Karlsruhe Kombilösung 2015: Von der Zwangspause bis zum finalen Durchstich!

Seit nun 13 Jahren ist die Kombi-Lösung eines der Themen in Karlsruhe. Auch im Jahr 2015 war wieder ein spannendes Jahr in Sachen Kombilösung. Probleme mit Zuschüssen, Zwangspausen für Tunnelbohrer "Giulia" und Pläne für die Kaiserstraße - alles, was wichtig war, gibt's im ka-news-Jahresrückblick 2015.

Januar

Pünktlich am 9. Januar war der Winterschlaf vorbei: Tunnelbohrer "Giulia" bohrte sich wieder fleißig durch den Untergrund. Die Tunnelvortriebsmaschine war dabei schneller als zu Beginn gedacht. In Sachen Finanzierung der Kombilösung gab es bereits zu Beginn des Jahres Streit: Ende 2014 monierten die Baufirmen, dass die Karlsruher Auftraggeber in Zahlungsverzug stünden. Die BeMo Tunneling stellte ein Ultimatum, drohte zu klagen. Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) ließ verlauten, dass die Forderungen nicht gerechtfertigt seien.

Februar

Schluss mit Gleisen! Im Februar nahm der Karlsruher Gemeinderat zur Kenntnis, dass die Kasig künftig auf die temporär geplanten oberirdischen Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz verzichten will. Der geplante Verzicht auf die Rückverlegung des Südabzweigs zwischen dem Marktplatz und der Augartenstraße erhitzte nicht nur im Gemeinderat die Gemüter: Betroffene Einzelhändler schlugen Alarm und fürchteten um ihre Existenz.

Um die Einzelhändler milde zu stimmen, richtete die Stadt einen "Innenstadtfonds" mit einem Budget von 75.000 Euro ein, mit denen  individuelle Maßnahmen der Unternehmer im Baustellenbereich gefördert werden können.

März

Nachdem Tunnelvortriebsmaschine "Giulia" flott ins neue Jahr gestartet war, folgte im März der Dämpfer. Der Bohrer musste eine Zwangspause unter dem Marktplatz einlegen. Die Ursache ist lockeres Erdreich, das verhinderte, dass "Giulia" den für den Vortrieb im Bereich der Abbaukammer notwendigen Stützdruck aufbauen konnte. Es war nicht die erste Zwangspause: Bereits Ende Februar hieß es: Schneidräder stillhalten.

April

"Giulias" Zwangspause hielt auch im April die Verantwortlichen der Kombilösung in Atem. Nachdem man zu Beginn des Jahres noch optimistisch war, saß der Tunnelbohrer im April bereits seit zwei Monaten unter dem Marktplatz fest. Durch den Zeitpuffer sei man aber nicht in Bedrängnis, versicherte die Kasig gegenüber ka-news. Ende des Montags meldete die Kasig dann, dass Ingenieure eine Lösung gefunden hätten, wie "Giulia" ihren Weg vorsetzen könne.

Mai

Schock im Mai: Steht die Finanzierung der Kombilösung etwa auf der Kippe? Die Zuschüsse des Bundes für den Bau der Karlsruher Kombilösung seien in Gefahr, berichtete die "Stuttgarter Zeitung". Das Blatt berief sich auf ein Schreiben des Bundesrechnungshofes. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup dementierte diese Aussagen nun deutlich - die Zukunft des Millionenprojekts sei aus seiner Sicht nicht in Gefahr.

Juni

Halbzeit hieß es für "Giulia" im Juni: Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Tag kommt der Fächerwurm seinem Ziel immer näher. Zuletzt bewegte sich Giulia zwischen Marktplatz und Ritterstraße im Bereich der zukünftigen unterirdischen Haltestelle Lammstraße. Nicht so schnell ging es am Marktplatz voran: Zwei Wochen vor der Feier zum 300. Stadtgeburtstag wurde bekannt, dass es mit dem baustellenfreien Marktplatz nicht klappen werde. Man liege im Zeitplan zurück, bestätigte die Bauherrin Kasig.

Juli

Wieder schlechte Nachrichten vom Tunnelbohrer im Juli: Erneut hatten Ingenieure auf der Kombilösungsbaustelle unter der Kaiserstraße mit Problemen zu kämpfen. Kaum war das Loch unter der Kaiserstraße gefüllt und die Motoren von Tunnelvortriebsmaschine "Giulia" wieder angeworfen, kam die nächste schlechte Nachricht: "Giulia" hatte sich festgefahren. Eine "Innovationslösung" sollte die rund 1.300 Tonnen schwere Maschine wieder auf Kurs bringen.

August

Fragen über Fragen gab es im August im Stadtpavillon: Bei einer Diskussionsveranstaltung sprachen Vertreter der Stadt über ihre Vorstellungen und Wünsche für die neu gestaltete Kaiserstraße. Wie wichtig ist eine barrierefreie Gestaltung? Brauchen die baustellengeplagten Einzelhändler eine eigene Imagekampagne? Und was sollte für die Aufenthaltsqualität getan werden? In ihren Anliegen waren die Diskussionsteilnehmer sich alles andere als einig.

Und wie hoch ist die Akzeptanz der Karlsruher für das Bauprojekt Kombilösung derweil noch? Dieser Frage ging Robert Guse, Student für das gymnasiale Lehramt für die Fächer Deutsch und Geografie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), in einer wissenschaftlichen Arbeit nach. Sein Fazit: Die Gegenpositionen bestehen zum Teil noch immer, allerdings haben die kritischen Stimmen spätestens seit Baubeginn immer stärker abgenommen."

September

Im September ging es Schlag auf Schlag auf den Kombi-Baustellen: Schneller als gedacht hatte Tunnelvortriebsmaschine "Giulia" am 7. September den rund zwei Kilometer langen Weg vom Durlacher Tor hinter sich gebracht und einen fertigen Tunnel hinterlassen. Mit einem großen Feuerwerk wurde der Tunneldurchstich am Mühlburger Tor gefeiert. Eine weitere gute Nachricht für die Stadt und die Kasig: Zwar kostete kostet die Karlsruher Kombilösung etwa doppelt so viel wie ursprünglich geplant - am 24. September wurde dennoch die Verlängerung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) über 2019 hinaus beschlossen.

Und was passierte mit der fleißigen "Giulia"? Oberbürgermeister Frank Mentrup stellte klar: "Giulia" geht komplett zurück an den Hersteller.Während am Mühlburger Tor der Durchstich des Tunnelbohrers gefeiert wurde, mussten sich Autofahrer hier kurz darauf auf Umleitungen einstellen. Die Reinhold-Frank-Straße - eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Karlsruhe - war über Wochen nur eingeschränkt befahrbar.

Für Karlsruher Einzelhändler kam Ende des Monats ebenfalls ein weniger positives Signal aus dem Karlsruher Gemeinderat: In einem Antrag hatte die FDP-Fraktion erneut konkrete Hilfen für die Einzelhändler gefordert. Die Idee: Kostenlose Parkplätze am Samstag sollten helfen, das Geschäft wieder anzukurbeln. Der FDP-Antrag fand im Gemeinderat aber keine Mehrheit.

Oktober

Nach der Baustelle ist vor der Baustelle: Anfang Oktober gab es in gleich zwei Straßen kein Durchkommen mehr. Wegen Leitungsarbeiten der Stadtwerke Karlsruhe im Zuge der Kombilösung musste die Markgrafenstraße an ihrem westlichen Ende kurz vor dem Rondellplatz gesperrt werden. Die Erbprinzenstraße wie auch die Markgrafenstraße wurden zu Sackgassen.

An anderer Stelle nahmen Teile der Kombilösung derweil Gestalt an: Bereits seit längerer Zeit ließen eckige Betongebilde die Zugänge zu den künftigen unterirdischen Haltestellen erahnen. Doch mit dem Design der Betonbauten ist nicht jeder glücklich. Ein Vorschlag: Die Majolika könnte die Mauern an den Zugängen verschönern.

November

Werden Kaiserstraße und Marktplatz eine "triste Steinwüste"? Im November drehte sich im Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz alles um die künftige Umgestaltung der Kaiserstraße. Dort erklärten die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe und des zuständigen Architekturbüros, was in Sachen Beleuchtung, Bodenbelag und Baumkonzept geplant ist. In einer Anfrage erkundigten sich die Karlsruher Grünen zuvor, welche Extrakosten für die tunneltauglichen Bahnen, die künftig unter der Erde düsen sollen, anfallen werden.  Die Antwort der Stadt: Insgesamt kostet die "Tunneltauglichkeit" die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) 8,75 Millionen Euro, die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) sogar 14,62 Millionen Euro.

Dezember

Wären Gleise am Marktplatz vielleicht doch noch möglich? Eigentlich hatte die Stadt beschlossen, auf die temporär geplanten oberirdischen Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz zu verzichten. In einer Anfrage schlugen mehrere Karlsruher Stadträte einen "Südabzweig light" vor - ein Vorschlag, der bei der Stadt wenig Begeisterung fand. Seit dem 23. Dezember sind die Arbeiten der Kombilösung nun in der Winterpause.

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