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Karlsruhe Organisatorin der Karlsruher Motorrad-Demo: So könnten Kompromisse zwischen Bikern und Politikern aussehen

Eine Flut von Motorrädern! In Karlsruhe haben am Wochenende über 7.000 Biker ein Zeichen gegen neue Beschränkungen gesetzt. Leidenschaft versus Lärmbelästigung: Warum der Protest derartige Ausmaße annahm und wie ein Kompromiss aussehen könnte - ka-news.de hat mit Karin Birkel, Organisatorin der Karlsruher Demonstration, gesprochen.

So viele Motorräder auf einmal hatte Karlsruhe wohl noch nie gesehen: Über 7.000 Biker haben sich am vergangenen Samstag zum Protest versammelt. Um die Situation zu beherrschen, musste die Polizei Streifenwagen aus dem Stadt- und Landkreis zusammenziehen.

Motorradfahrer protestieren in München gegen Fahrverbote an Wochenenden und Feiertagen - trotz Demo-Verbots.
Motorradfahrer haben in vielen deutschen Städten - hier in München gegen Fahrverbote demonstriert. | Bild: Matthias Balk/dpa

Der Grund für den massiven Protest ist politischer Natur: Um den Motorradlärm zu reduzieren, schlägt der Bundesrat unter anderem vor, an Sonn- und Feiertagen Fahrverbote für Motorräder einzuführen. Darüber hinaus sollen keine neuen Fahrzeuge lauter als 80 Dezibel zugelassen werden.

Ob diese Ideen letztendlich umgesetzt werden, das muss die Bundesregierung entscheiden. Doch in vielen Städten sorgte bereits der Vorstoß des Bundesrates für regen Protest aus der Bikerszene. ka-news.de hat mit Karin Birkel, Veranstalterin der Motorrad-Demo in Karlsruhe, gesprochen.

Frau Birkel, wie haben Sie die Demonstration erlebt?

Ich war in einem Wechselbad der Gefühle, um ehrlich zu sein! Wir Organisatoren waren ganz ordentlich gefordert, da wir selbst bei deutlich optimistischerer Planung und Schätzung niemals mit fast 8.000 Motorrädern gerechnet hätten. Das Meer an Motorrädern hat mir ordentlich Bauchschmerzen bereitet.

Motorradfahrerin und Inhaberin der Firma Good Souls.
Karin Birkel, Organisatorin der Karlsruher Motorrad-Demonstration. | Bild: Karin Birkel

Aber ich war auch sehr stark berührt. Die Leute, die da waren, sind eben nicht Manipulierer, Lärmrabauken, so genannte "schwarzen Schafe" gewesen. Das waren tausende ganz normaler Bürger, die Motorrad fahren. Youngsters und Senioren, Fahrerinnen, Sozias, alle Marken, alle Segmente.

Wie war die Stimmung unter den Bikern?

Natürlich war die Stimmung geknickt, als wir vom Orga-Team die Durchsage machen mussten, dass wie geplant nur 500 Motorräder nach Karlsruhe reinfahren können. Tausende sind dann wieder umgedreht. Aber viele sind auch dennoch in die Stadt gefahren.

Aus unserer geplanten eher kleinen und geordneten Demo, die als stiller Protest angelegt war, wurde eine ungeordnete große Versammlung. Es gab zwar ein Verkehrschaos, doch keinen Stress und keinen Unfall. Darüber hinaus gab es keinen Gesang, kein Hupkonzert, kein Drehzahlstakkato, keine angespannte Situation mit Ordnungskräften. Die Stimmung war friedlich und ernst. Das haben die Fahrer sehr gut gemacht.

Wie stehen Sie zu der Idee, die Lautstärke bei Neuzulassungen auf 80 Dezibel zu begrenzen?

Die meisten Motorradfahrer sagen, sie würden ihr Motorrad auch kaufen, wenn es leiser wäre. Ich kenne persönlich niemanden, der sein Bike nach der Lautstärke aussucht. Man kauft nach der Marke, nach der Art des Fahrens, nach dem Preis natürlich, nach der neuesten Technik vielleicht mit Kurven-ABS oder Traktionskontrolle.

Fachleute sagen, 80 Dezibel in allen Fahrzuständen würde nicht funktionieren, nicht einmal bei manchen Autos. Auch wenn ich keine Expertin bin, denke ich: am Ende geht es um technisch machbare, sinnvolle und messbare Lösungen.

Wie stehen Sie dazu, dass die Strafen für das Tunen der Motorräder deutlich angehoben werden sollen?

Man kann die Strafen für das illegale Tunen natürlich spürbar anheben, aber das löst - glaube ich - nicht das Problem. Raser, Manipulierer, Radaubrüder hält man ja bisher auch nicht durch Strafandrohung auf.

Motorradfahrerin und Inhaberin der Firma Good Souls.
Motorradfahrerin und Inhaberin der Firma Good Souls. | Bild: Karin Birkel

Zu einer sofortigen Erleichterung für die Anwohner würden zunächst konsequente Kontrollen führen. Man muss also vielmehr die Ordnungskräfte ausstatten - personell und mit dem nötigen Messmaterial. Es ist meiner Meinung nach ein Kernproblem, dass die Polizei nicht ausreichend Präsenz zeigen kann. Helfen würden auch andere Maßnahmen, wie beispielsweise verkehrsverlangsamende Hindernisse.

Ist das unerlaubte Manipulieren der Motorräder ein großes Problem?

Das ist, soweit ich das mitbekomme, kein massenhaftes Problem. Aber schon ein einzelnes manipuliertes Krach-Motorrad pro Stunde kann einen massiv nerven. Gleichzeitig sind viele Motorräder legal relativ laut und die Besitzer fragen sich schon, was nun eigentlich gilt - sie haben ein Motorrad von der Stange, nichts daran verändert, und plötzlich kommen sie in einen Topf mit den illegal lauten Bikes.

Wie könnte eine Lösung für das Problem des Motorradlärms aussehen?

Das Ausverhandeln von Lärmgrenzwerten auf europäischer Ebene muss ehrlich und mit Sachverstand gehandhabt werden. Rigide Vorgaben von Brüssel - angepasste Reaktion der Hersteller, das ist ein Spiel, das wir von anderen Ebenen gut kennen. Wobei in der Motorradindustrie keine illegalen Methoden angewendet werden, das muss man klar sagen!

Motorrad-Aktivstin und Inhaberin des Unternehmens Good Souls
Karin Birkel, Inhaberin des Unternehmens Good Souls, hat die Motorrad-Demonstration in Karlsruhe angemeldet. | Bild: Karin Birkel

Kontrollen müssen möglich sein. Was nutzen Gesetze, wenn sie nicht durchgesetzt werden können? In Paris gibt es offenbar speziell dafür vorgesehene Polizeieinheiten, die sich nur um den Verkehrslärm kümmern.

Maßnahmen direkt vor Ort sind auch ein Weg: In Frankreich hat jedes Dorf 'ralentisseurs' - das sind Fahrbahnerhöhunngen - und niemand gibt zwischen diesen Erhöhungen massiv Gas. Vielleicht sind solche Erhöhungen temporär, wie man sie als Kabel- und Schlauchbrücken im Straßenbau kennt - an neuralgischen Punkten zwischen April und Oktober eine Lösung?

Teilnehmer einer Motorradsternfahrt.
(Symbolbild) | Bild: Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Lärmdisplays helfen ebenfalls, denn man reagiert automatisch auf die Anzeige. Doch im Moment finde ich die Lärmdisplays noch viel zu teuer für die Kommunen, trotz der Zuschüsse. Arbeitskreise vor Ort in den Kommunen helfen. Es gibt in vielen Städten für die unterschiedlichsten Themen institutionalisierte Beiräte: Frauenbeirat, Kulturbeirat, Ausländerbeirat. Weshalb nicht einen Verkehrslärmbeirat, bei dem alle Beteiligten vor Ort am Tisch sitzen?

Eine weitere Idee wären Steueranreize für leisere Motorräder oder auch für Nachrüstanlagen - Steuern sparen befeuert immer. Lärmblitzer könnten ebenfalls eine Lösung sein - ich habe gehört, dass das technisch schwierig sei. Aber es gibt Länder, in denen das bereits getestet wird.

Was gewiss nicht hilft, ist Federstrichpolitik. Aus diesem Grund ist das Schaffen von Fahrverboten, Geschwindigkeitsbegrenzungen, die nur für Motorräder gelten, nicht jedoch für alle anderen Fahrzeuge, nicht richtig. Das ist mit dem Gleichbehandlungsgedanken völlig unvereinbar.

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5 Fragen an... | ka-news.de: Politik, Wirtschaft, Soziales und Kultur - in der ka-news-Rubrik "5 Fragen an..." äußern sich bekannte Köpfe zu aktuellen Themen, die Karlsruhe bewegen. Kurz, prägnant und auf den Punkt!
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Kommentare (41)
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  •   Senfdazu
    (448 Beiträge)

    07.07.2020 06:02 Uhr
    😎
    Hallo ihr beiden,
    wir haben hier eigentlich einen Meinungsaustausch wegen der Lärmbelästigung aufgrund der auspuffmäßig hochgetunten Motorräder. Aber dennoch gut, dass es noch weitere Mitbürger gibt, die sich über diverse Nachbar-Rasenmähergeflogeheiten wundern, nicht zu vergessen sind auch Heckenschneider innerhalb der Ruhrzeiten oder auch, mal was ganz anderes, Wanderer, die im Wald als Gruppe einen Lärm machen, das andere sich nicht mehr erholen können. Also bitte: mehr Rücksicht auf andere nach dem Motto: Ich lebe nicht allein auf dieser Welt.
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  •   mueck
    (12096 Beiträge)

    07.07.2020 09:04 Uhr
    !
    "innerhalb der Ruhrzeiten"

    Gute Besserung! zwinkern
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  •   Senfdazu
    (448 Beiträge)

    07.07.2020 21:09 Uhr
    😎
    @mueck: Oberlehrer? Korrekturleser? Oder woher kommen Deine vielen Kommentare her? Ich zerflatsche gerne Mücken. 👎🏻👎🏻👎🏻
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  •   Rino
    (357 Beiträge)

    06.07.2020 17:44 Uhr
    Kein Mitleid
    Arbeite immmer nachts am PC.
    Jetzt geht es wieder verstärkt los.
    B 36 Fahrtrichtung Linkenheim, vor der Abbiegespur nach Neureut wird die Geschwindigkeit aufgehoben.
    Das ist für diese Vollpfosten mit nichts in der Hose und in der Birne das Zeichen den Hahn voll aufzudrehen
    und den Krawallknopf zu drücken.
    Mir fliegt da öfters die Mouse aus der Hand.
    Wenn ich dann ab zu lese, das es wieder einen zerbröselt hat empfinde ich keinerlei MITLEID.
    Natürlich gibt es auch vernünftige Biker, von den 10, die ich kenne, ist es aber nur EINER.
    Alle anderen meinen, sie hätten das Recht auf Lärm usw.
    Die Lady oben scheint ja auch auf Krach aus zu sein,
    nachdem was da so angeboten an Touren im Blackforrest.
    Wenn ich da oben irgendwo an der Strecke wohnen würde, bekäme sie von mir
    schon ein "Begrüssungs-Komitee" abgestellt.
    Von mir aus kam das ruhig verbieten, ist nämlich nicht systemrelevant.
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  •   Senfdazu
    (448 Beiträge)

    06.07.2020 18:04 Uhr
    😎
    Gebe Dir in allen Punkten Recht. Wir werden morgentlich von den losfahrenden und abends von den heimkehrenden Krachmachern begrüßt und dazu kommen noch, und diese Klientel ist nicht zu verkennen, die Amischlitten mit den Möchte-gern-allen-meine-Potenz-zeigen-Hemimotorpiloten. Wumm Wumm Wumm und das mindestens 2 X täglich.
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  •   1299
    (3 Beiträge)

    06.07.2020 18:01 Uhr
    Selten so ein bullshit gelesen...
    Selten so ein bullshit gelesen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    06.07.2020 17:03 Uhr
    Für Kontrollen (Blitzer) wäre
    eine Nummernschildpflicht auch vorne hilfreich.
    Die "Vorschläge" der Dame sind m.E. überwiegend unrealsistisch (Kontrollitis...) bzw. unwirksam (Holperschwellen). Jeder weiß, dass gerade an Tempo-Hindernissen wie Orten dann beim Ortsende-Schild häufig erst so richtig auf Alarm-Lärmstufe hochgedreht wird.
    Da braucht es schon konsequente Maßnahmen, statt gutes Zureden und Hoffen auf Einsicht. Dieses Konzept ist gescheitert.
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  •   schlaule2
    (359 Beiträge)

    06.07.2020 16:16 Uhr
    Die extrem lauten Motorräder
    werden fast nur von Männern gefahren.
    Je lauter das Motorrad um so kleiner der Pxxxxxx. Jetski Fahrer sind genauso. Gestern am Rheinkiosk musste einer mit einem extrem lauten Jetski direkt an Kiosk hin und her fahren. Hat sich ganz toll gefühlt mit seiner Sch... verlängerung und hat alle genervt. Wenn der wüste was es da für Schimpfwörter gehagelt hat...
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    06.07.2020 16:37 Uhr
    Interessiert
    solche Leute nicht. Ist auch am Meer immer schön zu beobachten. Die es nicht nötig haben, bleiben den Stränden fern, die "Helden" nerven alle Urlauber.
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  •   schlaule2
    (359 Beiträge)

    06.07.2020 17:18 Uhr
    Ja, die kommen sich als Superhelden vor
    sind aber nur kleine, arme und zu bemitleidende Würmchen.
    Wenn einer an der Ampel steht lache ich den immer aus, das hilft. Ist sogar Mal einer bei Rotlichtz losgefahren weil 10 andere Passanten mitgemacht haben.
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