"Always on? Wie die Digitalisierung die Grenze zwischen Leben & Arbeiten neu definiert" - unter dieser Überschrift gehen drei Referenten aus Forschung, Beratung und Marketing der Frage nach den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt nach. Einer von ihnen ist Frank Widmayer, Organisationsarchitekt und Berater.

"In der Wahrnehmung vieler Menschen gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Leben und Arbeit", sagt Frank Widmayer, "und für viele ist die Trennung eher problematisch, denn sie erzeugt immer ein Mangelgefühl. Man hat dann entweder zu wenig Zeit für das Eine oder das Andere. Es geht vielmehr insgesamt um eine sinnvolle Gestaltung des Lebens in einer gesunden Balance aller Lebensbereiche."

Digitalisierung ist keine Gefahr

Für Widmayer liegen die Vorteile der Digitalisierung klar auf der Hand: "Die durch die Digitalisierung mögliche Vernetzung schafft kollaborative Netzwerke, die wir zum Wohle aller nutzen können. Die Machtverhältnisse verschieben sich, wenn wir die digitale Kompetenz erhöhen und konsequent für die Verbesserung der Lebensumstände nutzen. Im Unternehmenskontext werden Plattformen aufgebaut, die intern und extern ebenfalls eine Vernetzung ermöglichen, die neue Produktivitätsvorteile schafft. Die Nachteile entstehen genau dann, wenn wir die Digitalisierung als Gefahr verstehen."

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Ähnlich beurteilt Barbara Przeklasa das Smartphone-Zeitalter: "Der Umgang mit Smartphone und Tablet wird immer selbstverständlicher und das wird natürlich auch das Arbeitsleben von morgen prägen", so die Marketing-Managerin des Ettlinger Unternehmens esentri.

"Ein Arbeitsplatz mit einem festen Rechner wird es irgendwann wohl nicht mehr geben und das Thema ortsunabhängiges Arbeiten wird dann aus den Kinderschuhen herausgewachsen sein. Spannend finde ich auch, wie das Thema Share Economy weiter Einfluss auf unser Leben und unsere Arbeit nehmen wird."

Wie viel "on" ist überhaupt gut für mich?

Nachteile oder "Gefahren" sieht die Marketingmanagerin im eigenen Umgang mit der neuen Freiheit: Wie organisiere ich mich, wie gehe ich mit der Beschleunigung im Alltag um und wie viel "on" ist überhaupt gut für mich? "Das ist von Person zu Person sehr zu unterschiedlich, daher finde ich es wichtig, ehrlich in sich reinzuhören und ein gesundes Maß für sich persönlich zu finden", so Przeklasa.

Für Stefan Rief gibt es keine klare Grenze zwischen Leben und Arbeit: "Die Grenze verläuft bei jedem anders. Ich halte es für entscheidend, dass jeder seine Grenzen für sich ausprobiert, damit experimentiert und dann einen positiven Weg für sich selbst entwickelt. Dieser „Grenzverlauf“ muss aber nicht dauerhaft festgelegt sein, sondern kann sich verändern. Ich selbst bin nicht 'always on' – das ist auch nicht erforderlich."

Für das Arbeitsleben der Zukunft sieht er zahlreiche Chancen: "Wir werden immer mehr in agilen Team arbeiten, d.h. weniger in Linienfunktionen als in sich immer wieder neu formierenden Projektteams. Projektarbeit wird in meiner Einschätzung eher die „normale“ Arbeit sein – auch in Unternehmen – nicht nur für Freelancer. Gleichzeitig werden wir hochflexible und dynamische veränderliche Formen der persönlichen Arbeitsorganisation erleben im Hinblick auf Zeit, aber vor allem auf Ort."
 

Diskutieren Sie mit!

Always On oder doch lieber auch mal Off? Live diskutiert wird über dieses Thema am Dienstag, 19. April, ab 19 Uhr in der Karlshochschule. Mit dabei sind Barbara Przeklasa, Marketing-Managerin beim Ettlinger Unternehmen esentri, der Organisationsarchitekt und Berater Frank Widmayer sowie Stefan Rief, Leiter des Projektes "Workspace Innovation" am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

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