Die Karlsruher Kriegsstraße war und ist für den Autoverkehr die wohl wichtigste Ost-West-Verbindung im Stadtgebiet. Einst umfasste sie gar bis zu zehn Fahrspuren. Doch seit dem Baubeginn des Autotunnels im Rahmen der Kombilösung 2017 schmälern Baugruben und Absperrungen die breite Fahrbahn und damit auch die Nerven vieler Karlsruher Autofahrer - vor allem an den Knotenpunkten Karlstor, Ettlinger Tor und Mendelssohnplatz.

Es war einmal: Fahrspur neben Fahrspur. So sah die Kriegsstraße vor Baubeginn aus.
Es war einmal: Fahrspur neben Fahrspur. So sah die Kriegsstraße vor Baubeginn aus. | Bild: Ricarda Schäfer

Im Dezember dieses Jahres soll damit aber Schluss sein. Dann soll die Kriegsstraße in neuem Glanz erstrahlen, Kräne und Bagger endgültig Vergangenheit sein. "Unter Tage" wird dafür aktuell fleißig gewerkelt, oberirdisch sind die Arbeiter ebenfalls schon zugange.

So sieht es aktuell auf der Baustelle der Kombilösung auf der Kriegsstraße auf Höhe Bundesgerichtshof aus.
So sieht es aktuell auf der Baustelle der Kombilösung auf der Kriegsstraße auf Höhe Bundesgerichtshof aus. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Das "Endprodukt" soll ein Autotunnel sein, der unter der Kriegsstraße hindurch Karlsruhe von Ost nach West durchzieht, darüber führt oberirdisch parallel eine Gleistrasse für Stadt- und Straßenbahnen, umgeben von Grünstreifen und Fahrspuren für Autos. Doch warum wird die oberirdische Bahntrasse eigentlich benötigt? Gibt es hierfür nicht eigentlich den neugebauten Bahntunnel unter der Stadt?

So soll es bald aussehen: Die Kriegsstraße wird ein Ort für alle Verkehrsteilnehmer.
So soll es bald aussehen: Die Kriegsstraße wird ein Ort für alle Verkehrsteilnehmer. | Bild: Käsig

"In den Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße passen zwei Linien weniger hinein, als es oberirdisch der Fall war. Durch mehrere Doppelzüge kann das aber ausgeglichen werden. Diese Linien fahren in Zukunft über die Kriegsstraße - und um Platz für die Gleise zu haben, kommen die Autos unter die Erde in den Tunnel", erklärt Achim Winkel, Pressesprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), die Zusammenhänge zwischen den Projekten. 

Achim Winkel (KASIG) links, führt durch die Kombilösung.
Achim Winkel (KASIG) links, führt durch die Kombilösung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Der Autotunnel sei daher nur ein "Nebenprodukt" der neuen Gleistrasse, so Winkel. "Bis zu 60 Prozent des Autoverkehrs sollen durch den Tunnel fahren." Das bedeutet im Umkehrschluss: Der Autofahrer kann und wird auch in Zukunft auf der Kriegsstraße fahren und dabei die Gleistrasse von rechts und links "einrahmen".

Der neue Liniennetzplan soll ab Dezember 2021 gültig sein. Die Linien 4 und 5 fahren dann über die neue Gleistrasse auf der Kriegsstraße.
Der neue Liniennetzplan soll ab Dezember 2021 gültig sein. Die Linien 4 und 5 fahren dann über die neue Gleistrasse auf der Kriegsstraße. | Bild: KVV

Ist die neue Trasse einmal gelegt, haben die Linien 4 und 5 die Ehre, künftig über die Kriegsstraße zu rollen. Das geht aus dem neuen Liniennetzplan des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) hervor. Vom Rüppurrer Tor kommend halten die Bahnen dann an den Haltestellen "Ettlinger Tor/Staatstheater" und "Karlstor."

"Weg von der reinen Autostraße, hin zum Boulevard"

Wer sich unter dem Aussehen der künftigen Kriegsstraße jetzt allerdings dennoch noch nichts Konkretes vorstellen kann, der kann sich mit einem Anschauungsbeispiel behelfen: "Am Ende wird die Kriegsstraße in etwa so aussehen wie die Ludwig-Erhard-Allee jetzt", sagt Winkel im Gespräch mit ka-news.de. Das bedeutet: "In der Mitte verläuft die neue Gleistrasse, daneben weiter außen die Straße mit Radwegen und ganz außen dann der Gehweg."

Kriegsstraße am Mendelssohnplatz 2017: 2021 sollen hier die Autos im unterirdischen Tunnel fahren.
Kriegsstraße am Mendelssohnplatz 2017: 2021 sollen hier die Autos im unterirdischen Tunnel fahren. | Bild: Ricarda Schäfer

"Die Kriegsstraße wird zu einer Art Boulevard, weg von der reinen Autostraße", so Winkel weiter. Die Verkehrswende wirke sich mit dem Bauprojekt somit auch auf die Karlsruher Kriegsstraße aus. Bis es soweit ist, steht allerdings noch einiges auf dem Bauprogramm, denn: Noch herrscht an vielen Stellen der Rohbau vor.

Der Mendelssohnplatz heute.
Der Mendelssohnplatz heute. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Zuerst wird der Autoverkehr in die Mitte der Kriegsstraße gelegt, damit außen Geh- und Radwege sowie die endgültige Straßenführung entstehen können. Ist das fertig, fahren die Autos auf ihrer endgültigen Fahrbahn und in der Mitte entsteht die Gleistrasse", erklärt der Kasig-Sprecher das geplante Vorgehen der nächsten elf Monate.

Achim Winkel (rechts)  im Interview.
Achim Winkel (r.) im Interview mit ka-news.de. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Beobachten könne man dieses Vorgehen schon jetzt, genauer gesagt zwischen Mendelssohnplatz und Ettlinger Tor. Zwischen Lamm- und Ritterstraße ist der Baufortschritt sogar noch ein Stück weiter: "Hier liegen schon die Gleise in der Fahrbahnmitte und die endgültige Fahrbahn ist ebenfalls schon fertiggestellt", so Winkel. 

Baustelle der Kombilösung: Hier liegen schon die endgültigen Gleise zwischen Lamm- und Ritterstraße.
Baustelle der Kombilösung: Hier liegen schon die endgültigen Gleise zwischen Lamm- und Ritterstraße. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Mit der Inbetriebnahme der Kombilösung wird sich nicht nur das Aussehen der Kriegsstraße ändern, auch der Verkehr in der Innenstadt soll laut dem Kasig-Sprecher dadurch langfristig anders aussehen: Die Kreuzung am Ettlinger Tor soll zu einer der wichtigsten Verkehrspunkte in der Stadt werden. Der Grund: Hier werden zukünftig alle Verkehrsarten aufeinandertreffen.

Die Situation am Ettlinger Tor: Oben fährt die Bahn in Ost-West-Richtung, darunter der neue Autotunnel.
Die Situation am Ettlinger Tor: Oben fährt die Bahn in Ost-West-Richtung, darunter der neue Autotunnel. Wiederum unter dem fährt auch die neue U-Strab. | Bild: Kasig

Außerdem "treffen" sich hier auch die Teilprojekte der Kombilösung: Oben die neue Gleistrasse, darunter der Autotunnel und unter dem wiederum der Südabzweig des Stadtbahntunnels vom Marktplatz in Richtung Hauptbahnhof. "Hier wird also ordentlich was los sein", stellt Achim Winkel fest. Von der unterirdischen Haltestelle aus können die Fahrgäste dann sogar in das Einkaufscenter am Ettlinger Tor gehen. "Der Weg in das Untergeschoss ist auch schon fertig, es ist nur noch eine Trennwand drin", sagt Winkel. 

Baustelle der Kombilösung: So sieht es aktuell am Ettlinger Tor aus.
Baustelle der Kombilösung: So sieht es aktuell am Ettlinger Tor aus. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Eine ähnliche Situation entsteht am Karlstor: Hier wird die neue Gleistrasse künftig an die schon vorhandenen Schienen angeschlossen und der Autotunnel endet an dieser Stelle. Doch das ist aktuell nur Theorie. Der Kasig-Sprecher versichert aber: "Wir arbeiten mit Druck und sind optimistisch, dass wir alle Arbeiten rechtzeitig beenden können." Dann dürfte auch für Autofahrer das Fahren auf der Kriegsstraße wieder angenehmer werden. 

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