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Karlsruhe "Wir sind keine Spielverderber": Karlsruher Suchtbeauftragte Alexandra Kowaschik ist mit Jugendschutzteams auf den Fastnachtsumzügen unterwegs

Zur Fastnachtszeit, die nun in den Endspurt geht, wird von den Narren gerne und viel Alkohol getrunken. Auch einige Kinder und Jugendliche lassen sich verführen. Um diese zu schützen sind Jugendschutzteams der Stadt Karlsruhe auf den Umzügen unterwegs, um dafür zu sorgen, dass die Minderjährigen sicher nach Hause kommen.

Die Karlsruher Fastnacht neigt sich dem Ende zu. Bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist, steht am Dienstag noch der Karlsruher Fastnachtsumzug an. Um 14.11 Uhr setzt sich der Zug durch die Karlsruher Innenstadt in Bewegung. Zahlreiche Menschen werden dann wohl wieder feuchtfröhlich auf den Gassen unterwegs sein.

Karlsruher Fastnachtsumzug, Marktplatz - Europaplatz
Auf den Straßen von Karlsruhe zieht wieder der Fastnachtsumzug entlang. | Bild: Paul Needham

Unter ihnen auch viele Kinder und Jugendliche, die aktuell Ferien haben. An Karneval steigt zudem die Gefahr von Alkoholmissbrauch durch die Jugend. Laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit landeten im Jahr 2017 57 Karlsruher unter 18-Jährige mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. "Viele, gerade junge Menschen, überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu", sagt Jana Eßbauer, von der Versicherung. "Prävention bleibt für uns unverzichtbar", so Eßbauer weiter. 

Jugendschutz in Karlsruhe
Vor allem zur Fastnachtszeit neigen die Kinder und Jugendliche dazu übermäßig viel Alkohol zu trinken. | Bild: SK-Archiv

So auch in der Fächerstadt. Die Leitung des Präventionsbüros in Karlsruhe hat Alexandra Kowaschik inne. Bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise bei den Fastnachtsumzügen in und um die Fächerstadt, sind Jugendschutzteams vor Ort. "Es kommen immer mehr Jugendliche aktiv auf uns zu wenn Freunde zu viel getrunken haben. Auch wenn sie wissen, dass wir die Eltern informieren", sagt Alexandra Kowaschik gegenüber ka-news.

Alexandra Kowaschik, Präventionsbeauftragte der Stadt Karlsruhe
Die 30-Jährige ist seit fast drei Jahren kommunale Präventionsbeauftragte der Stadt Karlsruhe. | Bild: privat

Doch soweit muss es ja nicht kommen: "Eltern haben eine Vorbildfunktion, der sie auch gerecht werden müssen", sagt Alexandra Kowaschik. Das offene Gespräch mit dem Nachwuchs ist von Bedeutung. Ein Hinweis auf übermäßigem Drogenkonsum kann unter anderem ein Wechsel des Freundeskreises geben: "Hin zu einem sogenannten Konsumfreundeskreis", sagt Kowaschik, die bereits seit über zwei Jahren das Präventionsbüro der Stadt Karlsruhe leitet.

Sollten Kinder und Jugendliche öfter ins Visier der Jugendbehörde geraten, folgen Gespräche mit den Eltern. "Dann müssen wir den Hintergründen nachgehen", sagt Kowaschik. Eventuell folgen dann auch Termine in der Jugendberatungsstelle. "Nicht nur die Eltern, sondern auch ältere Geschwister müssen sensibilisiert werden", weiß die Präventionsbeauftragte.

Friedlicher Umzug in Durlach 

Die 30-Jährige war mit ihrem Team auch auf den Straßen in Durlach unterwegs. Rund 70.000 Menschen haben unter dem Motto "Durlachs Fastnacht, keine Frage, ist schöner noch als Urlaubstage" gemeinsam auf den Straßen gefeiert. "Es war eine friedliche Veranstaltung. Um 29 Jugendliche mussten wir uns kümmern. Ein Teil konnte nach kurzer Behandlung bereits wieder zurück auf den Umzug", zieht die Karlsruherin ein aus ihrer Sicht positives Fazit. 

Erkennbar sind die Jugendschutzteams, die aus Polizei, Sanitäter und Sozialarbeiter bestehen, an ihren blauen Jacken. "Aus Sicht der Jugendlichen sind wir die Bösen, die ihnen den Alkohol wegnehmen", sagt Kowaschik. "Doch wir wollen keine Spielverderber sein. Unser Ziel ist, dass die Jugendlichen wohlbehalten zu Hause ankommen!"  

Aufklärung leistet Kowaschik auch an Schulen: "Wir sind präsent und wollen die Jugendlichen aufklären. Sei es bei Alkohol-, Nikotin- oder Cannabismissbrauch", erklärt Alexandra Kowaschik. Aufklärung sei sehr wichtig, denn: "Der Grat zwischen Genuss, Missbrauch und Abhängigkeit ist schmal. Oftmals ist es ein schleichender Prozess", sagt Kowaschik gegenüber ka-news.

Höchstwert erst 60 Minuten nach letztem Konsum

Alexandra Kowaschik rät den jungen Menschen von "exen" und Trinkspielen ab. "Die können sehr gefährlich werden, da der Höchstwert erst 60 Minuten nach dem letzten Konsum eintritt. Da wird der Kreislauf auch schnell mal instabil", sagt die Präventionsbeauftragte der Stadt Karlsruhe. Da kann es auch mal sein, dass die Jugendlichen plötzlich eine Tüte brauchen, obwohl sie eine halbe Stunde zuvor noch beteuert haben, dass es ihnen gut geht.

Alkohol bei Jugendlichen
Nach Informationen der DAK Gesundheit sind im Jahr 2017 57 Kinder und Jugendliche in Karlsruhe wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gekommen. | Bild: DAK Gesundheit

"Das Ziel ist, dass alle gemeinsam in Ruhe feiern können, auch mit Alkohol - aber in Maßen", sagt die Karlsruherin gegenüber ka-news. Und so werden die Narren noch bis zum Aschermittwoch die fünfte Jahreszeit feiern. Das ein oder andere Glas Alkohol wird mit Sicherheit fließen, bevor am Aschermittwoch die sechswöchige Fastenzeit beginnt.

 

Am Dienstag, 5. März, startet der 87. Karlsruher Fastnachtsumzug. Um 14.11 Uhr geht's los und ka-news wird vor Ort sein. Einen Live-Ticker zum Umzug gibt es in unserem Fastnachts-Dossier auf www.ka-news.de/fasching./

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  •   andip
    (9489 Beiträge)

    05.03.2019 12:07 Uhr
    Nun ja
    Alkohol wurde an Fastnacht schon immer konsumiert, sowohl von den Jungen als auch den Alten.
    Das jemand zu viel davon erwischte, passierte auch schon immer.
    Aber früher machte man daraus kein Drama, man liess den sich in einer Ecke auskotzen und brachte den dann heim.
    Irgendwelche Teufel à la drohender Alkoholismus wurden auch nicht an die Wand gemalt.
    Ok, früher wurde nicht vorher lange vorgeglüht und harte Sachen in grossen Mengen goss man auch nicht in sich hinein, das ist eher ein neueres Phänomen.
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  •   malerdoerfler
    (5090 Beiträge)

    05.03.2019 11:37 Uhr
    Ein undankbarer Job
    Aber vielen Dank für die Mühe und den Idealismus.
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