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Karlsruhe "Ich habe hier Freunde gefunden": Musa aus Gambia spielt für den SC Schielberg und muss immer noch Anfeindungen hinnehmen

Vor dreieinhalb Jahren kam der Gambier Musa, der mit bürgerlichem Namen Saibo Singhateh heißt, aus seinem Heimatland nach Deutschland. Beim SC Schielberg hat er "nicht nur Mitspieler, sondern auch Freunde gefunden", sagt der 26-Jährige. Auch wenn schon vieles gut läuft: Es kommt bei Spielen trotzdem noch zu Anfeindungen gegenüber Musa.

Auf dem Fußballplatz stehen auf jeder Seite elf Spieler, zur Mannschaft des SC Schielberg gehören auch drei Gambier. Einer von ihnen ist Saibo Singhateh, der von allen nur Musa genannt wird. Seit 2016 ist der Mittelfeldspieler nun in Deutschland und hat viele Freunde im Albtal gefunden - außerdem hat der Förderverein des Sportclubs ihm einen Job besorgt: Er ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Altenpfleger in der Nähe von Bruchsal. 

Von dort fährt er zwei mal die Woche extra zum Training nach Schielberg. "Mit dem Zug geht es nach Ettlingen, von dort nimmt ihn ein Mannschaftskollege mit", sagt Kurt Gröner, Mitspieler und zuständig für Marketing und Sponsoring beim SC. Auch sonntags zu den Spielen ist der Gambier über zwei Stunden unterwegs, um seiner Leidenschaft nachzugehen.

SC Schielberg
Kurt Kropietz, Singhateh Saibo, Andreas Traudt und Kurt Gröner (v.l.) | Bild: Ingo Rothermund

Obwohl er schon lange in Deutschland ist und für den SC Schielberg die Fußballschuhe schnürt - immer wieder kommt es zu Anfeindungen gegenüber Musa und seinen Mitspielern aus Gambia. "Schiedsrichter haben mich schon benachteiligt. Für ein harmloses Foul habe ich gleich eine gelbe Karte bekommen", sagt der Gambier gegenüber ka-news. Auch unpassende Aussagen des Unparteiischen kamen schon vor: "Der Schiri hat zu mir gesagt, dass ich erstmal richtig Deutsch lernen soll", sagt Musa gegenüber ka-news. 

Probleme auf und neben dem Platz

Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben, geht es schon mal unter die Gürtellinie. Von der gegnerischen Bank kamen schon rassistische Äußerungen. Während eines Spiels ist dem Trainer des anderen Teams eine unpassende Aussage rausgerutscht. "Er ist nach dem Spiel aber direkt zu Musa hin und hat sich dafür entschuldigt", sagt Kurt Kopietz, Vorsitzender des Fördervereins. "Im Fußball sind nun mal auch viele Emotionen dabei." Dabei sollte Fußball doch die Menschen verbinden - eigentlich.

"Moussa" Singhateh Saibo
Moussa ist bereits seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. | Bild: Ingo Rothermund

Im Fall von Musa tut er das auch. Kopietz, der Saibo Singhateh die Ausbildung in der Altenpflege besorgt hat, hat ein besonderes Verhältnis zu dem Gambier "Ich habe ihn auch schon einige Male zu mir zum Essen eingeladen", erzählt er. Und für Musa ist Kurt Kopietz wie ein zweiter Vater. Der musste er seinen "Ziehsohn" daher auch schon bei rechtlichen Angelegenheiten unterstützen. 

Unterstützung bei Behördengängen

Der Fall: Ein Gegenspieler hatte behauptet, dass Musa ihm im Zweikampf ins Gesicht geschlagen hätte. Der Kontrahent hat dann auch eine Anzeige gegen den Gambier gestellt. "Das war gelogen. Das Gericht hat das zum Glück erkannt und Musa freigesprochen. Die Gerechtigkeit hat gesiegt", sagt Kopietz, der den 26-Jährigen zur Verhandlung begleitet hat. Auch sonst, wenn Saibo Singhateh etwa zu den Behörden muss, ist Kurt Kopietz an seiner Seite. 

Singhateh Saibo
Moussa in seinem Element auf dem Fußballplatz. | Bild: pfoschdeschuss.de

Der SC Schielberg lockte Musa nicht etwa mit Geld oder anderen Leistungen. "Wir hatten ein Spiel gegen Forchheim, da spielte er noch beim Gegner. Ihm hat es aber so gefallen, wie wir gefeiert haben, dass er uns nach dem Spiel direkt angesprochen hat", sagt Andreas Traudt, Trainer der C-Klasse-Mannschaft, die in dieser Saison um den Aufstieg in die B-Klasse mitspielt. Kurze Zeit später streifte sich Musa auch schon das rote Trikot über. 

Doch nicht nur im Trikot versteht er sich gut mit seinen Vereinskollegen. "Musa beteiligt sich auch neben dem Platz am Vereinsleben. Statt Bratwurst und Bier gibt es für ihn als Moslem eben Pute und Cola", so Kurz Kopietz im Gespräch mit ka-news. Auf und neben dem Platz stimmt es und obwohl Saibo Singhateh Angebote von anderen Vereinen hat: Dem SC Schielberg bleibt Musa gerne treu - und nimmt auch die weite Anreise zum Sportplatz in Kauf. 

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  •   malerdoerfler
    (5328 Beiträge)

    23.04.2019 18:39 Uhr
    Nun....ein jeder fasse sich an die eigene Nase
    Sollte man auch alle Zuschauer aus dem Stadion verbannen, welche bei dem Spruch "Wer nicht hüpft, der ist ein Schwabe." beginnen mitzuhüpfen?

    Abgesehen davon, dass ich auch nicht ganz verstehe was uns dieser Artikel sagen möchte:
    sollte man nicht lieber noch mehr die positiven Dinge hervorheben (kommt aus einem anderen (armen?) Land (weshalb eigentlich?), kann sich hier eine neue Existenz aufbauen, hat hier viele Freunde gefunden, ist intergraler Bestandteil eines guten Teams) anstatt immer wieder nur die belehrende und für manche auch leicht jamernde Rassismuskeule zu schwingen?
    Denn wenn man es genau betrachtet, dann ist Musa ein ideales Beispiel dafür, dass Ausländer, Flüchtlinge oder Asylanten mit Ehrgeiz, gutem Willen und Zielstrebigkeit etwas hier in Deutschland erreichen können und eine Bereicherung der Gesellschaft sind.
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  •   Dobermann
    (52 Beiträge)

    23.04.2019 14:20 Uhr
    Was möchte uns der Bericht mitteilen ?
    das Musa schon vor Gericht war ? er den Verein gewechselt hat, weil dort besser gefeiert wird ?

    Wünsche allen einen guten Start in die Woche
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  •   zahlenbeutler
    (1241 Beiträge)

    23.04.2019 20:43 Uhr
    Freunde haben
    warum ärgert Sie das, Sie haben doch einen Dobermann
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  •   redaktion
    (1131 Beiträge)

    22.04.2019 14:06 Uhr
    Netiquette
    Liebe User, wir verweisen Sie in diesem Zusammenhang noch einmal auf unsere Netiquette:

    Bedenken Sie, dass Ironie oder Sarkasmus in schriftlichen Kommentaren nicht immer eindeutig als solche zu erkennen sind und leicht falsch verstanden werden können.

    Die Redaktion
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  •   Shmuel_K
    (380 Beiträge)

    22.04.2019 14:04 Uhr
    Kalender defekt?
    "Ja zum Meinungsaustausch, nein zu Rassismus! Vom 15. bis 31. März 2019 werden wir mit den dritten ka-news Online-Wochen gegen Rassismus ausführlich über das Thema berichten."

    Die Nahezubeleidigung in seinem Spitznamen scheint ihn nicht zu stören. "Musa" ist der wissenschaftliche Name für Bananen.
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  •   Waterman
    (6302 Beiträge)

    22.04.2019 16:03 Uhr
    Muss ihn auch nicht kümmern,
    da Musa auf deutsch Moses bedeutet.

    Es ist ursprünglich arabisch und kam über diese Sprache z. B. ins Kisuaheli und andere afrikanische Sprachen.
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  •   barheine
    (105 Beiträge)

    22.04.2019 11:49 Uhr
    Wenn...
    ...so ein "Fan" rassistisch auffälig wird, sofort des Stadions verweisen. Und im Wiederholungsfall Hausverbot und Anzeige erstatten!
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  •   zahlenbeutler
    (1241 Beiträge)

    22.04.2019 10:28 Uhr
    beim Fussball
    sind halt auch immer einige Vollpfosten unterwegs, meistens nicht auf dem Platz, einige würden schon beim Einlaufen zusammenbrechen, weil zuviele Flachmänner in der Tasche. Ich habe lange Jahre mit einem kongolesischen Sportkameraden in der Landesliga zusammengespielt, der wegen seiner regierungskritischen Meinung flüchten mußte. Am Anfang hatte ich auch gewisse Vorurteile, bald wurden wir beste Freunde, weil er trotz aller Unterschiede in manchen Angelegenheiten ein Pfundskerl war und man sich absolut auf ihn allen persönlichen Dingen verlassen konnte. Leider haben wir uns im Laufe der Zeit aus den Augen verloren.
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  •   malerdoerfler
    (5328 Beiträge)

    23.04.2019 18:29 Uhr
    Also wenn Fußball wirklich so schlimm ist
    sollte man ihn dann nicht besser einfach verbieten?
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  •   Krawallradler
    (507 Beiträge)

    22.04.2019 10:12 Uhr
    Rassismus
    ist im Fußball leider im besonderen Maße Alltag, nicht nur in den großen Ligen. Die enge Verflechtung zwischen Hooligans und Rechtsextremen nimmt leider immer weiter zu. Obwohl das eigentlich für mich am wenigsten zu verstehen ist, denn die Liga würde gar nicht ohne die vielen Spieler aus Afrika, Südamerika, Asien etc. funktionieren. Professionell wird der deutsche Fußball überhaupt erst durch die Internationalisierung der Teams.

    Wenn ich hier über das Engagement von Musa lese, würde ich am liebsten jeden Rechtsextremen bzw. Holligan ausweisen und für jeden einzelnen 10 weitere Musas ins Land holen.
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