In nicht einmal einer Woche beginnt das neue Schuljahr. Während so mancher Schüler noch dem Sommer hinterher trauert und Eltern fleißig die Schultüten für die Kleinen packen, brodelt es gewaltig hinter den Kulissen. Der Grund hierfür sind die Sporthallen- oder besser gesagt: die Unmöglichkeit, diese zu benutzen. Denn in vielen Kommunen sind derzeit Flüchtlinge untergebracht, wo sonst der Schul- und Vereinssport stattfindet.

Wenn die Hallen auch nach Schulbeginn noch belegt sind, führt das immerhin zwangsläufig zu Einschnitten beim Unterricht oder Vereinssport. Dass Eltern um den Sportunterricht ihrer Kinder bangen, ist durchaus nachvollziehbar. Eine Verlegung bedeutet Umstellung und im schlimmsten Fall Unterrichtsausfall. Es ist verständlich, dass der Landessportverband alles andere als glücklich über die aktuelle Situation ist. 

Bedeutet der Sportunterricht ein Ende der Toleranz?

Man muss sich dann aber schon wundern, wie schnell es mit der Hilfsbereitschaft vorbei ist, sollte man selbst betroffen sein. Von vielen hört man, dass man durchaus bereit ist zu helfen- aber wehe, wehe, wenn man selbst Einschnitte hinnehmen muss. In einem Punkt dürften wir uns wohl alle einig sein: Die Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen darf keinesfalls die Regel oder gar eine Langzeitlösung sein.

Doch klar ist auch: Die aktuelle Unterkunftslage in Baden-Württemberg ist angespannt. Landeserstaufnahmestellen sind überfüllt, Notunterkünfte vollkommen überbelegt - Messehallen, Kasernen, aber auch eben Schulhallen müssen kurzfristig zu Unterkünften umfunktioniert werden. Da die Flüchtlingswelle voraussichtlich nicht abebben wird - bis Ende 2015 könnte die Jahresgesamtzahl der ankommenden Asylsuchenden in Baden-Württemberg auf 100.000 Menschen ansteigen - stellt sich die Frage: Wohin mit den Menschen?

Nicht selten müssen die Städte hier für das Land in die Bresche springen- oft bleibt da nur die Zweckentfremdung einer Sporthalle. Kurzfristig wird es angesichts der vielen Menschen, die auf der Flucht sind, für die Kommunen nicht machbar sein. Ausweichmöglichkeit für Schul- und Vereinssport zu finden, dürfte durchaus einfacher sein als Unterkünfte für Flüchtlinge. Und was ist denn letzten Endes wichtiger: Dass das Sportangebot in der gewohnten Halle stattfindet oder dass Hilfesuchende ein Dach über dem Kopf haben? Vielleicht sollte so mancher seine Prioritäten nochmal neu überdenken... Besser isch's.

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