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Karlsruhe Todestag von Karl Drais: 6 spannende Fakten über den Fahrrad-Vater

Er gilt bis heute als Vater des Fahrrads: 1817 entwickelte Karl Drais in Karlsruhe mit dem ersten Zweirad den Vorgänger des heutigen Fahrrads. Heute jährt sich der Todestag des badischen Erfinders zum 163. Mal. ka-news hat das Leben des Erfinders unter die Lupe genommen: Hier kommen 6 Fakten über Drais, von denen Sie vielleicht noch nichts wussten.

"Durch die neuere Forschung hat sich die Wahrnehmung um 180 Grad gedreht- vom angeblichen Stadtoriginal zum größten Erfinder der Goethezeit", eröffnet das Stadtarchiv Karlsruhe sein Porträt über den badischen Erfinder Karl Drais. Tatsächlich hat die Biographie des gebürtigen Karlsruhers mehr zu bieten als "nur" die Erfindung des ersten Zweirads. ka-news hat sich das digitale Porträt des Fahrrad-Vater auf den Seiten des Stadtarchivs genauer angeschaut.

Fakt 1: Forstdienst statt Wissenschaft

Der im Jahre 1785 geborene Karl Drais wird als Erfinder des ersten Zweirades und der nach ihm benannten Draisine gefeiert. Wäre es nach dem Großherzog von Baden gegangen, hätte der badische Wissenschaftler einen komplett anderen Weg eingeschlagen. Nach Erkenntnissen des Stadtarchivs hatte dieser für seinen Patensohn nämlich zunächst den Forstdienst vorgesehen. So besuchte Drais zwar das private Forstlehrinstitut  in Pforzheim - die Zeit bis zum Forstexamen überbrückte er allerdings mit seinen Wunschstudium an der Universität Heidelberg: Mathematik, Physik und Baukunst.

Fakt 2:  Geschenk von einem Zaren

Bevor Karl Drais mit dem ersten Zweirad einen großen Schritt in Richtung Mobilität machte, stellte er nach Angaben der Stadtverwaltung 1813 das Vorgängermodell, eine vierrädrige "Fahrmaschine" vor - aber nicht irgendwem, sondern dem Großherzog Karl von Baden und seiner Ehefrau Stephanie. Ebenfalls mit dabei: Zar Alexander. Dieser soll von Drais Erfindung derart begeistert gewesen sein, dass er ihm einen Diamantring schenkte.

Fakt 3: Das ewige Ärgernis mit den Raubkopierern

Raubkopierer sind nicht nur ein Ärgernis für die heutige Musik- und Filmindustrie - auch Karl Drais musste sich mit den dreisten Kopieren herumschlagen. Ein Patent beziehungsweise eine Lizenzmarke für seine Laufmaschine erhielt er laut Stadtarchiv nur für Frankreich und Baden. Gleichzeitig erlangte sein Zweirad weltweite Berühmtheit. Die Folge: Raubkopierer nutzten die Beschreibungen aus Zeitungen, um Drais Erfindung kurzerhand nachzubauen. Dies verhinderte am Ende sogar die Idee einer Manufaktur durch einen Unternehmer.

Fakt 4: Der Erfinder des Fahrrads - ein Mobbing-Opfer?

Erst Liebling dann Mobbing-Opfer? Ja, laut den Aufzeichnungen des Stadtarchivs ist Karl Drais genau das passiert. Der Grund: der "Skandal-Prozess" um den Studenten und Mörder Karl Sand, welcher das Land in zwei Lager spaltete. Nachdem Drais Vater, seines Zeichens Oberhofrichter, einen Begnadigungsgesuch ablehnte, kippte die Stimmung gegen einstigen Publikumsliebling - eine Mobbing-Kampagne der Sand-Anhänger begann. Da er sich in Deutschland nicht mehr blicken lassen konnte, floh Drais 1821 ins Exil nach Brasilien - er sollte erst sechs Jahre später zurück in die Fächerstadt kommen.

Fakt 5: Schreibmaschine statt Draisine

Offenbar beschränkte sich Drais Erfinderdrang nicht nur auf Fortbewegungsmittel: Wie das Stadtarchiv herausgefunden hat, baute der Erfinder seinem Vater eine Schreibmaschine mit fühlbaren Buchstaben auf Papier, als dieser an der Augenkrankheit "Grauer Star" zu erblinden drohte. Später erweiterte er diese zu einer Stenomaschine auf Lochstreifen.

Fakt 6: Ein Adeliger als Anhänger der Revolution

Ein adeliger Anhänger der Revolution? Geht das denn? Ja, Karl Drais war tatsächlich ein großer Befürworter der Demokratie. Obwohl er nach Angaben des Stadtarchivs zum Beamtenadel gehörte, legte er während der Revolution von 1848/49 seinen Adelstitel ab. Zugleich bekannte er sich offen zu den demokratischen Forderungen. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen für den Erfinder haben sollte: Nach der Niederschlagung der Revolution wurde Drais' Pension beschlagnahmt. Der "Vater des Fahrrads" starb kurz darauf am 10. Dezember 1851 verarmt in Karlsruhe.

Anlässlich des 163. Todestages von Karl Drais ist für Mittwoch, 10. Dezember, um 20 Uhr eine Gedenkfeier an seinem Sterbehaus (Zähringerstraße 57) geplant.

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  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    11.12.2014 10:34 Uhr
    Die kleine Gedenkfeier fand gestern abend statt
    Anlässlich des 163. Todestages von Karl Drais fand am Mittwoch, 10. Dezember, um 20 Uhr eine Gedenkfeier an seinem Sterbehaus (Zähringerstraße 57) statt. Es kamen rund ein Dutzend Menschen, Martin Hauge und Hans-Erhard Lessing sagten jeweils ein paar passende Worte zu dieser Aufklärungs-Kampagne zur wahren Geschichte unseres großen Erfinders.
    Danke ka-news, dass Ihr das hier publiziert habt.
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    11.12.2014 09:00 Uhr
    KA-News: danke für diesen Artikel.. ud wie schon mal gesagt- mehr davon
    Eure historischen Artikel finde ich echt super gut. Da erfährt man als gebürtiger und bekennender Karlsruher doch immer etwas Neues aus seiner Heimatstadt. Einiges von Drais war mir nicht bekannt und ich habe gleich weiter darüber recherchiert weil mich die Hintergründe interessieren. Danke.
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  • unbekannt
    (940 Beiträge)

    10.12.2014 19:12 Uhr
    Draisine
    In der Südpfalz gibt es noch stillgelegte Bahngleise, auf denen man mit Draisinen fahren kann. Das sollte jeder schonmal gemacht haben! Dort gibt es auch herrliche Birken, prachtexemplare sind da drunter, das glaubt wohl kaum jemand, der sie noch nicht gesehen haben.

    Für die Fahrer von Dreckschleudern ist dies natürlich nicht sonderlich interessant. Das einzige was denen zu Birken einfällt ist wohl der Parkplatz "Birkenwäldle" an der A8.
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    11.12.2014 11:29 Uhr
    Sogar in Belgien, ...
    unweit von Namur (Umgebung Dinant) gibt es 'ne stillgelegte Bahnstrecke, die noch per Draisine befahren werden kann.
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  •   Waterman
    (6317 Beiträge)

    10.12.2014 20:23 Uhr
    Mir fällt als Fahrer von einer Dreckschleuder
    [url=http://i.ebayimg.com/t/Dr-Dralles-Birkenwasser-Der-Sieg-des-Naturproduktes-Werbung-von-1934-/00/s/MTYwMFgxMjE5/z/8lEAAOxy~dNRAkbf/$T2eC16RHJGwE9n)yTT7sBR!kbez9Bw~~60_35.JPG]Er.dralles Birkenwasser[/url] ein.

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  • unbekannt
    (940 Beiträge)

    10.12.2014 22:05 Uhr
    Größere Auflösung?
    Ich kann den Text leider nicht lesen.
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  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    10.12.2014 14:01 Uhr
    Der Bürger Drais wird rehabilitiert!
    Siebenmal findet man in diesem ansonsten sehr schönen und wichtigen Beitrag das Wort Stadtarchiv. Die neuen Erkenntnisse wurden aber gar nicht von Mitarbeitern des Archivs sondern von Professor Hans-Erhard Lessing durch sorgfältiges Quellenstudium gefunden, der sie in seinen Büchern und Aufsätzen zu Drais veröffentlicht hat. Ohne ihn würden wir heute noch die Lügengeschichten der damaligen Sieger über die 48/49er Revolution überall lesen.
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  •   Dr_Saidias
    (748 Beiträge)

    10.12.2014 17:23 Uhr
    Hans-Erhard Lessing hat sicher seine Verdienste
    aber mit diesem Thema haben sich auch andere befasst.
    Das aktuelle Portrait stammt halt nun mal vom Stadtarchiv.
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  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    11.12.2014 10:23 Uhr
    Wer hat da noch was geschrieben in neuerer Zeit?
    Lieber Dr_Saidias, würde mich sehr interessieren wer da noch etwas über Drais herausgefunden hat in jüngster Zeit?
    Namen? Literaturstellen?
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    10.12.2014 09:01 Uhr
    Ich muß jedesmal ...
    an Karl Freiherr von Drais und an KA denken, wenn ich meine Titan-Rakete über die abgelegensten mittelgebirgischen Straßen jage.

    Zwangsläufig mischen sich auch Gedanken an den KSC, Karlsruhes Aushängeschild der Neuzeit, darunter. Eine großartige Erfindung und ein großartiger Sport-Club lassen sich nicht so einfach trennen.
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