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Karlsruhe Neubau der Ikea-Filiale wird immer konkreter: Bürger kritisieren geplantes Verkehrskonzept

Am 12. Juli lud das schwedische Möbelhaus zu einem Bürgernachmittag im Südwerk in Karlsruhe ein. Ziel der Veranstaltung: Besorgte Bürger und zukünftige Ikea-Nachbarn über das geplante Verkehrskonzept rund um das neue Gelände zu informieren und aufzuklären.

Trotz sonnigen Wetters kamen am Donnerstagnachmittag viele Bürger ins Südwerk zum Infonachmittag von Ikea. Schon zu Beginn berichtete Michael Obert über die bereits durchgeführten Schritte zum Mobilitätskonzept rund um den Neubau des Möbelhauses – sowohl Verkehrsgutachten als auch schalltechnische, Klima- und Artenschutzuntersuchungen wurden verwirklicht. "Ganz besonders zu unterstreichen wäre jedoch, dass das Verkehrsgutachten vom allerschlimmsten Fall ausgeht: dass 95 Prozent der Kunden mit dem Auto ankommen werden, wie in Walldorf", führte der Baubürgermeister aus. 

IKEA Infoabend im Südwerk
Baubürgermeister von Karlsruhe, Michael Obert. | Bild: Tim Carmele

Denn es ist nicht zu bestreiten, dass es ganz zu Anfang nach der Eröffnung sicherlich ein Verkehrschaos geben wird – beispielsweise freitags abends auf der A5. Dabei hatte dieser Teil der Oststadt früher auch wesentlich mehr Verkehr, wurde aber durch die A5-Ausfahrt Karlsruhe-Nord etwas entlastet. Das wird mit der Ansiedelung des Möbelhauses wohl aber wieder ändern. 

Ikea baut die Knotenpunkte selbst um

Ein zwischen der Stadt Karlsruhe und dem schwedischen Konzern abgeschlossener Durchführungsvertrag sieht aber vor, dass Ikea selbst neue Verkehrsbauten umsetzt. Die sollen dabei helfen, die Situation an der Durlacher Allee zu entspannen. "Somit wird es keinen Ikea wie in Walldorf geben", betonte Baubürgermeister Obert. 

Durch die neuen Verkehrskonzepte werden Radwege in den Straßen um das Gelände verbessert und ausgebaut und Fahrwege sicherer gemacht, erklärte Stefan Wammetsberger, Geschäftsführer von Koehler und Leutwein, das Ingenieurbüro für Verkehrswesen, das mit den Verkehrsanalysen und -gutachten sowie der Entwurfsplanung beauftragt wurde. Er arbeitet seit über 20 Jahren an dem Konzept, doch früher gab es weniger Autobahnausfahrten. Heute sind in Karlsruhe etwa 15.000 mehr Autos pro Tag auf den Straßen als vor fünf Jahren.

Mehr Autos, mehr Fahrbahnen

Bei dem zu erwarteten Verkehr gehen die Experten vom Stadtplanungsamt und Tiefbauamt aus, dass werktags mit zirka 4.400 Autos gerechnet werden kann, während freitags und samstags zwischen 5.000 und 7.100 Fahrzeuge erwartet werden.

"Das sind jedoch Zahlen, die auf dem 'worst case' basieren", betonte Stefan Wammetsberger. Mehr Fahrzeuge müssen um die fünf Knotenpunkte des Geländes gebracht werden als heute, was teilweise mit zusätzlichen Fahrspuren erreicht wird. Im Fazit erklärte er: "Es wird keinen Rückstau bis zur A5 geben, die Anbindungen zum 'Mann Mobilia' wird sich verbessern und es gibt keine Verschlechterung in der Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems", ist er sicher. 

Stephan Klotz vom Ingenieurbüro Infra Plan, das mit der Ausführungsplanung, Ausschreibung und Bauüberwachung beauftragt wurde, sprach über die notwendigen Maßnahmen und deren technischen Umsetzung.

"Besonders die Gerwigstraße und der Weinweg sind teilweise in einem schlechten Zustand und nicht nur die Oberfläche sondern auch der Unterbau und den Untergrund müssen ausgebessert werden", führte er aus. Diese Arbeiten sollen bis März 2019 fertig sein. Somit werden auch die Straßen in diesem Teil der Oststadt auch in einen guten Zustand gebracht. 

IKEA Infoabend im Südwerk
Stefan Klotz | Bild: Tim Carmele

Auch aus dem Publikum kamen vereinzelt Fragen, wie etwa von Thomas Kübler aus Karlsruhe. Er wollte wissen, warum von der Durlacher Allee zwei nach links in die Gerwigstraße abbiegende Fahrspuren gebaut werden müssen, da diese auf dem ersten Blick nichts mit den Ikea-Bau zu tun haben. Der Experte erläuterte, dass sich durch die zwei Spuren, bei gleichem Verkehrsaufkommen, eine kürzere Grünzeit ergibt, die dann auch in einer längeren Grünzeit in Richtung City resultiert.

IKEA Infoabend im Südwerk
Auch Thomas Kübler aus Karlsruhe hatte Fragen an die Planer. | Bild: Tim Carmele

Zudem kam bei den Anwohnern und Bürgern die Befürchtung auf, dass für Fußgänger eventuell nicht genug Platz sei. "Wäre es nicht möglich, mehr begehbare Fläche zu bieten, wie etwa vor dem Haupteingang mehr Befestigung statt Rasen?", hieß es aus dem Publikum.

"Die Dreiecksinsel wird für Fußgänger deutlich vergrößert und das öffentliche Grün ist relativ groß", erklärte Stefan Wammtesberger vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen. "Wir sind natürlich flächenmäßig begrenzt, aber die Verkehrssituation wird insgesamt verbessert und der allgemeine Verkehr profitiert von den optimierten Knotenpunkten", sagte er abschließend. 

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Ikea-Ansiedlung in Karlsruhe: Karlsruhe erhält einen Ikea: 2020 soll der Neubau am Weinweg eröffnet werden. Alle Infos rund um die Planung, Bau und Eröffnung von Ikea in Karlsruhe haben wir hier in unserem Dossier für Sie zusammengestellt.

Haben Sie Fragen und Anregungen zum neuen Ikea in Karlsruhe? Im IKEA-Bürgerforum können die Karlsruher online Fragen an Ikea stellen und über die Ikea-Ansiedlung diskutieren. Das Bürgerforum ist ein gemeinsames Projekt von Ikea und ka-news.

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    (64 Beiträge)

    14.07.2018 23:32 Uhr
    Wenn ich hier.....
    ....die vielen "Experten" lese, die alles besser, anders, billiger und autogerechter gebaut hätten, stellt sich mir ja immer wieder die Frage, warum ihr die entsprechenden Posten bei der Stadt, den Planungsbüros, Bauplaner, etc. nicht bekommen haben.
    Leute - was ist bei euren Bewerbungen auf die Posten schiefgegangen, dass die Stadt dann doch statt euch die ganzen "Versager" genommen hat? Oder war dann doch eher "außer viel Wind" nicht substanzielles vorzeigbar?
    Und wo ist eigentlich das viel beschworene Verkehrschaos in dieser Stadt? Nur weil man an 'ner Ampel mal zwei Phasen warten muss? Da kenne ich Deutschland-weit einige Städte, da kommt man vielleicht mal nach 10 Ampelphasen gerade mal in Sichtweite der Ampel. Das kann's also nicht sein.
    Dass es wegen IKEA an der Weinweg-Kreuzung zu erheblichen Verkehrsproblemen kommen wird - keine Frage. Wirklich leid tun mir aber nur die von Durlach kommenden Radler , die täglich über diese (heute schon) untaugliche Radführung rüber müssen.
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  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    14.07.2018 00:33 Uhr
    Solange
    sie nicht im Westen bauen, alles ok.
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  •   schmidmi
    (1143 Beiträge)

    15.07.2018 10:29 Uhr
    Meine Meinung
    !
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  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    13.07.2018 22:46 Uhr
    Wenn es irgendwo
    im einspurigen Tunnel klemmt, sei es beim abfließenden Verkehr an den Ampelknoten, oder an den Tunnelausfahrten , gibt es keine Alternativen, um auf eine nicht mehr bestehende linke Spur zu wechseln.
    Man wird im Tunnel festklemmen und man wird sehen wie das dann mit dem selbsttätigen Abluftmanagement sein wird. Dann ist damit zu rechnen, dass die rote Ampel angeht und das Einfahren in den Tunnel gesperrt sein wird., worauf das Chaos erst richtig ausbricht bei der Suche nach alternativen Routen durch Wohngebiete und Nebenstraßen. Na danke.
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  •   dipfele
    (4951 Beiträge)

    14.07.2018 15:05 Uhr
    Das Kriegsstrassenprojekt wurde....
    …. in eine Bebauungsplanverfahren so um 2008 öffentlich abgesegnet. Soweit mir in Erinnerung ist, alle Einwände abgeblockt. Jetzt wird danach gebaut. Was will man mehr?
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  •   mueck
    (10037 Beiträge)

    13.07.2018 23:14 Uhr
    ?
    Was soll es bringen, auf eine linke Spur zu wechseln, wenn die auch nur aus dem Tunnel rausführen würde zur stauverursachenden Stelle? Nix!
    Im übrigen hast Du offenbar (wie viele) eine falsche Vorstellung davon, wozu die Kriegsstr. HEUTE da ist (also seitdem es die Südtangente durchgehend gibt). Sie ist KEINE Durchgangsstraße mehr, sondern eine innerstädtische Verteilerachse mit kaum echtem Durchgangsverkehr.
    Viele Spuren unten bräuchte man, wenn es eine Durchgangsstraße wäre. Dann könnte man mit mehreren Spuren unten nun oben Gras aussäen. Aber dummerweise ist es eine Verteilerachse: die Leute wollen abbiegen, also braucht man nicht unnütze Spuren unten, sondern genug Rampen rauf und runter und leistungsfähige Knoten oben! (Und durch die Ein- und Ausfädelungen von/zu den Rampen hat man unten auch meist 2 Spuren nebeneinander ...)
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  •   IchKA
    (619 Beiträge)

    14.07.2018 00:38 Uhr
    Denkfehler Mueck
    gemeint war an der durch eine stauverursachenden Stelle IM TUNNEL wegen eines verstopften Abzweigs aus dem Tunnel auf einer zweiten Spur links vorbeifahren zu können.
    Von einer späteren verursachenden Stelle an irgendeiner späteren Ampel war nicht die Rede, wie auch wo Verkehr doch doch an der Rheinhold Frank auf bis zu 5 Spuren abfließen kann. Am Mendesohnplatz vierspurig. Wenn also aus dem Tunnel nicht genug ankommt bringt das Abflußpotential an den Kreuzungen nichts. Im Übrigen geht es ja nicht um Durchgangsverkehr in der Kriegsgsraße denn dann wäre die Belastung als innerstädtische Achse ja noch viel größer als sie bereits so schon ist, denn es ist zweifelsohne die Hauptachse in der Stadt. Es bleibt leider dabei: Wenn die Ausfahrrampen stark belastet sind oder sich Stau bildet geht im Tunnel viel weniger bis gar nichts mehr während die Kapazitäten an den großen Kreuzungen nicht abgerufen werden können. Die Folgen sind Zeit, Stress, Abgase.
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  •   dipfele
    (4951 Beiträge)

    14.07.2018 15:09 Uhr
    Daher....
    … die City mit dem PKW meiden. Das grösste Nadelöhr ist die Kriegsstrasse West. Dort hätte der Tunnel hingehört. Die Autos werden leider auch mit Tunnel nicht weniger und wenn es nur zwei Spuren im Tunnel gibt, dann hätte auch den Tunnel ganz verzichtet werden können. Die beiden entfallenen Spuren dann für die Straba.
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  •   vielvornichtsdahinter
    (1045 Beiträge)

    13.07.2018 19:46 Uhr
    Bürgermeister Obert
    kein Wunder ist die FDP in Karlsruhe bedeutungslos. Büro Köhler und Leutwein erläutert das es 15000 Auto am Tag mehr gibt und Obert will Radwege. Eine Bankrotterklärung.
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  •   Denkfehler
    (64 Beiträge)

    14.07.2018 09:27 Uhr
    Sie träumen....
    .....wohl noch immer von der "Auto-gerechten Stadt". Das Thema ist doch schon seit über 20 Jahren als aussterbendes Konzept bekannt.
    Außerdem: Mehr Platz zum Auto fahren erhält man idealerweise dadurch, dass man das Auto abstellen an den Rändern bestehender Fahrbahnen verbietet. Dann könnten sogar enge City-Straßen in mehrspurige Durchfahrtstraßen umgebaut werden. Die paar Radverkehrsanlagen, die tatsächlich von der Fahrbahn abgeknappst werden, machen da nichts aus. Solange die KFZ auf der Fahrbahn abgestellt werden, können andere KFZ dort eben nicht fahren. Entscheiden Sie sich: Fahren - oder abstellen? Beides geht nicht.
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