Nicht nur dürfen Sie nicht von einem Standesbeamten "verpartnerschaftet" werden, auch sind die Räumlichkeiten (in Karlsruhe immer häufiger das Haus Solms) für sie tabu. Und: Zu allem Überfluss müssen sie auch noch höhere Gebühren für die Eintragung ihrer Lebenspartnerschaft zahlen (siehe: "Lebenspartnerschaften: Keine Eintragung im Standesamt - Antrag nicht zugelassen").

Zugegeben, das Landesgesetz gibt der Stadtverwaltung in jedem der drei Punkte Rückendeckung. Deshalb konnte sich Oberbürgermeister Heinz Fenrich in seiner resoluten Ablehnung des Antrags auch auf seine starre Gesetzestreue berufen. Nichtsdestoweniger gibt es Städte im Land, die Wege um die Vorgaben herum finden, so dass beispielsweise in Freiburg gleichgeschlechtliche Paare ihre Lebenspartnerschaft zwar von einem Verwaltungsangestellten, aber immerhin in den Räumlichkeiten des Standesamtes eintragen lassen können.

Das Ende der Diskussion gestern war abrupt und musste einen Beigeschmack behalten, da die Ansage Fenrichs, er werde den Antrag nicht abstimmen lassen, nach den Äußerungen der Fraktionen erfolgte. Und aus diesen ging hervor, dass etwa zwei Drittel des Gemeinderats der "Empfehlung", denn so war Punkt Eins des Antrags formuliert, zugestimmt hätten. Angesichts dieser potenziellen Mehrheit drängt sich die Frage auf, ob die Entscheidung Fenrichs wirklich schon vor der Sitzung feststand...

Viel peinlicher aber als Fenrichs unerwartete Machtdemonstration à la "Entscheiden tue ich ganz allein" oder "Ich bin alleine zuständig", war in meinen Augen die Argumentation einiger Fraktionen in der vorangegangenen Diskussion. Man könnte meinen, wir wären im 19. und nicht im 21. Jahrhundert, wenn ein Karlsruher Stadtrat Sätze von sich gibt wie: "Die Ehe ist die Voraussetzung für den Fortbestand der Gesellschaft. Deshalb wird sie vom Staat privilegiert behandelt." Oder ein anderer: "Nur in Ehe und Familie können Kinder in Sicherheit aufwachsen."

Haben sich diese Herrschaften einmal in unserer Gesellschaft umgeschaut? Punkt eins: Kinder werden genauso von nicht verheirateten Paaren in die Welt gesetzt - sind die weniger wert, weniger privilegiert? Punkt zwei: Wie viele Ehen bleiben in Deutschland kinderlos? Die Ehe wird heute längst nicht mehr nur zum Zweck der Fortpflanzung eingegangen - die 1,37 Kinder pro Frau sprechen hier Bände. Die hohe Scheidungsrate zu erwähnen, scheint an dieser Stelle fast abgedroschen, dennoch möchte ich exemplarisch ein paar Zahlen in den Raum werfen: Im Jahr 2006 wurden in Deutschland 373.681 Ehen geschlossen - gleichzeitig wurden 190.900 geschieden.

Und die höhnischen Blicke, die sich in den Bänken der namentlich christlichen Partei zugeworfen wurden, als eine der Antragstellerinnen darauf hinwies, dass auch schwule und lesbische Paare Kinder haben können - das kann man eigentlich nur noch als kindisch bewerten. Kindergarten, maximal Grundschule: "Hihi, das geht doch gar nicht." Also, bitte. 

Das zeigt, dass die Gleichstellung von schwulen und lesbischen Paaren leider immer noch nicht so weit ist, wie sie es sein könnte und müsste. Das nur den in dieser Hinsicht verstaubten Einstellungen einer bestimmten Partei anzuhängen, wäre aber wohl zu kurz geworfen - dies zeigt alleine schon der Umstand, dass diese Diskussion einer großen lokalen Tageszeitung keine einzige Zeile wert war (Anm. d. Red.: Dies galt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars am Mittwoch, 27. Januar. Einen Beitrag zu diesem Thema veröffentlichte die genannte Zeitung am Donnerstag, 27. Januar). Eine flexiblere, offenere Verwaltung hätte gestern die Chance gehabt für Karlsruhe ein, wenn auch kleines, Zeichen zu setzen.