Erst seit Juni 2014 gibt es in Deutschland den Dachverband, den DDHF, dem zur Zeit 25 Vereine angehören, auch Fechtschulen lehren den Sport, dessen Popularität mittlerweile auch im europäischen Ausland und sogar in den USA stetig wächst.

Junge Sportart - in Karlsruhe einmalig

"Da das Historische Fechten noch eine so junge Sportart ist, gibt es noch keine wirklich nennenswerte Wettkämpfe", erklärt Dirk Osenberg, der den Sport schon seit rund sechs Jahren ausübt und damit ein echter Vorreiter ist. "2013 machten wir uns zu elft von unserer damaligen Fechtschule auf die Suche nach neuen Trainingsmöglichkeiten und stießen dabei auf den PSV Karlsruhe", erzählt er. Mittlerweile - seit April 2014 - gehört die Gruppe dem Polizeisportverein an, in dessen Hallen zwei Mal pro Woche trainiert wird.

Attila Horvat, Vorstand des Karlsruher Traditionsvereins, erklärt, wie es zur Aufnahme der Historischen Fechter in den PSV kam: "Zwischen den Historischen Fechtern und dem PSV war es eigentlich 'Liebe auf den ersten Blick'. Als Vereinsführung haben wir die Aufnahme der neuesten unserer zahlreichen Kampfkunst-Sparten nie bereut."

"Die Gruppe passt inhaltlich, sportlich und organisatorisch perfekt in das bestehende Portfolio an Kampfkunst-Stilrichtungen beim PSV, sie ist innovativ und betreibt aktive Öffentlichkeitsarbeit, die auch dem Verein zu Gute kommt. Künftig sind in diesem Rahmen auch Auftritte bei historischen Veranstaltungen in der Region und eine intensive Mitarbeit im neu gegründeten Bundesverband geplant", so Horvat weiter.

Wer kann mitmachen?

Seit dem Eintritt in den PSV ist Dirk Osenberg auch Trainer für Historisches Fechten. Inzwischen beläuft sich die Zahl der Fechter beim PSV auf 30 Personen - im Alter zwischen 14 und 55 Jahren. Mitmachen könne eigentlich jeder, der sich körperlich dazu in der Lage fühlt, meint Dirk Osenberg. Beim PSV wird mit Schwertern und Fechtfedern trainiert.

Dirk Osenberg
Dirk Osenberg

Die Fechtfedern sind etwas dünner und leichter (Gewicht zirka 1,2 Kilogramm) als normale Schwerter. "Trotz größter Achtung vor dem Schwert und größter Vorsicht zum Partner, benötigen wir eine Schutzausrüstung. Diese besteht aus einer Fechtmaske (ähnlich der der Sportfechter) mit Hinterkopf und Halsschutz, einer Fechtjacke und schlagfesten Handschuhen", erklärt Osenberg.

Von König Artus zu den Drei Musketieren: Was ist Historisches Fechten? Die Bezeichnung Historisches europäisches Fechten" steht als Oberbegriff für verschiedene Kampftechniken und Waffengattungen aus der Epoche zwischen Mittelalter und Renaissance. Sie umfasst unter anderem das Langschwert, den Dolch, das Schwert, den Buckler und das Kriegsringen.

Und das macht historischen Fechten so besonders:

Das historische Fechten entwickelte sich über viele Jahrhunderte und erlebte im Mittelalter seine Blütezeit. An der Schwelle von der Spätgotik zur Renaissance wurden die ersten Fechtschulen und Fechtgilden gegründet.

Mit der Erfindung des Schießpulvers verloren diese Techniken jedoch an Bedeutung, erst im 19. Jahrhundert versuchte man anhand der alten Fechtbücher die Techniken zu rekonstruieren und die Kampftechniken wiederzubeleben. Ab dem späteren 20. Jahrhundert begann sich historisches Fechten als eigenständige Kampfkunst zu etablieren und erfreut sich mittlerweile wachsender Beliebtheit.

"Das Besondere ist für mich die außergewöhnliche Sportart an sich", sagt Dirk Osenberg. "Die Koordination von Geist und Körper. Die Bewegungsabläufe, bei denen der ganze Körper gefordert ist. Es gibt keine Gegner jeder muss auf seinen Partner Rücksicht nehmen. Außerdem gibt es keine fertige 'Gebrauchsanweisung', wir rekonstruieren aus Transkriptionen des 15. und 16. Jahrhunderts und versuchen die Lehrsätze der alten Meister zu verstehen und auszuführen“, schwärmt Osenberg von den Vorzügen seiner Lieblingssportart.

 
Hidden Champions:

Karlsruhe muss sich nicht verstecken: Der Bezirk der IHK Karlsruhe zählt seit Langem zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Damit spielt die Region in einer Liga mit Big Playern wie London, Paris und München. Doch neben namhaften FIrmen sorgen auch zahlreiche weitere Faktoren für die Spitzenposition der Fächerstadt im internationale Vergleich: Kultur, Infrastruktur, Sportlandschaft. Wir haben die "Hidden Champions" in den verschiedene Bereichen ausfindig gemacht und stellen sie in der neuen ka-news-Serie vor.
Mehr zum Thema hiddenchampions: Hidden Champions