Die Spargelhochburg Graben-Neudorf liegt zwischen Karlsruhe und Mannheim, westlich von Bruchsal, umgeben vom Hardtwald. Graben und Neudorf, welche ehemals eigenständig waren, bilden heute eine Gemeinde, die rund 12.200 Einwohner beheimatet. 

Blick auf die Turmspitze der Evangelische Kirche Graben-Neudorf
Blick auf die Turmspitze der Evangelische Kirche Graben-Neudorf | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Graben wird erstmalig 1306 in einer Urkunde erwähnt, als der "Edelknecht Swiger" aus Ubstadt, dem badischen Markgrafen Rudolf das Vorkaufsrecht an einem Teil des Dorfes versprach.  Wenige Jahre später verkaufte dann auch "Swigers" Bruder dem badischen Markgrafen das von seinem Vater geerbte Gut.

Blick nach Norden über Graben, entlang der Bahntrasse.
Blick nach Norden über Graben, entlang der Bahntrasse. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Trotz zahlreichen Streitigkeiten zwischen dem badischen Markgrafen und den Ubstädtern, wurde der Verkauf der Burg und des Grabener Dorfes um 1312 endgültig besiegelt. Seit diesem Zeitpunkt war Graben ein Teil der Markgrafschaft Baden, doch seit dem frühen 15. Jahrhundert nur zu Lehen, denn Graben stand bis 1746 unter kurpfälzischer Hoheit. 

Blick über das Westende von Graben.
Blick über das Westende von Graben. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Bis heute hat sich der landwirtschaftliche Charakter der Gemeinde erhalten. Besonders Spargel und Tabak war für die Kommune bedeutsam. 1912 baute man dort 86 Hektar Tabak an, sodass man vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zu den bedeutendsten Anbauorten für Tabak galt.

Tennis-Club Graben-Neudorf e. V. im Hintergrund die Brücke über die Bahntrasse die nach Neudorf führt.
Tennis-Club Graben-Neudorf e. V. im Hintergrund die Brücke über die Bahntrasse die nach Neudorf führt. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Durch die Blauschimmelkrankheit, welche um das Jahr 1960 grassierte, haben aber viele Landwirte ihre Betriebe aufgegeben und wechselten in die angesiedelte Industrie. Der Spargelanbau wurde davon nicht betroffen, sodass dieser weitergeführt werden konnte.

Bahnhof Graben
Bahnhof Graben-Neudorf | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Im Jahr 1913 begannen die Menschen in Graben-Neudorf Spargelfelder anzulegen. Durch die Landwirtschaftsschule wurde der Spargelbau nach dem Ersten Weltkrieg stark gefördert, sodass 1929 der erste Grabener Spargelmarkt stattfand.

Pestalozzi-Gemeinschaftsschule
 links, und Pestalozzi-Halle rechts
Pestalozzi-Gemeinschaftsschule links, und Pestalozzi-Halle rechts | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Heute ist der Spargelanbau so populär wie nie und hebt sich besonders durch die traditionellen Anbaumethoden hervor, denn die Spargelerzeuger verpflichteten sich durch das "Graben-Neudorfer Gütesiegel" auf den Einsatz von Folien und Heizungssystemen zu verzichten.

Skate Park neben der Pestalozzi-Gemeinschaftsschule
Skate Park neben der Pestalozzi-Gemeinschaftsschule | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Der Hardtwald, welcher sich bis nach Rastatt erstreckt, beginnt in Graben-Neudorf. Warum Graben-Neudorf noch im Besitz von einer enormen Fläche Wald ist, liegt am "Waldhut". Im 18. Jahrhundert lud der Markgraf von Baden alle Bürgermeister der Orte der Markgrafschaft Baden zu einem Festmahl ein. Durch reichlich Wein unterschrieben die anwesenden Bürgermeister betrunken einen Vertrag, ohne zu wissen, dass sie durch diesen Vertrag ihren Wald an den Markgrafen übertragen.

Blick über Neudorf nach Süden entlang der Hauptstraße
Blick über Neudorf nach Süden entlang der Hauptstraße | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Einzig der Bürgermeister von Graben ahnte die Absichten dieses Essens und verschwand heimlich. Um vorzutäuschen, dass der geflohenen Bürgermeister noch anwesend sei, ließ er seinen Hut hängen. Deshalb erhält seither jeder Bürgermeister einen Hut, auch "Waldhut" genannt, geschenkt.

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Die Bilder von unserem Fotografen Tim Carmele stammen von Mitte April 2021. 

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