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Karlsruhe Wenn keiner mehr die Achterbahn aufbauen will: Karlsruher Mess' muss und wird sich verändern

Die Klänge der Fahrgeschäfte, der Duft von gebrannten Mandeln in der Luft und bunte Lichter überall - die Karlsruher Herbstmess' steht wieder vor der Tür - und das schon zum 276. Mal! Doch ist das traditionelle Volksfest heutzutage nicht längst "out"? ka-news.de hat mit Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe, über die ungebrochene Faszination am Rummel und der "Karlsruher Mess'" gesprochen.

"Jetzt geht es nochmal rund, steigen Sie ein, wir legen jetzt los!" - so oder so ähnlich schallt es ab Freitag, 1. November, wieder über den gesamten Karlsruher Messplatz, wenn zahlreiche Fahrgeschäfte, Losbuden und Essensstände wieder zur Karlsruher Herbstmess' locken. Angefangen hat der "ganze Rummel" bereits im Jahr 1717 - in diesem Jahr findet in der Fächerstadt der erste Jahrmarkt statt. Seit 1805 dürfen sich die Jahrmärkte der Stadt offiziell als "Mess'" bezeichnen.

Ist die Mess' ein alter Hut?

Mehr als zwei Jahrhunderte später sind die Frühjahrs- und die Herbstmess' immer noch ein fester Teil des Karlsruher Veranstaltungskalenders und so beliebt wie eh und je - oder? Warum sollte man in Zeiten von Internet, Videospielen und Freizeitparks überhaupt noch eine Kirmes besuchen? Ist die Karlsruher Mess' nicht schon längst ein alter Hut?

© Paul Needham / www.paulneedham.de
Die Herbstmess' jährt sich in diesem Jahr schon zum 276. Mal. | Bild: Paul Needham

"Nein, das würde ich so nicht sagen", erklärt Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de. "Die Mess' war eine der ersten großen Veranstaltungen in Karlsruhe und ist seit vielen Jahren Tradition."

1965: Blick auf ein vollbesetztes Fahrgeschäft mit Zuschauenden im Hintergrund.
1965: Blick auf ein vollbesetztes Fahrgeschäft mit Zuschauenden im Hintergrund. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A12/177/5/17

Besucht werde das Volksfest dabei nach wie vor von allen Altersgruppen. "Wir freuen uns immer, wenn wir hören: 'Ich bin damals schon mit meiner Oma hergekommen'. Die Faszination Mess' vererbt sich zum großen Teil einfach von Generation zu Generation weiter!" 

Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe.
Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

 

 

Wie viele Besucher die beiden Kerwen jährlich tatsächlich anlocken, sei laut Filder aber schwer abzuschätzen, offizielle Zahlen gebe es nicht. Sicher aber ist: Die Mess' ist auch über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. "Wir haben viele Besucher aus der Pfalz, aus Langensteinbach, Bad Herrenalb und Rastatt", meint die Vorsitzende des Schaustellerverbandes.

ka-news.de-Redakteurin Melissa Betsch im Gespräch mit Susanne Filder. | Bild: ka-news.de

Dennoch: Der Trend, dass manche Menschen ihre Freizeit heutzutage lieber im Internet statt auf einem Volksfest verbringen, ist ihr nicht verborgen geblieben. Mit Aktionstagen und einem vielfältigen Rahmenprogramm will man dieser Entwicklung daher entgegenwirken: "Wir veranstalten beispielsweise den Familientag, eine Kinder Mess'-Rallye, einen Seniorennachmittag, eine Travestieshow und einen Dirndl-Tag - so versuchen wir die Menschen auf den Messplatz zu locken", so Filder gegenüber ka-news.de. 

Fahrgeschäfte verzeichnen Besucherrückgang

Den Besitzern von Fahrgeschäften wie Riesenrad, Boxauto und Co. hilft das aber nicht. Sie verzeichnen laut Susanne Filder seit einiger Zeit einen Rückgang in den Besucherzahlen. Ein möglicher Grund: Personalprobleme.

1967: Abendaufnahme mit Riesenrad und Fahrgeschäften während des Betriebs.
1967: Abendaufnahme mit Riesenrad und Fahrgeschäften während des Betriebs. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A14/272/4/2

"Verkäufer oder Imbisse können sich auch mit Aushilfen über Wasser halten, ein Fahrgeschäft aber braucht festes Personal. Wenn denen die Angestellten weglaufen, bekommen sie den Transport von Messe zu Messe - gerade bei großen und logistisch aufwändigen Fahrgeschäften wie einem Riesenrad oder einer Achterbahn - nicht mehr bewältigt", meint sie.

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Große Fahrgeschäfte finden auf der Mess' weniger Zuspruch. | Bild: Paul Needham

"In solche Fahrgeschäfte möchte daher niemand mehr investieren - deswegen wird es diesbezüglich auch keine neuen Highlights mehr für die Mess' geben." Große Attraktionen wie Achterbahnen werden so höchstens nur noch bei den Cannstatter Wasen oder dem Oktoberfest zu finden sein.

"Die Besucher kommen aus Tradition hier her"

Die Vorsitzende des Schaustellerverbandes ist sich aber sicher: Auf der Mess' ist immer noch für jede Altersgruppe etwas dabei. "Die Besucher kommen aus Tradition hier her - egal ob hier eine Achterbahn mit fünf Loopings steht oder nicht!" Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen Schausteller und die Stadt offen für Neues sein.

1988: Blick auf die Autoscooter-Anlage mit Fahrgästen in Boxautos.
1988: Blick auf die Autoscooter-Anlage mit Fahrgästen in Boxautos. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A56/60/5/36

"Veränderungen und Trends wird es immer geben. Denen muss man folgen und sie umsetzen, sonst bleibt man stehen - es ist unser Glück, dass wir diesbezüglich aber sehr flexibel sind", sagt Susanne Filder. Auf die Frage, ob die Karlsruher Mess' auch die nächsten 276 Jahre überlebt, erklärt sie: "Ich denke, wir sind ein echtes Stück Kultur und das muss erhalten bleiben. Große Veranstaltungen wie Wasen, Oktoberfest und Mess' werden nie aussterben - daran glauben wir ganz fest!"

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Kommentare (13)
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  •   Maverick
    (209 Beiträge)

    05.11.2019 16:51 Uhr
    ich geh jetzt
    uff'd Mess
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  •   yokohama
    (3445 Beiträge)

    02.11.2019 08:35 Uhr
    Die Nostalgie
    ist das Schöne an der Messe. Als wäre die Zeit in den frühen 90ern stehengeblieben. So weit kann ich mich zurückerinnern, der ein oder andere hier sicher noch länger.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (726 Beiträge)

    02.11.2019 07:22 Uhr
    Moment,
    wir haben doch Klimanotstand ausgerufen. Sieh an. Da waren die Populisten aus dem Rathaus vielleicht doch ein bisschen vorschnell.
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  •   FG1961
    (429 Beiträge)

    02.11.2019 07:01 Uhr
    Aufgrund des Klimanotstandes
    werden verschiedene Freizeitaktivitäten sowieso geschlossen.
    Klimaschutz (eigentlich Menschenschutz) geht vor.
    CO2-Neutralität ist keine Lösung, da das CO2 aus der Atmosphäre raus muss.
    Der Strom wird rationiert (Stromnotstand, Blackout), oder so teuer (CO2-Steuer), dass sich vieles nicht mehr lohnen wird.
    Wir alle müssen unseren Beitrag für eine menschenkompatible Erde leisten.
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  •   ALFPFIN
    (7555 Beiträge)

    02.11.2019 15:14 Uhr
    Also alles CO2
    aus der Athmosphäre heraus zu schaffen, ist nicht so ideal.
    Ohne CO2 wäre das Leben auf der Erde unmöglich, würde es in der Atmosphäre fehlen, dann wäre es bitterkalt.
    Tiere und Menschen produzieren CO2 auf natürliche Weise, indem sie ausatmen. Luft, Wasser und Erde enthalten das Klimagas. Pflanzen nehmen es auf und wandeln es durch die Photosynthese in Zucker um. Im Gegenzug produzieren sie Sauerstoff, den Tiere und Menschen einatmen, umwandeln und wieder als CO2 ausatmen.
    Nur das Übermaß an CO2 ist schädlich. Also lassen wir die Mess sausen und forsten den Messplatz
    mit schnell wachsenden Bäumen auf. Wäre im Hinblick auf das vermehrte Verkehrsaufkommen durch Ikea, das Kaufhaus für Nippes aller Art doch keine schlechte Idee. Die Bäumchen hauen das überschüssige CO2 weg. 😊
    Ich war schon lange nicht mehr auf der Mess, Da ich nicht schwindelfrei bin, war für mich als Kind Riesenrad usw. tabu. Der Ersatz in Schleckereien und Bratwurst war keine schlechte Idee. 😉
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  •   Waterman
    (6504 Beiträge)

    01.11.2019 13:55 Uhr
    Ein Jahrmarkt
    ist in der Regel kein Kirchweihfest.
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  •   Kiwi
    (463 Beiträge)

    01.11.2019 16:37 Uhr
    Abzocke
    Beide sogenannte Feste sind doch nur Abzocke
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  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    01.11.2019 17:14 Uhr
    Dann geh
    halt nicht hin und lass Dich nicht abzocken *kopfschüttel
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  •   Maverick
    (209 Beiträge)

    01.11.2019 12:07 Uhr
    Ist im großen Festzelt
    mittlerweile Rauchverbot? War da bestimmt schon 25 Jahre nicht mehr drin.
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  •   andi79
    (2979 Beiträge)

    01.11.2019 09:04 Uhr
    war schon länger nicht mehr auf der Messe
    die Qualität des Publikum ist von Jahr zu Jahr gesunken und kann jetzt nur noch als unterirdisch bezeichnet werden. Ich wäre für 5€ Eintritt... die meinetwegen direkt als Spende an eine wohltätige Organisation gehen... einfach als Kontrollinstanz. So etwas erhöht die Qualität enorm.... kann man z.B. am Peter&Paul fest schön sehen zwischen dem Bezahltbereich und dem kostenlosen Bereich.
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