50  

Karlsruhe Islamunterricht in Karlsruhe: "Es geht darum, ethische Werte zu vermitteln"

Seit diesem Schuljahr bieten zwei Karlsruher Schulen islamischen Religionsunterricht im Rahmen eines Modellprojekts an. Viele Bedenken wurden geäußert, ob der Unterricht tatsächlich zur Integration der Muslime beitragen könnte. Die Verantwortlichen des Bildungsplans für die islamische Religionslehre sind davon überzeugt. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe (PH) betreut das Projekt landesweit federführend.

"Ein ordentlicher Religionsunterricht auf Augenhöhe mit dem christlichen Unterricht", so beschreibt Jörg Imran Schröter, Dozent für islamische Religionspädagogik an der Karlsruher PH und selbst Lehrer für islamischen Religionsunterricht in Freiburg, im Gespräch mit ka-news das Wesen des Islamunterrichts an den Schulen. Wie im katholischen und evangelischen Unterricht gehe es in den Schulstunden darum, "ethische Werte zu vermitteln und eine moralische Basis bei den Kindern zu schaffen. Dafür ist Religionsunterricht im Allgemeinen da."

Schüler sollen keine Koranverse lernen

Anders als im Koranunterricht in den Moscheen sollen die Schüler keine Katechismen oder Koranverse auswendig lernen. "Vielmehr steht die Reflexion und die selbstständige Glaubensfindung im Mittelpunkt", betont Schröter. Dazu umfasst der Bildungsplan Themenfelder, wie beispielsweise "Gott - Mensch - Schöpfung", "Glaube, Verantwortung und Ethik" oder "Ausdrucksformen individuellen und gemeinsamen Glaubens", die sich im Prinzip nicht grundsätzlich von den Inhalten des christlichen Unterrichts unterscheiden. Hinzu kommen Themen wie "Koran und die islamischen Quellen" und "Mohammed der Gesandte".

Da rund 90 Prozent der in Baden-Württemberg lebenden Muslime der sunnitischen Glaubensrichtung angehören, ist der Religionsunterricht dieser Richtung entsprechend ausgerichtet. Allerdings könnten auch Schiiten an den Stunden teilnehmen, da der Unterricht im Prinzip allgemeinislamisch konzipiert sei, räumt Schröter ein. "Die fünf Säulen des Islams und der Koran gelten für beide Richtungen." Ob die Schüler am Unterricht teilnehmen, bestimmen die Eltern. Diese müssen ihre Kinder dafür verbindlich anmelden - egal welcher Glaubensrichtung sie entstammen.

Diskussion um Islamunterricht seit Mitte der 80er Jahre

Nach den ersten vier Jahren des Modellversuchs im Land könne Schröter nur von sehr positiven Rückmeldungen berichten. "Schulleitungen, Lehrer und auch Eltern haben sich alle sehr erfreut über das Angebot geäußert", erzählt er. Viele Eltern, die selbst keine islamische Bildung erhalten hätten, profitierten selbst vom Unterricht der Kinder. Nun starten die Schillerschule und die Gutenbergschule als erste Karlsruher Bildungseinrichtungen in das Projekt. In der ersten Phase werden nur die Grundschulklassen eins bis vier unterrichtet. Erweist sich diese als erfolgreich, werde der Unterricht auch auf die Klassen fünf und sechs ausgeweitet, erläutert der Hochschuldozent.

Die PH Karlsruhe betreut das Modellprojekt landesweit federführend und hat den Bildungsplan, gemeinsam mit Vertretern von vier großen muslimischen Gemeinschaften, ausgearbeitet. Nachdem bereits Mitte der 80er Jahre erste Diskussionen über den Islamunterricht an deutschen Schulen geführt worden waren, ist Baden-Württemberg bundesweit eines der letzten Bundesländer, das das Modellprojekt startete. Unter anderem galt es, diverse rechtliche Hürden zu überwinden.

Im Gegensatz zu beispielsweise Nordrhein-Westfalen gebe es jedoch keine Islamkunde an den Schulen, sondern Religionsunterricht, wie er im Grundgesetz verankert ist. "Die islamischen Gemeinschaften müssen den Unterricht in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz konzipieren", betont Schröter. Die Kooperation mit Vertretern der evangelischen Kirche und der PH habe dabei sehr gut funktioniert. "Der Staat darf sich aber laut Grundgesetz nicht in die Inhalte einmischen."

Studiengang für Religionslehrer an der PH

Ein ordentlicher islamischer Religionsunterricht brauche ebenfalls ordentlich ausgebildete Lehrkräfte, gibt der Religionslehrer zu bedenken. Zuerst hätten sich Grundschullehrer fortgebildet, um den Unterricht halten zu können, so Schröter. "Doch es wurde schnell klar, dass eine einfache Fortbildung nicht reicht und wir einen Studiengang brauchen, in dem sich Studenten mit theologischen Themen auseinandersetzen und religionspädagogische Aspekte lernen." Seit dem Wintersemester 2007/2008 bietet die PH als eine von vier Hochschulen im Land deshalb nun das Erweiterungsfach "Islamische Theologie/ Religionspädagogik" an.

Wie es mit dem islamischen Religionsunterricht nach der bis dato zeitlich noch offenen Versuchsphase weitergeht, sei bisher noch unklar, bedauert Jörg Imran Schröter. Das grundsätzliche Problem sei die fehlende Dachorganisation der Muslime in Deutschland, die allgemeiner Ansprechpartner sein und die Überwachung und Weiterführung des Bildungsplans mitgestalten müsste.

Mehr zum Thema:

Gemeinderat diskutiert: Islamunterricht an Karlsruher Schulen?

Gemeinderat: Islamunterricht in Karlsruhe ab Sommer

Kommentar: Islamischer Religionsunterricht - warum nicht auch für Christen?

In der Serie "Islam in Karlsruhe" wollen wir in den nächsten Wochen Aspekte des muslimischen Lebens in Karlsruhe beleuchten. So folgt beispielsweise am Montag an dieser Stelle eine Reportage über den islamischen Religionsunterricht an der Karlsruher Gutenbergschule. Alle bisher erschienen Artikel zum Thema finden Siehier.
Mehr zum Thema
Islam in Karlsruhe | ka-news.de: Kopftuch, Koran, Glaube, Irrtümer und Vorurteile: Im ka-news-Dossier "Islam in Karlsruhe" haben wir zahlreiche Artikel über den Islam und Muslime in Karlsruhe sowie einen geplanten Moschee-Bau zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (50)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    21.10.2011 13:32 Uhr
    Was gibts dafür?
    Kriegt man Geld dafür wenn man sich dazu auch noch eine Podiumsdiskussion reinzieht? 20 EUR/Stunde? Dann komm' ich auch vorbei...

    Ansonsten ziehe ich doch vor ein Bierchen trinken zu gehen in meiner kostbaren Freizeit. Ganz ohne Allah, Jesus oder Baghwan...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Radius
    (334 Beiträge)

    21.10.2011 07:48 Uhr
    Dieser Religionsunterricht
    ist grundsätzlich richtig und wichtig. Aber wie schon im Artikel erwähnt sind die islamischen Religionsgemeinschaften daran nicht nicht beteiligt. Obwohl die entsprechenden Organisationen schon lange als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Es gab auch für ein paar Jahre eine entsprechende Gruppe in der alle Partner (auch das Land) zusammen waren. ... Ergebnis ist das die Religionsgemeinschaften nicht mehr dabei sind und das Land seinen islamischen Religionsunterricht seit vielen Jahren als Modellprojekt durchführt.
    Es ist leider nicht abzusehen ob es jemals zu einem regulären und flächendeckenden islamischen Religionsunterricht kommt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (181 Beiträge)

    21.10.2011 23:23 Uhr
    Warum ist Religionsunterricht wichtig?
    Über die Religionen kann sich der Schüler doch auch im Ethikunterricht informieren und das unvoreingenommen. In seiner Freizeit kann er sich ja dann immer noch mit der Religion beschäftigen, die ihn interessiert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1924 Beiträge)

    21.10.2011 07:26 Uhr
    Ist doch egal .
    Wir haben Religionsunterricht für katholische und evangelische Kinder.Wieso nicht auch für eine andere Religion.Ist ja schließlich auch im Grundgesetz verankert - Religionsfreiheit.Es ist doch völlig Wurst, wer an was glaubt. Ich bin der Überzeugung es gibt nur gute oder böse Menschen,egal welche Hautfarbe,Nationalität oder Religion.Es geht wirklich, Ich erlebe es Mittwochs in unserer Freizeitmannschaft. da spielt ein Serbe mit einem Kroaten und Türken mit Arabern und einem Allgerier in einer Mannschaft Fussball,daß macht Spass,wir verstehen uns oftmals flaxe ich und sag ich bin als eizigster Deutscher hier ein Ausländer....lach.Macht euch mal alle frei von diesem Denken. Es zählt nur Gut oder Böse. (ist nur meine Meinung,net losschimpfen) und die FREUNDSCHAFT.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (181 Beiträge)

    21.10.2011 23:21 Uhr
    ...
    Religionsunterricht ist voreingenommen. Wieso ihn nicht einfach durch Ethikunterricht ersetzen, dort wird auch allgemeine Religionskunde gelehrt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   senftube
    (165 Beiträge)

    21.10.2011 08:49 Uhr
    Da hat aber einer wohl damals
    im Religionsunterricht gefehlt!

    Wer "nette Menschen", eine Fußballgeiemnschaft - schön, dass es sie gibt - , die Einzigartigkeit Gottes, seine Liebe zu den Menschen und die Bedeutung vom Tod Christi alles in einen Topf rührt, sollte selbst mal wieder Religionsunterricht nehmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   garrus
    (727 Beiträge)

    21.10.2011 10:16 Uhr
    Senftube: wie kommst Du dazu,
    ...von Veteran's Kommentar aus einen Bogen zum König der Juden zu spannen? Wo klemmt es denn bei Dir?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (180 Beiträge)

    21.10.2011 08:48 Uhr
    Ja Veteran,
    aber Sport hat nichts mit Religion oder Politik zu tun.Sport verbindet,Religion s(unterricht) spaltet wie man auf diesem Video sehen kann: http://www.youtube.com/watch?v=FoKDyqBZ9DU&feature=player_embedded Besser als ein Islamunterricht wäre es, für muslimische Kinder das Fach Islamkunde an den Schulen anzubieten, bei dem der Staat die Inhalte festlegt. Einen Islamunterricht darf es erst geben, wenn sich hierzulande ein aufgeklärter Islam etabliert hat, der die Trennung von Staat und Religion anerkennt und auch sonst auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Das dürfte aber noch eine ganze Weile dauern...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Radius
    (334 Beiträge)

    21.10.2011 11:48 Uhr
    Vidos von einem Extremisten herzunehmen
    und dieses als typisch für den Islam und die Muslime darzustellen ist nicht richtig.
    Das wäre so als wenn ich bei der Beschreibung eines deutschen immer auf Hitler verweisen würde.
    Dieses Argumentmuster und diese Argumente entsprechen genau der von diesen pi Extremisten.
    Schade.
    Wenn Sie Muslime und den Islam wirklich erleben wollen so können Sie das authentisch in der Karlsruher Islamwoche die vom 29. Oktober - 6. November 2011 stattfindet erleben.

    www.islamwoche-ka.de
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    21.10.2011 13:10 Uhr
    Muslime,
    wie zumindest ein Teil derer sind, kann man momentan auf den Videos bei Gaddafis Hinrichtung sehen.
    Ausländische Medien berichten darüber.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.