Karlsruhe Lockdown, Maskenpflicht, Ausgangssperre: Das war das Corona-Jahr 2020 in Karlsruhe

Das Jahr 2020 dürfte wohl keinem positiv in Erinnerung bleiben. Denn es stand ganz unter dem Schatten von Sars-CoV-2, besser bekannt als Corona. Schauen wir auf die letzten zwölf Monate zurück, sind diese geprägt von Hygieneregeln, Einwegmasken und der Reduktion von sozialen Kontakten. Bis heute leidet die ganze Welt unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie - und vorerst ist kein Ende in Sicht: Über 1,6 Millionen Todesfälle hat das Virus bereits gefordert, davon 297 im Stadt- und Landkreis Karlsruhe (Stand 23.12). ka-news.de lässt das "Corona-Jahr" noch einmal Revue passieren.

Corona, Covid-19 oder im  schlimmsten Fall "die etwas andere Grippe". Das neuartige Virus hat im Verlauf seiner Existenz so manchen Namen verliehen bekommen - egal ob medizinischen Ursprungs oder infolge bürgerlicher Floskeln.

Begonnen hat das Übel bereits im Jahr 2019, als in der chinesischen Provinz Wuhan die ersten Fälle auftreten. Seitdem verbreitet sich das Virus Schritt für Schritt erst im Osten, schwappt schließlich bis nach Deutschland über und kommt so letztendlich auch nach Karlsruhe. 

Januar 2020: Internationaler Notstand

Laut Medienberichten wie dem Spiegel sind Anfang November lediglich rund 4.500 Menschen weltweit mit dem Virus infiziert. Dann bestätigen die Behörden den ersten Corona-Fall in Deutschland. Ein Mann habe sich bei einer chinesischen Kollegin infiziert.

Mitarbeiter in Schutzanzügen vor dem Wuhan Medical Treatment Center in Wuhan, in dem ein Patient mit Verdacht auf den neuartigen Corona-Virus behandelt wurde.
Mitarbeiter in Schutzanzügen vor dem Wuhan Medical Treatment Center in Wuhan, in dem ein Patient mit Verdacht auf den neuartigen Corona-Virus behandelt wurde. | Bild: Dake Kang/AP/dpa

Nur kurze Zeit später, am 23. Januar, ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum internationalen Notstand aus, es werden typische Symptome und Krankheitsverläufe bekannt. Erste Länder streichen ihre Flüge ins Ausland. 

Februar 2020: Erster Corona-Fall in Karlsruhe

Ende Februar bestätigt auch Karlsruhe seinen ersten Corona-Fall: Ein Geschäftsreisender aus Nürnberg, der zur Behandlung ins Städtische Klinikum gebracht wird. Zuvor hatten die St. Vincentius-Kliniken bereits Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und ein "Schleusen-Zelt" errichtet, um Verdachtsfälle isoliert behandeln zu können.

Der Grund: Nur kurz zuvor waren weitere Fälle in Baden-Württemberg gemeldet worden. Darunter in Heilbronn, Heidelberg, Freiburg und Göppingen.

Vorkehrungen am St. Vincentius Krankenhaus in Karlsruhe gegen eine mögliche Verbreitung des Corona-Virus.
Vorkehrungen am St. Vincentius Krankenhaus in Karlsruhe gegen eine mögliche Verbreitung des Corona-Virus. | Bild: ka-Reporter

Oberbürgermeister Frank Mentrup lässt daraufhin eine Hotline für Bürger einrichten und auch im Landtag wird über das Corona-Virus erstmals debattiert. Daraus resultiert, dass sogar die Info-Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI) durch zu hohe Zugriffszahlen überlastet wird. Nicht anders ergeht es der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Ende Februar werden die ersten "Hamsterkäufe" in Supermärkten und Drogeriemärkten beobachtet. Hygieneartikel wie Klopapier, Seife und Desinfektionsmittel sind nahezu nicht mehr verfügbar.

März 2020: Erster Lockdown

Immer mehr Bürger infizieren sich in Karlsruhe mit Corona, auch Kinder kommen in den Schulen und Kitas mit dem Virus in Kontakt - es kommt zu Schließungen, Prüfungen werden verschoben. Messen, Konzerte und andere Veranstaltungen werden abgesagt, der Semesterstart wird verschoben und der KSC spielt gegen Darmstadt ohne Zuschauer

Außerdem spitzt sich die Lage soweit zu, dass die Abstriche nun zunehmend von Corona-Drive-In Stationen übernommen werden müssen.  Im Zehn-Minuten-Takt werden Abstriche genommen und auf das Corona-Virus untersucht. In den Krankenhäusern wird die Anzahl der Intensivbetten erhöht.

Corona-Drive-In Stupferich | Bild: ka-news.de

Außerdem beginnt das Robert Koch Institut (RKI) seit März regelmäßig Risikoeinschätzungen und Fallzahlen zu veröffentlichen. Dem Beispiel folgt auch die Stadt Karlsruhe und bündelt sämtlich Informationen auf der Seite www.corona.karlsruhe.de.

Wie lange ein Corona-Patient in einer Klinik bleiben muss, macht schließlich die Entlassung des Geschäftsmannes aus Nürnberg deutlich. Dieser wurde am 21. Februar ins städtische Klinikum eingewiesen. Erst am 11. März kann er das Klinikum wieder verlassen.

Zeltanlage vor Zentraler Notaufnahme Städtisches Klinikum | Bild: ka-news.de

Doch die Freude währt nur kurz: Am 24. März registriert das Krankenhaus den ersten Corona-Todesfall in KarlsruheErst kurz zuvor sind Discotheken, Bäder, Gaststätten, Vergnügungsstätten und Kultureinrichtungen geschlossen worden.

Am 16. März werden schließlich die Grenzen zu den benachbarten Ländern dicht gemacht. Selbst die Müllabfuhr kann nur in unregelmäßigen Abständen ihrer Arbeit nachkommen. Der erste Lockdown beginnt.

Leere Restaurants, Plätze und Straßen | Bild: Marlene Witke

Doch eine gute Nachricht gibt es: Um die Unternehmen während dieser schweren Zeit zu unterstützen wird mit #supportyourlocal eine städtische Initiative gegründet - über 100 Händler und Gastronomen nehmen das Angebot wahr. Dazu gehörte auch ein Fahrradkurier. Dennoch ist es der Online-Handel, der von Corona profitiert.

April 2020: Die Maskenpflicht kommt

Egal ob selbst genäht, gekauft, bestellt oder irgendwie improvisiert. Im vierten Monat des Jahres wird vor allem über ein Thema debattiert: Schützt ein Mundschutz vor dem Virus? Krankenhäuser melden knappe Bestände, da Bürger sich scharenweise damit eindecken. Das führt dazu, dass die Produktion von Schutzaufrüstung aufgestockt wird. 

Seit dem 27. April gilt in Geschäften, Bus und Bahn die Maskenpflicht, welche in den Folgemonaten noch auf Fußgängerzonen und andere Bereiche ausgeweitet wurde. Dennoch steigen die Zahlen weiter. Aus diesem Grund wird ein Bußkatalog erstellt, der Verstöße zum Teil teuer geahndet.  Es kommt auch zu illegalen Corona-Partys.

Corona-Kontrollen im April | Bild: tor

Schuld daran ist das frühlingshafte Wetter, welches ein weiteres Problem mit sich bringt: Die Spargelernte steht an, gefolgt von der Erdbeerernte einige Monate später. Doch dafür fehlen die gelernten Hilfskräfte aus Rumänien und anderen Ländern, die die Arbeit auf dem Feld erledigen. 

Erst ab dem 20. April werden die Corona-Maßnahmen wieder Stück für Stück gelockert. Die Folge: Es finden auch erstmals Demonstrationen gegen die Corona-Verordnungen statt, die in den Folgemonaten stark zunehmen.

Sommer 2020: Überfüllte Baggerseen und Reiserückkehrer

Der Sommer verläuft in Karlsruhe relativ glimpflich. Das Virus breitet sich nicht mehr so schnell aus wie noch in den Monaten zuvor, sodass stückweise wieder Normalität einkehrt. So dürfen Restaurants, Kitas, Fitnessstudios und Co. wieder öffnen.

Unter einer Bedingung: Es müssen Hygienekonzepte vorgelegt werden, um eine weitere Verbreitung unter allen Umständen zu verhindern. Die Corona Warn-App, die seit Juni in Deutschland erhältlich ist, soll zudem bei der Corona-Bekämpfung mithelfen.

Ein Problem bringt der Sommer jedoch mit sich: Viele müssen ihren Urlaub im Ausland stornieren und verbringen den Sommer im "Ländle". Das Resultat: Die Baggerseen sind in den heißen Monaten restlos überlaufen. Vor allem der Epplesee in Rheinstetten macht Probleme.

Fast jedes Wochenende muss der Ordnungsdienst die Bürger auf die Abstandsregelung hinweisen. Nach Angaben der Polizei Karlsruhe reagieren viele so uneinsichtig, dass sogar die Polizei öfter einschreitet.

Bild: Thomas Riedel

Diejenigen, die trotzdem ins Ausland reisen, müssen sich seit Anfang August einem Corona-Test unterziehen sofern das Urlaubsziel in einem Risikogebiet lag. Die Reiserückkehrer treiben so die Zahlen wieder in die Höhe. Besonders junge Menschen geraten immer mehr in den Fokus.

September 2020: Zahlen steigen wegen Privatfeiern

Bereits im September macht sich die Besorgnis vor einer zweiten Welle breit. Dennoch werden die Schulen wieder für den Präsenzunterricht geöffnet, nachdem die Schüler monatelang im digitalen Fernlernunterricht ausharrten - was Eltern und Kinder gleichermaßen belastete.

Mehrere Schulen mussten in den darauf folgenden Wochen einige Klassen in Quarantäne schicken - wegen vereinzelter Corona-Fälle. Laut dem Schulamt jedoch kein Grund zur Besorgnis, die Lage sei "unter Kontrolle."

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: ka-news.de

Doch nach den Reiserückkehrern sind es nun die privaten Feiern, die zu einem Anstieg der Corona-Fallzahlen führen, woraufhin die Corona-Regeln wieder verschärft werden. Außerdem wird die "AHA-Formel" (Abstand, Hygiene und Alltagsmaske) um ein "L" (Lüften) erweitert. Denn: Durch frische Luft verbreitet sich das Virus deutlich schwieriger.

Oktober 2020: Gesundheitsamt stockt Personal auf

Nachdem im August die ersten Maskenkontrollen in den Bahnen stattfanden, wurden diese im Oktober weiter ausgeweitet. Polizei und Ordnungsdienst patrouillieren nun regelmäßig in Bahnen, Fußgängerzonen und Haltestellen. Auch in Kneipen sollen die Beamten nach dem Rechten sehen.

Die Polizei kontrolliert, ob die Karlsruher Abstand halten und Maske tragen | Bild: Thomas Riedel

Darum lassen sich Gastronomen für die kalte Jahreszeit so manche Idee einfallen, wie sie den Außenbereich für Gäste attraktiver gestalten können.

Zu dieser Zeit steigen auch die Zahlen immer weiter an, sodass Ende Oktober die dritte Pandemiestufe ausgerufen wird. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Waren zu Beginn der Pandemie noch primär ältere Menschen infiziert, betrifft es im Herbst zumeist die jüngeren Generationen.

Die Infektionszahlen steigen immer schneller an. Um mit der Nachverfolgung von Infektionskletten hinterherzukommen, bittet das Gesundheitsamt sogar die Bundeswehr um Hilfe.

Bild: Thomas Riedel

November 2020: Lockdown 2.0

Im November ist es dann schließlich soweit: Die zweite Corona-Welle ist offiziell da, ein zweiter Lockdown wird beschlossen - als "Light-Version". Restaurants, Cafés und Bars müssen wieder schließen, der Einzelhandel darf weiter offen bleiben. Sozialkontakte müssen wieder minimiert werden, die Maskenpflicht in Schulen wird eingeführt.

Karlsruhe haucht daraufhin der Karlsruhe-City-Initiative neues Leben ein, um Gastronomen - wie beim ersten Lockdown - weiter zu unterstützen. Die warten wiederum ewig auf die Auszahlungen der versprochenen Novemberhilfen.

Bild: Lisa-Maria Schuster

Auch das Klinikum verzeichnet erste Einschränkungen, weshalb viele Bürger sich nicht mehr ins Krankenhaus trauen. Zu groß ist die Angst vor einer Ansteckung oder im Notfall nicht behandelt werden zu können.

Doch es gibt Hoffnung! Die Hersteller Biontech und Pfizer haben Wirkstoffe gegen das Corona-Virus entwickelt, der eine über 90-prozentige Sicherheit garantiert. So endet der November mit der Vorstellung eines landesweiten Impfkonzepts. Das sieht unter anderem den Ausbau eines zentralen Impfzentrums vor.

Dezember 2020: Impfkonzept wird vorgestellt

Am 15. Dezember ist es dann soweit. Die Messe Karlsruhe hat in ihren Hallen Impfzentrum aus dem Boden gestampft, dass für die Massenimpfung von bis zu 1.500 Personen am Tag ausgerichtet ist. Der Impfstoff selbst soll aber erst Ende Dezember folgen.

Nichtsdestotrotz wird Anfang Dezember die nächtliche Ausgangsperre verhängt - kurz darauf wird der Lockdown "Light" zu einem "harten Lockdown" verschärft. Ebenso muss die Weihnachtsstadt in der Innenstadt wieder schließen.

Bild: Thomas Riedel

Der Grund: Die Infektionszahlen stagnieren weiterhin auf hohem Niveau, weshalb lange über die zugelassene Personenanzahl um Weihnachten und Silvester debattiert wird. Auch das Klinikum warnt vor den Anstiegszahlen nach den Feiertagen. Das Ergebnis: Weihnachten darf mit der Familie gefeiert werden, zu Silvester werden die Maßnahmen wieder verschärft.

Doch ob der Impfstoff letztendlich dazu führt, dass sich das Virus im Verlauf des nächsten Jahres endlich verabschiedet, bleibt ungewiss. Denn: Eine mutierte Variante des Virus, welche angeblich noch ansteckender sein soll, soll bereits im Umlauf sein.

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Der ka-news.de Jahresrückblick auf 2020: ka-news-Jahresrückblick auf das Jahr 2020 in Karlsruhe und der Region: Politik, Sport, KSC, Corona und vieles mehr. Was ist im vergangenen Jahr passiert, welche Themen haben die Fächerstadt bewegt? Die ka-news.de-Redaktion lässt das Jahr Revue passieren.
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