ka-news im Himalaya

Vor allem in den abgelegenen Bergdörfern gibt es viele arme Menschen (Foto: ka-news)
Der Karlsruher Verein "Kinder des Himalaya" unterstützt unter anderem karitative Projekte des "Mahabodhi International Meditation Centre" (MIMC) in Ladakh, der nördlichsten Provinz Indiens im Himalaya. ka-news-Mitarbeiter Thorsten Höhn hat sich mit Vertretern des Vereins auf den Weg nach Indien gemacht, um sich die Bedingungen vor Ort direkt anzuschauen.

Im Vordergrund der Vereinsarbeit stehen neben Patenschaften für Schulkinder auch die Unterstützung des Alten- und Behindertenheims, des Heims und der Schule für Sehbehinderte und Blinde sowie des Krankenhauses in Devachan. Außerdem werden weitere Schulen in Tingmosgang, Bodhkharbu und Dehradun gefördert. Auch Schüler, die Hochschulreife und ein Hochschulstudium anstreben, werden bis zum Hochschulabschluss finanziell unterstützt. Aber auch die Ausbildung medizinischen Fachpersonals und die Herstellung der Zahngesundheit der Menschen vor Ort wird gefördert. Hinzu kommen temporäre Projekte wie Verbesserung der Trinkwasserqualität und ökologische Projekte wie Aufforstung und Sonnenenergienutzung.

Eine Reportage von Thorsten Höhn

Schüler während ihrer Freizeit in der Nähe ihrer Heimunterkunft (Foto: ka-news)
Von Karlsruhe aus geht die Fahrt nach Frankfurt zum Flughafen. Nachdem mit der Lufthansa bereits im Voraus ausgehandelt worden war, dass zusätzliches Gepäck mitgenommen werden darf (Kleidung, Spielsachen und andere Mitbringsel für die Einheimischen), fliegen wir von Frankfurt nach Delhi und von dort aus per Inlandsflug weiter nach Leh. Der Leh Airport in Ladakh liegt 3.256 Meter hoch und ist damit der höchste zivile Flughafen der Welt. Wir haben Glück, dass es an diesem Tag nicht allzu nebelig in den Bergen ist: Häufig können Flugzeuge aufgrund schlechter Sicht nicht landen und müssen wieder zurück nach Delhi fliegen.

Ein Wohngebiet in Ladakh (Foto: ka-news)

Ausstieg in Leh: eine atemberaubende Kulisse, um uns herum überall riesige Berge. Der Flughafen ist auf Grund seiner Nähe zu China und Pakistan übrigens militärisches Gebiet - fotografieren verboten. Hierauf werde ich vom Militär hingewiesen, als ich nichts ahnend schon eifrig knipse. Militär werden wir immer wieder sehen: Die Beziehungen zu den beiden Nachbarn sind angespannt. Zur Begrüßung bekommt jeder von uns einen kleinen Blumenstrauß, danach werden wir mit einem Jeep direkt zum "Mahabodhi International Meditation Centre" (MIMC) gebracht, wo uns der buddhistische Mönch Ven. (Venerable, zu Deutsch: Ehrwürdiger) Bhikkhu Sanghasena, der Gründer des MIMC, empfängt.

Für Lehrer bedeutet eine Versetzung hierhin eine Höchststrafe

Schüler einer Mönchschule in Ladakh (Foto: ka-news)
Da über 70 Prozent der Bevölkerung Analphabeten sind, sind die Ladakhi trotz ihrer hoch entwickelten soziokulturellen Strukturen und Werte leider kaum in der Lage, über ihre Zukunft selbstbestimmt zu entscheiden und diese eigenständig zu gestalten. Das Bildungsniveau an den staatlichen Schulen in Ladakh ist für westliche Verhältnisse sehr gering, was leider auch an der sehr abgelegenen und wüstenähnlichen Gegend liegt: Viele Lehrer empfinden eine Versetzung in diese Region als Höchststrafe. So kommt es an den staatlichen Schulen vor, dass die Lehrer absichtlich nicht anwesend sind und somit viele Schulstunden einfach ausfallen. Außerdem mangelt es in dem im hohen Himalaya gelegenen Ladakh an elementaren und überlebenswichtigen Dingen wie Nahrung, Wasser, Kleidung, medizinischer Versorgung.

Aus einer Gebirgswüste hat Mönch Ven. Bhikkhu Sanghasena eine Oase für Bedüftige gemacht (Foto: ka-news)

Der ehrwürdige Bhikkhu Sanghasena, der als Kind selbst keine Ausbildung erfahren durfte, wollte sich mit den Bedingungen in dieser Region nicht abfinden und gründete daher 1986 das MIMC mit dem Ziel, den Kindern eine angemessene Ausbildung bieten zu können, damit sie eine Zukunftschance haben. Mit Spendengeldern erwarb er günstig ein recht großes Gebiet in der Wüstenregion, mit der Vision, dieses Land blühend und voller Leben zu machen. Bis heute entstanden unter seiner Regie unter anderem verschiedene Schulen mit Wohnheimen, das Karuna-Hospital, ein Alten- und Behindertenheim und eine mobile Krankenstation, da es in den weit verstreuten und isolierten Bergdörfern der hohen Gebirgstäler, die sieben Monate im Jahr abgeschnitten sind von jeglicher Zufahrt und Kommunikation, so gut wie keine Einrichtungen zur medizinischen Versorgung gibt. Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius im Winter stellen außerdem unbeschreibliche Härten für die Menschen dar, denen es am Nötigsten fehlt. Im MIMC werden auch Mädchen gefördert. Keine Selbstverständlichkeit, denn Mädchen haben im Norden Indiens nicht die selben Chancen auf Bildung wie Jungen.

Straßen bestehen oft nur aus Steinen und Felsbrocken

Einheimische bei der Zubereitung von Essen (Foto: ka-news)
Die Herzlichkeit und Freundlichkeit in der Region sind einzigartig. Trotz allgegenwärtiger Armut und obwohl die Lebensverhältnisse aufgrund der Gebirgswüste und der Höhenlage, in der die Luft recht dünn ist, nicht leicht sind, findet man dort überall freundliche Menschen. Neid und Aggressionen erlebe ich während meines gesamten Aufenthalts nicht. Bei zahlreichen Besuchen in Schulen und Altenheimen oder zu Gast bei Einheimischen dürfen wir das Leben der Eingeborenen hautnah erleben. Das Essen besteht oft lediglich aus Reis mit Gemüse, vor allem bei der armen Bevölkerung - zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Fleisch werde während meines dreiwöchigen Aufenthalts nur zwei Mal essen. Apropos dünne Luft: Als Schüler uns bitten, inmitten der Gebirgslandschaft mit ihnen Fußball zu spielen, merken wir sehr schnell, dass man dort schneller schlapp wird, wenn man die Höhenlage nicht gewöhnt ist.

Mönch Ven. Bhikkhu Sanghasena, Gründer des "Mahabodhi International Meditation Centre" (MIMC) (Foto: ka-news)

Auf Trekkingtour im Himalaya wollen wir eigentlich mit dem Jeep eine bestimmte Strecke ins Gebirge fahren, um dann einige Stunden zu wandern. Schnell merken wir aber, dass man in dieser Region eigentlich so gut wie nichts planen darf. Zuerst ist eine Straße im Gebirge total mit Wasser überschwemmt, so dass wir erstmal mit dem Jeep stecken bleiben und später nur mit großer Mühe drüber kommen. Einige Zeit später ist die Straße ganz gesperrt, da sie geteert wird. Straßen im Himalaya darf man sich nicht wie bei uns vorstellen. Oft besteht eine "Straße" nämlich nur aus Steinen und Felsbrocken. Derzeit wird angefangen, die wichtigsten Trassen zu teeren. Umleitungen gibt es dann nicht. Also wird auch unsere Wanderung etwas länger als geplant.

Viele Schulen sind für die Kinder unerreichbar

Ältere Damen vom Alten- und Behindertenheim bei einer Aufführung (Foto: ka-news)
Wir sind froh, als wir irgendwann in der Nacht endlich ein Haus sehen. Die Besitzer laden uns sofort ein, bei ihnen zu übernachten. Spät in der Nacht wird uns sogar noch Essen zubereitet. Die Häuser selber bestehen teilweise nur aus Steinen, die aufeinander gelegt werden, die Toilette ist oft nur ein einfaches Loch im Boden. Ein anderes Mal sitzen wir einen halben Tag im Gebirge fest, weil es einen Streik gibt. Die Straßen im Gebirge sind übrigens oft so schmal, dass kaum zwei Autos aneinander vorbeikommen. Zudem sind sie auch nicht gesichert, so dass es in Höhenlagen schon vorkommt, dass es direkt neben einem ein paar hundert Meter bergab geht - besonders bei Gegenverkehr nicht gerade angenehm. Bei einem Unfall erleben wir, dass die Polizei aufgrund der engen Straße nicht schnell genug vorbei kommt. Wir stehen einige Stunden rum, bis der Stau sich auflöst.

Eine Einheimische beim Rösten von Getreide (Foto: ka-news)

Viele Orte liegen im Gebirge sehr abgelegen und sind mit dem Auto oft nicht zu erreichen. Die Menschen, die dort leben, müssen stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen, wenn sie einkaufen müssen - sofern sie dazu das Geld haben. Somit bleibt leider vor allem Kindern in den abgelegenen Bergdörfern oft nichts anderes übrig, als beispielsweise auf dem Feld zu arbeiten, zumal Schulen zu Fuß unerreichbar sind. Die einzige Chance besteht hier, dass sie die Möglichkeit bekommen, irgendwo auf eine private Schule zu gehen und dann in einem Wohnheim übernachten können. Dies wird dann ganz klar deutlich, wenn man die Lage direkt vor Ort sieht. Die wenigsten Familien haben hierzu die finanziellen Möglichkeiten, sie sind auf Patenschaften angewiesen.

Verteilung von Hilfsgütern in abgelegene Regionen

So sieht eine Toilette in abgelegenen Dörfern aus (Foto: ka-news)
Das MIMC besucht auch abgelegene Dörfer, damit auch dort die Kinder eine Zukunftschance bekommen. Oft werden auch Waisenkinder vom Militär beim MIMC abgegeben. Außerdem verteilt die Organisation Kleidung, Decken, Schuhe und ähnliches in abgelegenen Gebirgsregionen. Dies alles funktioniert aber nur über Spendengelder und Patenschaften, da die Kapazitäten ständig erweitert werden müssen und die Kinder Schulmaterial, eine Unterkunft und Nahrung benötigen.

Ich selber war von der Reise und den Menschen in Indien sehr begeistert. Wahrscheinlich werde ich trotz der ungewohnten Lebensverhältnisse irgendwann wieder dorthin fliegen - auch wenn ich nach drei Wochen Aufenthalt erstmal keinen Reis mehr sehen kann. Wer mehr über den Verein "Kinder des Himalaya e.V." erfahren möchte oder Interesse an einer Patenschaft oder Spende hat, findet auf der unten angegebenen Website weitere Informationen. Jedes Jahr finden auch Benefizveranstaltungen für die Kinder des Himalaya statt (ka-news berichtete).

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