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Karlsruhe Der lange Weg zum neuen Stadion: Wie 2018 die Weichen für die Zukunft des Karlsruher Profifußballs gestellt wurden

Nach jahrelangen Debatten um ein neues Fußballstadion für den Karlsruher SC wurde im Herbst 2018 der Beschluss des Stadionneubaus unter Dach und Fach gebracht und die Verträge unterschieben. Doch auch 2018 sorgte das Thema Stadion für Aufregung, Diskussionen und zahlreiche wichtige Entscheidungen. Bis 2022 wird nun am Adenauerring im Rahmen eines Vollumbaus eine neue und moderne Fußball-Arena entstehen. ka-news mit einem Rückblick auf das Stadionjahr 2018.

So richtig Fahrt nahm der Beschluss erst im Spätherbst des Jahres auf - fast symbolisch für die lange Debatte, die es über Jahrzehnte in Karlsruhe gab. Bereits Anfang der 2000er-Jahre gab es den Wunsch nach einer neuen Spielstätte, die das altehrwürdige Wildparkstadion ersetzen sollte. Verschiedene Szenarien wurden geprüft, darunter ein Neubau an anderer Stelle nahe der Autobahn. Doch letztlich wurden Pläne immer wieder verworfen, Maßnahmen hinterfragt und Entscheidungen vertagt. Das war auch 2018 nicht anders, mit dem Unterschied, dass am Ende doch noch alle Beteiligten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kamen.

Im Frühjahr des Jahres sprengten die Leistungs-Angebote den vom Gemeinderat festgesetzten Kostenrahmen von knapp 114 Millionen Euro für den Neubau des Wildparkstadions. Deshalb ging es darum, Kosten zu verlagern und an bestimmten Stellen einzusparen. Die Entsorgung der Erdwälle, auf der das Stadion errichtet ist, stellte dabei einen großen Kosten- und Risikofaktor da. 

Erdwälle als Altlast beim Neubau

Die meterhohen Erdaufschichtungen sind kontaminiert. Über den Grad der Verunreinigung der Wälle konnte nur spekuliert werden, es bestand das Risiko einer Kostenexplosion, wenn der Totalunternehmer die Wall-Entsorgung übernommen hätte. So wurde von Seiten der Stadt beschlossen, die Kosten für die Erkundung des Baufeldes auszulagern und eine Änderung im Bauablauf zu vollziehen.

Die Stadtverwaltung entschied sich dazu, die Entsorgung aus dem Leistungspaket des Stadionneubaus auszugliedern und im Rahmen einer Vorabmaßnahme selbst zu übernehmen. Diese Sondierung des Baufeldes kalkulierte die Stadt im April auf rund neun Millionen Euro. Der Beschlussvorlage stimmte der Gemeinderat Ende April zu und beschloss damit mehrheitlich den erweiterten Kostenrahmen um neun auf knapp 123 Millionen Euro.

Im Juli stimmte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause über die Kampfmittelentsorgung und den temporären Spielbetrieb während des Neubaus ab. Im Sommer blieb etwas Zeit sich daran zu erinnern, für welche Highlights das Wildparkstadion in den vergangenen Jahrzehnten noch stand. 

Stockende Abschlussverhandlungen, feierliche Einweihung

Die entscheidenden Tage und Wochen des Stadions gab es dann Ende Oktober und Anfang November: Stadion-Projektleiter Fabian Hermann zeigte ka-news bei einem exklusiven Rundgang im Vorfeld der Gemeinderatsentscheidung, was sich bei einem Neubau wo im Stadion verändern würde.

 

Bei der Mitgliederversammlung am 22. Oktober machten die KSC-Mitglieder dann mit einer großen Mehrheit den Weg für ein neues Stadion endgültig frei. Einen Tag später stimmte der Gemeinderat mit einer Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und Für Karlsruhe für den Neubau. Der Spielbetrieb soll dabei durch provisorische Tribünen aufrecht erhalten werden.

Ärger mit DFB wegen Abschieds-Show

Damit war der Weg zum neuen Stadion beschlossen, es fehlte nur noch die finale Unterschrift zwischen dem Bauherr, der Stadt Karlsruhe und dem KSC als Mieter. Und genau dort stockten auf der Zielgeraden die Verhandlungen. Die ursprünglich vorgesehene Vertragsunterzeichnung musste um einige Tage verschoben werden, ehe man sich doch noch einig wurde.

Im Heimspiel gegen Würzburg (2:1)   verabschiedete sich der Verein unter anderem mit einer spektakulären Pyro-Show   nach der Partie von seiner altehrwürdigen Spielstätte und handelte sich ordentlich Ärger mit dem Deutschen-Fußballbund (DFB) ein.

Einen Tag nach der Partie konnten sich die Fans aus den A-Blöcken Sitzschalen als Andenken abschrauben.

Seit dem 5. November sind die Bagger nun also dabei, die Tribünen abzureißen und die Erdwälle abzutragen. Das wurde an diesem beinahe historischen Tag mit einem Spatenstich der Verantwortlichen eingeleitet. KSC-Präsident Ingo Wellenreuther und Oberbürgermeister Frank Mentrup weihten das neue Baufeld an diesem Nachmittag feierlich ein.

Mitte November unterzeichnete die Stadt dann die Verträge mit dem Bauunternehmer.

Erfahrener Totalunternehmer für Stadionbau

Die "BAM Sports GmbH", die sich auf Sportstättenbau spezialisiert hat, wird nach Abschluss der Vorabmaßnahmen als Totalunternehmer die Bauarbeiten übernehmen. Das Unternehmen baute bereits die Fußballstadien in Mainz, Dresden und Augsburg sowie die Heimspielstätte des Handballvereins VfL Gummersbach und die Mercedes Benz-Arena in Berlin. Auch Arenen in England, Saudi-Arabien, Südafrika und in den Vereinigten Arabsischen Emiraten wurden durch BAM Sports bereits realisiert.

Am 22. November wurden die Entwürfe bei einem Bürgerforum der Öffentlichkeit vorgestellt. Interessierte konnten sich das Stadionmodell anschauen und den Beteiligten Fragen stellen.

Bis aber wirklich der Umbau des Wildparkstadions losgehen kann, dauert es noch: BAM Sports muss noch Baugenehmigungen einholen. Erst ab Dezember 2019 geht es dem alten Stadion dann endgültig an den Kragen. 

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  •   Weichei
    (170 Beiträge)

    30.12.2018 15:19 Uhr
    Warum
    baut ihr nicht so eines wie hier in Durban. Uebrigens vo einer Deutschen Firma gebaut.

    Durban Stadion
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  •   Mitsch
    (26 Beiträge)

    30.12.2018 13:12 Uhr
    Vorfreude ist die schönste Freude
    Vielen Dank allen, welche dazu beigetragen haben, dass der KSC ein neues reines Fußballstadion bekommt. Ein Lob den Verantwortlichen des KSC für ihr ehrenamtliches Engagement in der Sache, Danke den Fans für das vorbildliche Mitarbeiten bei der neuen Stadionkonzeption, Danke der Stadt und dem Gemeinderat für das Vertrauen in unseren KSC und alle, die skeptisch sind, werden in drei Jahren ein beeindruckendes Endergebnis sehen. Und jetzt nicht gleich wieder sagen, aber die Kosten und kann das der KSC überhaupt bezahlen. Warum denn nicht! Positive mind, positive vibes, positive life!
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  •   107
    (319 Beiträge)

    29.12.2018 19:31 Uhr
    am 7. März 1997 habe ich dem damaligen KSC-Präsidenten Roland Schmider
    die Frage gestellt, ob, beim Stadionneubau oder Stadionumbau, die Nutzung der Sonnenenergie eine Rolle spielt?
    und ?

    Zeitsprung:

    am 19.Dezember 2018 antwortet "stadionneubau@karlsruhe.de":
    "Das neue Stadion soll im seitlichen Bereich der Haupttribüne eine rund 500 Quadratmeter große Solaranlage zur Stromgewinnung erhalten."

    Wissenschaftsstadt Karlsruhe ?
    "Grüne Stadt Karlsruhe" ???
    20 mal 25 Meter = 500 Quadratmeter.

    Feigenblatt ist geprahlt. Muckenschiß trifft es besser.

    Wer sich unentwegt rühmt, "führend in Wissenschaft und Technologie" zu sein und es dabei beläßt, hat sich selbst sein Zeugnis ausgestellt.

    Gibt es noch "GRÜNE" im Gemeinderat ?
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  •   IchKA
    (651 Beiträge)

    30.12.2018 17:42 Uhr
    Jetzt hat man sich endlich durchgerackert
    jetzt klemmts doch wieder an einem tragfähigem Energiekonzept. Durch die zu Verfügung stehenden Flächen von Stadion und Parkhaus wäre es leicht möglich die komplette Stromversorgung völlig autark und kostenfrei zu gestalten. Höhere Investition rechnet sich sehr schnell bei dem hohen Energieverbrauch eines Stadions.
    Hecheln die Karlsruher energetisch erneut wieder hinterher ? Der Blick auf andere projektierte Stadien und deren Energieträger könnte Sinn machen, oder doch wieder hier weiter schlafen ?
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  •   chris
    (595 Beiträge)

    29.12.2018 20:57 Uhr
    einfach beantwortbar
    solche Anlagen sind nicht gerade billig...aber nachrüstbar. Kommt Zeit kommt Rat.
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  •   chris
    (595 Beiträge)

    29.12.2018 14:26 Uhr
    zufrieden, aber
    bin zufrieden, wie alles gelaufen ist. Jetzt wird schon kräftig abgerissen und bald gebaut. Nur zwei Dinge stören: Warum hat man sich nicht zumindest technisch bzw. statisch die "Option" für eine spätere Erweiterung vom Architekten vorbehalten? Ginge das trotzdem wenn das Dach in ferner Zukunft weggemacht würde und man könnte aufstocken? Zweitens: Es mutet seltsam an, dass laut der PK keine Konzerte im neuen Stadion stattfinden können, angeblich wegen dem fehlenden Lärmschutz? Zwei Dinge, die man aber noch heilen könnte. Ansonsten finde ich den Entwurf sehr gelungen. 8,50m der Rang 1. vom Spielfeldrand weg ist gut, der Mindestabstand von 6 m somit eingehalten. Hoffe nur, dass die Ränge auch wirklich steil werden, sprich 36 Grad. Glück auf Karlsruhe und dem KSC. Danke an Herrn OB Mentrup, der sich hier wirklich ins Zeug gelegt hat.
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