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Karlsruhe Ahmadiyya-Muslime in Karlsruhe: Bürger zeigen kaum Interesse am Dialog

Die islamische Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) erwartet am Wochenende über 30.000 Gäste bei ihrer jährlichen Hauptversammlung in der Messe Karlsruhe. Die Veranstaltung ist ihren Angaben zufolge das größte Treffen von Muslimen in Europa. Am Dienstagabend wollte die Gemeinde im Vorfeld für Transparenz sorgen. Sie hat daher die Karlsruher Bürger zum Dialog in das Konzerthaus in Karlsruhe eingeladen. Sie sollten so die Gelegenheit bekommen, sich über die Ahmadiyya zu informieren. Gekommen sind nur wenige.

Die Mitglieder der AMJ hatten sich mächtig ins Zeug gelegt. 150 Stühle waren aufgestellt, belegte Brötchen und Brezeln vorbereitet, Kaffee gekocht - gekommen sind aber nur 40 Zuhörer, davon mehr als die Hälfte selbst Mitglieder der AMJ.

Dabei wollte die Gemeinde unter dem Titel "Muslime zu Gast in Karlsruhe" bei einer Kennenlern- und Infoveranstaltung im Konzerthaus für Transparenz sorgen, mit den Bürgern in Dialog treten und auf diese Weise über die AMJ und die Veranstaltung am Wochenende informieren, aber auch die Möglichkeit geben mit Klischees, Vorurteilen und Missverständnissen aufzuräumen.

Messe-Chefin vertritt OB: "Karlsruhe ist eine tolerante und offene Stadt"

Denn am kommenden Wochenende pilgern über 30.000 Muslime in die Messe Karlsruhe. Hier findet vom 28. bis 30. Juni bereits zum dritten Mal in Folge die Jahresversammlung der AMJ in Deutschland statt, die sogenannte Jalsa Salana. Die Veranstaltung ist eine Art Kirchentag der islamischen Reformgemeinde.

Adnan Ahmed von der Ahmadiyya-Gemeinde in Karlsruhe begrüßte die wenigen Zuhörer am Dienstagabend: "Salam Aleikum. Friede sei mit allen." Er freue sich, dass Bürger gekommen seien, "die die Bereitschaft zum Dialog teilen" und interessiert seien am "besseren Verständnis der Kulturen".

Oberbürgermeister Frank Mentrup, der die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte, ließ sich entschuldigen. Stellvertretend für ihn sprach Messe-Chefin Britta Wirtz die obligatorischen Begrüßungsworte: "Karlsruhe ist seit seiner Gründung eine tolerante und offene Stadt." Schon Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm habe sich früh für die Religionsfreiheit eingesetzt. Mittlerweile lebten und arbeiteten in Karlsruhe etwa 12.000 Muslime. "Sie sind keine Gastarbeiter mehr, sondern ein integraler Bestandteil des Gemeinwesens dieser Stadt. Und das ist auch gut so", betonte Wirtz. Ihr Appell: "Wir sollten Gemeinsamkeiten stärker herausstreichen statt Unterschiede zementieren."

Ahmadiyya hat in Deutschland "lange Tradition"

Die am Dialog interessierten Bürger bekamen von Mohammad Luqman, Islamwissenschaftler und beim Bundesverband der AMJ für den interreligiösen Dialog zuständig, eine kleine Geschichtsstunde über die Ahmadiyya. So erfuhren die Zuhörer von Luqman, dass diereligiöse Gruppierung 1889 in Indien von Mirza Ghulam Ahmad gegründet wurde. Die Glaubensgemeinschaft beruft sich auf Ahmad als ihren neuen Propheten. Dies führt unter Muslimen immer wieder zu Kontroversen, da für viele Muslime Mohammed als der letzte Prophet gilt. Daher haben die Anhänger der Ahmadiyya in manchen Ländern - vor allem aber in Südasien - einen schweren Stand und werden dort teilweise verfolgt.

Die AMJ ist eigenen Angaben zufolge mit vielen zehn Millionen Mitgliedern in über 195 Staaten der Erde derzeit die "größte islamische Reformbewegung". Und gehöre damit zu den weltweit drei größten islamischen Glaubensgemeinschaften nach den Sunniten und Schiiten. Auch in Deutschland habe die Gemeinde bereits eine "lange Tradition", so Luqman. Die erste Gemeinde wurde in den 1920er Jahren gegründet, nach dem Zweiten Weltkrieg begann sie sich dann neu aufzubauen. Heute hat die Gemeinde in Deutschland rund 35.000 Mitglieder. Bundesweit gibt es rund 250 Gemeinden. Davon je eine in Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim.

"Wir lehnen Gewalt strikt ab"

Die erste Jahresversammlung der AMJ fand 1976 mit 75 Teilnehmern in Hamburg statt. In diesem Jahr werden in Karlsruhe über 30.000 Anhänger erwartet. Die Veranstaltung gelte aber nicht nur der "spirituellen Weiterentwicklung der Gemeinde-Mitglieder", sondern sei auch ein "Ort der Begegnung und des Austauschs", erläutert Luqman. Die Gruppierung setze sich für einen friedlichen Islam ein.

Kritiker werfen der Ahmadiyya-Bewegung aufgrund ihrer Kampagnen allerdings verstärkte Missionsabsichten vor. Auch in Karlsruhe verteilen junge Muslime mit "Muslime für Frieden"-T-Shirts Flyer, 150 Plakate mit Friedensbotschaften werden in dieser Woche in der Innenstadt angebracht. Bei Religionswissenschaftlern gilt die Gemeinde als sehr konservativ, aber friedlich und ungefährlich. "Wir lehnen jegliche Art von Gewalt im Namen aller Religionen strikt ab", betont Luqmann am Dienstagabend. Die AMJ trete für die "absolute Religions- und Gewissensfreiheit" ein, denn der "respektvolle Umgang zwischen den Religionen trägt zu gesellschaftlichem Frieden bei". Auch die "Gleichberechtigung von Frauen und Männern" und die "Trennung von Staat und Kirche" seien der Gemeinde sehr wichtig.

Die Mitglieder zeigten sich zudem stets loyal dem Land gegenüber, in dem sie lebten. In Deutschland treten sie für ein "uneingeschränktes Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung" ein. Auch Bildung spiele eine große Rolle in der Gemeinschaft. "Die Abiturquote unserer Gemeindemitglieder liegt über dem deutschen Durchschnitt", sagt Luqman. Auch der erste muslimische Nobelpreisträger stamme aus den Reihen der AMJ. Der Physiker Abdus Salam erhielt den Preis im Jahr 1979.

Die islamische Gemeinde ist seit kurzem auch als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Hessen anerkannt. Sie hat damit den gleichen Rechtsstatus wie beispielsweise die katholische oder evangelische Kirche. Die AMJ bietet daher ab dem Schuljahr 2013/14 bekenntnisorientierten Islamunterricht an Grundschulen in Hessen an. Dieser richte sich in erster Linie an die Anhänger der Ahmadiyya, stehe aber allen islamischen Glaubensrichtungen offen, so Luqman.

Ahmadiyya begrüßt Moscheebau in Karlsruhe

In der anschließenden Frage- und Antwortrunde wollte ein Zuhörer wissen, wie die Gemeinde zu den Moscheebau-Plänen der Ditib-Gemeinde in Karlsruhe stehe. "Wir begrüßen die Moscheebaupläne der Ditib-Gemeinde", so Ahmed von der Ahmadiyya Karlsruhe. "Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Moscheen das Karlsruher Stadtbild prägen würden." Moscheen seien ein Zeichen "gelebter Religionsfreiheit", ergänzt Luqman. "Wir unterstützen den Moscheebau andere Gemeinden." Die AMJ unterhält aktuell selbst 39 Moscheen "mit Minaretten und Kuppeln" in Deutschland - weitere seien geplant.

Sind sie enttäuscht über das geringe Interesse an der Veranstaltung? Fehlt den Karlsruher Bürgern die Bereitschaft zum Dialog? "Es ist schon schade, dass nicht noch mehr Bürger den Weg hierher gefunden haben", antwortet Ahmed. "Es war eine offene Einladung." Die Mitglieder der Gemeinde hätten in den letzten Tagen 10.000 Flyer verteilt. Auch in den Medien wurde auf den Infoabend aufmerksam gemacht. "Wir freuen uns auf jeden, der gekommen ist und diese tolle Gelegenheit zum Dialog wahrgenommen hat", so Luqman. "Vielleicht kommen das nächste Mal ja mehr."

Weitere Infos zur Ahmadiyya in Deutschland unter www.ahmadiyya.de

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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    26.06.2013 15:13 Uhr
    Jo, DaDaCondor... ^^
    Die Ahmadiyya-Muslime sind wohl etwas moderater und unterstehen (deshalb) auch nicht der extrem konservativen DITIB und dennoch:
    // Bei Religionswissenschaftlern gilt die Gemeinde als sehr konservativ, aber friedlich und ungefährlich//
    //Gleichberechtigung von Frauen und Männern...//
    beim Thema Zwangsverheiratung doch eher wieder sehr konservativ zwinkern
    Der DMK, der sich trotz seiner Empfehlung "25 Fragen zur Frau im Islam" (googeln bitte), als modern und weltoffen ausgibt, war der auch beim Dialog vertreten? An Demonstrationen gegen Erdogan haben sie sich jedenfalls nicht beteiligt, zumindest gab es auf deren Seiten keinen Aufruf.
    Gib mal "moderne" Beispiele von genau den Gruppen, die hier immer wieder zum Dialog einladen, DaCondor.
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    26.06.2013 15:39 Uhr
    @daisyy: Wie wärs mit den Taliban´s oder Mudschahid´ins? Da ist die Welt noch in Ordnung
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  • unbekannt
    (1444 Beiträge)

    26.06.2013 14:01 Uhr
    [...der durchschnitliche Karslruher...
    ...nichts mit Moslems zu tun haben will und schon gar nicht mit denen mal reden will...]
    Sind es dann eher die "Überdurchschnittlichen Karlsruher", davon scheint es nur etwa 20 zu geben, die sich in vorauseilendem Gehorsam den Moslems anbiedern möchten?
    Wer schreibt vor, wen wir mögen müssen? Noch sind wir ein freies Land - und das soll auch so bleiben.
    Über die Ahmadiyya informiert Sabatina James.
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  • unbekannt
    (3577 Beiträge)

    26.06.2013 15:24 Uhr
    @ka-news: lernt mal den Unterschied zwischen Dialog und Propaganda
    die Redakteure von ka-news sollten eigentlich in der Lage sein, zwischen Dialog und Propaganda zu unterscheiden

    die Ahmadiyyas wollten interessierte Bürger informieren und zwar allein aus ihrer eigenen Sicht. So etwas nennt man Propaganda.
    Das ist an sich nicht schlimm.
    Verlogen ist es aber, so etwas als Dialog zu bezeichnen.

    Kritiker des Islam sidn da so willkommen wie Atomkraft-Lobbyisten auf dem Parteitag der Grünen.

    Es ist so eine Masche islamischer Gruppen, ihre Werbeveranstaltungen als "Dialog" zu bezeichnen, obwohl sie kein Interesse an Kontroverse haben, sondern nur werben wollen.
    Es verlangt wohl zuviel Ehrlichkeit, eine Werbeveranstaltung als solche anzukündigen.

    Für echten Dialog nimmt man mehrere gleichstarke Redner, die unterschiedlicher Meinung sind.
    Das Gebäude einer Religionsgemeinschaft ist kein neutraler Ort, an dem man frei und unbefangen diskutieren kann.
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  • unbekannt
    (481 Beiträge)

    26.06.2013 13:52 Uhr
    .
    Ich will mit Moslems allein in deren Eigenschaft als Moslems, Christen allein in deren Eigenschaft als Christen, Juden allein in deren Eigenschaft als Juden etc. nichts zu tun haben. Wenn sich die Wege in anderen Lebensbereichen kreuzen - gerne, warum nicht.
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