1. Aktuelle Corona-Lage: Karlsruhe knackt die Inzidenzgrenze 50

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe bleibt angespannt, allerdings nicht hoffnungslos, denn: Die Anzahl der Neuinfektionen geht weiter zurück. Waren so am vergangenen Mittwoch, 3. Februar, noch 222 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Mittwoch, 10. Februar, noch 196. 6.236 Personen gelten als genesen. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 44,9 pro 100.000 Einwohner. 

10.02.21 - Lagekarte Corona
Bild: Landratsamt Karlsruhe

Nach monatelangen Corona-Restriktionen ist es damit endlich soweit: Der Inzidenzwert im Stadtkreis Karlsruhe hat die Marke 50 unterschritten. Der Landkreis steuert bereits auf die Senkung auf 60 zu. Höchste Zeit, um über Lockerungen nachzudenken - oder etwa doch nicht?

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Tatsächlich haben sich Bund und Länder am heutigen Mittwoch darauf geeinigt, den Lockdown noch einmal bis zum 7. März zu verlängern. Aber weshalb Verlängerung, wenn die 50er-Grenze vielerorts bereits unterschritten ist?

5 Gründe gegen die Lockerungen

Dass Rufe nach ersten Lockerungen spätestens jetzt laut werden könnten, das sieht auch das Land Baden-Württemberg als "verständlich" an. Dennoch gebe es einige Gründe, die dafür sprechen, mit den ersten Öffnungsschritten im Land noch zu warten, erklärt die Regierung in einer Pressemeldung. 

  1. Ein 7-Tage-Inzidenzwert von 50 sei kein Garant dafür, dass Lockerungen in den einzelnen Kreisen oder Städten vorgenommen werden können. Ein Wert über 50 galt im vergangenen Frühjahr gar noch als "Alarmstufe Rot". Zum Vergleich: Im "Lockdown Light" im vergangenen Spätjahr waren die Werte zum Teil auf 200 geschossen.
  2. Im Hinblick vor allem auf die drohenden Corona-Mutationen sei die Reproduktionszahl (R), die sich aktuell bei 0,9 befindet, noch zu hoch, so das Land in der Meldung. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. "Bei aktuellem Tempo würden wir landesweit die 50er-Schwelle bei der 7-Tage-Inzidenz erst gegen Ende Februar unterschreiten."
    Und: Durch die noch ansteckendere B.1.1.7 Mutation könnte der R-Wert sogar um 0,3 steigen, wie das Land prognostiziert. "Statt wie jetzt bei ungefähr 0,9 und einem leichten Rückgang, wären wir also bei 1,2 und einem starken Anstieg."
  3. Die Dunkelziffer - also die unentdeckten und asymptomatischen Corona-Fälle - ist laut Landesregierung nicht kalkulierbar. Das heißt: Zu den aktuell 20.592 infizierten Personen in Baden-Württemberg kommen nochmal einige Infizierte hinzu, die sich wegen fehlender Symptome nicht haben testen lassen.
    Und: Durch die kürzlich zugelassenen Selbsttests würden zudem mutmaßlich noch weniger Fälle in der Statistik auftauchen - und die Dunkelziffer weiter steigen lassen. Dadurch könnten sich wiederum die Krankenhäuser bis zur Kapazitätsgrenze gefährlich füllen.
  4. Der Schutz vulnerabler Gruppen würde bei zu frühen Lockerungen auf dem Spiel stehen. Nur mit niedrigen Zahlen lassen sich Ausbrüche - zum Beispiel in Pflegeheimen - minimieren, so das Land.
  5. Würde zu früh gelockert werden und erneute Corona-Ausbrüche nach sich ziehen, würde die Wirtschaft so noch mehr beansprucht werden als ohnehin schon, so die Meinung der Landesregierung. "Die Krankenstände würden explodieren – viele Infizierte laborieren mehrere Monate an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung und fallen entsprechend lange aus. Auch Angehörige müssten in Quarantäne.

Kurzum: Mit breiten Lockerungen oder gar mit einer Aufhebung des Lockdowns kann, so das Land, erstmal nicht gerechnet werden. Bund und Länder haben am Mittwoch zudem beschlossen: Weitere Öffnungsschritte werden erst bei einer Inzidenz von höchstens 35 unternommen .

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Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, geht da sogar noch weiter: Um wirklich über Lockerungen nachdenken zu können, sollte der R-Wert tunlichst auf 0,7 und der Inzidenzwert auf 10 bis 15 herabsinken. Das sei - sofern die aktuelle Entwicklung anhält - laut Geißler in zirka vier bis acht Wochen der Fall.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten großen Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen aufgrund privater Veranstaltungen wieder in die Höhe. Durch einen erneuten Lockdown beginnen die Neuinfektionen zu sinken. 

Inzwischen sind die Infektionsketten oft nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Reiserückkehrer spielten laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Stattdessen sind die meisten Ansteckungen auf den eigenen Familienkreis zurückzuführen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Bericht 9.2.21
Dateigröße : 1956806
Datum : 10.02.2021
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