Auch in Karlsruhe wird ein hell erleuchteter Silvesterhimmel dieses Jahr wohl Erinnerung bleiben. Der Verkauf von Feuerwerk wurde diesen Dezember in Deutschland und damit auch in Karlsruhe verboten. Diese Verordnungen wecken bei vielen leidenschaftlichen Feuerwerksfreunden, vor allem aber bei der Herstellerindustrie ein starkes Unverständnis. Der Grund: Diese Maßnahme sei kaum zielführend und richte mehr Schaden an, als sie Nutzen bringe.

"Ein Verkaufsverbot ist weder geeignet noch erforderlich oder angemessen"

"Unter Beachtung der verfügbaren Studien und Statistiken wird deutlich, dass auch 2021 Beschränkungen von privatem Silvesterfeuerwerk keinen relevanten Beitrag leisten werden, um die Corona-Pandemie einzudämmen oder das Gesundheitssystem zu entlasten", erklärt Felix Martens, Pressesprecher des Bundesverbandes für Pyrotechnik und Berufsfeuerwerk (BVPK) gegenüber ka-news.de. Und mit diesem Eindruck ist er nicht alleine.

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Auch der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) hält diese Maßnahmen für überzogen: "Wir sind damals wie heute der Auffassung, dass privates Silvesterfeuerwerk im kleinen Kreis der Familie oder Freunden coronagerecht hätte abgebrannt werden können", so der VPI-Geschäftsführer Klaus Gotzen.

Beide Verbände positionieren sich "klar gegen das Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk zum Jahreswechsel. Dies wäre zur Bewältigung der Corona-Pandemie weder geeignet noch erforderlich oder angemessen".

Als Begründung sagt der BVPK: "Das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk findet im Freien statt. Eine erhöhte Infektionsgefahr besteht – anders als in Innenräumen, wo es schnell zu einer hohen Konzentration von virusbelasteten Aerosolen kommt - folglich nicht." Das und die wirtschaftliche Gründe zeichneten diese Unangemessenheit in den Maßnahmen aus, wie beide Verbände argumentieren.

Bundesweit 90 prozentige Einbußen

"Durch das Überlassungsverbot von pyrotechnischen Gegenständen der Kategorie F2 zum diesjährigen Silvester dürfte wieder mit Umsatzverluste von 90 Prozent zu rechnen sein", so Gotzen vertretend für den VPI. Unter F2-Feuerwerken verstehe man dabei die handelsüblichen Silvesterraketen und -knaller, die auch ohne Sprengstoffschein gezündet werden dürfen.

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Auch der BVPK stimmt in diese Aussage ein: "Die Umsatzeinbußen durch das viel zu kurzfristig beschlossen Verkaufsverbot sind beträchtlich und existenzbedrohlich für viele Feuerwerkshersteller." Und das sei nicht nur in Karlsruhe und Umgebung, sondern "bundesweit der Fall". 

Die Industrie für Pyrotechnik könne also auch dieses Jahr mit massiven Einbußen rechnen - und es könne nicht gesagt werden, ob sich das in den kommenden Jahren ändern wird.

"Das Verbot sollte vergangenes Jahr schon nur temporär sein"

"Es lässt sich nicht absehen, ob auch im kommenden Jahr Verbote wegen der pandemischen Situation angepeilt werden", so der BVPK. Dabei ergänzen die Kollegen des VPI, dass "das diesjährige Verkaufsverbot wie schon im letzten Jahr nur ein temporär sein soll". Sichere Prognosen für die Feuerwerksindustrie und deren Mitarbeiter ließen sich also - wie in so vielen Branchen - nicht treffen. 

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Silvester am Karlsruher Schloss 2017 (Archivbild). | Bild: Reiff

Damit müssten nicht nur viele Mitarbeiter um ihre Lebensgrundlage fürchten, laut VPI würde mit dem Verkaufsverbot auch ein kulturell tief verankertes Brauchtum entwurzeln: "Feuerwerk ist mehr als Licht und Lautstärke. Viele Menschen verbinden damit ganz persönliche Erinnerungen und Momente." Momente, die damit zu einer weiteren Gelegenheit durch die Pandemie aussetzen müssten.

 
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