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Karlsruhe Karlsruher Zoo 2014: Masterplan, Kündigung und Affenzirkus

Das Jahr im Karlsruher Zoo glich einer Achterbahnfahrt der Gefühle: Verabschieden mussten sich die Mitarbeiter und Verantwortlichen nicht nur von Zoodirektorin von Hegel, sondern auch von der Idee, bis 2015 alle Projekte des Masterplans umzusetzen. Es hinkte vielerorts - ein Plan B musste her, "man hatte sich zu viel vorgenommen." Was 2014 noch wichtig war, welche Visionen es für das Folgejahr gibt und von welchen Tieren man sich langfristig verabschieden muss - das erfahren Sie in unserem ka-news-Jahresrückblick.

Februar

Erstmals kamen im Februar Gerüchte auf, die Stadt Karlsruhe wolle sich von der Zoodirektorin Gisela von Hegel trennen. Ein Gutachten hatte "Schwächen in der Organisation und im Führungsstil ergeben", hieß es damals in Medienberichten.

März

Im März erreichte uns eine traurige Nachricht aus dem Karlsruher Zoo: Elefantendame Ilona musste eingeschläfert werden.Das Tier litt seit Jahren an Athrose.

Mai

Im Mai trat Chinaleopardin Yue eine große Reise an:Für sie ging es in einen Zoo in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Alle Jungtiere werden früher oder später abgegeben, sonst hätten wir nicht genug Platz für alle Bewohner des Zoos", begründete man die Abgabe damals.

Juli

Lange wurde dieser Moment hinausgezögert, gemunkelt wurde im Vorhinein bereits: Zoodirektorin Gisela von Hegel wurde Anfang Juli von ihrem Amt entbunden. Der Grund: "Geplante Organisationsänderungen." Wer  ihren Posten künftig übernehmen wird, blieb unklar. Die kommissarische Leitung übernahm zunächst Stellvertreter Clemens Becker.

Ernüchterung auch an anderer Stelle: Nach sieben Jahren Planung musste der Karlsruher Gemeinderat im Juli feststellen, dass das Zookonzept von einst zu scheitern drohte: Bis 2015 "Der schönste zoologische Stadtgarten Süddeutschlands" zu werden - von diesem Ziel mussten sich die Stadträte wohl oder übel verabschieden. Eine Fertigstellung bis zum Stadtgeburtstag war längst nicht in Sicht. Die Zwischenbilanz: Fertig gestellt waren im Juli gerade einmal drei von etwa ein Dutzend Projekten.

"Wir haben sehr viel Zeit verloren", moniert SPD-Stadträtin Gisela Fischer im Rahmen der öffentlichen Sitzung am Dienstagnachmittag - "dafür verantwortlich ist zum Teil die Politik - aber die Hauptschuld liegt ganz klar bei der Zooleitung." Weiter gehen sollte es mit einer überarbeiteten Version des Zookonzeptes, das sich auch dem neu erschienenen Säugetiergutachten anpassen sollte. Eine zentrale Frage, die Karlsruhe fortan beschäftigen sollte: Brauchen wir wirklich exotische Tiere im Zoo?

Eine Hintergrundrecherche von ka-news zeigte, dass man gerade in Sachen Elefantenhaltung darüber nachdenken müsste, ob man den Dickhäutern in Zukunft noch gerecht werden könne. Dieser und andere Punkte sollten nach Angaben von Baubürgermeister Michael Obert im weiteren Verlauf geklärt werden.

August

Affenzirkus im Karlsruher Zoo: Im August ging es dem Gehege der Schimpansen an den Kragen. Die Primaten bekamen vom Zoo drei Automatikfutterkästen im Wert von 12.000 Euro spendiert. Damit jedoch hatte niemand gerechnet: Kaum war der Schneeleopardennachwuchs auf der Welt, mussten sich die Eltern schon von ihren Kleinen verabschieden. Die Jungtiere starben unerwartet an Entwicklungsstörungen.

Schwimmbad und Zoo - passt das zusammen? Wenn es nach dem Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel geht, schon: Er übernahm im August zusätzlich zu seiner Tätigkeit auch das Ruder in Sachen Marketing im Zoologischen Stadtgarten. Angetreten war er mit dem Ziel, den Zoo bis zum 150-jährigen Stadtjubiläum fit zu machen.

September

Im September stand der Zoo dann endlich im Zeichen des Fortschritts: Während an einer Stelle die Arbeiten rund um das neue Exotenhaus voranschritten, wurde auch am Huftiergehege gewerkelt- die Bauarbeiten hierfür begannen laut den Verantwortlichen bereits im Sommer. Hier sollen 2015 Trampeltiere, Zebras und Co. ein neues Zuhause finden.

Oktober

Voran ging es im Herbst vor allem im Exotenhaus, ehemals Tullabad: Ein erster Schritt um es den späteren tiereischen Bewohnern gemütlich zu machen, sollte die Begrünung des Hauses sein. Tropische Pflanzen im Wert von 100.000 Euro wurden aus den Niederlanden importiert und installiert.Außerdem beehrte der diesjährig einmillionste Besucher den Zoo Karlsruhe - und zwar am 27. Oktober!

Doch bei aller Vorfreude auf die Exoten blieb im Oktober die ernüchternde Frage, in welche Richtung der Karlsruher Zoo gehen will. Ein Zoo-Forum, organisiert von der Stadt, sollte Licht ins Dunkel bringen. Tatsächlich kamen die Verantwortlichen zu einem gemeinsamen Nenner: Bei den Säugetieren müsse eine Entscheidung fallen- Schimpansen, Giraffen und Flusspferde, eine Tierart muss sich aus Haltungsgründen langfristig aus Karlsruhe verabschieden.

Eine engültige Entscheidung konnte im Oktober nicht gefällt werden. Auch ein Nachfolger von Gisela von Hegel war noch nicht gefunden. Einig waren sich die Teilnehmer bei zwei Dingen: Attraktivität und Tierhaltung - hier gebe es Nachholbedarf. Gezielt angelegte Erlebniswelten sollen beispielsweise künftig mehr Besucher anlocken.

Glückwünsche und Präsente gab's am 27. Oktober im Karlsruher Zoo: Die einmillionste Besucherin 2014 wurde feierlich an der Pforte empfangen. Nur bekam die kleine Annika davon wenig mit - die Zweijährige verschlief das Jubiläum im Kinderwagen.

November

Seit Juli produziert der Karlsruher Zoo rund fünf Prozent seines Strombedarfs selbst. Solaranlagen auf dem Dach des Giraffengeheges wurden installiert, unter anderem damit Mitarbeiter warm duschen können.Im November wurde die Anlage um weitere Elemente ergänzt.

Dezember

Zukunftspläne, wieder ein Schritt vorwärts: Im Dezember gab die Stadtverwaltung bekannt, sie wolle in mehreren Projektgruppen bis Sommer 2015 Grundlagen für ein neues Zoo-Leitbild auf den Weg bringen. Später soll dann der Gemeinderat die Weichen für die Zukunft des Zoologischen Stadtgartens stellen. Der Fokus bei der Vorarbeit solle laut Stadt auf einem räumlichen, kommunikativen und inhaltlichen Konzept liegen.

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  •   Kroeterich
    (61 Beiträge)

    28.12.2014 11:36 Uhr
    hne jedes Konzept - nicht beim Zoo, sondern in der Verwaltung!
    Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet jetzt ein Konzept erstellt wird, BEVOR ein neuer Direktor kommt. Oder die Abgabe von Großtieren entscheiden. Was soll das? Wer wird sich auf eine Stelle bewerben, auf der er nur noch ausführen darf, aber nicht mehr mitwirken? Bestimmt kein Erstklasse-Direktor. Völlig unverständlich für mich, warum jetzt Arbeitsgruppen mit eingeflogenen, alten, abgehalfterten Zoodirektoren abgehobene Ideen basteln. Reine Geldverschwendung. Es liegen aus den letzten Jahrzehnten schon mindestens drei Konzepte in der Schublade, die stets nur halbherzig umgesetzt wurden und auf halben Wege versandeten, auch weil die Politik dann nicht mehr dahinter stand und kein Geld gab. Entweder erst einen neuen Direktor suchen (oder den bisherigen Stellvertreter ernennen), und dann erst die Weichen stellen.
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  •   Dr_Saidias
    (748 Beiträge)

    27.12.2014 11:21 Uhr
    Affenzirkus kenn ich!
    grinsen
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