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Karlsruhe Beiertheimer Tafel: "Wenn sich nichts ändert, haben wir ein richtiges Problem"

Während die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, werden Tafeln im sozialen Bereich zunehmend wichtiger. ka-news hat mit Hans-Gerd Köhler, Erster Vorstand des Caritasverbandes Karlsruhe, und Ralph Beck, stellvertretender Marktleiter der Beiertheimer Tafel, über ihre Initiative und Forderungen an die Politik gesprochen.

Menschen, die von Armut betroffen sind, können sich oft nicht mehr genug Lebensmittel oder Kleidung leisten. Sie müssen daher aufgefangen werden und dabei kommt den Projekten der Deutschen Tafel eine wichtige Rolle zu. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die gemeinnützige Organisation Deutsche Tafel für unsere Gesellschaft?

Köhler: Für unsere Gesellschaft ist das eine wichtige Einrichtung. Es gibt zwei große sich entgegensetzende Meinungen. Die erste, wir haben ja inzwischen 932 Tafeln in Deutschland, und diese unterstützen das Sozialsystem, damit der Staat gar nicht so viel ausgeben muss. Das ist eine Meinung auf sehr hohem Niveau.

Die zweite Meinung, die auch ich vertrete, wir haben es hier mit Menschen zu tun, denen es wirklich nicht gut geht. Die können sich hier beim Einkaufen Geld sparen, was sie an anderer Ecke übrig haben. Das Geld, was man als Arbeitslosengeld bekommt, reicht vorne und hinten nicht. Die Tafeln stützen nicht unser Sozialsystem, sondern sie unterstützten Menschen in prekären Lebenssituationen. Ohne Tafeln würde unser Sozialsystem ziemlich schlecht dastehen.

Worin liegt die Herausforderung, wenn man sich in einer Tafel engagiert? Was muss man mitbringen?

Köhler: Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich mit dem Kunden in Verbindung zu setzen. Ich muss Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Menschen haben. Es gibt aber keine Grundbedingung. Wer nur ein oder zwei Stunden die Woche helfen kann, das ist in Ordnung. Jeder, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, ist wichtig.

Beck: Wer helfen will, kann sich einfach bei uns in der Tafel melden. Man muss einfach Engagement zeigen, anderen zu helfen. Bei uns sind die Hauptbereiche, wo wir uns über Hilfe freuen, der Laden, wo die Lebensmittel verkauft werden, sowie das Lager, also Warenaufbereitung und Warensortierung.

An welche Menschen richtet sich Ihre Tafel? Welchen Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Beck: Unser Angebot richtet sich vor allem an Geringverdiener, also Arbeitslose oder Rentner mit geringem Einkommen. Der Kunde muss einen Nachweis erbringen, dass er hier bedürftig ist. Das heißt, er kommt mit seinem Arbeitslosen- oder Hartz IV-Bescheid, oder Rentenbescheid.

Der Kunde bekommt anschließend einen Ausweis mit Lichtbild und in dem wird auch vermerkt, wie viele im Haushalt lebende Mitglieder sind in der Familie. In der Regel ist der Ausweis für ein Jahr gültig. Der Nachweis muss generell erbracht werden, weil wir leider auch immer wieder schwarze Schafe dabei haben.

Haben Sie den Eindruck, dass die Zahl der Betroffenen steigt?

Köhler: Ja, ganz einfach. Die Schere geht weiter auseinander. Ich mache mir vor allem Sorgen um den Wohnungsmarkt. Wir haben hier in Karlsruhe teils sehr hohe Mieten. Der Wohnraum ist knapp geworden. Mieten werden teurer. Das wird sich noch weiter verschärfen.

Was würden Sie den Menschen da draußen, gern auch den Politikern, in wenigen Sätzen mit auf dem Weg geben?

Köhler: Ich wünschte mir, dass die Solidarität, die die Menschen hier erfahren, sich auch auswirkt auf ihr Umfeld. Ich wünsche mir da noch mehr gegenseitige Unterstützung. Da gibt es noch zu viele Kämpfe untereinander.

Beck: Man soll die Armut mehr eindämmen, insbesondere die Altersarmut. Wenn sich da nichts ändert, haben wir ein richtiges Problem. Da ist einfach die Politik gefordert und nicht die Sozialverbände. Leider dienen die Sozialverbände hier oft als Lückenbüßer der Politik.

ka-news-Hintergrund

Die Beiertheimer Tafel gehört zur sogenannten "Karlsruher Tafelrunde". Weitere Mitglieder sind die Karlsruher Tafel e.V., die Durlacher Tafel e.V., die Ettlinger Tafel sowie die Tafellogistik Rastatt. Weitere Informationen zur Beiertheimer Tafel gibt es im ka-news-Artikel Außergewöhnlicher Supermarkt: Beiertheimer Tafel hilft auf Augenhöhe. Wer die Beiertheimer Tafel finanziell unterstützen möchte, kann sich an folgendes Spendenkonto wenden:

Caritasverband Karlsruhe e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 660 205 00
Konto 17 417 00 (Stichwort "Beiertheimer Tafel")
IBAN: DE17 6602 0500 0001 7417 00
BIC: BFSWDE33KRL

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  •   FG1961
    (233 Beiträge)

    03.01.2018 06:30 Uhr
    Zu den Aufgaben des Sozialstaates
    gehören nicht Fußball und Staatstheater.
    Das Geld was hierfür a) verwendet wird und b) anschließend bis in alle Zeit subventioniert wird, würde locker reichen die sogenannte Armut zu stoppen.
    Die wählenden Karlsruher Bürger haben es so gewollt.

    Es muss viel viel mehr Geld in Werte, Bildung und Ausbildung investiert werden damit Deutschland demokratisch, und rechtsstaatlich bleiben kann.
    Alles andere endet in einer dystopischen Zukunft.
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  •   Chartist
    (311 Beiträge)

    02.01.2018 21:11 Uhr
    es ändert sich nichts und
    das Problem wächst. Vielleicht wird dann jemand das "Problem" nicht mehr leugnen können
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  •   bergdoerfler
    (1625 Beiträge)

    02.01.2018 20:36 Uhr
    Beweis für das Scheitern des
    Sozialstaates. Das C in der DU oder SU kann wegfallen, wird doch nicht mehr benötigt.
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  •   malerdoerfler
    (5224 Beiträge)

    02.01.2018 18:48 Uhr
    Wer sich die Mieten in der Stadt nicht leisten kann,
    der muss halt an die Peripherie ziehen. Es gibt ein gutes ÖPNV-Netz.
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  •   lynx1984
    (3120 Beiträge)

    02.01.2018 23:20 Uhr
    Auch dort
    ist der Wohnraum unbezahlbar für niedrige Einkommen resp. Miete vom Amt. Außerdem gibt es dort zu wenige Wohnungen und mehr Häuser.

    Günstigen Wohnraum kann es nur durch ein größeres Angebot geben. Tafeln sind da leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
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  •   Cl@udia
    (28 Beiträge)

    02.01.2018 17:21 Uhr
    Teil es Problems
    Anstatt jedem Rentner genügend Geld zu geben um in normalen Läden einkaufen zu können kann die Politik ihnen einfach weniger zubilligen und dann auf solche Almosenausgabestellen verweisen. Sicher, die Tafeln meinen es gut, aber sie machen es dadurch einfacher, Leuten die ein Leben lang gearbeitet haben das Existenzminimum zu verweigern
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  •   santana
    (1096 Beiträge)

    02.01.2018 16:53 Uhr
    Da soll sich die
    mächtigste Frau Europas, wie sie oft genannt wird, mal so richtig ins Zeug legen, ihre "Macht" ausspielen und dafür sorgen, dass sich da was ändert. Allein mir fehlt der Glaube.
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  •   Elfer4711
    (69 Beiträge)

    02.01.2018 21:00 Uhr
    Woanders hin
    Die gibt das Geld lieber für ausländische Fachkräfte aus. Ohne die wäre der Hartz 4 Satz und die Renten doppelt so hoch. Es müsste keine Tafeln geben. Die Leute hätten Geld und Arbeit. Es wäre sicher und friedlich und man würde endlich wieder deutsch sprechen. Auch die Polizei könnte wieder auf deutsch twittern. Man könnte von einem 40 Stunden Job endlich wieder eine Familie ernähren. Die KVV Fahrkarten wären wieder billiger und der Diesel wieder sauber. Aber das hat uns die mächtigste Frau der Welt alles genommen. Nur die afd kann uns das wieder zurück geben. Die ist für uns kleine Leute da. Ich wähle die. Weil ich keine Tafeln mehr will.
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  •   kuba
    (1015 Beiträge)

    03.01.2018 17:30 Uhr
    Der pawlowsche Hund hat wieder gebellt
    Es gibt wohl keine Thema, bei dem nicht gewisse Zeitgenossen ihre Feindschaft gegen Flüchtlinge in die Welt posaunen. Tafelen gibt es schon sehr lange und arme Menschen gibt es auch schon sehr lange. Nach dem Krieg waren - fast- alle arm. Das hat sich geändert und es ist wohl nicht zu leugnen, dass die Kluft immer weiter auseinander geht. Ich habe nicht gehört, dass die AfD da was änderen will, im Gegenteil. sie stehen fest und unverbrüchlich auf dem Boden des rechten Kapitalismus oder glaubt jemand, der Gauland oder die Frau Storch würden auf ihr Vermögen verzichten? Deren einzige Antwort ist die Hetze gegen Ausländer.
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  •   melotronix
    (2788 Beiträge)

    03.01.2018 10:10 Uhr
    oh man....
    ....sorry...aber man könnte nach dem Lesen deines Kommentars auf die Idee kommen, du hast wohl die starrsten Scheuklappen auf die es gibt. Schwarz-Weiss-Denken ist bei dir noch das bunteste was es gibt.
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