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Karlsruhe KIT-Theatergruppen führen für "Wochen gegen Rassismus" selbstgeschriebenes Stück auf: "Wir wollen andere Perspektiven zum Thema Rassismus aufzeigen"

Am Samstag, 16. März, führen die Theatergruppen des KIT die Premiere ihres Stücks "Schubladen" auf. Die Aufführung gehört zum Programm der Karlsruher Wochen gegen Rassismus. Das Stück beschäftigt sich mit verschiedenen Formen von Diskriminierung.

Im Rahmen der Wochen gegen Rassismus führen die Theatergruppen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unter dem Namen "Triater" am Samstag ihr Stück "Schubladen" auf. Ins Leben gerufen wurde das Stück von Janosch Rydzy. Der ehemalige KIT-Student ist seit 2015 Mitglied im Physikertheater.

Janosch Rydzy
Janosch Rydzy ist der Initiator des Theaterprojekts "Schubladen". | Bild: Leonie Wiegel

"Es begann mit der Idee, dass ich gerne ein Stück für die Wochen gegen Rassismus machen wollte und eine Aussage im Kopf hatte, die ich transportieren wollte", sagt Rydzy gegenüber ka-news. Er beschäftigt sich schon länger mit den Themen Rassismus und Diskriminierung und findet, dass diese Problematiken gerade auch Theatergruppen verbinden. 

Viele Stunden Arbeit für die eigene Idee

Weil sie jedoch kein passendes, "fertiges" Theaterstück fand, entschloss sich die Truppe selbst eines zu schreiben. Mit der Arbeit am Stück begannen die Hobby-Schauspieler schon im Dezember des vergangenen Jahres - der Feinschliff dauerte dann bis vor einigen Wochen an.

"Triater" KIT Theaterstück "Schubladen"
Die Theatergruppe "Triater" des KIT führt im Rahmen der "Wochen gegen Rassismus" das Stück "Schubladen" auf. | Bild: Christine Mathes

Für das Projekt haben sich das Geist-Soz-Theater, das Physikertheater und das Unitheater zum "Triater" zusammengetan. Unter diesem Namen wurden schon in der Vergangenheit Gemeinschaftsprojekte wie das Musical "Cats" realisiert. Bei den Wochen gegen Rassismus treten die Campus-Theatergruppen allerdings zum ersten Mal auf.

Diskriminierung im Software-Büro

Im Fokus des Stücks steht eine Gruppe von Software-Entwicklern, die sich im Büro in einen Streit verwickeln. Ausgangspunkt ist eine sexistische Aussage eines Kollegen, doch es kommen immer mehr Formen der Diskriminierung hinzu.

 

 

Ziel war laut Rydzy ein Stück, das die Gemeinsamkeiten verschiedener Formen von Diskriminierung verdeutlicht und einen Vergleich ermöglicht. "Mir war in diesem Fall wichtig herauszustellen, dass es dieses Gruppenidentitätsdenken auch von der anderen Seite gibt", sagt er gegenüber ka-news.

"Manche Menschen neigen zum Beispiel dazu, jede Form von Kritik am Islam sofort als islamophob, muslimfeindlich oder rassistisch abzustempeln." Dies trage seiner Meinung nach wesentlich zur Polarisierung dieser Themen bei.

Andere Perspektiven der Diskriminierung aufzeigen

Es sei nicht zu erwarten, dass zu der Aufführung viele Zuschauer kommen, die Muslimfeindlichkeit oder Sexismus als unproblematisch empfinden. "Aber das Stück behandelt auch andere Bereiche, die für die Zuschauer ein Anstoß sein könnten, ihre eigenes Verhalten und ihre Einstellungen kritisch zu beleuchten", so Rydzy weiter. 

 

 

Im Anschluss an die Vorführung ist ein Publikumsgespräch geplant, das die Zuschauer dazu einlädt mit den Schauspielern über das Stück und die angesprochenen Themen zu diskutieren. "Wir haben während der Entwicklung des Stücks schon viel diskutiert und festgestellt, dass auch bei ihnen sehr unterschiedliche Ansichten vertreten sind", erzählt Janosch Rydzy.

"Das Stück gibt im Vergleich zu den übrigen Veranstaltungen eine andere Perspektive auf die Themen, welche bei den Wochen gegen Rassismus behandelt werden", vermutet Rydzy. "Es behandelt Fälle, die zwar mit dem gleichen Grundmuster von Gruppenidentitätsdenken zu tun haben, die aber sonst bei den Wochen gegen Rassismus eher im Hintergrund stehen dürften."

Neben der Aufführung am Samstag, 16. März, im Festsaal im Studentenhaus des KIT, gibt es eine weitere Vorstelleung von "Schubladen": Am 4. März tritt die Theatergruppe im Rahmen der Ausstellung zur Geschichte des studentischen Ehrenamts des Arbeitskreis Kultur und Kommunikation (AKK) auf.

Download: Programmheft Wochen gegen Rassismus

Dateiname : Programmheft Wochen gegen Rassismus 2019
Dateigröße : 18.19 MBytes.
Datum : 06.03.2019 15:06
Download : Download Now!
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Online-Wochen gegen Rassismus:
Ja zum Meinungsaustausch, nein zu Rassismus! Vom 15. bis 31. März 2019 werden wir mit den dritten ka-news Online-Wochen gegen Rassismus ausführlich über das Thema berichten. Als Medienpartner begleiten wir die Karlsruher Wochen gegen Rassismus mit Berichten, Interviews und Hintergründen. Beteiligen auch Sie sich! Zeigen Sie Flagge mit dem Hashtag #gegenRassismus, etwa in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook oder schreiben Sie uns zum Thema an ka-reporter@ka-news.de!

Hier gibt es das gesamte Programm der Karlsruher Wochen gegen Rassismus zum Download.

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  •   Rambazamba
    (306 Beiträge)

    18.03.2019 11:04 Uhr
    Woher kommst du?
    Neulich gab es einen interessanten Artikel und eine noch interessantere Diskussion im Spiegel darüber, ob die Frage "Woher kommst du?" diskriminierend/rassistisch sei.
    Um unser Gegenüber abschätzen zu können, stellen wir Fragen. Eine davon ist: "Woher kommst du?" Diese Frage stelle ich fast immer, denn mich faszinieren Dialekte und ja: natürlich auch der Hintergrund von meinem Gegenüber. "Wo hat deine Reise angefangen, dass du jetzt vor mir stehst?" Ist das Rassismus? Ist es schlimm, wenn ich mein Gegenüber entsprechend einordne? Kommt aus Russland, kommt aus Italien, kommt aus Karlsruhe, kommt aus Hamburg, spricht 3 Sprachen fließend, kocht gerne "Traditionelle einheimische Küche" (da ist es doch gut zu wissen, was damit gemeint ist), ist Hindu, ist Moslem, ... Warum ist es schlimm, wenn meine Schubladen Aufschriften haben wie: "Kumpeline, schwarz, aus Kamerun, isst gerne Spargel." Oder: "Arbeitskollege, Türke, Moslem, übellaunig an Ramadan, Frau kocht zum niederknien gut"?
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  •   malerdoerfler
    (5059 Beiträge)

    16.03.2019 22:15 Uhr
    Musste leider ohne mich statt finden
    ich suche mir eine andere Veranstaltung heraus. Es ist ja einiges geboten in den nächsten 2 Wochen.
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  •   stoersender
    (1238 Beiträge)

    16.03.2019 13:54 Uhr
    Thema
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  •   ALFPFIN
    (6469 Beiträge)

    16.03.2019 10:52 Uhr
    Eben,
    in erster Linie, weil es kluge Köpfe sind. Weil die meisten Studenten*innen ja auch in ihren Studiengängen zusammen arbeiten müssen und gemeinsam lernen. Ich denke mal, dass es immer noch so ist.
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  •   malerdoerfler
    (5059 Beiträge)

    16.03.2019 09:55 Uhr
    Nun, ich denke
    am KIT arbeiten viele gute Köpfe aus vielen verschiedenen Ländern gut zusammen - und alles funktioniert. Vielleicht ist das ein Vorbild für die Gesellschaft. Warum funktioniert es hier so gut?
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  •   HerrNilson
    (759 Beiträge)

    16.03.2019 11:52 Uhr
    Weil da
    intelligente Leute studieren, die sich nicht auf Stammtischniveau beeinflussen lassen, sondern durch seriöse Quellen Informationen beziehen.
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  •   Nico1966
    (151 Beiträge)

    16.03.2019 20:53 Uhr
    Kluge...
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere Netiquette und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
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