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Karlsruhe Tschüss, Baustelle - Hallo, U-Bahn! Die Karlsruher Kombilösung im Jahresrückblick 2021

Fast zwölf Jahre Bauzeit sind ins Land gezogen. Doch am 11. Dezember 2021 war es soweit: Die Karlsruher Kombilösung konnte endlich in den Betrieb gehen, obwohl viele nicht mehr an eine rechtzeitige Fertigstellung geglaubt haben. Doch welche Hindernisse, Erfolge und Rückschläge prägten das Geburtsjahr des wohl größten Bauprojektes der Karlsruher Geschichte? Vom Jahresanfang bis hin zur feierlichen Eröffnung - wir haben das Jahr 2021 nochmal Revue passieren lassen.

Die meisten Karlsruher dürften nun erleichtert aufatmen. Denn mit der Fertigstellung der Karlsruher Kombilösung verschwanden auch viele Baustellen von Karlsruhes Bildfläche. Stattdessen wird dieses nun durch eine frisch sanierte Kriegsstraße und diversen Zugängen zu Karlsruhes neuer "Unterwelt" geprägt. Der bauliche Endspurt im Jahr 2021 hatte aber auch seine Tücken. So konnte beispielsweise der dazugehörige Autotunnel nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.

Straßensperrungen stellen Geduld der Autofahrer auf die Probe

Am 16. Januar 2021 kehrte das Mega-Verkehrsprojekt, das von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) betreut wurde, aus der Winterpause zurück. Dennoch ist klar zu erkennen: Langsam, aber sicher, neigt sich die größte Baustelle von Karlsruhe dem Ende zu. 

Immer mehr schritt der Innenausbau des Bahntunnels voran. Selbst die Kräne verschwanden nach und nach von der Oberfläche, welche nun auf ihre endgültige Ausgestaltung vorbereitet wurde. Das heißt: Radwege, Fahrbahnen, Grünsteifen und vieles mehr. Doch damit die auch bald genutzt werden konnten, waren einige Vorkehrungen unabdingbar. Darunter: Straßensperrungen und Umleitungen, die im Jahr 2021 das Karlsruher Stadtbild entscheidend mitprägten.

Das wird: Der Bereich, an dem die Ritterstraße auf die Kriegsstraße trifft, entsteht komplett neu.
Das wird: Der Bereich, an dem die Ritterstraße auf die Kriegsstraße trifft, entsteht komplett neu. | Bild: KasigKomb

So wurde beispielsweise die Kreuzung Ritter-/Kriegsstraße in Nord-Süd-Richtung und umgekehrt bis Ende Februar gesperrt. Auch bei den Knotenpunkten Karlstor, Ettlinger Tor, Mendelssohnplatz und Kriegsstraße mussten Autofahrer wegen Umleitungen und einer provisorischen Verlagerung des Autoverkehrs auf die Mittellage des Tunnels viel Geduld mitbringen. Zweck der provisorischen Maßnahme: Auf der Nord- und der Südseite der Kriegsstraße konnte so die endgültige Fahrbahn mit Radwegen und Bürgersteigen entstehen.

Abbau der Hilfsbrücken am Karlstor und erste Probefahrten

Nachdem im vergangenen September am Karlsruher "Karlstor" Hilfsbrücken angebracht wurden, um den Bahnen - trotz Tunnelbau - eine Weiterfahrt zu ermöglichen, wurden diese in der Nacht vom 8. auf den 9. April wieder entfernt. Das bedeutete jedoch, dass bis zum September erstmal keine Bahnen mehr über die Karlstraße rollen konnten. Erneut mussten sich die Bürger auf Umleitungen einstellen.

Ebenfalls im April fand der erste Probebetrieb unter der Kaiserstraße statt. Darauf folgte der erste große Stresstest, indem 20 Bahnen innerhalb von fünf Stunden durch die noch nicht fertige Kombilösung fuhren. Kurz zuvor wurde im Bahntunnel außerdem das Funknetz weiter ausgebaut, um in Notfällen eine sichere Kommunikation zu Polizei, Feuerwehr und Co. zu gewährleisten.

Inzwischen ging es auch auf der Oberfläche mit großen Schritten voran. Insbesondere beim Abschnitt zwischen Mendelssohnplatz und Ettlinger Tor waren die Arbeiter mit der neuen südlichen Fahrbahn und mit den neuen nördlichen Gehwegen beschäftigt. Derweil wurde der Rohbau für die unterirdische Zufahrt zum Parkhaus des Ettlinger Tors fertiggestellt.

Rohbauarbeiten werden abgeschlossen

Trotz Pfingstferienbeginn wurden die Arbeiten ober- und unterirdisch weiter fortgesetzt. In der Oststadt wurden neue Gleise gelegt und darum auch neue Straßensperrungen beim Hauptfriedhof und dem Karl-Wilhelm-Platz errichtet. An der Kreuzung Karlstraße, Karlstor und Kriegsstraße entstand hingegen ein Gleisdreieck für die Bahnen. Dort wurde dann im gleichen Zuge die 50 Jahre alte Rampe bei der Karlstor-Unterfahrung saniert.

Fertig beim Rohbau ist das westliche Tunnelportal des Autotunnels Kriegsstraße westlich vom Karlstor.
Fertig beim Rohbau ist das westliche Tunnelportal des Autotunnels Kriegsstraße westlich vom Karlstor. | Bild: Kasig

Ein Stück weiter, auf der Oberfläche der Kriegsstraße, wurden Woche für Woche immer mehr endgültige Fahrbahnen für die oberirdisch fahrenden Autos und Radler erkennbar. Gehwege wurden gepflastert und Grünstreifen angelegt. Der Clou: Das Gras wurde aus dem ausgedienten Rasen des August-Klingler-Stadion in Daxlanden und des Wildparkstadions "recycelt". 

Schnell: In zwei Arbeitsgängen wird der alte Stadionrasen entfernt und bis zur endgültigen Verwendung in der Kriegsstraße in der Oststadt zwischengelagert.
Schnell: In zwei Arbeitsgängen wird der alte Stadionrasen entfernt und bis zur endgültigen Verwendung in der Kriegsstraße in der Oststadt zwischengelagert. | Bild: Kasig

Doch nicht nur auf der Oberfläche ging es voran: Im 1,6 Kilometer langen Autotunnels, etwa 25 Meter westlich der Kreuzung der Karlstraße mit der Kriegsstraße, wurde außerdem die letzte Betondecke im Bereich des Tunnelportals hergestellt. Damit galt der Rohbau des Autotunnels als endgültig abgeschlossen.

Autotunnel wird nicht im Dezember fertig

Allerdings hatte die Kasig im Sommer mit unbeständigem Wetter und Materialmangel zu kämpfen. Das Resultat: Einzelne Arbeiten mussten nach hinten verschoben werden. Es wurde immer deutlicher, dass der Autotunnel wohl nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig sein würde. Die endgültige Bestätigung dieser Vermutung erfolgt während einer Pressekonferenz im August.

Ein Teil des Autotunnels unter der Kriegsstraße | Bild: Thomas Riedel

Nichtdestotrotz konnte bei der Oberflächengestaltung der Kriegsstraße die finale Phase eingeleitet- und auch die Arbeiten am Karlstor weiter vorangebracht werden. Der Grund: Seit dem 13. September durften dort wieder die Bahnen rollen. Parallel dazu wurden die Fahrer der Stadtbahnen und Straßenbahnen von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) in die Tunnelstrecken eingewiesen.

Pachtvertrag zwischen VBK und der Stadt Karlsruhe

Im Herbst war dann endgültig "Endspurt" angesagt, indem durch entsprechende Einsätze der "Ernstfall" geprobt wurde. Mal bargen Feuerwehrleute eine Person unter einer Straßenbahn, mal übte die Polizei eine Bedrohungslage, mal wurde ein kompletter Stromausfall simuliert.

Bild: Thomas Riedel

Ein anderes Kapitel wurde wiederum bei der Vertragsschließung zwischen der Stadt und der VBK aufgeschlagen. Da die Kombilösung nach ihrer Fertigstellung in den Besitz der Stadt übergehen sollte, müsse die VBK für die Nutzung des Tunnels eine Pacht von rund 22,5 Millionen Euro zahlen. Der komplette Gemeinderat stimmte am 19. Oktober diesem Pachtvertrag zu.

"Genesis" Kunstprojekt wird nicht zur Eröffnung fertig

Im November wurde unterdessen bekannt, dass das Kunstprojekt "Genesis" von Markus Lüpertz nicht im Dezember, sondern erst in der ersten Jahreshälfte von 2022 enthüllt werden soll. Der Grund: Ebenso wie beim Tunnel sollen Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung ausschlaggebend gewesen sein. Darüber hinaus hatte die Keramikmanufaktur "Majolika", die mit dem Projekt vertraut worden war, die Zusammenarbeit mit dem Verein "Karlsruhe Kunst Erfahren" aufgelöst. In einer Pressemitteilung gab der Verein jedoch bekannt, dass die "Genesis" nun in der Zeller Keramik Manufaktur fertiggestellt werden soll. 

"Ein weiteres Highlight für die Karlsruher Kombilösung", freute sich Oberbürgermeister Frank Mentrup über die Kunst von Markus Lüpertz.
"Ein weiteres Highlight für die Karlsruher Kombilösung", freute sich Oberbürgermeister Frank Mentrup über die Kunst von Markus Lüpertz. | Bild: Foto Fabry info@foto-fabry.de

Im selben Monat wurde die Kombilösung außerdem mit dem Preis der Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen (Stuva) ausgezeichnet. Damit sollen die "besonderen Leistungen des unterirdischen Bauens für Bahn und Straße in der eng bebauten Karlsruher Innenstadt und das damit verbundene Gesamtkonzept, welches mit der Fertigstellung der Kombilösung einhergeht", gewürdigt werden.

Und es gab noch weitere gute Nachrichten: Das Land bewilligte kurz vor der Eröffnung eine weitere Finanzspritze von 63,4 Millionen Euro. Damit sollten unter anderem Mehrkosten abgedeckt werden, die bereits vor einigen Jahren aufgrund des gestörten Bauablaufs und höhere Aufwendungen für die Sicherheit entstanden seien.

Der Bahntunnel ist offiziell eröffnet

Am 11. Dezember 2021, um 11 Uhr, war es dann endlich soweit: Der Bahntunnel der Kombilösung wurde eröffnet. Wegen Corona fiel die Zeremonie jedoch deutlich kleiner aus. Zugegen waren unter anderem der Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Oberbürgermeister Frank Mentrup und sein Vorgänger Heinz Fenrich.

Bild: Thomas Riedel

Um 14 Uhr wurden die einzelnen Haltestellen eröffnet, indem jeweils zwei "Paten" das Durchschneiden der roten Bänder übernahmen. Und die Fahrgäste? Bei denen fiel das Resümee über die Eröffnung ziemlich gespalten aus. Dies bestätigt auch eine nicht repräsentative Umfrage auf ka-news.de: 40,5 Prozent der Stimmen gaben an, sich über die Kombilösung zu freuen. 56,28 Prozent empfinden sie wiederum als unnötig. 

Bild: ka-news.de
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Kommentare (16)
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  •   Reger
    (823 Beiträge)

    28.12.2021 10:30 Uhr
    Körperlich Behinderte
    An diese Menschen wurde vielleicht gedacht, mehr aber nicht. Sie werden bei diesem 1,5 Milliarden-Objekt ausgegrenzt. Die Aufzüge fallen permanent aus, und ein Rolli-Fahrer kommt weder hoch an die Erdoberfläche noch runter zur Bahn. Das einen Skandal zu nennen, finde ich nicht übertrieben.
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  •   Reger
    (823 Beiträge)

    27.12.2021 17:13 Uhr
    Froh
    Ich bin froh, dass die Linie 4 zumindest weiterhin oberirdisch fährt. Keine unendlich langen Treppenläufe um umzusteigen, da die Aufzüge oft ausfallen und Rolltreppen Mangelware sind.
    1,5 Milliarden für dieses Ergebnis, zum Kopfschütteln.
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  •   dipfele
    (6031 Beiträge)

    27.12.2021 18:46 Uhr
    Es werden nur volkswirtschaftlich....
    .... sinnvolle Projekte gefördert, so die Aussage von Dr.Casazza am 5.12.2010 in den BNN. Und weiter: "Der Gleistunnel wird gegenüber dem heute oberirdischen Verkehr für den laufenden Straßenbahnbetrieb jährlich drei Millionen günstiger sein".
    Anmerkung: GVFG-Zuschüsse dürfen für Projekte nur vergeben werden, wenn diese erhebliche Vorteile für die Fahrgäste bringen. Ansonsten wäre das Subventionserschleichung.
    In der Stadtverwaltung und im Gemeinderat ist die Meinung immer noch auf dem Stand von 2010 geblieben.
    Könnte es sein, dass diese Damen und Herren Entscheidungsträger der Realität total entflogen sind?
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  •   ruejoka
    (42 Beiträge)

    27.12.2021 10:36 Uhr
    Genau das war das Geheimnis des Herrn Ludwig
    Man lässt ALLE Bahnen durch die Kaiserstraße fahren um die Unzumutbarkeit des Flanierens zu dokumentieren!
    Und schon hat man ein U-Bähnle in der Kaiserstraße. Jetzt heißt es fleißig zu fahren um die jährliche Unterhaltung von über 20 Mio. des Tunnels zu sichern!
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  •   dipfele
    (6031 Beiträge)

    27.12.2021 08:08 Uhr
    Die Baustellen gehen ja weiter....
    .... wenn jetzt für die nächsten 5 bis 8 Jahre die gesunden Platanen abgeholzt und die Gleise rausgerissen werden. Die Gleise und Gleisdreiecke sind keine 10 Jahre alt. Selbst wenn die Platanen durch kleine Zirbelbäumlein ersetzt und die Gleise irgendwo und wann wieder verwendet werden sollten, sind die dafür notwendigen 40 Mio Vernichtung von Steuergeldern, die anderweitig gebraucht werden!!!
    Schlimm ist noch, dass das Land diese Massnahme aus dem Städtebausanierungsprogramm subventioniert.Dazu kommen noch die 20 Mio Unterhaltskosten für den Tunnel p.a.
    Ob sich das Liniennetz als Vorteil für die Fahrgäste erweist, ist abzuwarten. Wenn nicht, dann wäre das eine Fehlsubvention. Schon jetzt erkennbar einen Fehlplanung ist der Tunnelabzweig "Markstplatz", der einen Höllenlärm verursacht.
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  •   karlsunruhe
    (127 Beiträge)

    27.12.2021 08:46 Uhr
    Leider !
    Abgesehen von diesen astronimischen Kosten, die entstanden und immer wieder entstehen werden, ist es unterm Strich nichts gewonnen. Längere Fahrtzeiten, Umsteigen, Sinnlose Linienführungen ( Die 5 und die 4 Mäandern regelrecht, Von der Südstadt kommt man nicht mehr zum Marktplatz ohne umzusteigen, also Zeitverlust, ebenfallsgilt es für die Weststadt. Nun gut, mal kommt jetzt unterirdisch durch die "Prachtstrasse" der Dönebuden und Nagelstudios und Billigfriseure. Das könnte ja der Vorteil sein.
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  •   reinhardo48
    (40 Beiträge)

    27.12.2021 12:24 Uhr
    Fahrtdauerverlängerung
    Zum Glück habe ich noch ein KVV - KURSBUCH aus der Zeit vor Beginn der Umgestaltungsmaßnahmen
    der Kombilösung gültig für das Jahr ...2009...! Die Linie S1 fuhr noch via Ettlinger Straße zum oberirdischen Marktplatz bei der Pyramide.
    Die Fahrtdauer betrug damals von Bad Herrenalb Bhf zum Marktplatz: 45 MINUTEN !
    49 MINUTEN sind es jetzt! Hinzu kommen noch ca. 2 Minuten Fußweg von Unten nach Oben !
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  •   Martin181279
    (25 Beiträge)

    27.12.2021 16:12 Uhr
    Der Vergleich hinkt.
    DIE Reine Fahrzeit von Bad Herrenalb zum Marktplatz KA hat sich nicht Verändert wohl aber diverse Haltepunkte verlängert. Und das war schon wehrend der Bauzeit der Kombilösung geschehen.
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  •   yokohama
    (3495 Beiträge)

    27.12.2021 10:24 Uhr
    Von der Südstadt
    gelangt man über die Haltestellen Poststraße, Augartenstraße und Kongresszentrum binnen weniger Minuten zum Marktplatz, über die Rüppurrer Straße mit einmal Umsteigen, dafür direkt zum Europaplatz. Der Sinn der Kombilösung ist die Entzerrung des Liniennetzes und die Schaffung neuer Verkehrswege durch die Stadt und nicht die Konzentration aller Linien auf eine Haltestelle.
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  •   karlsunruhe
    (127 Beiträge)

    27.12.2021 17:19 Uhr
    Cleverle:
    Und wenn man in der Scherrstrasse oder Morgenstrasse wohnt? da kann man gleich laufen. Du kannst dieses Desaster nicht schöb reden. Es ist ein Flop!
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