95  

Karlsruhe Islam-Unterricht an Karlsruher Schule: "Wir haben Droh-Mails erhalten"

Islam-Unterricht - ja oder nein? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Eine Schule, die mit Wissen Fundamentalismus vorbeugen will, ist die Karlsruher Gutenbergschule. Seit 2011 steht hier einmal die Woche islamischer Religionsunterricht auf dem Stundenplan. Und welches Fazit zieht man dort vier Jahre nach der Einführung?

Es war ein Vorschlag, der für Diskussionen sorgte: Anfang des Jahres schlug Kultusminister Andreas Stoch vor, das Angebot von islamischem Religionsunterricht in Baden-Württemberg auszubauen. Die Idee: Auf diese Weise soll die Fanatisierung von muslimischen Jugendlichen verhindert werden.

Und auch die pädagogischen Hochschulen im Südwesten haben sich vor rund zwei Wochen für mehr Islamunterricht ausgesprochen. Zwei Karlsruher Schulen bieten bereits seit 2011 im Rahmen eines Modellprojekts islamischen Unterricht an. Eine davon ist die Gutenbergschule.

"70 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund"

Für Schulleiter Gunter Vogel war die Entscheidung, Islam-Unterricht auf den Stundenplan zu setzen, damals nur logisch. "Der Projektversuch wurde vor Karlsruhe schon in Philippsburg getestet", erinnert er sich im Gespräch mit ka-news, "als über eine Ausweitung nachgedacht wurde, stellte sich dann die Frage, welche Schulen in Karlsruhe geeignet wären."

Und die Gutenbergschule war geeignet. "In unserer Werkrealschule haben rund 70 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund", so Vogel. Im Grundschulalter schätzt er den Anteil auf etwa 50 Prozent. Nach Vorgesprächen mit Kollegen, einem Votum der Eltern und einer Schulkonferenz war klar: Für die Grundschüler soll zusätzlich zu evangelischem und katholischem auch ein islamischer Religionsunterricht angeboten werden. "Heute haben wir evangelische Gruppen, die kleiner sind als die islamische", schildert Vogel.

Angst und bedrohliche Emails

Inzwischen besuchen rund 35 von insgesamt 160 Grundschülern der Gutenbergschule den Islam-Unterricht. Damit sie eine der beiden Klassen besuchen können, müssen sie von den Eltern extra angemeldet werden. Für Schüler der Werkrealschule wird allerdings kein Islam-Unterricht angeboten. "Wir sehen momentan noch keinen Bedarf für einen Ausbau auf die Klassen fünf und sechs", erklärt Vogel. Ab der fünften Klasse gebe es stattdessen Ethikunterricht.

Während die meisten Eltern durchaus positiv auf das Angebot reagiert hätten, hätte es aber auch kritische Stimmen gegeben, erinnert sich Vogel. "Wir haben mehrere anonyme Emails erhalten, in denen stand, wir sollen uns überlegen, ob wir islamischen Fundamentalismus fördern sollen - stellenweise im bedrohlichen Ton", erzählt der Schulleiter, "die Angst mancher Menschen kam hier deutlich hervor."

Aufklärung statt Fundamentalismus

Unterrichtet werde in der Gutenbergschule ausschließlich die sunnitische Lehre - mit Fundamentalismus habe der Islam-Unterricht aber nichts am Hut. "Wir stellen für den islamischen Religionsunterricht nur staatliche Lehrkräfte ein", so Vogel. Zwar stünde auch Beten und das Lesen von wichtigen Stellen aus dem Koran auf der Tagesordnung, gleichzeitig sollen die Schüler Interpretationsansätze vermittelt bekommen.

"Islam-Unterricht sollte vergleichend und aufklärend sein", findet Schulleiter Vogel. Daher gehe er davon aus, dass der Projektzeitraum über das Jahr 2016 hinaus ausgedehnt wird. "Im Moment ist kein Ende des Projektes in Sicht", meint er, "es wird vielmehr darüber nachgedacht, ob es nicht noch weiter ausgebaut werden könnte."

Mehr zum Thema
Islam in Karlsruhe | ka-news.de: Kopftuch, Koran, Glaube, Irrtümer und Vorurteile: Im ka-news-Dossier "Islam in Karlsruhe" haben wir zahlreiche Artikel über den Islam und Muslime in Karlsruhe sowie einen geplanten Moschee-Bau zusammengefasst.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (95)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (281 Beiträge)

    31.01.2015 08:46 Uhr
    Karlsruhe: Schlägereien in LEA-Außenstelle
    - Rund 100 Asylbewerber verlegt.
    Und kein KA-News-Reporter vor Ort? Für alle eine Bereicherung
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    31.01.2015 17:33 Uhr
    Da kann nichts passieret sein,
    denn in den "BNN" stand nichts darüber.... Hüstel
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   BaeumelsTod
    (848 Beiträge)

    31.01.2015 12:01 Uhr
    Ist
    das die Legasthenikerausgabe der RNZ?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ohrtunnel
    (1006 Beiträge)

    31.01.2015 21:31 Uhr
    RNZ?
    isch ken nur BIA des hoißt bier isch alle
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rechtsausleger
    (1434 Beiträge)

    31.01.2015 10:35 Uhr
    Datan sind doch nur
    wir bösen deutschen Herrenmenschen schuld.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    31.01.2015 10:00 Uhr
    Hinweis
    wurde als "Aktualisierung" im Artikel vom Tag zuvor versteckt. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    31.01.2015 10:02 Uhr
    Link vergessen
    klick hier
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    31.01.2015 09:25 Uhr
    Willkommen an die durch Gewalttätigkeit vertriebenen
    Die selber Gewalttätig sind dürfen sich aber gerne außerhalb unseres Landes die Köpfe einschlagen!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chronist
    (423 Beiträge)

    31.01.2015 08:16 Uhr
    Falsche Kampfarena
    Fanatisierung und Fundamentalismus verbeugt man nicht durch eine Islam-Stunde in der Woche. Die potenzielle Fundamentalisten werden zu Hause bzw. in der moschee fanatisiert. Besonders in der moschee. Dort soll es kontrolliert werden wer und was predigt, und so bald da was Verfassungswidriges gepredigt wird -> ABSCHIEBUNG! Letztendlich sind viele der Imane aus der Türkei importiert und regelmäßig gewechselt. Onkel Erdogan hat Angst, dass die zu viele Westliche Kultur/Werte kennenlernen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chronist
    (423 Beiträge)

    31.01.2015 08:19 Uhr
    Und...
    ...selbstverständig gehört auch der Salafismus (und gewisse Friedenverteilsaktionen) verboten. Aus Prinzip her, ist der verfassungswidrig. Und das sage nicht ich, sondern viele EU-Geheimdienste, die wissen was für ein Risiko der Salafismus verbirgt (siehe Vogel, Lau & co.)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 (10 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.