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Karlsruhe/Mannheim Moschee-Debatte: Was Karlsruhe von Mannheim lernen kann

Die Karlsruher Ditib-Gemeinde will in der Oststadt eine neue Moschee mit bis zu vier Minaretten bauen. Die Pläne stoßen bei einem Teil der Karlsruher Bürger schon jetzt auf Kritik. Das war in Mannheim auch so. Doch heute zählt die dortige Yavuz-Sultan-Selim-Moschee zu einer der größten und meistbesuchten Moscheen in Deutschland. Aus den damaligen Ängsten und Widerständen der Bürger ist Akzeptanz geworden. Vorausgegangen war ein jahrelanger Beteiligungsprozess mit vielen Diskussionen, Infoabenden und Kompromissen - der auch Vorbild für Karlsruhe sein könnte.

Im Mannheimer Stadtteil Jungbusch, unweit vom Stadtzentrum, steht die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee. In dem Kuppelbau können bis zu 2.500 Muslime gemeinsam beten. Das islamische Gotteshaus mit einem 35 Meter hohen Minarett befindet sich in direkter Nachbarschaft zu einer katholischen Kirche.

Im Jahr 1991 stimmte der Mannheimer Gemeinderat bei einer Gegenstimme für den Bau der Moschee. Vier Jahre später - im Jahr 1995 - wurde die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee eröffnet. Sie war damals die größte repräsentative Moschee in Deutschland. Doch zuvor gab es Proteste: Es war ein langer Weg bis aus den damaligen Vorbehalten der Mannheimer Bürger Akzeptanz für das Bauwerk wurde.

"Die Moschee ist heute ein Zeichen gelungener Integration"

"Ohja, es gab am Anfang viele Widerstände aus der Bevölkerung gegen die Baupläne", erinnert sich ein Sprecher des städtischen Bauamts in Mannheim im ka-news-Gespräch. Vor allem die Höhe des Minaretts und die Parkplatzsituation hätten anfangs für Unmut gesorgt. "Wir haben versucht durch intensive Gespräche einen Konsens zu finden und das ist uns gelungen."

Die Einwände und Forderungen der Anwohner seien in einem jahrelangen Bürgerbeteiligungsprozess, an dem die Stadtverwaltung, Parteien, Kirchen und Bürgergruppen mitwirkten, berücksichtigt und damit aus der Welt geschafft worden. Auf diesem Weg sei letztlich ein so breiter Konsens erzielt worden, dass es am Ende von den Bürgern keinerlei Einwände mehr gegen eine Baugenehmigung gab. "Die Moschee ist heute ein Zeichen gelungener Integration", so der Sprecher. "Die Moschee gehört zu Mannheim."

"Das sind irrationale Ängste"

"Wir hatten am Anfang große Probleme. Es gab heftige Diskussionen und Proteste", sagt auch Talat Kamran, Leiter des Mannheimer Instituts für Integration und interreligiösen Dialog, gegenüber ka-news. "Muslime leben seit über 50 Jahren in Deutschland. Bereits in den 1970er Jahren wurden erste Moschee-Gemeinden in diesem Land gegründet", erklärt er. Viele Moscheen seien häufig unscheinbar in Hinterhöfen versteckt. "Doch sobald bekannt wird, dass eine schöne und repräsentative Moschee geplant wird, tauchen bei den Bürgern sofort negative Assoziationen auf", so der Institutsleiter.

Ängste würden geschürt und Stimmen laut wie "Jetzt kommen noch mehr Türken" oder "Sie wollen uns den Islam aufzwingen". Doch das seien "irrationale Ängste", findet Kamran. "Vorurteile, die nur im offenen Dialog ausgeräumt werden können. Alle Karten müssen im Vorfeld auf den Tisch gelegt werden. Man kann Vorurteile abbauen und Probleme lösen, aber nur wenn man offen miteinander spricht und zuhört", weiß er aus eigener Erfahrung.

Drei Jahre Diskussionen und Infoabende

Viele Bürgergespräche und Informationsabende wurden in Mannheim veranstaltet. Über drei Jahre wurde unter reger Beteiligung der Bürger über das Bauprojekt gestritten, diskutiert und Argumente ausgetauscht. Auch der damalige Pfarrer der benachbarten katholischen Gemeinde stand den Plänen positiv gegenüber und machte sich für den Bau stark.

Vor allem gegen die Minarette und ihre Höhe, mögliche Gebetsrufe des Muezzin und eventuelle Parkplatzprobleme habe es Vorbehalte gegeben, erläutert Kamran. "Wir haben Pro und Contra ausgetauscht, uns die Ängste und Vorbehalte der Anwohner angehört und diese ernst genommen. Aber wir haben auch unsere Intentionen erklärt: Warum die Gemeinde an dieser Stelle eine Moschee bauen möchte, welche Funktionen eine Moschee hat und wie das Gebäude aussehen soll."

Aus Konflikten wurden Kompromisse

Durch die oft leidenschaftlich geführten Diskussionen kam es schließlich zur Annäherung und Kompromisse wurden vereinbart. "Wir haben Lösungen gefunden, die für alle Seiten befriedigend waren", berichtet Kamran. So sei statt der ursprünglich geplanten zwei nur ein Minarett gebaut worden. Eine weitere Forderung, denen die Moscheegemeinde nachgekommen ist: das Minarett wurde niedriger als der benachbarte Kirchturm. Des Weiteren haben sich alle Beteiligten geeinigt: keine Beschallung durch Gebetsrufe des Muezzin. Auch über die Parksituation wurde diskutiert und es wurden neue Parkmöglichkeiten geschaffen.

"Es geht nicht ohne Konsens", betont Kamran im ka-news-Gespräch. Heute - 18 Jahre später - sei die Moschee ein "integrierter Bestandteil der Stadt Mannheim". "Kein Fremdkörper, sondern Begegnungsstätte und Touristenmagnet", wie es Kamran formuliert.

"Wir laden die Karlsruher Stadträte gerne nach Mannheim ein"

Die Mannheimer Moschee zählt derzeit zu einer der größten und meistbesuchten Moscheen in Deutschland. Jede Woche kommen zwischen 500 und 1.000 Muslime zum Freitagsgebet - an Feiertagen sind es deutlich mehr. Über 10.000 Menschen (über 300.000 seit Eröffnung) nehmen jährlich an einer der Moschee-Führungen teil - darunter viele Schulklassen. Die Führungen werden von speziell geschultem Führungspersonal geleitet. Die Besucher erhalten neben allgemeinen, den Islam und die Muslime betreffenden, auch spezifische Infos über die Architektur und Funktionen der Moschee. In Mannheim wohnen rund 327.000 Menschen. Etwa 28.000 Einwohner haben türkische Wurzeln.

Das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog wurde 1995 gegründet und betreut seitdem unter anderem das Projekt "Offene Moschee Mannheim", schafft Transparenz und fördert den interreligiösen Dialog und Integration durch konkrete Projekte. Außerdem greifen viele Gemeinden beim Bau von neuen Moscheen auf die Erfahrungen des Instituts beim Konfliktmanagement zurück. "Wir laden auch die Karlsruher Stadträte und die Stadtverwaltung gerne hier nach Mannheim ein. Wir geben unser Wissen und unsere Erfahrungen gerne weiter und beraten im konfliktreichen Prozess, den der Bau einer Moschee mit sich bringt", so Kamran.

Planung in Karlsruhe: Vier Minarette, 15 Meter hoch

ka-news berichtete als erstes Medium bereits am 15. März von den Bau-Plänen der Karlsruher Ditib-Gemeinde. Demnach soll auf dem 2.000 Quadratmeter großen Grundstück der Ditib in der Käppelestraße ein dreistöckiges Gebäude entstehen, das alte soll abgerissen werden. Darin soll es unter anderem Seminar- und Gebetsräume, eine Zentralküche, einen Jugendtreff und eine Bibliothek geben. Von außen soll das Gebäude architektonisch wie eine Moschee gestaltet sein. Eine Kuppel und bis zu vier Minarette, jeweils 15 Meter hoch, sind geplant. Das Bauprojekt soll etwa 4,5 Millionen Euro kosten und hauptsächlich durch Spenden der Ditib-Mitglieder ermöglicht werden.

Das Gebäude soll zudem nicht nur islamisches Gebetshaus, sondern als "Gemeinde-Kulturzentrum" vielmehr ein Ort des Dialogs und kulturellen Austauschs für alle Karlsruher Bürger sein. Die Moschee als Zeichen der "Integration" und ein "Wahrzeichen für die interkulturelle Stadt Karlsruhe", so die Vorstellung der Gemeinde. Eine Bauvoranfrage liegt bereits bei der Stadt Karlsruhe, bestätigte die Stadt auf ka-news-Anfrage. Der bereits im Planungsausschuss vorgestellte Entwurf sei baurechtlich so derzeit aber nicht umzusetzen. Auch bei den Karlsruher Stadträten sind die Moschee-Pläne derzeit nicht unumstritten.

Webseite des Mannheimer Instituts: www.mannheimer-institut.de

Hier weitere Infos über die Moschee in Mannhein: www.ditib-ma.de

Weitere ka-news-Artikel über die geplante Moschee in Karlsruhe:

JU Karlsruhe: Neue Moschee soll sich ins Stadtbild einfügen

Kommentar: Geplante Moschee in der Oststadt: Was soll die Empörung?

Moscheebau in Karlsruher Oststadt: Das sagen die Stadträte

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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    05.04.2013 19:22 Uhr
    Liebe Frau maria,
    um weiter Missverständnisse zu vermeiden, bitte ich sie zu erläutern, warum sie Interesse an meiner eventuellen Reaktion zeigen und in wie fern dieses im Zusammenhang zu meinem obigen Post steht.
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  •   maria
    (797 Beiträge)

    06.04.2013 15:39 Uhr
    Einfach mal
    nachdenken, dann klappts schon mit dem Verstehen grinsen)
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  •   KA78
    (1074 Beiträge)

    04.04.2013 07:45 Uhr
    Ich lach mich echt
    scheckig, wenn ich den Anfang dieser Diskussion lese. Von wegen Frauen haben in Moscheen die gleichen rechte wie die Männer. Sie dürfen zwar mit hinein dürfen auch beten. Helfen auch bei vielen Arbeiten aber sie müssen in einen eigenen abgetrennten kleinen Raum und dürfen nicht zusammen mit den Männern beten. Das ist so in der Türkei, Ägypten und auch hier in Deutschland. Und was ich genau weiß auch in Karlsruhe. Ich war bei der Islamwoche.War in verschiedenen Moscheen und habe ordentlich zugehört. Und da kann mir niemand etwas anderes erzählen. Ich habe mir auch Pierre Vogel angehört dieser nette aufgeschlossen Mensch (Ironie aus) Ich bin auch gegen eine Moschee. Wie sollen sich Menschen integrieren, wenn sie sich eine kleine Welt schaffen wo sie nur Ihre Sprache sprechen, Ihren Glauben nachgehen und wahrscheinlich 70 % der LAST ein und ausgehen wird. Ich bin kein Rassist aber ich bin für Integration nicht für eine Zweiwelten in einer Philosophie.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    03.04.2013 19:14 Uhr
    Heißt das,
    die haben de facto dort keine Moschee? Interessant.
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  • unbekannt
    (3577 Beiträge)

    03.04.2013 18:59 Uhr
    Negativbeispiele: Köln und Frankfurt
    In Köln haben die Moslems den Architekten der Moschee rausgeschmissen, weil es angeblich zu viele Baumängel gab. In Wirklichkeit gings natürlich darum, sich ums Bezahlen zu drücken.

    In Bankfurt stellte sich die politisch-korrekte "Elite" hinter ein Moschee-Projekt in Hausen. Dort wollte einen türkisch-pakistanische schiitische Gruppe eine Moschee direkt gegenüber der russischen Kirche bauen. Warnungen vor der extremistischen Einstellung dieser Gruppe wurde von der Frankfurter Prawda (Rundschau) verschwiegen. Kritiker in die rechte Ecke gestellt.
    Dann kam der große Knall: Der Iman wurde als Judenhasser überführt. Er ist bei einer Al-Kuds-Demo, bei der üblicherweise die Zerstörung Israels gefordert wird, vorne als Anführer mitgelaufen. Zudem haben sich Pakistanis und Türken verkracht. Das Ergebnis ist eine Bauruine.
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  • unbekannt
    (371 Beiträge)

    04.04.2013 23:31 Uhr
    Danke
    @danke vollste Zustimmung ! Islam und Grundgesetz passen nicht zusammen ! http://www.focus.de/politik/deutschland/interview-scharia-und-grundgesetz-passen-nicht-zusammen_aid_559936.html

    und

    http://michael-mannheimer.info/2012/03/12/ist-der-koran-mit-dem-grundgesetz-vereinbar-gedanken-eines-deutschen-juristen/
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    03.04.2013 16:43 Uhr
    Völkerverständigung nach alten Schriften --> Auge um Auge...
    Um gleich mal klar zu stellen. Mir ist es egal ob jemand Moslem Christ oder an die Micky Maus glaubt. Ich selber bin aus der Kirche.

    Ich bin klar gegen eine Moschee in Karlsruhe / Deutschland / Westeuropa. AUSDRÜCKLICH!!!
    Wir sind alle so radikal und unterdrücken die Ausländer und wir sind ja soo intolerant. Huch da brennt ein Haus in Backnang und nein das können die Leute die drin gewohnt haben nicht selbst gewesen sein. Es muß eine Untersuchungskommision gebildet werden... ich schweife ab sorry...
    Die Moslems wollen eine Moschee in Karlsruhe. Wieso gib es in der Türkei nur 0,2% Christen? Achso weil die Christen in der Türkei verfolgt und unterdrückt werden obwohl es ja nach Türkischen Gesetzt nicht so sein sollte.
    Und mit dem Hintergrundwissen wollt ihr hier noch was erreichen?
    Nix da. Gliedert euch ein Ihr wollt ja schließlich hier sein. Wenn nicht dann geht.

    Schönen Tag noch
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  •   dnake
    (44 Beiträge)

    03.04.2013 15:17 Uhr
    nur so ganz btw....
    wer möchte soll bitte mal ein klein wenig über den Namensgeber der Mannheimer Moschee recherchieren. Wer seine "Gotteshäuser" nach so einem "Prachtexemplar" benennt, der offenbart doch schon einiges über seine geistige Grundhaltung. Oder belegt damit, dass ebendiese Weltanschauung nicht mit derjenigen eines Mitteleuropäers vereinbar ist. Ist jetzt etwas arg polemisch, aber wer würde hier schon auf die Idee kommen, eine Kathedrale nach einer weniger rühmlichen Person aus der deutschen Geschichte zu bennenen. Es wird ja schon gezetert wenn Kasernen nach Generälen bennant werden, die - wohlgemerkt aus heutiger Sicht - einen eher zweifelhaften Leumund haben.
    Und etwas Hintergrundwissen über diese Ditib Organisation sollte man sich auch zulegen, bevor man sich in die Diskussion einklinkt.
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    03.04.2013 15:51 Uhr
    Hatten wir doch gestern schon ;-)
    nachzulesen (noch) auf Seite 5:
    Zitat von daisyy Moscheen sind Zeichen der Integration
    ....hört man. Warum aber werden diese so oft nach Eroberern benannt?
    Yavuz Sultan Selim der Gestrenge, der Grausame, der Grimme...
    Selims erste Tat als Herrscher war der Befehl, seine Brüder und alle seine Neffen hinzurichten....
    "Mein Kampf geht solange weiter bis Gottes Gesetz, die Scharia, auf der ganzen Welt herrscht oder ich sterbe."
    Wiki
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  •   dnake
    (44 Beiträge)

    03.04.2013 15:59 Uhr
    sorry
    wollte ich eigentlich schon bei der letzten Debatte um dieses Thema vor ca. einer Woche hier schreiben. Naja, erst alle anderen Postings durchzulesen ist manchmal etwas mühsam.
    Aber schön, daß noch andere diesen Gedanken hatten grinsen
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