Karlsruhe Integration in Karlsruhe: Kann Islam-Unterricht vor Fanatismus schützen?

Mehrere Dutzend Jugendliche aus Deutschland haben sich in den vergangenen Monaten nach Nordafrika abgesetzt. Ihr Ziel: Der Dschihad. Um der Fanatisierung junger Muslime im Südwesten vorzubeugen, setzt das Kultusministerium jetzt auf Prävention durch Wissen. Nach und nach wolle man den "Islamischen Religionsunterricht" als Unterrichtsfach an Schulen anbieten. Auch in Karlsruhe steht man dem Plan grundsätzlich positiv gegenüber.

"Manche junge Menschen sind leichte Beute für extreme Auslegungen, weil ihnen die Kenntnis des Fundaments ihrer Religion fehlt", so Kultusminister Andreas Stoch (SPD) vor Kurzem in Stuttgart. Islamischer Religionsunterricht könne dazu beitragen, zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche als "religiöse Analphabeten" auf Extremisten hereinfallen.

Moschee-Unterricht "nicht kontrollierbar"

Nach einem Beschluss der grün-roten Landesregierung soll das seit dem Schuljahr 2006/07 laufende Modellprojekt mit islamischem Religionsunterricht auf Basis von Elternvereinen nach Bedarf und verfügbaren Mitteln an bis zu 20 Standorten pro Jahr ausgebaut werden.

Bereits 2011 hatte der Karlsruher Gemeinderat über ein Pilotprojekt an zwei Schulen im Stadtgebiet diskutiert. Seit dem Schuljahr 2011/2012 haben Kinder an der Gutenbergschule sowie an der Schillerschule seither die Möglichkeit, islamischen Religionsunterricht als Fach zu wählen. "Der Unterricht wird jahrgangsübergreifend erteilt. An den Schulen nehmen rund 40 Schüler das Angebot wahr", so Joachim Frisch vom Karlsruher Schul- und Sportamt auf Nachfrage von ka-news. Das Projekt werde von der PH Karlsruhe evaluiert.

Nun könnte das islamische Unterrichtsangebot nach Stochs Vorstoß landesweit ausgeweitet werden. Mirjana Diminic, stellvertretende Leiterin des Karlsruher Integrationsbeirats, sieht ähnlich wie der Kultusminister Chancen in einer solchen Entwicklung: "Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts würde eine Gleichstellung mit den christlichen Unterrichtsfächern, evangelische und katholische Religion bedeuten, und damit ein Zeichen setzen. Durch einen einheitlichen muslimischen Schulunterricht würde man zudem Jugendliche vor einer eventuellen Fanatisierung schützen."

"Das Gefühl von Fremdsein kann zu radikalen Gedanken führen"

Problematisch sei ihrer Ansicht nach der bislang üblicherweise praktizierte Islam-Unterricht für Kinder und Jugendliche in Moscheen. "Je nach Ausrichtung der Gemeinden (beispielsweise schiitische oder sunnitische Auslegung des Koran), unterscheidet sich der Unterricht hier sehr und stützt sich meist auf die individuelle Lehre der oft fremdsprachigen religiösen Oberhäupter oder Vorbeter - der Imame." Daher sei ein Unterricht auf dieser Ebene nicht kontroll- und nachvollziehbar. "Der bessere Weg ist es, die Kinder zentral und einheitlich in der Schule von ansässigen Lehrern, die beide Kulturkreise kennen, auszubilden", so Diminic - "generell gilt: Wissen beugt vor und schützt vor Vorurteilen und Fanatisierung."

Oft führe das Gefühl von Fremdsein zu radikalen Gedanken - "sofern sich die Kinder normal behandelt und respektiert fühlen, verringert sich diese Gefahr." Ein Angebot für muslimische Schüler wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Für eine noch bessere Lösung hält Diminic den Ethik-Unterricht für alle Kinder - er bilde einen religiösen und philosophischen Konsens und beleuchte alle Weltreligionen und deren Lebensweisen.

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