Dass sie tatsächlich mal als Richterin arbeiten würde, war zu Beginn ihres Jura-Studiums nicht abzusehen. "Ich habe mich für den Studiengang entschieden, da man sehr viel damit machen kann", sagt sie im Gespräch mit ka-news. An den klassischen Juristenberuf hat sie dabei zunächst jedoch nicht gedacht. Durch Praktika während des zweiten Staatsexamens, in dem die Studenten verschiedene Bereiche durchlaufen, fand sie Gefallen an der Arbeit am Gericht.  

Richerin Carolin Kley
Carolin Kley studierte bis 2012 Jura und ist seither im Justizdienst. | Bild: Lukas Hiegle

Nach Abschluss ihres Jura-Studiums vor sechs Jahren, kam sie über die Staatsanwaltschaft Pforzheim und das Familiengericht vor zwei Jahren, im August 2016, zum Landgericht, wo sie in zwei Strafkammern sitzt.

"Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, bei dem kein Tag wie der andere ist. Es gibt immer etwas Neues", erzählt die junge Richterin, die parallel seit diesem Jahr auch für die Pressearbeit des Landgerichts im Bereich Strafrecht zuständig ist. Diese Tätigkeit ist für sie eine willkommene Abwechslung zum Gerichtsalltag. "Viele Anfragen erreichen mich telefonisch und sind daher vergleichsweise schnell abzuarbeiten", erzählt sie. 

Zweidrittel-Mehrheit für Verurteilung erforderlich

Darüber hinaus sitzt sie in der sogenannten Strafvollstreckungskammer. Dort werden Anträge auf vorzeitige Haftentlassungen vom Gericht geprüft und dort gibt es immer einiges zu tun. Wenn ein Straftäter zwei Drittel der Strafe abgesessen haben, ist das Gericht gesetzlich verpflichtet zu prüfen, ob eine vorzeitige Haftentlassung möglich ist. "In manchen Fällen ist es besser, Strafgefangene so zu stabilisieren", berichtet sie.

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Die Richterbank ist der Arbeitsplatz von Carolin Kley und ihren Kollegen. | Bild: Thomas Riedel

Um einen Angeklagten überhaupt rechtskräftig schuldig sprechen zu können, wird auch eine Zweidrittelmehrheit der Entscheidungsträger benötigt. Das bedeutet, je nach Größe der Kammer, wenn beispielsweise zwei Richter einen Angeklagten für schuldig befinden, die Schöffen ihn aber für unschuldig halten, muss derjenige freigesprochen werden, erklärt die Juristin.     

Gründliche Vorbereitung auf Verfahren durch Aktenstudium

Es gibt Wochen mit mehr Verhandlungstagen, in anderen Wochen wartet mehr Büroarbeit - ohne Gerichtssaal. Der war angesichts der Hitzeperiode in den vergangenen Wochen ein beliebter Aufenthaltsort, verrät sie im Gespräch: "Die Gerichtssäle sind die einzigen Räume mit Klimaanlage!"

Richerin Carolin Kley
Die ersten vier Jahre nach dem Studium arbeiten die Juristen "auf Probe" und sind dabei in der Regel zwei Jahre in der Staatsanwaltschaft und am Gericht tätig. | Bild: Lukas Hiegle

Einen Großteil der Richterarbeit nimmt auch die Vorbereitung auf Verfahren ein. Dabei gilt es, sich in die Prozessakten einzulesen und die Beweisanträge zu prüfen. Für die Richter ist es trotz der Einarbeitung in den Fall extrem wichtig, unvoreingenommen in den Prozess zu gehen und die Argumente beider Seiten nüchtern einzuordnen, erzählt sie, um zu einem gerechten Urteil für alle Seiten kommen zu können.

"Bestimmte Fälle machen besonders nachdenklich"

Von einem Richter wird immer ein gefasster und souveräner Eindruck erwartet, doch auch sie belasten bestimmte Fälle über den Gerichtsaal hinaus. Für Kley sind vor allem Fälle, die von besonderes grober Gewalt geprägt sind, sehr bedrückend. Dazu zählen beispielsweise Vergewaltigungen: "Solche Fälle beschäftigen einen auch über den Gerichtssaal hinaus. Man wird in solchen Momenten schon nachdenklich", erzählt die Juristin. Auch Fälle, in denen die Schuldigkeit nicht genau hervorgeht, seien oft belastend, da man im Zwiespalt zwischen "Täter" und "Opfer" stecke und keinem der Parteien Schaden zufügen möchte, erklärt sie.

Richerin Carolin Kley
Bild: Lukas Hiegle

Wenn der Richterhammer gefallen ist, muss das Urteil noch geschrieben werden. "Das bedeutet oftmals viel Arbeit", so Kley. Wenn Rechtsmittel eingelegt wurden, also das Urteil angefochten wird, muss die Richterkammer die Begründung des Urteils genau ausführen. Wurde das Urteil nicht angefochten, ist in der Regel eine nicht so ausführliche Urteilsbegründung notwendig.  

Das Landgericht Karlsruhe ist in die Bereiche Strafrecht und Zivilrecht eingeteilt. In den Strafkammern werden Fälle verhandelt, in denen eine Person vom Staat, also der Staatsanwaltschaft angeklagt ist. Darunter fallen Gewaltverbrechen, Raubdelikte oder Steuerhinterziehung. Bei den Kammern des Zivilrechts werden Fälle zwischen Einzelpersonen verhandelt, also beispielsweise Verkehrs-, Nachbarschafts-, Bau- oder Erbstreitigkeiten. "Insgesamt ist das ein sehr breites Gebiet", so Kley.

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