Karlsruhe Prügel-Dates via Facebook: Zerstören Krawallmacher die Karlsruher Fastnacht?

Bei einem Umzug in Ettlingen-Bruchhausen kam es vergangenen Samstag zu Krawallen und Schlägereien - ausgelöst von betrunkenen Jugendlichen. Sogar von Prügel-Verabredungen auf Facebook ist die Rede. Das hat Konsequenzen: Wie ein Mitorganisator bestätigt, wird es in Bruchhausen 2016 keinen Umzug mehr geben. Bedrohen gewaltbereite Jugendliche auch die Karlsruher Fastnacht?

Nach den Krawallen beim Bruchhausener Umzug am vergangen Wochenende, bei denen zwei Personen leicht verletzt wurden, ermittelt nun die Polizei. "Wir haben verschiedene Körperverletzungsdelikte, bei denen wir die Täter suchen", so ein Polizeisprecher, "wir haben auch schon einen Tatverdächtigen einschließlich eines Tatzeugen. Es fehlt uns noch der Geschädigte." Bruchhausen - ein Einzelfall oder Glied einer immer länger werdenden Kette von Gewaltausbrüchen an Fastnacht?

"Aggressive Leute sind immer wieder dabei"

Entwarnung gibt die Karlsruher Polizei: "In einem Vergleich der letzten fünf Jahre kann keine grundsätzliche nennenswerte Häufung von Gewaltdelikten für die Faschingsmonate festgestellt werden", so heißt es auf Anfrage von ka-news. Gleichzeitig verzeichnet man bei der Polizei seit 2012 sogar einen Rückgang bei Gewaltdelikten von Jugendlichen und Heranwachsenden - und das auch unter Alkoholeinwirkung.

Diese Erfahrung teilt auch Jürgen Olm, Präsident des Festausschusses Karlsruher Fastnacht. "In den Jahren, in denen ich Vorsitzender bin, ist bei unserem Umzug nichts derartiges passiert", erzählt er. Das liege sicher auch daran, dass beim Umzug in Karlsruhe rund 300 Leute vom Ordnungsdienst inklusive Polizisten in zivil unterwegs wären. Und dennoch: "Es sind immer mal wieder einzelne aggressive Leute dabei", so Olm.

Diese einzelnen Ausnahmen ergeben sich laut Polizei eher situationsbedingt. "Ausgelassene Stimmung, gruppendynamische Prozesse bei Menschenansammlungen und ein zunehmender Alkoholisierungsgrad sind die üblichen Risikofaktoren, die dann gegebenenfalls die Stimmung kippen lassen können", erklärt der Polizeisprecher.

Prügel-Verabredungen auf Facebook

Ernst Speck, Mitorganisator des Umzugs und Zunftmeister in Ettlingen-Bruchhausen, kommt zu einer anderen Einschätzung. "Wir hatten bei mehreren Umzügen das Gefühl, dass sowohl Saufgelage als auch Schlägereien zugenommen haben", schildert er im Gespräch mit ka-news, "es scheint, als hätten sich solche Leute zur Zeit auf die Fastnachtsumzüge eingeschossen."

Bei einigen der gefassten Täter des vergangenen Wochenendes hätte sich sogar gezeigt, dass sich diese im Vorfeld über Facebook oder WhatsApp zu den Krawallen verabredet hätten. Diesem Verdacht geht auch die Polizei nach. "Wir prüfen, ob die Ausschreitungen im Vorfeld geplant waren", so ihr Sprecher. Hierzu habe man bereits Kontakt mit den Jugendsachbearbeitern des Polizeireviers Rastatt aufgenommen.

Gefährden gewaltbereite Jugendliche das Brauchtum?

Die Narren aus Bruchhausen stehen dem gefühlten Anstieg hilflos gegenüber. "Momentan bekommen wir das weder durch Ordner noch durch die Polizei in den Griff", meint Speck. Die einzigen Möglichkeiten, Schlägereien und Krawalle zu verhindern, sieht er in verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

"Wenn dann bräuchten wir eine Komplettabsperrung und strenge Alkoholkontrollen am Eingang", so der Zunftmeister. Das sei aber weder möglich noch gewollt. "Solche großen Absperrungen sind in Bruchhausen gar nicht machbar", erklärt er, "außerdem wollen wir ja den Kontakt zu den Besuchern. Das ist also keine Lösung."

So sieht das auch Obernarr Olm, der hier eher die Eltern in der Pflicht sieht. Für Jugendliche, die Schlägereien anzetteln oder mit Böllern auf Narren werfen, hat er keinerlei Verständnis - im Gegenteil: "Gewaltbereite Jugendliche nehmen den Fastnachtern die Lust, Zeit und Geld in das Brauchtum zu investieren", mahnt Olm und betont: "Randale hat nichts mit Fastnacht zu tun."

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