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Karlsruhe Kosten und Auflagen: Droht den Karlsruher Fastnachts-Umzügen das Aus?

In nicht ganz zwei Wochen starten die Karlsruher Fastnachter wieder in die fünfte Jahreszeit. Doch noch bevor diese richtig angefangen hat, erreicht die Narren in der Region eine Hiobsbotschaft: Es wird keinen Fastnachtsumzug in Daxlanden mehr geben. Der Grund: gestiegene Auflagen und Probleme mit betrunkenen Jugendlichen. Mit diesen Problemen sind die Daxlander nicht allein. Droht auch anderen Umzügen das Aus?

Seit 1972 luden die Narren in Daxlanden zu ihrem jährlichen Fastnachtsumzug. Doch damit soll jetzt Schluss sein, das vorläufige Ende des Umzugs ist beschlossene Sache. Für das Aus gibt es gleich mehrere Gründe. "Auslöser waren nicht zuletzt die immer größeren und damit für den Festausschuss sowohl personell als auch finanziell nicht mehr stemmbaren Auflagen und Vorgaben in den Genehmigungspapieren des Ordnungsamtes der Stadt Karlsruhe, welche rein quantitativ die Stärke des Telefonbuches einer Kleinstadt erreicht haben", gibt Jürgen Stoll, Vorsitzender des Festausschusses an.

Künftig nur noch kommerzielle Veranstalter?

Seit den Vorkommnissen rund um die Loveparade in Duisburg und den Übergriffen in der Silvesternacht im vergangenen Jahr gebe es eine "Unmenge an Genehmigungen und Sicherheitskonzepten". Versuche, die Veranstaltung in die Liste der "Veranstaltungen im gesamtstädtischen Interesse" zu setzen und die damit verbundene Unterstützung der Stadt Karlsruhe zu erlangen, seien fehlgeschlagen. In dieser Liste seien bislang nur Veranstaltungen wie beispielsweise der Karlsruher und Durlacher Umzug, sowie Das Fest und der Baden-Marathon zu finden.

Unbestritten sei auch das Problem, dass immer mehr Jugendliche durch ihren Alkohol- und Drogenkonsum auffallen, so Stoll weiter: "Die Abwälzung der Verantwortung auf die jeweiligen Veranstalter erscheint aus unserer Sicht aber bei Veranstaltungen, die nicht im gesamtstädtischen Interesse sind, nicht für verhältnismäßig."

Mit dem Problem stehe man in Daxlanden aber allein da. Stoll bemängelt eine grundsätzliche mangelnde Unterstützung vonseiten der Stadt, wenn es um Heimat- und Straßenfeste geht. "Künftig werden dann wohl nur noch Feste durch kommerzielle Veranstalter ausgerichtet werden."

Andere Umzüge seien erst einmal nicht in Gefahr

Doch auch Veranstaltungen wie der Karlsruher und der Durlacher Umzug hätten es nicht leicht, bestätigen die Verantwortlichen im Gespräch mit ka-news. "Auch wir müssen enorm kämpfen", sagt Jennifer Armbruster, Pressesprecherin des Karlsruher Festausschusses. Doch sie gibt auch Entwarnung: "Der Karlsruher Umzug findet definitiv statt", so Armbruster weiter.

Eine ähnliche Aussage trifft auch Thorsten Holzwarth, Sprecher des Organisationskomitees Durlacher Fastnacht: "2017 wird der Durlacher Umzug in gewohntem Rahmen statt finden." Ein Problem mit alkoholisierte Jugendlichen, wie es Jürgen Stoll beschreibt, gebe es in Durlach nur bedingt. "Es gibt, wie bei jeder Großveranstaltung, einige wenige Ausnahmen. Das ist aber bei einer Veranstaltung in dieser Größenordnung so", meint Holzwarth. Und wie sieht es in Grötzingen aus?

"So lange aufrecht erhalten, wie es möglich ist"

Nach alkoholbedingten Übergriffen beim Nachtumzug und steigenden Sicherheitsauflagen zogen die Verantwortlichen die Reißleine. Nach einer kurzen Pause gelang mit dem Grötzinger Narrensprung der Start einer Neuauflage. "Aufgrund der Verlagerung der Veranstaltung in den Tag ist es uns gelungen, die Sicherheitslage grundlegend zu verbessern", beschreibt Dirk Tallafuss, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Hottscheck-Narrenzunft.

"Dennoch stellen auch wir den Trend fest, dass immer mehr Jugendliche unseren Narrensprung besuchen, die jedoch nichts mit dem fastnächtlichen Brauchtum verbinden, sondern die Veranstaltung als Grund zum Alkoholkonsum missbrauchen", beschreibt er das Problem der Veranstalter. Um die Sicherheit weiter zu verbessern, habe man sich zudem dazu entschlossen, freiwillig auf die Abgabe von Gläsern und Flaschen zu verzichten und keine branntweinhaltige Getränke zu verkaufen.

Doch trotz aller Vorkehrungen kennt Tallafuss auch die Schattenseiten: "Leider sind die Kosten für eine derartige Veranstaltung in den letzten Jahren stetig gestiegen. Auch uns fällt es schwer, kostendeckend zu arbeiten." Man wolle das Event aber für die Besucher so lange aufrecht so lange aufrecht erhalten, wie es möglich sei.

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Fasching in Karlsruhe und der Region: Fasching, Fastnacht, Karneval - Bilder, Fotos und Infos zum närrischen Treiben in und um Karlsruhe, zu den Faschingsumzügen und von den Prunksitzungen finden Sie in unserem Dossier.
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  •   Wolfstraum111
    (61 Beiträge)

    06.11.2016 01:32 Uhr
    Fortsetzung
    das ist auch nur Alkohol und Gewalt im Spiel und das, dass ganze Jahr Fasching ist nur einmal und das begrenzt. Aber als weiterso Ordnungsamt dass ist wie mit den Technopartys im Hubraum, hat dort schon einmal einer von Euch kontrollliert wegen Jugendschutz ?
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  •   Wolfstraum111
    (61 Beiträge)

    06.11.2016 01:23 Uhr
    Faschingsumzug
    Was mich daran stört ist, in Karlsruhe sowie in Durlach sin die gleichen Probleme vorhanden nur sagt keiner was.
    Wenn es um die Kosten der Sicherheit geht, dann frage ich mich warum nicht die Spiele
    KSC - Stuttgart
    KSC - Lautern
    KSC - Dresden
    Altstadt Fest Durlach
    die kosten uns Bürger mehr Geld als ein Faschingsumzug in Daxlanden.
    Habe am Sonntag gegen den VFB nur den einen Verantwortlichen vom Ordnungsamt gesehen. Der hat sich allerdings schnell aus dem Staub gemacht als die Stuttgarter am Bahnhof Durlach ankamen.
    Kein KOD war da, also was sol das von Seiten der Stadt?
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  •   orakelka
    (1914 Beiträge)

    03.11.2016 13:49 Uhr
    Die deutsche Art mit Problemen umzugehen.
    Wir schaffen alles was Probleme bereiten könnte ab.
    Die regeln uns buchstäblich zu tote.
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  •   kevin_liest
    (53 Beiträge)

    02.11.2016 23:35 Uhr
    Di Verwaltung regelt alles Tot
    meine Fresse wer sich Alles so Vorschriften aus denkt!
    Di machn sicher nix in einem Verein!!!!
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  •   Darth_Vader
    (779 Beiträge)

    02.11.2016 22:45 Uhr
    Ich persönlich lehne Faschingsumzüge generell ab.
    Es tut mir nur um Diejenigen leid, deren Hobby und Freizeitbeschäftigung es ist. Diese Leute stecken ein ganzes Jahr Arbeit in ihre Wagen, die Choreographie und vieles mehr. Die Besucher, die dies genießen, ohne auffällig zu werden bedaure ich bei solchen Absagen auch.
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  •   tomkscole
    (361 Beiträge)

    02.11.2016 15:23 Uhr
    Auflagen
    Beim Kuchenverkauf z.B. bei einem Sportfest, sollen die Zutaten dabei stehen die eine Spenderin in ihren Kuchen gemischt hat.

    Armes Deutschland sag ich da nur. Wer ein Problem hat weiß das doch vorher und soll halt weg bleiben vom Kuchen.

    Totaler Schwachsinn in meinen Augen und gleichfalls gegen die Veranstalter gerichtet solch eine Auflage.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    02.11.2016 16:55 Uhr
    Wird halt
    immer bekloppter in diesem Land.

    Sie fordern zu wissen welches Mehl verwendet wurde oder ob Nüsse im Kuchen sind, ob fair gehandelter Zucker verwendet wurde, bezeichnen aber die die Überwachungskameras wollen oder Bedenken wegen steigender Kriminalität durch Zuwanderer äussern als Paniker.
    Was ja noch die harmloseste Bezeichnung ist.
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  •   pearly1465
    (127 Beiträge)

    02.11.2016 13:45 Uhr
    Hat wohl andere Gründe
    Man möchte annnehmen, dass die angegebenen Gründe nur vorgeschoben sind. In Rastatt sollte ja mit fadenscheinigen Begründungen der St.Martinszug abgeschafft werden. Erst massive Bürgerproteste haben das verhindert. So wird das wohl in Zukunft weiter gehen, bis von unserem Brauchtum nichts mehr übrig ist.
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  •   OtusScopus
    (1602 Beiträge)

    02.11.2016 20:25 Uhr
    Einen Umzug...
    der seit 1972 stattfindet, gehört wohl kaum zum Brauchtum sondern ist schlicht und einfach aus seiner Zeit gefallen. Ganz offensichtlich gibt es nicht mehr genug Aktive, denen dieser Umzug am Herzen liegt. Und letztendlich gibt es auch nicht mehr das Publikum für solche Veranstaltungen. Das mag man bedauern oder nicht, aber weder gehören solche Umzüge zu einer überlieferten Tradition noch gibt es finstere Pläne, Traditionen zu beseitigen. Dass sich unsere Welt wandelt und Karnevallsumzüge kommen und gehen liegt in der Natur der Dinge - dass manche mit dem Wandel nicht zurecht kommen und Verschwörungstheorien spinnen ist bedauerlich.
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  •   Motzer
    (244 Beiträge)

    03.11.2016 02:17 Uhr
    Als ehemaliger Aktiver
    sage ich Dir: es gäbe noch genug Aktive, wenn man die Vollidioten loswerden könnte! Man hat mich beim Karlsruher Umzug so beworfen, dass ich fast ein Auge verloren hätte. Weder Ordner noch Polizei wollten etwas unternehmen. Die Sanitäter haben mir nur das Auge gesäubert und die Richtung zum Krankenhaus gezeigt. Ich durfte dann quer durch Karlsruhe laufen. Es ist kein Einzelfall, dass man als Aktiver beworfen wird. Aber was ich am schlimmsten finde: Keiner spricht die Randalierer an- weder Zuschauer, Ordner noch Polizisten! jeder ist zufrieden solange er nicht das Opfer ist!
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