnungszeiten ihrer Bibliothek andiskutiert hatten, besetzten sie kurzerhand die Bücherei.

Personal kostet Geld - KIT muss sparen

Was sie vermeiden wollten: Dass die bislang montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr geöffnete Einrichtung künftig nur noch bis 16 Uhr zur Verfügung stehen sollte - samstags gar nicht mehr. Nachdem nämlich zwei Mitarbeiter der Bibliothek unerwartet gekündigt hatten, sollten die Stellen zunächst nicht nachbesetzt und die Öffnungszeiten daher eingeschränkt werden. Denn: Personal kostet Geld. Und ob die Bücherei tatsächlich so intensiv genutzt werde, müsse zunächst evaluiert werden - außerdem könne ja jeder auf die 24 Stunden geöffnete Unibibliothek ausweichen. So zunächst die Argumentation des KIT-Präsidiums.

Das Problem dabei ist jedoch aus Sicht der Studierenden nicht nur, dass die Unibibliothek besonders in der vorlesungsfreien Zeit heillos überfüllt ist, sondern auch dass die Fakultätsbücherei nur Präsenzbestand bietet. Wer also fachspezifische Bücher benutzen möchte, muss sich in den Räumen der Einrichtung aufhalten. Der Kampf um die Öffnungszeiten gipfelte in einer knapp 24-stündigen Besetzung der Bibliothek bis Donnerstagnachmittag und brachte eine öffentliche Diskussionsrunde mit sich, bei der neben den Studierenden auch KIT-Vizepräsidentin Elke Luise Barnstedt, Studiendekan Joachim Podlech sowie Michael Scholle vom House of Competence (HoC) teilnahmen.

Barnstedt: "Wir müssen auch dort sparen wo es weh tut"

Zu diesem Zeitpunkt hatte man sich bereits auf einen Kompromiss geeinigt, der nun alle Parteien zufrieden stellt: Das  House of Competence (HoC), das sich als Schnittstelle zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften und Natur- und Ingenieurwissenschaften versteht, arbeitet seit einigen Monaten an einem Projekt zur klugen Lernraumgestaltung. Übergangsweise, bis zum Jahresende, wird es die Kosten für die studentischen Hilfskräfte der Chemiebibliothek übernehmen, die von der Fakultät nicht finanziert werden können. Diese werden im Rahmen des HoC-Konzepts zum Aufbau von Lernlaboren zu Lernberaten ausgebildet: Sie beaufsichtigen nicht nur die Bibliothek, sondern beraten Kommilitonen auch zu den Themen Lernstrategien, Umgang mit Stress, Selbstmanagement, Stärkung der Selbstlernkompetenzen und Umgang mit Prüfungsangst. Zumindest bis Ende des Jahres garantiert dies den Studierenden weiterhin Zugang bis 19 Uhr. Lediglich samstags muss die Bibliothek geschlossen bleiben. Die Gelder stammen aus Kompensationszahlungen, die das Land nach dem Wegfall der Studiengebühren leistet.

"Wir wissen, dass es an klug gestaltetem Lernraum fehlt", betonte HoC-Geschäftsführer Michael Stolle. Über das Problem an der Fakultät habe er jedoch selbst erst am Donnerstagmorgen aus den Medien erfahren, und sich sofort mit der Fachschaft in Verbindung gesetzt. Mit dem HoC-Konzept des Lernlabors entsteht nun sogar ein Angebot, das über die bisherige Nutzung des Lernraums Bibliothek hinausgeht. "Über diese Initiative des HoC freuen wir uns sehr", sagte Elke Luise Barnstedt, KIT-Vizepräsidentin für Personal und Recht. Dennoch werde das KIT sowie seine Fakultäten sparen müssen - "auch dort, wo es wehtut". Man werde nicht immer einen solchen Kompromiss finden können, KIT-Leitung und Studierende müssten dies gemeinsam bewältigen.

Geplante Einsparungen: 5.000 Euro

Die Nutzung sowohl der Chemiebibliothek als auch des neuen HoC-Angebots werde man beobachten, so Barnstedt. Protestaktionen wie diese könnten künftig nicht den gleichen Erfolg haben. Bei den im Fall der Chemiebibliothek geplanten Einsparungen ging es um rund 5.000 Euro. Barnstedt betonte, dass derlei Einsparungen nicht immer zu umgehen sein werden. In den vergangenen Jahren habe das KIT gerade auch im Bereich der Lehre eine Reihe neuer Angebote aufgebaut. Dazu zählten insbesondere das House of Competence zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen sowie die 24-Stunden-Bibliothek: Diese ist rund um die Uhr zugänglich und sorge auch bei dem häufig beklagten knappen Lernraum für deutliche Entlastung. Die Öffnungszeiten der Chemiebibliothek stammen noch aus der Zeit vor Start des 24-Stunden-Services.

Die bei der Diskussionsrunde anwesenden Studenten zeigten sich überwiegend erleichtert über den Kompromiss, nutzten die Gelegenheit jedoch auch, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Beispielsweise herrsche in der Bibliothek Steckdosenknappheit. "Daran kann es doch bei einer Elite-Uni nicht hapern", bemerkte ein Student ironisch. Ein anderer wollte den Verantwortlichen auch in Erinnerung rufen, dass die Studierenden schließlich die Zukunft seien und verkürzte Öffnungszeiten der Fachbibliothek nicht hinnehmbar seien. "Wer hat denn das Personal-Budget kalkuliert, wenn alles so knapp ist? Denken Sie eigentlich auch zwei Jahre in die Zukunft?", fragte er. Eine Kommilitonin regte an, weniger Geld in Marketing und mehr Geld in Hilfswissenschaftler zu stecken. "Die ganzen Broschüren liest eh kein Mensch", monierte sie.

Was wird ab 2013?

KIT-Vizepräsidentin Barnstedt bewahrte indes Ruhe und stand den Studenten Rede und Antwort. Sie schlüsselte geduldig die Haushaltsplanung auf, erklärte, woher welche Gelder des KIT stammen und lobte den Kommunikationsprozess im Zuge der Bibliotheksbesetzung. "Wir wollen gerne viel mehr mit Ihnen reden und wissen, was Sie denken", forderte sie.

Wie es ab 2013 mit der Bibliothek weiter geht, ist noch nicht sicher, Studiendekan Podlech versicherte aber, dass man bereits an Lösungen arbeite. Beispielsweise könnten die Räume unterteilt werden in Buch- und Lernräume, die unterschiedliche Öffnungszeiten besitzen und zudem dann barrierefrei zugänglich werden - denn daran hapert es derzeit noch gewaltig.

Was sagen die Studenten zur Lernsituation am KIT? Lesen Sie das in unserer Straßenumfrage zum Thema!

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