Unterirdische Haltestellen, Tunnelrampen, Bauarbeiter und Absperrzäune - überall in Karlsruhe lässt sich erahnen, dass die Fertigstellung des neuen Stadtbahntunnels im Zuge der Kombilösung immer näher rückt.

Nur ein wichtiges Detail ist noch nicht bekannt: Wie wird der künftige Liniennetzplan aussehen, wenn die Bahnen durch den Tunnel rollen? Einen offiziellen Entwurf der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) gibt es bereits, dieser stammt allerdings aus dem Jahr 2004.

Das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung.
Das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung. | Bild: Kasig

In der Zwischenzeit haben die VBK zusammen mit Experten des Zuse-Instituts Berlin (ZIB) an aktualisierten Versionen des Liniennetzplans getüftelt. Mit mathematischen Kalkulationen sollen dabei die sich stets ändernden Bedürfnisse des Karlsruher ÖPNV im Blick behalten werden.

Sechs mögliche Pläne im Rennen

In einem im Juli 2018 erschienenen ZIB-Report haben sich die Experten so auf sechs mögliche Liniennetzpläne geeinigt, die mit Taktung, Kosten, Fahrzeit und Qualität jeweils verschiedene Zielkriterien des Netzes betrachten, die auch unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten.

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Während ein Plan beispielsweise zwar kostengünstiger ist, bei dem aber öfter umgestiegen werden müsste, ist die auf Fahrzeit ausgelegte Version mit weniger Umstiegen verbunden, aber auch teurer. 

Lösung "Qualität" ist Favorit

Den bestmöglichen Kompromiss zwischen allen Faktoren haben VBK und ZIB laut Report in der sogenannten Variante "Qualität" gefunden. "Insgesamt bietet die Lösung 'Qualität' ein Kostenreduktionspotenzial von zirka fünf Prozent gegenüber dem ursprünglichen Netz der Kombilösung und das insgesamt beste Nutzen-Kosten-Verhältnis", heißt es in der Abhandlung.

Liniennetzplan
Ja, wie könnten sie denn nun in Zukunft fahren, die Bahnen? ka-news.de hat den aktuellen Liniennetzplan mit dem (eventuell) künftigen verglichen. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Auch eine 10-Minuten-Taktung könne dadurch beibehalten und einen Teil des Bahnverkehrs aus der ausgelasteten Kaiserstraße auf die Kriegsstraße verlagert werden. Doch wie genau könnten die einzelnen Linien - sofern der Plan "Qualität" am Donnerstag tatsächlich als der endgültige enthüllt wird - künftig durch Karlsruhe führen?

Die bisherigen Pläne im Vergleich

Der Fahrgastverband Pro Bahn, der in die Planungen selbst nicht mit eingebunden ist, hat die schematischen Darstellungen des Zuse-Instituts in einer Grafik verdeutlicht. Links: Die bisherige Netzplanung von 2004. Rechts: Das "neue" Liniennetz "Qualität". 

 

Das heißt, die möglichen Fahrtwege der einzelnen Linien - oberirdisch wie unterirdisch - würden wie folgt verlaufen:

Linien oberirdisch (Von West nach Ost)

  • Linie 3 (Rappenwört - Rintheim)
    Die Linie 3 könnte - wie die heutige 6 - von Rappenwört aus im Westen starten und dann über das Mühlburger Tor, das Karlstor, den Hauptbahnhof, den Tivoli, das Rüppurrer Tor, das Durlacher Tor und den Hauptfriedhof nach Rintheim fahren - dort, wo heute die Linie 5 verkehrt.
  • Linie 4 (Oberreut - Waldstadt)
    Die 4 hat mit der Linie 1 getauscht und bedient nach aktuellem Planungsstand Oberreut als westliche Endhaltestelle. Von dort aus könnte sie über das Mühlburger Tor und das Karlsttor fahren und dort auf die neue Kriegsstraßentrasse abbiegen, um über das Rüppurrer Tor und das Durlacher Tor in die Waldstadt zu fahren - bereits heute die östliche Endhaltestelle der Linie 4.
  • Linie 5 (Rheinhafen - Hirtenweg/Technologiepark)
    Wie bereits heute schon könnte die künftige Linie 5 am Rheinhafen ihren westlichen "Startpunkt" haben. Statt über die Haltestellen Konzerthaus und Volkswohnung/Staatstheater wird die 5 in Zukunft die parallel verlaufende Kriegsstraße befahren, um über das Rüppurrer Tor und das Durlacher Tor ihre Endstation am Hirtenweg/Technologiepark zu erreichen.
  • Linie 6 (Tivoli - Durlach Bahnhof )
    Wo am Tivoli heute noch die Linien 3 und 4 beginnen, soll künftig nur noch die Linie 6 ihre Fahrt antreten - über den Hauptbahnhof, das Karlstor, die Kriegsstraße, das Rüppurrer Tor und die Tullastraße - um schließlich am Durlacher Bahnhof zu enden.
Liniennnetzplan Lösung "Qualität"
Bild: Pro Bahn

Linien unterirdisch (Von West nach Ost)

  • Linie 1 (Heide - Durlach)
    Die Linie 1 könnte künftig - statt Oberreut - Heide als Endhaltestelle anfahren, die aktuell noch von der Linie 3 bedient wird. Damit würde die 1 das Mühlburger Tor in Zukunft von Norden statt von Süden her anfahren, danach aber wie gewohnt über die Kaiserstraße in Richtung Durlach als Endhalt im Osten fahren.
  • Linie S1/S11 (Hochstetten - Bad Herrenalb/Ittersbach)
    Die S1 (Hochstetten - Bad Herrenalb) und die S11 (Hochstetten - Ittersbach) könnten ihre jeweiligen Endpunkte behalten - nur der Fahrtweg sieht anders aus. Statt über das Mühlburger Tor, den Kronenplatz und das Rüppurrer Tor am Hauptbahnhof vorbei aus Karlsruhe herauszufahren, nutzen die S1 und S11 die unterirdische Marktplatzhaltestelle.

    Von dort aus rollen sie weiter unterirdisch über die Ettlinger Straße zum Hauptbahnhof und dann wie gewohnt weiter nach Bad Herrenalb und Ittersbach.
  • Linie 2 (Knielingen - Wolfartsweier)
    Wer von Knielingen nach Wolfartsweier möchte, könnte Glück haben, denn: Nach aktuellem Stand soll die Linie 2 ihre gewohnten Endhaltestellen und Fahrtstrecken behalten.

    Einzige Neuerung: Statt bis zum Tivoli zu fahren, könnte die 2 schon auf Höhe der Ettlinger Straße nach Norden abbiegen, um durch den neuen Tunnel auf Höhe des Marktplatzes auf die Kaiserstraße ein- und dann nach Osten weiterzufahren.
  • Linie S2 (Rheinstetten - Spöck)
    Die S2 behält ihre Strecke zwischen Rheinstetten und Spöck nahezu bei. Einziger Unterschied: Den Streckenabschnitt entlang der Kaiserstraße wird die Linie künftig unterirdisch zurücklegen und erst an der Tullastraße nach Norden in Richtung Spöck abbiegen. Heute tut sie das bereits am Durlacher Tor.
  • Linie S4 (Albtalbahnhof - Richtung Heilbronn)
    Auch die Strecke der S4 ist künftig nahezu identisch mit der heutigen. Aber: Statt über Tivoli, Rüppurrer Tor und Durlacher Tor in Richtung Tullastraße und dann weiter nach Heilbronn zu fahren, nutzt die S4 ebenfalls die neue unterirdische Strecke entlang der Ettlinger Straße.

    Am Marktplatz biegt sie dann nach Osten ab und setzt  ihre Fahrt wie gewohnt und - ab dem Durlacher Tor - wieder oberirdisch fort.
  • Linie S5 (Wörth - Richtung Pforzheim)
    Wer regelmäßig mit der S5 zwischen Wörth und Pforzheim pendelt, muss sich wohl nicht groß umgewöhnen: Auch in Zukunft befährt die Linie diese Strecke über den Entenfang, Mühlburger Tor, Marktplatz, Durlacher Tor, Durlacher Bahnhof und Grötzingen.

    Aber: Zwischen dem Mühlburger und dem Durlacher Tor wird es dunkel werden, denn die S5 nutzt nach aktuellem Planungsstand künftig den neuen Kaiserstraßen-Tunnel.
  • Linie S52 (Aus Richtung Wörth - Marktplatz)
    Ebenfalls aus der Richtung Wörth kommend behält auch die S52 ihre Strecke bei - diese führt in einem Bogen im Westen an Karlsruhe vorbei, über Rheinstrandsiedlung und Hauptbahnhof und endet unterirdisch am Marktplatz.
  • Linie S7/S8 (Von Richtung Rastatt - Marktplatz )
    Die Linien S7 und S8 werden wohl auch in Zukunft die Schwarzwald-Strecken aus Richtung Rastatt kommend bedienen. Einziger Unterschied: Auf ihrer Fahrt in Richtung Karlsruhe Stadtmitte nutzen sie den neuen unterirdischen Tunnel der Ettlinger Straße, statt über das Rüppurrer Tor zu fahren.

    Zudem werden sie wohl ebenfalls am Marktplatz ihre Endstation erreicht haben. Heute noch fahren die S7 und die S8 über das Durlacher Tor weiter bis zur Tullastraße.

Engstelle Mühlburger Tor ist bekannt

"Wir erwarten von dem neuen Liniennetzplan, dass er möglichst viele Direktverkehre möglichst in die Stadtmitte anbietet, zudem darf es keine Stauerscheinungen geben", so Willy Pastorini von Pro Bahn Ende Januar im Gespräch mit ka-news.de. Mit der Qualitätslösung seien diese Anforderungen seiner Ansicht nach gegeben.

Interview Willy Pastorini (Pro Bahn)
Willy Pastorini von Pro Bahn im Gespräch mit ka-news.de-Redakteurin Melissa Betsch | Bild: Hammer Photographie

Nur am Mühlburger Tor befürchtet Pastorini eine Engstelle, hier könnten künftig sieben Linien oberirdisch und unterirdisch im 10-Minuten-Takt zusammentreffen. Daher sein Vorschlag an die VBK: Eine der Linien auf die neue Kriegsstraßentrasse umzulegen. "Dieses Nadelöhr ist aber auch den Verkehrsbetrieben bekannt", so das Pro Bahn-Mitglied. 

Ob sich der neue Liniennetzplan letztendlich tatsächlich an der Qualitätsvariante des ZIB orientiert oder doch ganz anders aussieht, wird sich am Donnerstagnachmittag bei der Vorstellung des Planes zeigen. ka-news.de wird vor Ort sein und berichten.

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