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Karlsruhe Die Ditib-Moschee wird gebaut, aber: "Wir hätten uns einen reibungsloseren Ablauf gewünscht", sagt Sprecher Türkay Bolat

Bekommt die Ditib-Gemeinde eine neue Moschee? Über diese Frage wurde jahrelang diskutiert und sogar gestritten, doch nun steht fest: Ja, die Stadt Karlsruhe hat die Baugenehmigung erteilt. Die Bagger könnten also schon bald rollen - was das für die Gemeinde bedeutet, wie sie mit der Parkplatzsituation umgehen und ob die immer wiederkehrende Kritik an dem Bauprojekt vermeidbar gewesen wäre - ka-news.de hat Ditib Karlsruhe-Sprecher Türkay Bolat gefragt.

Drei Geschosse, Platz für 700 Menschen, ein Versammlungsraum für 300 Gläubige, eine 17 Meter hohe Kuppel und ein Minarett mit 28 Meter Höhe: Das soll die neue Moschee des Türkisch Islamischen Kulturvereins (Ditib) in der Karlsruher Oststadt werden - wenn man sie in nüchternen Fakten betrachtet. 

Für die Mitglieder der Gemeinde bedeutet der Neubau in der Käppelestraße, der von Oberbürgermeister Frank Mentrup am Dienstag im Hauptausschuss offiziell genehmigt wurde, aber weitaus mehr: "Die Vision einer neuen Moschee war der Wunsch unserer Mitglieder. Wir sind sehr froh, dass wir den nächsten Schritt in Richtung Baubeginn gehen konnten", sagt Türkay Bolat, Sprecher der Ditib Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de.

Türkay Bolat
Bild: privat

Erste Planungen starteten schon 2013

Die Freude: verständlich, wenn man bedenkt, wie lange die Glaubensgemeinschaft auf diesen Tag hatte warten müssen: Bereits im Jahr 2013 war der Wunsch nach einem neuen Gotteshaus in der Oststadt laut geworden, doch die Verhandlungen scheiterten. 2016 dann ein neuer Vorstoß: Das Gebäude soll nun in Mühlburg entstehen, die Pläne sorgten allerdings für reichlich kommunalpolitische Streitigkeiten. Der nächste Ansatz: Die Moschee soll nun doch in der Oststadt gebaut werden, auf dem Ditib-eigenen Gelände in der Käppelestraße.

Bürgerinfo Ditib
So könnte der Neubau der Zentralmoschee in der Oststadt aussehen. | Bild: ka-news/juw/anb

Der Bauantrag folgte Anfang 2018 und schließlich - über eineinhalb Jahre später - hat die Stadtverwaltung nun die Baugenehmigung erteilt. "Der für die Genehmigung erforderliche Verkehrsgutachter konnte durch den benachbarten Ikea-Neubau nicht sofort anfangen, sondern musste erst die dort neu entstehenden Verkehrsströme abwarten", erklärt Bolat die lange Dauer des Verfahrens. 

"Ich sehe das nicht als Streit, sondern als Erfahrungswert"

Verärgert über das jahrelange Hin und Her sowie die Streitigkeiten über den Moschee-Neubau ist der Ditib-Sprecher aber nicht. "Ich sehe das nicht als Streit, sondern als Erfahrungswert. Wir waren vielleicht nicht immer der gleichen Meinung und hätten uns natürlich einen reibungsloseren Ablauf gewünscht, aber dadurch sehen wir keinen negativen Effekt", meint er gegenüber ka-news.de. "Letztendlich zählt: Wir haben Kompromisse verwirklichen können und sind froh, dass das Projekt für alle gut ausgegangen ist."

Bürgerinfo Ditib
So soll die neue Moschee in der Käppelestraße aussehen. | Bild: ka-news/juw/anb

Mit "alle" meint Türkay Bolat in diesem Fall auch die Verkehrsteilnehmer in der Oststadt, denn: Obwohl die Moschee künftig 700 Gläubigen Platz bieten, jedoch nur 32 Parkplätze ausgewiesen werden sollen - ein "Park-Chaos" befürchtet er nicht: "Nur zwei Mal im Jahr feiern wir Bayram (die türkische Bezeichnung für Feiertage, Anm. d. Red.), wir erwarten also nicht jeden Tag 700 Besucher auf einmal", sagt er.

Gibt es zu wenig Parkplätze?

Und sollten die 32 Stellplätze nicht ausreichen, würden die Mitglieder auf die Straßen rund um die Moschee ausweichen oder mit dem Fahrrad sowie dem ÖPNV anreisen. "Wir pflegen auch gute Kontakte mit unseren Nachbarn", so Bolat weiter und ergänzt: "Das machen wir seit Jahren so und da gab es noch nie Probleme."

Moschee Käppelestr. 3
Das Ditib-Gemeindehaus in Karlsruhe. | Bild: Reiff

Einem baldigen Baustart sollte nun also eigentlich nichts mehr im Wege stehen, oder? Noch nicht ganz, so der Ditib-Sprecher. Vorher müssten noch zwei wichtige Fragen geklärt werden: "Wo beten wir während der Bauphase und wie bewältigen wir die Finanzierung?" Sechs Millionen Euro soll die neue Moschee kosten, hier gebe es aber schon Lösungsansätze: "Wir werden einen Finanzierungskredit benötigen, haben aber über die Jahre bereits einiges an Eigenleistungen angespart und Spenden von Mitgliedern gesammelt", sagt Türkay Bolat.

Sobald diese beiden Fragen geklärt sind, können die Bagger aber rollen: "Wir haben zur Zeit erst einen groben Zeitplan. Aber ein Baustart im nächsten Frühjahr - das ist nun unsere Vision."

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  •   Karlsruhe123
    (5 Beiträge)

    12.10.2019 10:08 Uhr
    Geht es euch
    wirklich nur um die Finanzierung?
    Wo sind jetzt die all Kirchen Kritiker die sich vor ein paar Monaten über den Lärm der Kirchenglocken aufgeregt haben?
    Jetzt bin mal gespannt was ihr da zu sagt wenn der Imam 5 mal am tag über die Lautsprecher seine Gebete auf arabisch „singt“. Von morgens bis abends.
    Kann es kaum abwarten.
    P.S.warum bauen wir keine Kirchen in der Türkei beispielsweise? Es leben genug Christen dort die ah ja so frei ihre Religion ausüben dürfen.
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  •   Weichei
    (444 Beiträge)

    12.10.2019 13:03 Uhr
    1966 habe ich zum erstenmal einen Imam gehoert.
    Dies auf einer Urlaubsreise durch Yugoslavian. Wie sich das fuer mich anhoerte? Keine Kommentar.
    Off Topic :
    Ich bin der Meinung es sollte viel strenger verboten werden Katzen zu quaelen.
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  •   kritiker_2014
    (348 Beiträge)

    11.10.2019 23:07 Uhr
    Wer finnaziert den Neubau?
    Zum anderen wurde bei der Podiumsdisskussion 2018 die Frage nicht beantwortet wie die Ditib die Moschee eigentlich finanzieren will und warum der Prunkbau über 6 Millionen kosten muß.
    Es gibt ein gutes Beispiel aus aus Marburg zeigt,daß es auch anders gehen kann,ohne Minarett und Kuppel.
    [url=https://www.fr.de/rhein-main/cdu-org26591/deutsche-moschee-11273108.html]Kein Minarett, keine Kuppel: Die Architekten der neuen Moschee von Marburg verzichten auf alles, was prov
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  •   kritiker_2014
    (348 Beiträge)

    11.10.2019 23:13 Uhr
    Wer finanziert den Neubau?
    Fehler in der Verlinkung.
    Kein Minarett, keine Kuppel
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  •   teflon
    (2723 Beiträge)

    12.10.2019 07:12 Uhr
    Die Türkeiurlauber, durch den Billigurlaub
    ihr Geld hintragen / die (Deutsch-)Türken, die jedes Jahr X Milliarden € in ihre alte Heimat rücküberweisen und der türkische Staat selbst, der das Ganze aus irgendwelchen Geschäften finanziert, die man besser nicht wissen will zB Ölhandel mit IS nahen Gruppen etc etc.
    Durch die Fremdsteuerung von aussen und dem Einfluss auf die Imane, kann die Türkei schalten & walten wie sie will. Dazu kommt noch, dass sich solche Moscheen zB in Belgien, Spanien oder Frankreich häufig als Brutstätten für die Radikalisierungen mancher Mitglieder herausgestellt haben. Ich würde den Ditib verbieten- genauso wie es in Ö gerade mit dem Atib am Anlaufen ist - das ist die einzige Sprache, die Erdogan versteht. Aber ein Mentrup ist ein Fähnchen im Wind - die Stadtverwaltung hätte genug Möglichkeiten gehabt, das Ganze zu verzögern bzw an höhere Stellen zu eskalieren. Aber wir Deutschen sind ja bis zur totalen Selbstaufgabe naiv -tolerant
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  •   Kojak
    (269 Beiträge)

    12.10.2019 09:08 Uhr
    Verzögern und behindern
    Das Baurechtsamt kann das. Siehe z.B. Badisch Brauhaus. Aber hier kann man einen politischen Willen vermuten, die Wünsche der Moscheebauer so gut wie möglich zu erfüllen.
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  •   Maol
    (140 Beiträge)

    11.10.2019 15:32 Uhr
    Schade
    Warum ausgerechnet DITIB eine Baugenehmigung erhält ist mir schleierhaft. Das ist keine Religionsgemeinschaft sondern der verlängerte Arm von Erdogan. Hoffentlich nutzt er dieses neue Gebäude nicht um uns Deutsche so abzuschlachten wie er es gerade mit den Kurden macht.
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  •   schlaule2
    (71 Beiträge)

    11.10.2019 16:00 Uhr
    weil der Besitzer des Grundstücks
    eine Baugenehmigung bekommt. Würde es dir gehören und du willst einen Hindutempel errichten wird der auch gehnemigt wenn die Planung den gesetzlichen Vorschriften entspricht.
    Bauantrag einreichen und gut, was anderes ist hier auch nicht passiert. Ein ganz normaler deutscher bürokratischer Verwaltungsakt, fertig...
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  •   maehdrescher
    (1247 Beiträge)

    11.10.2019 14:59 Uhr
    Anreise mit ÖPNV und Fahrrad?!
    Das will ich sehen.

    Da sollen sich mal die Karlsruher Grünen drum kümmern, immerhin sind das große Moschee-Befürworter.
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  •   mixe
    (1191 Beiträge)

    12.10.2019 07:11 Uhr
    nur haben nicht die grünen
    den antrag bewilligt. sachlich bleiben. dummes gerede gibt es hier genug
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