Roller Derby ist ein Vollkontaktsport, der auf klassischen Rollschuhen im Team gespielt wird. In so genannten "Jams" muss eine Spielerin möglichst viele gegnerische Spielerinnen überrunden, um Punkte zu erzielen, gleichzeitig versuchen die teameigenen Blockerinnen, den Gegner vom Punkten abzuhalten.

Roller Derby entstand in den 1930er Jahren in den USA als Showsport für Frauen und wird mittlerweile auf der ganzen Welt gespielt. Anfang der 2000er schwappte der Trend aus den USA nach Europa über, in Karlsruhe gibt es seit 2010 ein Team. Inzwischen Spielen Frauen in jeder größeren deutschen Stadt Roller Derby, so dass 2015 erstmals Ligabetrieb eingerichtet werden konnte. Gestartet waren die rocKArollers, die seit 2012 eine Abteilung des SSC Karlsruhe sind, in der 2. Liga, 2016 kämpfen die Damen nach dem Abstieg in der 3. Liga um den Wiederaufstieg.

Wiederaufstieg in Planung

Ulrike Frischholz, Spielerin und Trainerin bei den rocKArollers, definiert die Ziele für die kommende Saison: "Wir freuen auf die anstehende Saison in der 3. Bundesliga Süd, wollen uns dort behaupten und schielen natürlich auch ein wenig auf den Aufstiegsplatz." Derzeit betreiben rund 40 Frauen in Karlsruhe Roller Derby, 20 Teamspielerinnen, zehn "Rookies" die gerade ihren "Minimum Skills-Test" abgelegt haben und nun Spielpraxis sammeln sollen und ein Anfängerkurs.

Bei dem extrem schnellen Kontaktsport bleiben blaue Flecken und Prellungen nicht aus, um ernsthafte Verletzungen nach Möglichkeit zu vermeiden, müssen Spielerinnen einen Regel- und Praxistest absolvieren, bevor sie am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen können. Zudem ist eine Schutzausrüstung Pflicht: Mundschutz, Helm, Knie-, Hand- und Ellenbogenschoner sind vorgeschrieben, viele Spielerinnen tragen inzwischen aber zusätzlich Schienbeinschoner und Helmvisiere.

Roller Derby – mehr als nur ein Sport

Warum spielt man Roller Derby? Den Teamspirit und den ungewöhnlich starken Zusammenhalt unter Frauen und den ganz besonderen Lebensstil benennen viele Spielerinnen als das, was Roller Derby ausmacht. Aber auch die sportliche Herausforderung ist nicht zu verachten: Vollkontakt auf Rollschuhen, das ist für viele Außenstehende noch ungewöhnlich und nicht minder faszinierend.

"Roller Derby ist nicht nur ein körperbetonter Teamsport, sondern gleichzeitig auch sehr taktisch und strategisch. Es reicht nicht nur, eine gegnerische Spielerin vom Track zu blocken, sondern man muss als Team permanent gemeinsam agieren und Entscheidungen treffen, die das Spielgeschehen direkt beeinflussen", erklärt Ulrike Frischholz die Faszination Roller Derby.

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"Natürlich macht auch das Blocken einen nicht unerheblichen Teil des Spaßes aus. Als Frau wird man leider teilweise immer noch schräg angesehen, wenn man einen Kontaktsport ausübt. Ich bin ursprünglich zum Roller Derby gelangt, weil ich einen Teamsport gesucht habe", so Frischholz, "in den Jahren zuvor war ich eher als Individualsportler unterwegs: Inline Skaten, Skifahren, Klettern. Zum Skifahren und Klettern komme ich ab und zu noch, die Inline Skates habe ich mittlerweile auch für längere Strecken gegen Rollschuhe getauscht."

Frisch und Anders!

Stefan Ratzel, Geschäftsführer des SSC Karlsruhe erklärt, warum die Sportart auch für einen Sportverein interessant ist: "Mir gefällt das Frische, das Andere. Die Sportlerinnen sind toughe junge, meist tätowierte Frauen. Dazu kam der spezielle Style der Sportkleidung und natürlich die Alias-Namen. Mir war schnell klar, dass diese spezielle Gruppe eigentlich nur zum SSC passen würde. Eben eine weitere junge, frische 'Sportidee'. Und natürlich sah ich auch das Entwicklungspotenzial, das in dieser Sportart steckt."

Das erste Mal habe er vom Roller Derby gehört, als eine der rockArollers-Gründerinnen auf ihn zukam, weil das Team, dringend eine Trainingshalle suchte. "Parallel dazu entdeckte ich, dass ein befreundeter Stuttgarter Verein diese Sportart schon im Programm hatte und was ich bei meiner Internetrecherche über Roller Derby herausgefunden habe, hat mich ebenfalls begeistert", so Ratzel weiter.

Ein zeitaufwändiger Sport

Und wer kann Roller Derby spielen? "Für Roller Derby sollte man zunächst volljährig und weiblich sein und Begeisterung für den Sport und Biss mitbringen. Man sollte ein Teamplayer sein und Spaß an Herausforderungen haben. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt nötig, da wir neuen Spielerinnen im Anfängerkurs alle nötigen Skatetechniken beibringen - wenngleich ein sportlicher Background natürlich immer von Vorteil ist", sagt die Trainerin der rocKArollers, deren jüngstes Mitglied 17 Jahre alt ist und der Volljährigkeit entgegen fiebert, da sie vorher nicht spielberechtigt ist.

"Die älteste Spielerin ist über 40", ergänzt Ulrike Frischholz, die im Spiel unter dem Kampfnamen "Effi Biest" aufläuft. Wer Roller Derby ernsthaft ausüben möchte, sollte allerdings viel Zeit mitbringen. Die rocKArollers trainieren drei Mal die Woche: mittwochs- und freitagsabends in der Rheinstrandhalle und sonntags in der Werner-Stegmaier-Halle in Durlach – dazu kommen Spiele und Trainingslager.

Hidden Champions:

Karlsruhe muss sich nicht verstecken: Der Bezirk der IHK Karlsruhe zählt seit Langem zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Damit spielt die Region in einer Liga mit Big Playern wie London, Paris und München. Doch neben namhaften FIrmen sorgen auch zahlreiche weitere Faktoren für die Spitzenposition der Fächerstadt im internationale Vergleich: Kultur, Infrastruktur, Sportlandschaft. Wir haben die "Hidden Champions" in den verschiedene Bereichen ausfindig gemacht und stellen sie in der neuen ka-news-Serie vor.
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