Rund 72.437 Bürger panaschierten auf ihren Zetteln und verteilten die Stimmen individuell - nur 30 Prozent gaben unveränderte Wahlzettel ab. Dementsprechend vielfältig setzt sich auch der neue Gemeinderat zusammen: Vertreter von allen (!) elf angetretenen Listen haben die Karlsruhern in das lokale Entscheidungsgremium gewählt. Selbst die von vielen belächelte Satirepartei "Die Partei" hat sich einen Sitz im Rathaus sichern können. Neu dabei sind auch die Piraten mit zwei Sitzen.

KSC-Kicker für das KSC-Stadion?

Ebenfalls überraschend: Viele Wähler wollen sich auf kommunalpolitischer Ebene von KSC-Profi Reinhold Yabo vertreten wissen. Der 22-Jährige trat für die Wählervereinigung "Gemeinsam für Karlsruhe" auf dem letzten Listenplatz an - und zog prompt an seinen 47 Mitstreitern vorbei. Ob sich da wohl einige Wähler einen schnelleren Fortschritt in Sachen KSC-Stadion wünschen?

Fest steht jedenfalls: Die alteingesessenen Parteien werden sich in der kommenden Legislaturperiode warm anziehen müssen. Es gilt, neue Koalitionen zu finden sowie sich für neue Themen zu öffnen - und sich ab und an nicht allzu ernst zu nehmen. Einen Vorgeschmack in Sachen Augenzwinkern gab es bereits für die CDU, als die Partei das Wahlplakat auf die Schippe nahm. Ein gelunger Wahlkampf-Coup: das Plakat fand über die Region hinaus Beachtung - plötzlich schien Karlsruhe ein bis dato unbekanntes Bedürfnis nach Babyeinhörnern zu haben.

Die Piraten wollen vor allem die Themen Datenschutz und Datenfreiheit in den neuen Gemeinderat tragen - zusammen mit dem Ziel, den Gemeinderat beispielsweise durch eine "Open Antrag"-Plattform bürgernäher zu gestalten. Und der Tierschutz bekommt Verstärkung in Form von Zoe Mayer.

Jung, jünger - Zoe Mayer

Die Vielfältigkeit des neuen Gemeinderats bietet die Chance, alte Gewohnheiten und Tellerränder hinter sich zu lassen und neue Blickwinkel auf Karlsruher Themen zu eröffnen. Oder um es in den Worten von Oberbürgermeister Frank Mentrup am Wahlabend zu sagen: "Der Karlsruher Gemeinderat wird bunter."

Ja - und vor allem jünger! Das Küken wird mit 18 Jahren Zoe Mayer von den Grünen werden, ihr folgt Abiturient Max Braun mit 20 Jahren (Die Partei), Erik Wohlfeil (22, Piraten), Reinhold Yabo (22) für die GfK und Joschua Konrad (23, Grüne). Auf die politikverdrossene Jugend lässt sich in Karlsruhe also nicht schimpfen.

Alles in allem eine schöne Mischung, die die Karlsruher am Sonntag an, in und aus der Urne gezaubert haben. Bleibt abzuwarten, wie sich die Stadträte in ihre Rollen finden. Ein immerwährend störender Klassenclown wird auf Dauer ähnlich nervig wie Scheuklappen-tragende-Urgesteine oder ungestüme Frischlinge mit Besserwisser-Garantie.

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