Der "Halima-Kindergarten" ist der einzige Kindergarten in Karlsruhe, der von Muslimen gegründete wurde. Unter den 24 Kindern sind derzeit vier mit der deutschen Muttersprache. Der Rest stammt hauptsächlich aus türkischen Familien. Der Tag im Integrationskindergarten beginnt multikulti: Das Aufwärmlied im Morgenkreis gibt es in drei Ausführungen: "Wir klatschen in die Hände" wird auf deutsch, türkisch und arabisch gesungen.

Sprachförderung für Kinder

Grundsätzlich wird im Kindergarten nur deutsch gesprochen. Doch manche Kinder können am Anfang kein Wort. Nurhan Bingöl ist in der Ausbildung zur Erzieherin und absolviert ihr Anerkennungsjahr im "Halima Kindergarten". Die Muslima, die in Deutschland geboren wurde, gibt Sprachförderung für die Kinder. In zwei Gruppen, nach Alter und Können getrennt, werden spielerisch Wortschatzübungen gemacht, Grammatik und Satzstrukturen geübt. Zuschüsse von der Stadt gibt es hierfür keine, "obwohl wir es bitter nötig hätten", sagt eine Erzieherin.

"Wir raten den Eltern mit ihren Kindern zuhause in der Muttersprache zu reden. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das Lernen einer Zweitsprache wesentlich leichter fällt, wenn die Muttersprache beherrscht wird", sagt Nurhan Bingöl. Außerdem sei das Deutsch der Eltern manchmal fehlerhaft, dann sei es besser die Kinder lernten es korrekt im Kindergarten.

Parallelgesellschaft in der Puppenecke

Sandra Degenhart ist im Vorstand der Elterninitiative des unabhängigen muslimischen Kindergartens, den ihre beiden Töchter besuchen. "Anfangs war es eine Notlösung, aber dann sind wir bewusst hier geblieben", erzählt sie. Religion spiele für sie eine wichtige Rolle, für ihren Mann, einen katholischen Theologen, ebenfalls. "Hier wird auf Werte geachtet und es herrscht ein Gemeinschaftssinn", sagt Degenhart. In städtischen Kindergärten sei es oft so, dass ausländische Kinder in Grüppchen zusammen blieben, nicht integriert würden - die Ausländer eben. Die Parallelgesellschaft in der Puppenecke - das soll im Halima-Kindergarten verhindert werden.

"Andere Leute sind manchmal irritiert, wenn sie von dem muslimischen Kindergarten hören", erzählt Degenhart. "Besonders nach dem 11. September haben viele dicht gemacht." Dabei habe man nur Angst vor dem Fremden und Unbekannten, das würde sich ändern, sobald man die Menschen dahinter kennenlerne. "Die meisten Muslime hier wollen nur ihre Religion leben, sie planen doch keine Terroranschläge!"

Mutter-Kind-Frühstück statt Elternabend

Der Elternabend wurde aufgrund mangelnder Präsenz bald abgeschafft. Dafür gibt es jetzt einmal monatlich das Mutter-Kind-Frühstück, bei dem so gut wie alle Mütter auftauchen. Mesut Palanci, der ebenfalls im Vorsitz des Kindergartens aktiv ist, hat dafür eine Erklärung: "Der Kindergarten ist oft Sache der Mütter und viele gehen abends nicht mehr aus dem Haus." Er wurde zwar in der Türkei geboren, bezeichnet sich aber als "alten Durlacher". Mit zwei Jahren kam er nach Deutschland und war dabei, als der Halima Kindergarten noch in den Kinderschuhen steckte.

Bei der Idee eines muslimischen Kindergartens reagierten Stadtverwaltung und Stadtjugendausschuss vor zehn Jahren misstrauisch. "Man wollte schon ganz genau wissen, was wir da vorhatten", erzählt Palanci. Es habe Fragen gegeben, wie: "Schlagen sie da die Kinder?", "Werden die gezwungen, Kopftücher zu tragen?" Harald Denecken, der damalige Sozialbürgermeister, weihte den muslimischen Kindergarten als seine erste Amtshandlung ein.

"Dass wir, wenn wir Erwachsen sind, noch immer Freunde sind"

"Wir lehren den Kindern doch nicht die Scharia hier", sagt Degenhart. Die islamische Religion werde spielerisch erklärt, mit Geschichten, Liedern und Aktionen. Ebenso würden den Kindern die christlichen Bräuche näher gebracht, zum Beispiel Ostern und die Adventszeit. "Das soll gegenseitigen Respekt und Toleranz füreinander schaffen", sagt Degenhart. "Das ist das Schöne an Kindern, die sind noch ganz offen und unvoreingenommen."

Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums stellt sich der muslimische Kindergarten am Samstag, 17. Oktober, vor. Im Festsaal des Studentenhauses, Adenauerring 7, wird ab 14 Uhr getanzt und gesungen. Infostände und Plakate werden über den muslimischen Kindergarten informieren. Alles unter dem Motto: "Dass wir, wenn wir Erwachsen sind, noch immer Freunde sind."