Zuerst war es ein einzelnes schwedischen Mädchen, dann Schüler auf der ganzen Welt, die - anstatt die Schulbank zu drücken - für ein besseres Klima auf die Straße gehen. Nun soll der nächste Schritt folgen: Am Freitag, beim globalen "Fridays For Future"-Klimastreik, werden alle Generationen aufgefordert, sich anzuschließen - und somit auch die arbeitende Bevölkerung

Es ist der dritte globale Klimastreik der Bewegung. In zahlreichen Städten Deutschlands demonstrieren die Aktivisten unter dem Motto #AllefürsKlima - auch in Karlsruhe. 

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Das besondere an diesem Klimastreik: Auch Berufstätige werden aufgerufen, sich zu beteiligen und ihre Arbeit niederzulegen. Rückenwind bekommen sie von den Gewerkschaften: Sowohl der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die größte Dachorganisation deutscher Gewerkschaften, als auch Verdi unterstützen den Aufruf.

"Wir wollen unsere Mitarbeiter unterstützen, aktiv zu werden"

Fridays For Future (Einzellink plus-Artikel)

"Wir begrüßen es, wenn sich möglichst viele Beschäftigte - außerhalb ihrer Arbeitszeit - am Klimaaktionstag beteiligen," so der DGB in einer Pressemeldung. Doch ob eine zu kurze Mittagspause oder keine flexiblen Arbeitszeiten: Sich die Stunden am Freitagnachmittag freizunehmen, ist für viele Beschäftige nicht leicht. Wie gehen Unternehmen damit um, wenn sich ihre Angestellten den Demonstrationen anschließen? 

Fridays For Future in Karlsruhe
"Fridays For Future Klimastreik" in Karlsruhe am 15. März. | Bild: Thomas Riedel

ka-news.de hat drei der größten Arbeitgeber in Karlsruhe nach einer Stellungnahme gefragt. Rasche Antwort kam von der EnBW: "Wir wollen unsere Mitarbeiter unterstützen, aktiv zu werden", teilt der Konzern mit. "Ab sofort hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, in den nächsten vier Wochen insgesamt vier Stunden seiner Arbeitszeit für eine persönliche Klimaschutz-Aktion zu nutzen."

Doch nicht jeder Arbeitgeber kann seine Angestellten für ihr politisches Engagement freistellen. So zum Beispiel das Karlsruher Institut für Technologie (KIT): "Gemäß dem gesetzlichen Auftrag einer Wissenschaftsinstitution sind wir politisch neutral", teilt die Universität mit. Die Teilnahme an den Klimastreiks müsse daher in der Freizeit der Mitarbeiter stattfinden. Von der Drogeriemarktkette dm blieb die Anfrage bislang unbeantwortet.

Mitarbeiter der Stadt Karlsruhe dürfen sich freinehmen

Auch die Stadt Karlsruhe schafft für ihre Angestellten Freiräume für die Zeit des Klimastreiks. Oberbürgermeister Frank Mentrup teilte den Mitarbeitern in einem Schreiben mit, dass sie sich an diesem Tag "im Rahmen einer verlängerten Mittagspause" von 11 bis 14 Uhr freinehmen können.

Los geht es um 11 Uhr auf dem Friedrichsplatz mit einer Kundgebung, danach zieht der Demonstrationszug durch die Karlsruher Innenstadt.

Rund 2.000 Demonstranten in Karlsruhe erwartet

Vom Friedrichsplatz aus führt die Route voraussichtlich über den Europaplatz zum Zirkel und in einem Bogen zurück zum Friedrichsplatz. Die Stadt rechnet mit rund 2.000 Demonstranten, die Veranstalter hoffen auf mehr. "Unsere größte Demo in Karlsruhe hat 8.000 Teilnehmer gezählt, das möchten wir dieses Mal natürlich toppen", sagt Katharina Weber von der "Fridays For Future"-Ortsgruppe Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.de. 

Demonstrationsroute Fridays For Future 20. September
Demonstrationsroute von "Fridays-For-Future" am 20. September in Karlsruhe. | Bild: Fridays For Future Karlsruhe

Das Datum des Streiks, der 20. September, ist nicht zufällig gewählt: Wenn am Freitag in vielen deutschen Städten der Klimaprotest laut wird, stellt in Berlin das Klimakabinett der Bundesregierung die Weichen für die Klimapolitik der nächsten Jahre. Damit Deutschland seine Klimaziele 2030 erreicht, wollen die Minister die Eckpunkte eines großen Maßnahmenpaketes festlegen.

ka-news.de-Hintergrund: Darüber entscheidet das Klimakabinett am Freitag

Ein zentrales Thema der Sitzung des Klimakabinetts wird die sogenannte CO2-Bepreisung sein. Der Gedanke dahinter ist, Klimaschutz mit wirtschaftlichen Anreizen zu verbinden, sodass Produkte mit einem hohen CO2-Ausstoß teurer werden. Ideen, wie eine solche CO2-Bepreisung konkret gestaltet werden kann, gibt es schon: Dazu hat die Regierung ein Sondergutachten in Auftrag gegeben.

Das übergeordnete Ziel der Politik: Das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Darin haben sich 195 Länder der Welt dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Genau diesem Versprechen nachzukommen, ist die Kernforderung der "Fridays For Future"-Bewegung.

Auch die Karlsruher Ortsgruppe von "Fridays for Future" hat ganz konkrete Forderungen an die Kommunalpolitik gestellt. Einen Punkt hat die Stadt bereits erfüllt, indem sie im Juli den Klimanotstand ausgerufen hat. Weitere Forderungen sind das Abschalten des Kohlekraftwerks RDK7 und eine klimafreundliche Bauweise.

Dateiname : Sondergutachten "Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik"
Dateigröße : 2458551
Datum : 18.09.2019
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