Karlsruhe Wieder ein Jahr näher an der Eröffnung: Der Blick auf die Bauarbeiten der Kombilösung in 2018

Der Ruf der "Baustellenhauptstadt" eilt Karlsruhe mittlerweile bis über die Grenzen der Region hinweg hinaus. Doch die Arbeiter auf den verschiedenen Baufeldern der Kombilösung arbeiten daran, dass das bald der Vergangenheit angehört. ka-news wirft einen Blick auf das Baustellenjahr der Karlsruher Schienen- und Infrastrukturgesellschaft (Kasig)

Januar:

Das Baustellenjahr 2018 begann nach einer kurzen Weihnachts- und Winterpause. Im neuen Jahr wurde dann gleich die Marschroute festgelegt:  So sollten unter anderem alle Rohbauarbeiten in den unterirdischen Haltestellen und den dazwischenliegenden Tunnelabschnitten erledigt sein . Ansonsten lag der Fokus der Arbeiten klar auf dem Umbau der Kriegsstraße. Hier wuchs Baggerschaufel um Baggerschaufel die Baugrube in die Tiefe.

Bevor sich der erste Monat des Jahres seinem Ende entgegen neigte, erreichte die Redaktion noch eine tragische Meldung: Bei den Bauarbeiten war ein Arbeiter in der künftigen Haltestelle Marktplatz von einem Gerüst gestürzt. Ein Großaufgebot an Rettungskräften eilte daher an dem Morgen zum Unfallort. Der Mann wurde schwer, aber glücklicherweise nicht lebensgefährlich verletzt.

Unfall bei der Kombi-Lösung
Am Mittwochmorgen mussten Rettungskräfte in die Tunnelbaustelle einfahren. | Bild: ka-Reporter

Februar:

Der Februar war von Abschieden geprägt. Neben einigen Bäumen in der Kriegsstraße, musste auch die Lammstraßen-Brücke für den künftigen Autotunnel weichen. In einer Nacht-Aktion, bei einer Vollsperrung, wurde die Brücke erst zerteilt, dann auf die Straße gehoben, von wo es mit einem Tieflader aus der Innenstadt ging.

Für Aufregung sorgte im Februar das Provisorium, das vor dem Abriss der Lammstraßen-Brücke installiert wurde. Auf Höhe der Ritterstraße wurde hierfür eine neue Ampel über die stark befahrene Ost-West-Achse in Betrieb genommen. Doch nur wenige Tage später war die Ampel auch schon wieder aus: Die Ampel sei nicht optimal eingestellt gewesen. Es wurde nachgebessert und seither können die Fußgänger dort die Fahrbahn queren.

Auch am Ende dieses Monats erreichte die ka-news-Redaktion eine Meldung aus der Polizei-Pressestelle, welche die Kombibaustelle betraf: In einer Nacht haben zu diesem Zeitpunkt unbekannte Personen im Straßenbahntunnel gewütet. Sie beschädigten Baugeräte, legten Brände und schalteten Wasserpumpen ab. Es entstand ein hoher Schaden. Wenig später konnte die Polizei eine Gruppe Jugendlicher ermitteln, die für die Tat verantwortlich sein soll.

März:

Die Kombilösung ist bereits seit 2017 kein Millionen-, sondern bereits ein Milliarden-Projekt. Im März 2018 wurde die Höhe der Baukosten dann erneut nach oben korrigiert. Je nach Berechnungsmodell sollen sich die Kosten nun auf bis zu 1,222 Milliarden Euro belaufen.

Immerhin: In einer Sachstandsmeldung berichten die Bauherren von einem zufriedenstellenden Baustand. Die jahrelange Verzögerung kann aber nicht aufgeholt werden. Während der erste Teil, die Untertunnelung der Kaiserstraße, ursprünglich Ende 2015 beendet sein sollte, wird mittlerweile das Jahresende 2020 angepeilt. Der Autotunnel hat hingegen weniger Verzögerung: Statt 2019 steht mittlerweile 2021 im Terminplan der Bauherrin, der Kasig.

April:

Da nach und nach die Baufelder weichen, entsteht auch Fläche für Neues: Nachdem die direkte Verbindung Marktplatz - Hauptbahnhof über fünf Jahre nicht bedient werden konnte, wurde im April wieder ein vollwertiger Ersatz eingerichtet: Die Buslinie 10, die bereits länger zwischen Ettlinger Tor zum Hauptbahnhof pendelt, wird noch in diesem Jahr verlängert werden.

Mai:

Zu Beginn der wärmeren Tage wurde der Fortschritt der Bauarbeiten für die Kombilösung vor allem bei der guten Stube der Stadt sichtbar: Auf dem Marktplatz verschwinden nach und nach die Bauzäune, langsam wird absehbar, wie der Platz im Herzen der Stadt künftig aussehen soll.

Beim zweiten Teilprojekt des Jahrhundertprojekts, dem Umbau der Kriegsstraße, lassen sich mittlerweile auch erste Erfolge vermelden. So sind im Mai die ersten Meter des Kriegsstraßen-Tunnels fertig.

Juni:

Mit dem Aufstellen der Schutzpatronin der Bergleute, der Heiligen Barbara, fing vor zweieinhalb Jahren, am 19. Januar 2016, alles an. Mit der Übergabe der Tunnel-Heiligen an die Tunnel-Patin Sabine Volz ging am Dienstag, 12. Juni, die Ära des Kombilösung-Tunnelbaus für den Stadt- und Straßenbahntunnel unter der Karl-Friedrich-Straße in Karlsruhe zu Ende.

Bild: Kasig

Tausende nutzten im Juni zudem die letzte Möglichkeit, mit dem Fahrrad die gesamte Tunnelröhre unter der Kaiserstraße zu durchfahren. Diese Aktion war Teil des Mobilitätsfestivals, das am gleichen Wochenende stattfand. Mit dem Festival wollten die Macher den Karlsruhern die "Mobilität der Zukunft" näherbringen.

Juli:

An einigen Stellen nimmt der Karlsruher Straßenbahntunnel mehr und mehr eine endgültige Gestalt an. So wurden im Sommer an den ersten Stellen die Rolltreppen eingebaut. Bis hier die ersten Fahrgäste zu den Bahnen gebracht werden, werden aber noch viele Monate ins Land ziehen.

In der Kriegsstraße müssen sich derweil die Autofahrer immer mal wieder auf eine neue Verkehrsführung einstellen. Im Juli zum Beispiel wurde am Ettlinger Tor die Kreuzung freigegeben. Seither können die Autofahrer wieder in alle Richtungen fahren.

August:

Seit Oktober 2013 war sie verhüllt und nicht durch den Künstler Christo, sondern zum Schutz vor Schmutz und Beschädigungen durch Bauarbeiten. Hinter profanen Holzplatten musste sich die Karlsruher Pyramide auf dem Marktplatz für 1.778 Tage verstecken - bis August! Dann erblickte sie nämlich endlich wieder das Licht der Welt - wenn auch nur zum Teil. Die offizielle Enthüllung sollte dann erst im Oktober stattfinden.

Gleichzeitig sorgen die Baustellen für täglich eine Herausforderung für die Autofahrer. So wurden die Sommerferien genutzt, um im Bahn- und Straßennetz umfangreiche Baumaßnahmen durchzuführen. Kommt es dadurch vermehrt zu Staus und chaotischen Verkehrssituationen? ka-news ist dieser Frage nachgegangen - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Ein Meilenstein hat seinen Platz am Durlacher Tor wiedergefunden. Rund sieben Jahre nach seinem Abbau ist der Berliner Bär, mit seiner Angabe über die Distanz bis zur Landeshauptstadt,  wieder aufgestellt worden. 

Meilenstein Durlacher Tor
Seit dem 28. August steht der Meilenstein wieder an seinem Platz. | Bild: Kasig

September:

Etwa 18.000 Besucher strömten im September zum Tag der offenen Baustelle der Kombilösung. Zu besichtigen war erstmals der komplette Südabzweig von der Haltestelle Marktplatz über die Haltestelle Ettlinger Tor bis zur Haltestelle Kongresszentrum mit den dazwischenliegenden Tunnelabschnitten.

Oktober:

Seit Beginn der Bauarbeiten im Rahmen der Kombilösung ist das Durlacher Tor einer der Hotspots beim Jahrhundertbauprojekt. Nach sieben langen Jahren sind die Bauarbeiten an dem Verkehrsknotenpunkt in der Oststadt auf der Zielgeraden. ka-news hat einen Blick in die Chronik eines Kombilösung-Hotspots geworfen.

Das Thema "Sicherheit im Tunnel" wurde bei einem Infoabend aufgegriffen. Viel Licht, Videoüberwachung und übersichtliche Haltestellen sollen für ein sicheres Gefühl sorgen.

Der Ludwigbrunnen oder Marktbrunnen mit dem Großherzog Ludwig I.-Denkmal prägte bis zu seinem Abbau im Jahr 2013 das Erscheinungsbild des Marktplatzes zwischen Rathaus und Stadtkirche. Im Zuge der Baumaßnahmen zur Kombilösung mussten der Brunnen und die Statue weichen. Fünf Jahre ist das nun her: Der Brunnen und auch die Sandsteinfigur des Großherzogs sind noch immer in Karlsruhe, allerdings einige Kilometer entfernt in anderer Umgebung. ka-news hat im neuen Quartier des Bauwerks vorbeigeschaut.

November:

Seit Sommer war die Bahnstrecke zwischen Kronenplatz und Rüppurrer Tor eine Baustelle. Für den Tunnel unter der Kriegsstraße musste der Schienenstrang abgebaut werden. Schließlich wurde eine Hilfsbrücke eingesetzt. Während darauf nun wieder die Bahnen rollen können, kann darunter an der Zukunft des Karlsruher Straßennetzes gearbeitet werden.

Eine Haltestelle, die schon besonders weit in ihrem Bauzustand ist, ist die Haltestelle Durlacher Tor. Ein guter Grund für ka-news-Kollegin Anya Barros sich in den Tiefen des Straßenbahntunnels umzusehen und auf einen exklusiven Rundgang zu gehen.

Dezember:

Wieder ein Schritt weiter in Richtung "Urzustand": Die Haltestelle Durlacher Tor, oberirdisch, wird zurück vor die Bernharduskirche verlegt. Der dortige Dreh- und Angelpunkt für Bus, Bahn und Taxen wurde im Zuge der Bauarbeiten um 300 Meter weiter in Richtung Westen, also direkt vor das Tor des Campus Süd, verlegt. Seit 9. Dezember halten die Bahnen wieder an "alter Stelle".

Entwurf Bernhardusplatz
Bild: Mettler Landschaftsarchitekten

Neben der Haltestelle ist nun durch die Umlegung der Straßen auch der Bernhardusplatz wieder frei. Doch was soll damit passieren? Diese Frage ist noch unklar. Auf einer Infoveranstaltung wurden allerdings bereits erste Ideen vorgestellt, die kontrovers diskutiert wurden.

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