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ka-news im Knast: Ein Tag in der JVA Karlsruhe (I)

Von einer Minute auf die andere plötzlich keine Kontrolle mehr über das eigene Leben haben. Nicht selbst bestimmen können, was man als nächstes macht – schreckliche Vorstellung. Genau das ist der Alltag der Untersuchungshäftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Karlsruhe. ka-news-Redakteurin Michaela Anderer konnte ihn einen Tag lang miterleben.

Zunächst wird jeder Insasse als unschuldig angesehen, da das Gericht ihn noch nicht verurteilt hat. Dennoch sind Sicherungsmaßnahmen sowie ein geregelter Ablauf notwendig: Die Untersuchungshaft hat den Zweck, ein geordnetes Strafverfahren zu gewährleisten oder der Gefahr weiterer Straftaten zu begegnen. Hauptsächlich wird sie bei Flucht- und Verdunkelungsgefahr angeordnet. ka-news hat sich angeschaut, was sich hinter dem Terminus U-Haft verbirgt.

Jährlich durchlaufen rund 2.000 Gefangene die JVA Karlsruhe

"Die Höchstdauer der Untersuchungshaft lag bei zirka eineinhalb Jahren. Insgesamt durchlaufen jährlich 2.000 männliche Gefangene die JVA Karlsruhe. Frauen und Jugendliche sind hier nicht untergebracht", so Thomas Weber, Anstaltsleiter der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe.

Der Tagesablauf ist strikt vorgegeben, Freiräume gibt es kaum. Im schlechtesten Fall bedeutet Untersuchungshaft für die Insassen 23 Stunden am Tag in einer knapp neun Quadratmeter großen Zelle zu verbringen. Die Toilette befindet sich ohne Abtrennung im Raum, Duschen ist in der Regel zwei Mal die Woche in einer Gemeinschaftsdusche möglich. Der Besuch von Verwandten ist im Monat nur zwei Mal für 30 Minuten möglich und das – wie alles andere in der JVA – natürlich nur unter strenger Aufsicht.

Der Tag beginnt mit der "Lebendkontrolle"

Aber an ein Gefängnis erinnert das 1897 errichtete Gebäude nicht, in dem die JVA Karlsruhe untergebracht ist, eher an ein Museum. Von außen sind nur die Verwaltungsräume zu sehen; die Zellen und Zimmer, in denen sich die Vollzugsgefangenen aufhalten, gehen zum Innenhof. Betritt man die JVA, erkennt man allerdings sehr schnell, dass es sich um ein Gefängnis handelt: Justizvollzugsbeamte, verschlossene Türen und weitere Sicherungsmaßnahmen.

Der geordnete und gut organisierte Betrieb der JVA zeigt sich auch im Tagesablauf der Häftlinge. Um 7 Uhr beginnt der Knast-Alltag auf den drei Stockwerken. Er beginnt mit der so genannten "Lebendkontrolle" durch die Justizbediensteten, dann folgt das Frühstück. Gegessen wird immer auf der Zelle. Danach werden diejenigen abgeholt, die an psychologischen oder anderen Therapiemaßnahmen teilnehmen oder arbeiten gehen. Arbeiten kann der Häftling entweder in der JVA-eigenen Produktionsstätte – hier werden zum Beispiel Hängeregister hergestellt –, als Putzkraft innerhalb der JVA oder im Küchendienst.

Hofgang: Nur 50 Mann auf einmal

Am Hofgang können immer nur Gruppen von zirka 50 Mann mit Vollzugsbeamten zusammen teilnehmen. Dort kann gejoggt oder unter Anleitung eines Sportbeamten auch Fußball gespielt werden. 77 Justizvollzugsbeamte kümmern sich um die Insassen, die in 111 so genannten "Haftplätzen" untergebracht sind. Die Beamten betreuen und beaufsichtigen die Untersuchungshäftlinge und sind als Ansprechpartner bei Fragen direkt zuständig. Sie übernehmen Zellenkontrollen, Essensausgaben und das Begleiten der Insassen zu therapeutischen Maßnahmen, Besuchen oder zur Arbeit oder Sportangeboten.

Eigentlich sollte jeder Gefangene einzeln in einer Zelle untergebracht sein. Manche aber teilen sich eine Zelle – weil sie es so wollen, wie Weber erklärt, und weil es aus gesundheitlichen oder psychologischen Gründen für die Insassen sicherer sei. Immerhin: In den größeren Zellen, die für Mehrfachbelegung vorgesehen sind, gibt es eine eigene Entlüftung für die Toilette. Manche können aber auch keinen eigenen Fernseher anmieten, weshalb sie mit einem anderen Gefangenen in eine Zelle möchten, berichtet Weber.

Einen weiteren Blick hinter die Türen der JVA Karlsruhe können Sie am Freitag bei ka-news werfen!

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Kommentare (2)
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  •   robertdaxxtor
    (160 Beiträge)

    11.06.2009 12:01 Uhr
    "Museum"
    Guter Artikel, aber schade, dass ihr nicht erklärt habt warum das Gebäude wein ein "Museum" also eher wie eine große Villa oder ein Archivbau aussieht.

    Das ganze Gelände gehörte ursprünglich dem Großherzog von Baden. Als er die Grundstücke parzellenweise an Privatpersonen veräußerte war die Nachfrage groß, vor allem von der feinen Gesellschaft, weshalb es so viele repräsentative Villen ringsherum gibt.

    Als es darum ging, dass ein Gefängnis gebaut werden sollte, fürchtete der Großherzog um einen Einbruch der Grundstückspreise.

    Daher gab er dem Architekten des Gefängnisses den Auftrag, das Gebäude sehr representativ und damit für die Gegend unscheinbar gestalten zu lassen.
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  • unbekannt
    (101 Beiträge)

    11.06.2009 03:11 Uhr
    Sehr interessant
    - ein paar Videoclips wären auch gut gewesen, damit man hören kann wie laut bzw. sehen kann wie hektisch es da zugeht - ohne dass man Personen erkennen kann natürlich. Teil II vielleicht?
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