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Karlsruhe Wildpark-Streit im Jahresrückblick 2013: Es geht voran

Rückblickend liest sich das Jahr 2013 wie eine Zusammenfassung der gesamten bisherigen Debatte rund um das Wildparkstadion. Seit Jahren wird diskutiert. Seit Jahren schreibt die Geschichte von Rückziehern und gescheiterten Verhandlungen. Im Jahr 2013 gab es nun von allem etwas. Vor allem gab es jedoch viel Kommunikation zwischen Betroffenen, Experten und Politikern. Oberbürgermeister Frank Mentrup nahm sich der Aufgabe an, krempelte die Ärmel hoch und schritt forsch voran. Wohin der Weg führt ist noch nicht sicher, aber eines steht fest: Es wird nur im Wildpark gebaut. Zum Jahresende stehen die Zeichen stehen auf Neubau.

"Ich bin überrascht, dass es bisher noch zu keinem Abschluss kam." Diese Äußerung des neuen Oberbürgermeisters Frank Mentrup dürfte wohl die Meinung vieler Interessierten zusammenfassen. In einem "Faktencheck" Ende April beschaffte sich der neue OB zunächst einen Überblick über das ziemlich komplexe Thema. Sein Fazit konnte nur die zitierte Aussage sein - schon so oft hatte der Baubeginn kurz bevor bestanden und scheiterte in letzter Sekunde.

Landesfördermittel noch bis Ende 2014

Spätestens seitdem sich auch die Fußball-Prominenz mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach  im August und Reiner Calmund im September deutlich für ein neues Stadion aussprachen, wurde klar, dass es sich hierbei um eine längst überfällige Entscheidung handelt. 2013 ging es voran - musste es voran gehen.

Die erneute Aufnahme des Themas ließ scheinbar einen Keim von Hoffnung zu. Immerhin kündigte Mentrup an, er wolle im Herbst im Gemeinderat über das Stadion entscheiden lassen - ein ehrgeiziges Vorhaben. Höchste Eisenbahn, denn die Fördermittel vom Land in Höhe von 11 Millionen Euro würden nicht ewig auf sich warten lassen. Im April hieß es: Ende 2013 will das Land eine Antwort haben. Man möchte wissen, ob bis Ende 2014 das bereitgestellte Geld überhaupt ausgegeben werden könnte. "Verstreicht das Jahr 2014 ergebnislos, wird der Stadt wohl keine erneute Verlängerung der Förderperspektive eingeräumt", hieß es im Juli seitens einer Sprecherin des Kultusministeriums. Wird also 2014 kein Förderantrag eingereicht, ist das Geld dahin. Außerdem gab es eine Bedingung: Das Geld steht nur für Baumaßnahmen am Standort Wildpark zur Verfügung.

Zunächst sprossen jedoch zwei neue Ideen aus dem Boden, die für ordentlich Furore sorgten und weit entfernt von einem Standort im Wildpark waren. Besonders eindrucksvoll geriet dabei das Pyramidenstadion des Karlsruher Architekten Vlado Bulic. Mit einer zweiten und noch viel größeren Pyramide, als dem kleinen Pendant auf dem Marktplatz, wollte er Karlsruhe berühmt machen. Die Multifunktionsarena, auch für Konzerte oder andere Veranstaltungen geeignet, überzeugte auch die ka-news-Leser: In einer Umfrage stimmen sie mit 52,08 Prozent für diese Variante, die zwischen Hagsfeld und Grötzingen hochgezogen worden wäre. Doch es wurde nichts draus, der Entwurf versank im Archiv.

Eine Kombination aus Ikea und Stadion?

Im Juni begeisterte sich KSC-Präsident Ingo Wellenreuther für die Lösung, ein neues Stadion mit einem Ikea-Möbelhaus zu verbinden. Ikea strebt schon seit längerem nach einem Standort in der Region und Wellenreuther brachte einen Vergleich mit dem Stadion in Sankt Gallen (Schweiz) ein, der das Ansiedelungsbestreben des Möbelriesen mit den Stadionträumen des Präsidiums bereits erfolgreich umsetzt. Doch OB Mentrup widerspricht Wellenreuther entschieden: Allein die Situation auf dem dann geteilten Parkplatz zeige, dass das "keine besonders realistische Option" sei. Denn in Sankt Gallen müsse das Möbelhaus schließen, wenn Spiele an Samstagen stattfänden. Auch Ikea lehnte den Vorschlag letztlich ab: "Das wäre nicht unser Wunschstandort."

Nach den sommerlichen Vorschlägen setzte Mentrup weiter auf Kommunikation als Mittel zur Problemlösung. Nach dem "Faktencheck" wurde in einer Expertenrunde Ende Juni über die drei Standortoptionen Wildpark, Untere Hub und Mastweide debattiert. Ein endgültiges Ergebnis war es nicht, es wurde jedoch deutlich, dass jeder Standort seine Vor- und Nachteile haben würde.

Wildpark bleibt die einzige Standortoption

Im Juli dann zeichnete sich die Tendenz des OB-Wahlkampfs aus 2012 ab: Mentrups Favorit ist und bleibt der Wildpark. In einem öffentlichen Abschlussforum auf Grundlage der Expertenrunde einen Monat zuvor machte er seinen Standpunkt deutlich. Der KSC war weniger begeistert von der klaren Linie des OB - man hatte selbst den Standort Mastweide präferiert, der jedoch mit Kosten in Höhe von rund 293 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer ausfallen würde als ein Neubau im Wildpark mit 120 Millionen Euro.

Die Tendenz zum traditionellen Standort am Adenauer-Ring zeichnete sich auf im Gemeinderat im September ab. Durch einen Antrag der Karlsruher Liste (KAL) wurde das Thema erneut ins Rennen geworfen. Es ging um die Frage, ob eine stufenweise Sanierung des Stadions in Frage käme. Ebenso stand die Finanzlage des KSC im Raum: Welche Miete könnte der Verein in Zukunft zahlen? Kann der Verein sich am Stadionbau beteiligen? Für die KAL ungeklärte Fragen. Im Gemeinderat wurde jedoch vorwiegend die Standortfrage geklärt, wenn auch ohne offizielle Abstimmung: Der Wildpark ist die einzige Option.

Einigung zwischen KSC und Stadt

Wegweisend war schließlich das Gespräch zwischen KSC-Präsidium und Stadt Anfang Oktober. In "freundschaftlicher" Atmosphäre verständigten sich die beiden Parteien auf eine Neubaulösung im Wildpark. 120 Millionen Euro schwer sollte das Bauprojekt sein, wobei das eigentliche Stadion mit 66 Millionen - abzüglich der bereitgestellten 11 Millionen vom Land - zu Buche schlägt und die restlichen 54 Millionen für ohnehin zwingende Infrastrukturmaßnahmen eingeplant seien. Die Einigung wartete nur noch auf einen Beschluss des Gemeinderats, von dem nun alles abhängt.

Danach wurde es jedoch erst einmal ruhig um den Wildpark. In friedlicher Einigung deutete alles auf eine Abstimmung im letzten Gemeinderat des Jahres hin. Eine Abstimmung, in der ein Votum für den Wildpark die Standortfrage ein für alle mal beendet. Möglicherweise sogar eine Abstimmung, die den Neubau als erstrebenswerte Variante festlegt? 

Die Grünen ziehen die Reißleine - erfolglos

Die Grünen-Gemeinderatsfraktion sprang zwei Wochen vor Weihnachten und eine Woche vor der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres noch dazwischen. Mit ihrem Antrag sorgten sie für ordentlich Zündstoff: Sie stemmten sich entschieden gegen das 120-Millionen-Euro Projekt. Mit dem Auftrag an die Verwaltung auch eine kostengünstigere Sanierungsvariante für maximal 40 Millionen Euro zu prüfen, wollten sie den Fokus vom Neubau abwenden und auch andere Alternativen ins Blickfeld rücken. Das gelang ihnen letztlich auch - bis Spätsommer 2014 sollen zwei unterschiedliche Planungen auf den Tisch: Ein Neubau und eine Sanierungsalternative.

Mit ihrer zweiten Forderung scheiterten die Grünen jedoch an den übrigen Fraktionen: Heftigen Gegenwind und eine herbe Niederlage mussten sie einstecken, als sich  die Mehrheit des Gemeinderats gegen ihren geforderten Bürgerentscheid  entschieden. Die Grünen wollten die Bürger befragen, ob ein Neubau des Stadions mit der Summe X gewünscht sei. Mit der Abstimmung im Gemeinderat ist diese Idee erst einmal vom Tisch, es sei denn ein Bürgerbegehren bringt sie noch einmal ins Spiel. Ebenfalls vom Tisch ist endgültig die Standortfrage: Gebaut wird im Wildpark. Wie, das wird sich nach den Planungsergebnissen im Spätsommer 2014 zeigen.

Nach einem turbulenten Jahr 2013 gab es von allem etwas: Es gab zurückgewiesene Pläne, erstaunte Erkenntnisse, Einigungen, Fortschritte und Rückschritte. Im Prinzip alles, was es in den letzten zehn bis zwanzig Jahren schon gab. "Ich kann es nicht mehr hören", kommentierte ein Journalist auf einem Pressetermin seine jahrelange Berichterstattung über dieses Thema. So dürfte es vermutlich vielen gehen. Bleibt zu hoffen, dass der eingeschlagene Weg nun bis zum Ende gegangen wird und Karlsruhe tatsächlich in naher Zukunft ein neues Stadion bekommt.

Alle Artikel rund um das Wildparkstadion haben wir in unserem Dossier zusammengefasst.

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ka-news Jahresrueckblick 2013: ka-news-Jahresrückblick auf das Jahr 2013 in Karlsruhe und der Region: Politik, Sport, KSC, Kultur und vieles mehr. Im Rückblick lässt die ka-news-Redaktion das Jahr 2013 Revue passieren.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    29.12.2013 00:29 Uhr
    Die verbaseln
    noch das Fördergeld wenn das so weitergeht....
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  •   Besserwisser
    (73 Beiträge)

    28.12.2013 23:58 Uhr
    Wildpark-Streit im Jahresrückblick 2013: Es geht voran
    Käpt`n Blaubär erzählt Euch die wahre Geschichte!
    So ab 2099 oder so...........!
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  •   friend60
    (2577 Beiträge)

    28.12.2013 16:23 Uhr
    Es geht voran?
    Wo????
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (505 Beiträge)

    28.12.2013 13:48 Uhr
    Jede Wette !!!
    Freiburg hat schon ein neues Stadion stehen und bei uns in KA wird immer noch gestritten.........
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  •   KaBU
    (932 Beiträge)

    28.12.2013 15:25 Uhr
    Ja
    denn in Freiburg sind Gemeinderäte für Ihren FC Freiburg, nur in Karlsruhe sind lauter Fl...... am Werk. Grüne, KAL,usw
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12262 Beiträge)

    28.12.2013 18:02 Uhr
    FC Freiburg ist ja nicht,
    entweder SC Freiburg oder der alt-ehrwürdige Freiburger FC, für wen sind die nun?

    grinsen
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  •   KaBU
    (932 Beiträge)

    28.12.2013 19:24 Uhr
    sorry
    und Danke . Früher waren wir immer beim FC Freiburg muss natürlich SC Freiburg heißen. Nochmals Danke
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12262 Beiträge)

    29.12.2013 11:58 Uhr
    ja,
    lange ist's her...
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  •   Gast68
    (854 Beiträge)

    28.12.2013 14:02 Uhr
    Freiburg hat auch nicht die Kosten einer völlig sinnlosen
    U-Strab zu wuppen.
    Erst wenn dieses Miliardenloch bezahlt ist dürfte überhaupt darüber nachgedacht werden die nächsten Milliarden zu verbrennen.
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  •   Caipichris
    (698 Beiträge)

    28.12.2013 13:36 Uhr
    Das Problem der Stadt und des Vereines...
    ...Beide klammern viel zu sehr an Historie statt an Visionen!Galt KA früher als Beamtenstadt in Bezug auf mief und Rückständigkeit, so ist es heute eine Stadt ohne Bezug zur Realität. Statt die "Pyramiden Idee" aufzunehmen und zu einem attraktiven Zentrum für Groß-Veranstaltungen im Südwesten zu werden, lässt man das Stadion im idyllischen Grün, weit ab von Verkehrsanschlüssen und zeitgemässer Infrastruktur, als provinzielle Stätte an einem Ort aus ferner Zeit mit immensem Aufwand wieder erstehen. Nur gibt es für Idylle im 21.`en Jhd. keinen entsprechenden wirtschaftlichen Ertrag der den Einsatz von Steuergeldern rechtfertigt!
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