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Karlsruhe Faschingsvereine der Region erinnern sich: Als die Fasnacht 1991 das letzte Mal ausfiel - eine Zeitreise

Die Narren in der Region rund um Karlsruhe tragen Trauer. Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen fällt bekanntlich auch die aktuelle Faschingskampagne, oftmals auch "Fünfte Jahreszeit" genannt, komplett ins Wasser. Kein dreifach-kräftiges Helau, kein Alaaf, auch kein Narri-Narro. Vor genau 30 Jahren musste die Fasnacht schon einmal ausfallen. Wir blicken gemeinsam mit Faschingsvereinen aus der Region auf die Ereignisse und Gefühle 1991 zurück.

Spätestens am "Elften-Elften", dem offiziellen Beginn der närrischen Zeit, war klar, dass es 2021 keine Prunksitzungen und Umzüge geben wird. Dabei war vor einem Jahr für die vielen Gesellschaften und Vereine aus der Region, die das närrische Brauchtum immer wieder am Leben halten, die Welt noch in Ordnung – obwohl schon dunkle Wolken am Horizont Unheil verkündeten.

Noch im Februar 2020 hatte die Straßenfastnacht in den badischen Faschingshochburgen für überschäumende Begeisterung gesorgt und die Hallen waren mit kostümierten Narren gut gefüllt. Doch schon einige Tage später war "Schluss mit lustig": Corona und der erste Lockdown machten den passionierten Spaßmachern einen Strich durch die Rechnung.

1991: Feiern gehört sich nicht

Was viele Nachgeborene nicht wissen: Schon einmal, vor genau 30 Jahren, fiel die Fastnacht komplett aus. Weil 1991 im Nahen Osten ein Krieg tobte, hieß es hierzulande: "Feiern gehört sich nicht." Zuerst wurde der Karneval in den rheinischen Hochburgen abgesagt, danach folgten die Narrenzünfte im Südwesten auf geradem Fuß. Die Präsidenten des organisierten Brauchtums gaben nach: Sie waren der diffusen Angst vor Anschlägen ausgewichen, knickten vor dem moralischen Druck, der durch den Beginn des Golfkrieges entstanden war, ein.

Bilder wie diese vom Durlacher Faschingsumzug 2019 wird es in diesem Jahr nicht geben.
Bilder wie diese vom Durlacher Faschingsumzug 2019 wird es in diesem Jahr nicht geben. | Bild: Thomas Riedel

Die Frage stand damals überall im Raum: Darf man bei uns feiern, wenn am Persischen Golf amerikanische Soldaten sterben? Fastnacht, der Inbegriff von Frohsinn und Heiterkeit, durfte einfach nicht sein, so die Stimmungslage bei den Verantwortlichen. Hinzu kam der Druck aus Politik und Kirche. 

Bild: Hans-Joachim Of

Später sah man das anders, Solidarität mit den USA hin – schlechtes Gewissen her: Als dann der Krieg in Jugoslawien und damit auch in Europa tobte, wurde ein Jahr später trotzdem Fastnacht gefeiert. Übrigens auch in Amerika. 1991 bleibt also ein Lehrstück, wenn auch aus vergangener Zeit.

Absage kam überraschend

Heimfried Werner aus Bruchsal, langjähriger Sitzungspräsident und in der Region als "Graf Kuno vom Kraichgauland" bekannt, hat die Geschehnisse aus dem Jahr 1991 ebenfalls noch genau vor Augen und sagt: "Überall bei uns im Ländle waren die Jahresorden bereits bestellt und geliefert, die Säle angemietet, die Verträge mit den Musikformationen unterschrieben, die Umzüge startbereit. Dann die Absage, die allen sehr weh tat."

Graf Kuno ist eigentlich Heimfried Werner.
Graf Kuno ist eigentlich Heimfried Werner. | Bild: Hans-Joachim Of

Später war der allgemeine Tenor bei den Gesellschaften: "Das würden wir künftig nicht mehr so machen." In der Folge und aus der unbefriedigenden Situation heraus wurde im März 1991 der "Narrenkreis Bruchsal", in dem nahezu alle Vereine aus dieser Region zusammengeschlossen sind, gegründet. Auch bei der Schwarzwälder Narrenvereinigung, der rund 50 Zünfte und Vereine angehören, sieht man die Situation heute anders.

"Die Geschichte von damals hat uns heute eingeholt"

Ebenso in der Fächerstadt, beim Festausschuss Karlsruher Fastnacht (FKF) mit Präsident Michael Meier, gleichzeitig auch Vizepräsident der KG Fidelio Karlsruhe. Diesem, bereits 1952 gegründeten, Dachverband gehören 23 Vereine aus der Region rund um Karlsruhe an.

Wie sie jetzt mit der aktuellen Situation umgehen? "Die Gesellschaften posten in den bekannten sozialen Medien oder auf ihrer Homepage selbstgedrehte Videos mit närrischen Botschaften. Eine gute Idee", eröffnet Maier.

Michael Maier, der Präsident des Festausschusses der Karlsruher Fastnacht (FKF) bei einem Pressegespräch.
Michael Maier, der Präsident des Festausschusses der Karlsruher Fastnacht (FKF) bei einem Pressegespräch. | Bild: Julia Zok

"Die Geschichte von damals hat uns heute eingeholt, doch der Krieg heißt Corona-Virus und findet weltweit statt", heißt es bei den Vereinen. Sie machen das Beste aus der Situation und verkünden unisono: "Die Absagen sind leider alternativlos."

"Das ganze Jahr Maskenball"

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich seit Ausbruch der Pandemie 100 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Da hilft kein Schminken oder Verkleiden, kein noch so schönes Kostüm. Nur der Mund- und Nasenschutz bleibt. Live-Erlebnis? Null!

Auch der Karlsruher Umzug am Faschingsdienstag muss dieses Jahr ausfallen.  © Paul Needham
Auch der Karlsruher Umzug am Faschingsdienstag muss dieses Jahr ausfallen. © Paul Needham | Bild: Paul Needham

"Heute ist das ganze Jahr Maskenball", so die Aussage eines gequälten Zeitgenossen. Aschermittwoch überall. Einige Gesellschaften aus Baden und der Pfalz bieten im Internet auch eine Art "Prunksitzung" an. Ob "digitales schunkeln" jedoch den großen Spaßfaktor bringt? Die Freude hält sich - wahrscheinlich - in Grenzen.

"Besser als nichts", lässt FKF-Präsident Michael Maier abschließend wissen und schiebt ein ironisches "Immer schön negativ bleiben", hinterher. Und: Am 17. Februar ist Aschermittwoch - und dann wäre in jeder Hinsicht so oder so "alles vorbei".

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Fasching in Karlsruhe und der Region: Fasching, Fastnacht, Karneval - Bilder, Fotos und Infos zum närrischen Treiben in und um Karlsruhe, zu den Faschingsumzügen und von den Prunksitzungen finden Sie in unserem Dossier.
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  •   andip
    (11180 Beiträge)

    15.02.2021 12:04 Uhr
    Na ja
    Der Unterschied ist, dass damals die Absage nicht auf Grund einer behördlichen Anordnung erfolgte, sondern weil man freiwillig aus "moralischen" Gründen darauf verzichtete.
    Fiel in den 80er Jahren nicht auch irgendwann mal der Karneval wegen irgendeines Krieges aus?
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  •   BMWFahrer
    (761 Beiträge)

    14.02.2021 17:17 Uhr
    Eine Frage der Perspektive
    Zitat von KA-News Darf man bei uns feiern, wenn am Persischen Golf amerikanische Soldaten sterben?


    An die zivilen Opfer wurde (wird) bei uns von amtlicher Seite nicht gedacht. Obwohl deren Zahl die der amerikanischen Soldaten um ein vielfaches übersteigt. Und sie sich die Kriegsteilnahme im Gegensatz der Soldaten, die sich ihren Lebensunterhalt auch mit einem andern Job hätten verdienen können, nicht aussuchen konnten.
    Menschen, welche die Kriegsverbrechen der USA öffentlich gemacht haben, werden mit dem Leben bedroht und haben auch von Deutschland keine Hilfe zu erwarten.

    Letztlich ging es bei dem Krieg sowieso nicht um "westliche Werte", sondern schlicht um Öl bzw. Geld. Naja, irgendwie sind das dann doch die westlichen Werte.
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